Archiv für Mai 2012

Der Weihbischof von Trollhausen

Ich habe da so einen Verdacht: Andreas Laun existiert eigentlich gar nicht. Es könnte sich ebenso gut um ein Sammelpseudonym der kath.net-Redaktion handeln, die in seinem Namen KLARTEXT um KLARTEXT erdichtet und dort all den Unfug zusammenfasst, der sich im Lauf einer Woche so angestaut hat, in die restlichen Artikel aber nicht mehr reinpasste. Ein Troll sozusagen, ein „fleischgewordener Dunning-Kruger-Effekt“ (Tibor).

„Andreas Laun“ jedenfalls hat wieder zugeschlagen. In einem mit „Ohne Wahrheit kein Gewissen“ betitelten Beitrag geht er mit so beinahe der gesamten Welt hart ins Gericht, schlägt einen Bogen von Pontius Pilatus zur Evolutionstheorie und zurück, vergleicht Auschwitz („böse“) indirekt mit dem Unterschlagen von Geld („auch“) und beschwert sich, dass Kindern keine Backpfeifen mehr beigefügt werden dürften. Das liest sich dann zum Beispiel so:

Und was ist, wenn einer den Wahrheitsanspruch auf die Moral bezieht, also behauptet, sagen zu können, was gut und was böse ist? In diesem Fall begegnet er einer verwirrenden Lage, in deren Mitte ein neues Lehramt für Moral­fragen thront. Dieses verkündet zuerst einmal einige Dogmen, die tatsächlich niemand anzweifelt: Auschwitz war böse, Kin­desmiss­brauch ist böse, Geld zu unterschlagen auch! Dann aber gibt es Sünden, die es früher nicht gab: eine Ohrfeige zu geben; so zu sprechen und zu schreiben wie früher alle Menschen, etwa Goethe, Joseph Roth, Karl Valentin, alle Deutschlehrer, ohne zu „gendern“; zu denken, dass es Homo­sexuellen erlaubt sein muss, eine Veränderung anzustreben, und dass dies möglich ist; zu glauben, Kinder seien glücklicher bei ihren Müttern als bei „diplomierten“ Personen. Alles Pfui und „Sünde“ heute! Und wehe, wem Zweifel kommen an der unfehlbaren Lehr- und Bestimmungs-Autorität des Staates in allen Lebensfragen, besonders was die sexuelle Frühaufklärung der Kinder betrifft!

„Die“ heute vorherrschende Moral bedürfe, behauptet Laun, keiner Rechtfertigung und Begründung mehr, schließlich beziehe sie sich nicht mehr ausschließlich auf die Bibel. Sämtliche Errungenschaften der Menschheitsgeschichte ignoriert Laun und beschwert sich derweil lieber über kritische Berichterstattungen: „Die Sünder abzustrafen, besorgen die Medien, die den Pranger von einst perfekt und willig ersetzen!“

Und überhaupt:

Auffallend ist: Die Funktion des neuen Gewissens ist es nicht mehr zu warnen, zu urteilen oder gar anzuklagen, sondern fast nur noch das zu erlauben, was in früheren Zeiten als Sünde galt! Konkret geht das so: Abtreibung? „Natürlich, jede Abtreibung ist eine zu viel, aber das muss die Frau in ihrem Gewissen selbst entscheiden!“ Oder: Zusammenleben ohne Trauschein? „Das geht niemanden etwas an, schon gar nicht die Kirche, das müssen die Leute selbst entscheiden!“ Oder: Was ist mit eingetragenen Partnerschaften von Homosexuellen? Antwort: „Ich vermisse Ihre Toleranz für Minderheiten, für Menschen, die gerade von Ihrer Kirche diskriminiert werden!“

Man kann sich beinahe bildlich vorstellen, wie Andreas Laun die Antworten in nachäffender Sprache intoniert. Dass Frauen mittlerweile selbst über ihre Körper entscheiden, Menschen auch unverheiratet zusammenleben und Homosexuelle nicht auf offener Straße zusammengeschlagen werden dürfen, sieht Laun eben nicht als Fortschritt an: Das „moralische Urteil über menschliches Tun und Unterlasssen“ verschiebe sich auf diese Weise „vom Verstand auf Herz und Gefühl“, weil, das liegt nahe, nur das Nachplappern aus einem jahrtausendealtem Buch etwas mit dem Verstand zu tun haben kann.

Besonders putzig ist dann aber doch der Abschnitt über die Evolution. Laun verschiebt in seinem Text den fundamentalistischen katholischen Glauben in eine rationale, eindeutige Position; die Evolutionstheorie wird im Gegenzug von der Wissenschaft ins Reich der Mythen und Fabeln gezerrt. So wird aus der wohl am besten belegten wissenschaftlichen Hypothese eine „gottfeindliche“ und „radikale“ „Ideologie“, die nichts mit Wissenschaft zu tun habe:

Natürlich, die reflexartige, höhnische Abwehr, wenn jemand von Wahrheit spricht, setzt heute nicht ein, wenn es um Umfrage-Ergebnisse oder Wetterprognosen geht. Eigenartigerweise wagt es auch kaum jemand, „Wissenschaft“ in Frage zu stellen, wenn sie nur die Maskerade einer gottfeindlichen Ideologie ist wie die radikale Evolutionslehre, die sich Wissenschaft nennt, obwohl sie die Hauptkriterien der Naturwissenschaft, Beobachtung und Wiederholbarkeit, nicht vorzuweisen hat.

Dass Launs Texte regelmäßig beste Ergebnisse in der Rubrik Fremdschämen liefern, ist durch Beobachtung und Wiederholbarkeit hingegen zweifelsfrei belegt.

Guten Morgen, Karsten Huhn!

Weltliche Medien gefallen der kath.net-Redaktion, wie man regelmäßig durchblicken lässt, eher so mittel. Der Hauptvorwurf: Sie würden nicht ausgewogen und neutral über katholische Belange berichten, den Papst stattdessen zu kritisch beäugen und im Umkehrschluss andere Gruppen bevorteilen. PI-Blogger nennen das in beneidenswert debiler Offenheit „linksversifft“, kath.net benutzt in der Regel den schönen Begriff „mediale Hetzjagd“.

Dabei geht es kath.net natürlich nicht ums Prinzip, nicht um ausgewogenen Journalismus für alle. Schließlich bedient man sich selbst nur allzu gerne manipulativer Berichterstattung, solange nicht die eigenen Leute und Institutionen betroffen sind. Anschaulich beobachten lässt sich das aktuell an einem Artikel vom idea-Journalisten Karsten Huhn.

Huhn berichtet von der Internationalen atheistischen Tagung 2012 in Köln, sein offenbar bestes Argument gegen die verachtenswerten Ungläubigen wird gleich zu Beginn des Artikels dreifach verschossen: „Guten Morgen, liebe Heiden!“ ist der Bericht überschrieben, „Guten Morgen, liebe Heiden“ ist der Beginn des zweiten Absatzes, „Good Morning“ ziert das begleitende Bild eines gähnenden Vogels (ein, haha, Huhn?). Die Fixierung auf die Begrüßung soll das Treffen wohl schon im Voraus lächerlich machen, was fraglos besser gelungen wäre, hätte Huhn auch die Zeit von mutmaßlich ca. 13:00 Uhr dazu genannt. Was den Artikel andererseits indes auch nicht gerettet hätte: Aus jeder Zeile perlt durch Ironie nur schlecht verdeckte Abscheu und der Wille, jede einzelne Minute der Veranstaltung in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.
Da wird zunächst aufgezählt, ein Drittel der Deutschen sei mittlerweile konfessionslos und der Veranstalter habe verlautbaren lassen, dass der Atheismus soviel Zuspruch wie selten zuvor erfahre. Das kann Huhn natürlich nicht so stehen lassen, stattdessen versteigt er sich in einen hanebüchenen Vergleich:

So attraktiv scheint die Ablehnung Gottes dann aber doch nicht zu sein. Während zu Kirchen- und Katholikentagen Zehntausende pilgern, sind zum „Atheistentag“ nach Köln nur 200 bekennende Gottlose gekommen.

Nun sind Atheisten in der Regel nicht organisiert und haben im Vergleich zu christlichen Veranstaltungen knapp zwei Jahrtausende aufzuholen; zudem dürfte die Teilnehmerzahl bei einer durchschnittlichen katholischen Tagung nicht signifikant höher sein. Doch darum kümmert sich Huhn nicht, er berichtet lieber von den T-Shirts der Teilnehmer und davon, dass eine eher unbekannte SPD-Politikerin die prominenteste Rednerin sei (was ebenfalls zweilfhaft scheint).

Der Aufruf, mit Gläubigen ins Gespräch zu kommen, wird auf diese Weise schon mal zum „atheistischen Missionsbefehl“ verklärt, die Kritik am Christentum zur manischen Beschäftigung umgedichtet. Dass ein ehemaliger evangelikaler Prediger, der mittlerweile als Atheist lebt, seinen früheren Glauben noch immer öffentlich thematisiert, wertet Huhn als Zeichen, dass dieser nicht „los vom Christentum“ komme, schließlich habe er schon „98 öffentliche Diskussionen“ geführt. Überhaupt handle es sich bei all der Kritik am christlichen Glauben letztlich nur um den Wunsch, „Gott eine reinzuhauen“: Atheisten, die sich ihrer Sache sicher seien, könnten doch „bei einer Schorle am Rhein sitzen“ statt „mit Inbrunst“ auf einen Gott „einzuschlagen“, den es ihrer Meinung nach nicht gebe. Diese Menschen, die ihre Zeit für Diskussionen nutzen, sind für Huhn „strenggläubige Atheisten“. Und überhaupt handle es sich bei all den Reden auch nicht um Kritik, sondern um Versuche, „alle Schwächen, Versagen und Kuriositäten sämtlicher Religionen durch die Jauche“ zu ziehen.

Und weil Huhn gerade in der Laune ist, sich sachlich mit seinen Gegnern auseinander zu setzen, überschreibt er den nächsten Absatz mit „Die atheistischen Massenmörder“, verkürzt die Vorträge bis zur Lächerlichkeit und behauptet implizit, Hitler, Stalin und Mao hätten aufgrund ihrer (vermeintlich) atheistischen Weltsichten viele Millionen Menschen getötet/töten lassen.
Michael Schmidt-Salomon stellt er als Person vor, dessen Reden „von der Lust an Pointen, Polemik und Beleidigung“ geprägt seien, weshalb der Atheismus auch keine Zukunft habe:

Anstatt ständig die Nachteile des Glaubens zu benennen, müsse man künftig die Vorzüge des selbstbestimmten Lebens aufzeigen. Schmidt-Salomon hält diesen Vortrag schon seit Jahren. Warum benennt er nicht einfach selbst die Vorzüge des Atheismus? Ob das von ihm angekündigte Projekt „Evokids“ – das Evolutionstheorie an Grundschulen vermitteln soll – ausreicht, um Menschen für den Atheismus zu begeistern, darf jedenfalls bezweifelt werden.

Dass die im Rahmen der Tagung vorgenommene Preisverleihung des IBKA-Preises dann auch noch tatsächlich für die Nachwelt festgehalten wird, kommt Huhn ungeheuerlich vor:

Vier Kameras filmen das Ereignis, als handle es sich um den Eurovision Song Contest.

Er schließt:

Dass es sich um einen renommierten Preis handeln muss, ist daran zu erkennen, dass ihn zuletzt der Sexfilmer Oswalt Kolle erhalten hat.

Und dass es sich bei Karsten Huhn um einen renommierten Journalisten handeln muss, ist daran zu erkennen, dass er 2002 einen „Debattenbeitrag“ für die rechte Zeitschrift Junge Freiheit verfasste.

Das wird man sich doch wohl noch fragen dürfen!

Wann ist ein Mann ein Mann? Wann ist, um die Google-Automatiksuche zu bemühen, ein Drogenabhängiger zum Führen von Kraftfahrzeugen wieder geeignet? Und vor allem, wann ist ein Christ ein Christ? kath.net-Leser „Inder“ hat da recht eigenartige Kritierien anzubieten:

Da sieht man mal wieder, wie wenig die Protestanten doch von der Bibel wissen. Homosexualität ist gut, beim letzten Abendmahl hat Jesus auch Frauen als Priester eingesetzt etc. Manchmal muss man sich fragen ob die überhaupt noch Christen sind

Prioritäten setzen

Das Profil von kath.net wird vor allem durch die – laut Eigenwerbung – „professionalle Verbreitung von Nachrichten aus der katholischen Welt“ geprägt. „All the news, all the time“, immerhin das „interne Motto der kath.net-Redaktion“, ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn neben all den erbaulichen Kaffeekränzchen zwischen Armin Schwibach und vatikanischen Würdenträgern, News aus der christlichen Popwelt und Topgeschichte mit Michael Hesemann gibt es eben auch die diversen Artikel, die sich gegen die Gegner des eigenen rechtskatholischen Weltbildes richten. Dass dabei mitunter an die niedersten Instinkte der Leser appelliert wird und Andersgläubige zum Abschuss frei gegeben werden, ist dabei, zumindest angesichts der vielen passenden Bibelstellen, fast (!) nachvollziehbar. Dass Homosexualität, zu der nur eine gute Handvoll Erwähnungen im Alten Testament existieren, kath.net immer wieder zu neuen Peinlichkeiten inspiriert, ist hingegen nicht ganz so leicht zu erklären.

Wie unfreundlich, unlogisch und, ja: dumm die jeweiligen Ausfälle sind, muss an dieser Stelle wohl nicht erneut thematisiert werden; ebensowenig der Umstand, dass die Fixierung auf Homosexualität auf gewisse ungeklärte eigene Neigungen schließen lassen könnte. Stattdessen geht es hier im Folgenden um Zahlen, die bekanntlich nicht lügen: Wie viele Artikel mit dem Wort „Homosexualität“ bzw. „homosexuell“ gab es auf kath.net in den vergangenen Wochen; wie oft wurden Artikel mit Wörtern, die die landläufige Definition von „katholischen Nachrichten“ eher entsprechen, verfasst. Der Zeitraum ist dabei zugegebenermaßen ziemlich willkürlich gewählt, ich hatte diesen Post eigentlich schon vor einigen Tagen geplant, was aus bekannten Gründen aber nicht möglich war. Die erste Zahl gilt für den Vergleichszeitraum, die zweite für die absolute Zahl an Artikeln mit dem jeweiligen Wort in der gesamten kath.net-Geschichte.

Zeitraum: 18. Mai – 24. Mai 2012

Artikel, die „homosexuell“ oder „Homosexualität“ enthalten: 8 | 1948
Artikel, die „Papst Benedikt“ enthalten: 16 | 6989
Artikel, die „Jesus“ enthalten: 23 | 6547
Artikel, die „Ökumene“ enthalten: 5 | 872
Artikel, die „Eucharistie“ enthalten: 9 | 2422
Artikel, die „Nächstenliebe“ enthalten: 3 | 847
Artikel, die „Islam“ enthalten: 6 | 2522
Artikel, die „Atheist“ oder „Atheismus“ enthalten: 3 | 987

8 Artikel zur Homosexualität in 6 Tagen mögen erst recht im Kontrast zu (ausgerechnet) 16 Beiträgen, die „Papst Benedikt“ enthalten, nicht besonders viel erscheinen. Bedenkt man allerdings, dass Homosexualität bei Erwähnung in der Regel auch zum Hauptthema eines Artikels gemacht wird und „Papst Benedikt“ allein aus Pflichtschuldigkeit schon einmal unmotiviert und ohne besonderen Zusammenhang eingefügt wird, relativieren sich die Zahlen. Beispielhaft seien hierbei die Überschriften „Homosexualität, Ehebruch, Gender Mainstreaming – alles Privatsache?“ und „Wirbel um Flugblatt über die Heilungsmöglichkeit von Homosexualität“ mit „Kardinal Koch und Kardinal Brandmüller im Widerspruch?“ und „US-Rabbi: Dem Papsturteil über die Piusbruderschaft vertrauen“, deren Texte jeweils „Papst Benedikt“ am Rande erwähnen, zu nennen.

Bezeichnend ist auch, dass auf dieser Seite mit „katholischen Nachrichten“ Artikel, in denen Jesus auch nur erwähnt wird, bloß dreimal so häufig sind wie solche über Homosexualität. Dass allein die Erwähnung von „Nächstenliebe“ nicht einmal halb so oft vorkommt wie die von „Homosexualität“, spricht ebenfalls für sich.

Wer noch mehr Worte prüfen möchte, kann das über die Volltext-Suche auf kath.net tun. Ab der zweiten Seite wird allerdings (zumindest bei mir) auf normale Suche umgeschaltet, was man aber mit dem Zusatz „&&page=2″ usw. in der Adresszeile umgehen kann.

Hello again

Einige werden es mitbekommen haben: Ich musste für einige Tage eine kleine Zwangspause einlegen, weil es eine DDoS-Attacke gegen Blogsport gab, sodass die einzelnen Blogs – und damit auch dieser – nicht erreichbar waren. Gerüchteweise könnte das mit dem Coburger Convent zusammenhängen, weil diverse (linke) Informationsseiten dazu über Blogsport liefen. Wie auch immer, jetzt scheint es wieder zu laufen und es bleibt uns nur zu hoffen, dass uns nicht so bald erneut der Strom abgestellt wird.

Hinweis: Weil immer wieder Menschen über die Google-Suche nach „kreuts.net offline“ o. Ä. hierher finden: kreuts.net ist nicht offline, sondern nur sehr langsam. Nach etwa 5 Minuten baut sich die Seite auf.