The KKK took his schlimme Abirrung away

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie viel Zeit, Gedanken und vor allem Interesse fundamentalistische Christen dem Untenrum anderer Menschen widmen. Kriege, Hunger, Armut, Rassismus? Im Zweifelsfall sind es dann doch eher die kleineren Probleme, die kath.net-Leser auf die Palme bringen. Zum Beispiel die Wahl eines Homosexuellen in den Pfarrgemeinderat der niederösterreichischen Gemeinde Stützenhofen. Der 26-jährige Florian Stangl war mit 90% der Stimmen gewählt worden.

Seit dem 21. März sind auf kath.net ganze sieben Artikel zu diesem Thema erschienen: Am ersten Tag berichtete man von einem „Konflikt“, schließlich habe ein Pfarrgemeinderatsmitglied die Glaubenslehre der Kirche anzuerkennen, was Homosexuellen angeblich unmöglich sei. Einen Tag später dann die Entwarnung: Die Erzdiöse Wien prüfe den Vorfall und weise darauf hin, dass Homophobie von der Kirche abgesegnet sei. Am 23. März wird darüber berichtet, dass der Wiener Kardinal Schönborn das neugewählte Pfarrgemeinderatsmitglied zu einem persönlichen Gespräch treffen werde; als sich am Tag des Gesprächs eine Lösung andeutet, die „die Würde aller Beteiligten“ wahre, mokiert sich kath.net provisorisch über ein „(Mediales) Kasperltheater um schwulen Pfarrgemeinderat“ und darüber, dass „ua. [der] ORF“ über das Thema berichtete.
Es folgten einige Tage des Schweigens, bis am 29. März das Unfassliche ausgesprochen wurde: „Erlaubt Kardinal Schönborn homosexuellen Pfarrgemeinderat?“ fragt kath.net schockiert und zitiert vorsichtshalber aus dem Katechismus der Katholischen Kirche zum Thema Homosexualität. Dummerweise steht dort aber, „auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen“, was man durchaus als grünes Licht für Stangls Karriere im Pfarrgemeinderat werten könnte. kath.net-Leser indes dürften sich besonders an den Zeilen ergötzen, Homosexuelle seien „zur Keuschheit gerufen“ und sollten „durch die Tugenden der Selbstbeherrschung“ ihre bösen Triebe unterdrücken.
Schließlich bestätigte sich am gestrigen 30. März die böse Vorahnung: Fassungslos muss kath.net feststellen, dass Schönborn von Stangls „gläubigen Haltung, seiner Bescheidenheit und seiner gelebten Dienstbereitschaft“ sehr beeindruckt gewesen sei und das Ergebnis der Wahl daher nicht anfechten werde. Gleichzeitig kündigt er aber auch an, die Pfarrgemeinderatsverordnung dahingehend zu ändern, dass „präzisere“ Regeln zur Kandidatur getroffen werden müssten.
Vorsichtshalber fügt kath.net dem Artikel erneut die Auszüge aus dem Katechismus hinzu.
Heute schließlich wird dem regelmäßig auf kath.net veröffentlichenden Pfarrer Christian Sieberer das Wort erteilt, der den damals noch als Kardinal wirkenden Joseph Ratzinger zitiert, wie dieser über die alten unverheirateten Männern bestens bekannte Institution Ehe sinniert und Homosexuelle von ebendieser ausschließt. Deshalb fordert Sieberer Stangl auf:

Zur friedlichen Beilegung dieses Konflikts vor dem Osterfest bitte ich daher Florian Stangl, seine Pflichten als Kandidat für die Pfarrgemeinderatswahl im Nachhinein zu erfüllen und ein klares Bekenntnis zur oben zitierten Glaubenslehre und Ordnung der Kirche abzulegen.

Sollte dies nicht möglich sein, ist eine Anfechtung der Wahl in Rom unvermeidlich.

Es ist, wie erwähnt, bemerkenswert sowie lustig und traurig zugleich, mit wieviel Wonne Katholiken auf Grundlage einiger dämlicher Bibelstellen immer wieder gegen Homosexuelle hetzen, ihnen Gleichberechtigung verwehren wollen und sie zugleich zur Lüge zwingen: Hätte Florian Stangl seine Homosexualität heimlich gelebt, hätten die rechten Christen nicht gemeckert. Andererseits ist ein Pfarrgemeinderat aber auch eine unfassbar mächtige Institution, die zwar keine unverrückbaren Dogmen und Glaubensregeln aufstellt, aber z. B. immerhin regionale Feste organisiert oder sich in der Jugendarbeit engagiert. Wer kann da schon aufgeschlossene Menschen gebrauchen?

Wie intensiv sich rechte Katholiken mit homosexuellen Pfarrgemeinderäten im Allgemeinen und Florian Stangl im Speziellen auseinandersetzen, zeigt sich in den jeweiligen Kommentarspalten der letzten anderthalb Wochen. Allein der gestrige Artikel zum Schönbornschen Ok brachte es nach 24 Stunden auf 186 Lesermeinungen, der heutige immerhin schon auf 48. Neben einigen User_innen, die die Entscheidung des Kardinals verteidigen und kein Problem erkennen, tobt der Mob aufrechter Christen. Stellvertretend nur einige wenige Stimmen, z. B. von „Leo Christi“:

Duldung von Sünde
Was für homosexuell praktizierende Menschen gilt, gilt auch für solche, die die außereheliche Unzucht leben, oder in einer anderen schweren Sünde leben: Um des Heils dieser Menschen willen kann die Kirche nicht so tun, als würde sie die Sünde irgendwie dulden. Das schwächt gleichzeitig die Moral der Mitchristen, die auf den Gedanken kommen könnten, es sei alles gar nicht so schlimm. Ist es aber: denn Unzüchtige können nach Paulus nicht in das Himmelreich gelangen.

Oder von „a.t.m“:

Ist in meinen Augen nichts anderes als Aufruf zur Unterstützung der Sünde.
Eure Eminenz und Bischofsrat schon einmal von diesen Sünden gehört und gelesen:

Die neun Fremden Sünden:
1.Zur Sünde raten
2.andere sündigen heißen
3.in die Sünde anderer einwilligen
4.andere zur Sünde reizen
5.die Sünde anderer loben
6.zur Sünde stillschweigen
7.die Sünde nicht strafen
8.zur Sünde helfen
9.die Sünde anderer verteidigen.

Gott zum Gruße

„Siebtel“ kündigt an:

Ich trete aus der Kirchenvermögensholding aus!

„romanpoc“ fragt:

Eine Propaganda der Todsünde am Vortag der Karwoche
Warum tun Sie es dem Herrn Jesus, Ihrer und meiner Kirche an, Herr Kardinal?

„Marie Madeleine“ kriegt sich kaum mehr ein:

FEIGLING!
Jetzt lassen die Wölfe den Schafspelz fallen…

Interessante Parallele zu Martinis Aussage….

„Es ist unvermeidlich, dass Verführungen kommen, aber weh dem, der sie verschuldet (LK 17,2)

Für mich ist Schönborn kein DOMINIKANER mehr, der sich eigentlich um das Heil der Seelen kümmern sollte, anstatt um das Heil seines öffentlichen Ansehens.
Feigling!!! Woanders werden Bischöfe gefoltert, hier würde er nur sein Ansehen in den liberalen Medien verlieren, wenn er Christus wahrhaft nachfolgen wollte. Feigling!!!.

Und Roland Noé alias „Gandalf“ ringt mit einer Userin:

Du behauptest: „Die Tatsache, dass der Gemeinderat homosexuell ist interessiert in dessen Tätigkeit nämlich ohnehin nicht.“ Das stimmt allerdings nicht ganz. Wenn jmd. in der Kirche sich engagiert, sollte er auch mit der kirchlichen Lehre übereinstimmen und bei jmd., der eine homosexuelle Partnerschaft, eine schlimme Abirrung (KKK) offensichtlich auslebt, dürfte dies allerdings nicht der Fall sein.

The KKK took my Baby away, hihi.


9 Antworten auf „The KKK took his schlimme Abirrung away“


  1. 1 Markus 01. April 2012 um 11:07 Uhr

    Beim Thema „Homosexueller Pfarrgemeinderat“ verstehe ich nicht, dass dies Kath.net so besonders aufregt.
    Entsprechend der seit langem geänderten Situation leben heute viele Heterosexuelle in Partnerschaften ohne verheiratet zu sein. Da werden doch sicher etliche auch Pfarrgemeinderäte sein. Sicher weit mehr an der Zahl als beim ggst. homosexuellen Fall.
    Die unverheirateten Partnerschaften leben genauso entgegen der Glaubenslehre der Kirche. Das kümmert offensichtlich nicht. Homosexuelle bringen die Kath.net-Leserbriefschreiber jedoch auf die Palme.

  2. 2 Nike 01. April 2012 um 19:40 Uhr

    Die ungeschönte Homophobie und agressiv-arrogante Feindseligkeit der meisten Kommentatoren zur causa PGR Stangl wird als besonders moralisch „romtreu“deklariert und auch der dümmste oder noch so gehässig-boshafte Kommentar wird mit dem grünen Balken honoriert. Damit soll etwas kritischen-abweichenden Kommentatoren ihr Platz zugewiesen werden wo sie hingehören: zu den treulosen Außenseitern, lächerlichen Heuchlern, Internet-Trollen, mit denen sich ein Romtreuer tunlichst nicht abzugeben hat.Fairer Umgang, faire Dialoge: für diese rigorosen Frommen offensichtlich so überflüssig wie ein Kropf wenn man als anonymer Laptop-Kreuzritter in die Schlacht für Papst, Rom und Gott ziehen kann (…)Mir tut da Benedikt XVI manchmal leid, ein Mann des kultivierten Dialogs….-

  3. 3 Stephan 01. April 2012 um 20:39 Uhr

    @ Markus: Sie haben Recht. Irgendwo in den vielen Postings gab es mal jemanden, der zu Recht darauf hinwies, dass es ja auch oft wiederverheiratete Geschiedene im PGR gibt und wo denn da der Unterschied zu homosexuellen PGR läge. Finde das jetzt grad nicht… Der wurde gleich hinreichend stark ignoriert. Das ist das was mich da ankotzt, genau wie beim Thema schwuler Schützenkönig (sie haben es bestimmt gelesen). Hauptsache der Schein wurde gewahrt…. jeder kennt die Wirklichkeit, die nicht sein darf und deswegen baut man die katholische Scheinwelt auf… bääähh.

  4. 4 Administrator 02. April 2012 um 9:33 Uhr

    @Nike: Andererseits tut gerade Benedikt ja auch nichts, um solche veralteten Regeln abzuschaffen, auf die sich kath.net und die Leser berufen können.

  5. 5 Anonymous 02. April 2012 um 10:20 Uhr

    @ Markus: Und David Berger fanden die bei kath.net auch lange Zeit ganz klasse – so lange er seinen Lover als Cousin tarnte…

  6. 6 Nike 02. April 2012 um 17:20 Uhr

    @Administrator: die rechtlichen Grundlagen dafür scheinen in dem betreffenden Fall eher interpretierbar zu sein und so macht es Sinn, polemisch -rigorose Taktiken einzusetzen. Je mehr aufgeregter Medienrummel umso besser.Ich denke,Homosexuelle haben sich nach der Denke, die hier weitgehendst zum Ausdruck kommt als schwer Verfehlte einzustufen. Basta. Und sehr vielen wäre es lieb wenn der Wiener „liberale“ Kardinal in die Wüste geschickt würde.Aussichtslos, sich da differenzierter einbringen zu können.

  7. 7 Nike 02. April 2012 um 17:55 Uhr

    @Administrator: die lehramtliche Position zum homosexuellen Menschen erscheint mir tatsächlich als paradox. Einmal wird ihm alle menschliche Würde zugesprochen und jegliche Form der Diskriminierung scharf zurückgewiesen und verurteilt.Gleichermaßen wird seine Sexualität als nicht gleichwertig eingestuft und zugleich als Praxis schwer sündhaft nominiert aufgrund des göttlichen Naturrechts. Ebenso wird erklärt, dass es bei dieser Veranlagung nicht um eine selbstgewählte handelt. Die nicht näher methodisch- strukturierte „pastorale Hilfe“ wird den Christen zugeortet. Sie seien aufgerufen, sie anzubieten. Offensichtlich soll eine inhaltliche Auseinandersetzung alles in allem tabusiert werden. Das ist mein Eindruck.

  8. 8 Administrator 03. April 2012 um 16:37 Uhr

    Ja, nur leider hat sich bis dato offenbar ja auch bis zum Papst die Lesart durchgesetzt, Homosexuelle seien zwar keine Menschen 2. Klasse, aber schon „anders“, was diverse Rechte einschränkt.
    Andererseits glaube ich, vielen kath.net-Lesern schieben den Glauben auch nur vor, um ihren Hass auf andere Menschen irgendwie zu begründen. Wie unsinnig eine „rationale“ Begründung für Homophobie aussieht, lässt sich übrigens an Gabriele Kubys 8 guten Gründen gegen Homosexualität ablesen: http://episodenfisch.blogsport.de/kath-net-wiki/gabriele-kuby/

  9. 9 Markus 05. April 2012 um 10:42 Uhr

    @Stefan und Co.

    heute versucht im Kath.net Forum ein Chorbisch Antwort darauf zu geben „es gibt in katholischen Pfarrgemeinderatsgremien jede Menge Mitglieder, die ‚geschieden wiederverheiratet‘ sind, mit voller Kenntnis der kirchlichen Hierarchie“:

    >>Vermutlich, weil Homosexualität in der Vorstellung vieler als eine noch schlimmere Sünde gilt. Der „Ehebruch“ der „Geschieden wiederverheirateten“ ist natürlich auch eine Verstoß gegen die Gebote Gottes, aber der Homosexuelle verstößt in dieser Sichtweise auch gegen ein elementares Gebot der Natur ……

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