Expertenmeinungen zur Evolution

Die Evolutionslehre ist ein Thema, bei dem Christen in der Regel nur verlieren können: Sehen sie die Evolution als Fakt an, werden sie von ihren vermeintlich rechtgläubigen Glaubensbrüdern und -schwestern darauf hingewiesen, dass sie sich irrten und vermutlich gar keine Christen seien. Leugnen sie die Evolution, machen sie sich oft und gerne sehr, sehr lächerlich.

Zu den deutschen Vorreitern des Kreationismus zählt Werner Gitt. In unzähligen Publikationen versuchte dieser bereits, die wissenschaftliche Erklärung der Entstehung der Arten zu widerlegen: Zwar ohne Erfolg, dafür sind seine Thesen immerhin äußerst amüsant. Gitt wurde nun 75, und zur Feier des Tages berichtete kath.net über ihn:

Naturwissenschaftler: Die ganze Bibel ist wahr

Informatikprofessor Werner Gitt wird 75 Jahre alt. Er vertritt die Auffassung, dass die Bibel in historischer und naturwissenschaftlicher Hinsicht irrtumslos ist.

Der evangelikale Naturwissenschaftler Prof. Werner Gitt (Braunschweig) wird am 22. Februar 75 Jahre alt. Der gebürtige Ostpreuße leitete bis zum Eintritt in den Ruhestand 2002 als Direktor und Professor den Fachbereich Informationstechnologie bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Er vertritt die Auffassung, dass die Bibel in historischer und naturwissenschaftlicher Hinsicht irrtumslos ist. Nach seinen Angaben sind bereits 3.268 Prophetien der Heiligen Schrift erfüllt. […]

Gitt ist auch ein Verfechter der Schöpfungslehre. Er lehnt die Evolutionstheorie ab, wonach die Welt durch Zufall entstanden sei und sich das Leben im Laufe von Jahrmillionen weiterentwickelt habe. Diese Theorie stehe nicht nur im Widerspruch zur Bibel, sondern sie sei auch wissenschaftlich fragwürdig.

Der von idea verfasste Artikel will Gitt auf subtile Weise zum seriösen Kritiker der Evolutionstheorie erklären: Zwar wird er einmal korrekt als „Informatiker“ bezeichnet, zweimal hingegen als „Naturwissenschaftler“. Nun ist es müßig zu diskutieren, ob Informatik gerade noch zu den Naturwissenschaften zählt. Das Wort jedenfalls ist in diesem Kontext deplatziert, impliziert es doch, dass Werner Gitt ein Experte auf dem Gebiet der Evolution sein müsse, schließlich ist er ja Professor einer Naturwissenschaft. Tatsächlich sprechen Gitts Einlassungen zur Evolution gegen diese Annahme: Er überträgt Begriffe aus der Informatik auf die Biologie, jongliert mit „Information“ in Zellen, die gottgegeben sein müsse, weil ihm keine andere Möglichkeit einfällt.

Viele kath.net-Kommentatoren sind trotzdem hellauf begeistert von Gitts Ansichten im Speziellen und der Evolutionskritik im Allgemeinen. „Fink“ etwa weist einen anderen Leser zurecht, der bemängelt, die Evolution treffe keine Aussagen über die Entstehung der Welt:

@ Schiller54 – Lenken sie nicht ab !
Schon richtig, bis dahin. Die Evolutionstheorie macht Aussagen zur Entstehung und „Entwicklung “ des Lebens, zur Entstehung der Tierwelt, zur Entstehung des Menschen. Die ET behauptet, alles sei aus reinem Zufall, ohne Absicht, ohne Schöpfer geschehen. D a liegt doch das Problem. Also, nicht ablenken!

Symptomatisch für die meisten Kreationisten: Die Unkenntnis darüber, was man eigentlich kritisieren möchte. Denn natürlich hat die Evolutionstheorie absolut nichts mit der Entstehung der Welt zu tun. Auch „Servulus“ ist sich darüber im Unklaren und verlinkt stattdessen auf eine Seite, die auf kath.net einst Werbung schaltete:

Die Evoutionslehre hat keine wissenschaftliche Grundlage
Die Evolutionstheorie hat aufgrund der fehlenden Bestätigung durch Beobachtungsdaten nichts mit Wissenschaft zu tun. Ferner ist sie durch folgenden Widerspruch zwischen Modell und Fakten widerlegt: Nirgends in der jetzigen Natur und in den Fossilien kann man auch nur ein einziges halbfertiges Organ sehen, das erkennbar irgendwohin evolviert, das heißt komplexer wird: Entweder ein Organ ist vollständig ausgebildet oder gar nicht vorhanden. Man beobachtet also den „Fittesten“ und gleichzeitig den „Unfittesten“ einer vermeintlichen Entwicklungskette. Die Zwischenwesen, die in sehr großer Arten-Anzahl hätten existieren müssen, wären aber alle überlebenstauglicher gewesen als letzterer. Deshalb müssten wir neben diesem auch solche Halbfertigen noch heute beobachten, was nicht der Fall ist.

www.originality-of-species.net

Anschließend zitiert „Servulus“ allerlei Kirchenmänner der letzten zwei Jahrtausende und sieht großzügig darüber hinweg, dass die es in Ermangelung vernünftiger Wissenschaft einfach nicht besser wissen konnten.
„templer“ beweist sein breites biologisches Wissen:

Ich habe mich auch mal mit den Kritikpunkten an der Evolutionstheorie beschäftigt.

Das Auge hat sich ja von einem Zustand (bei Tintenfischen z. B.) zu einem neueren Zustand entwickelt.. Das Problem ist, die uns bekannten „Augen-Entwicklungs-Zwischenschritte“ sind aber bei Spezies zu sehen, die überhaupt nicht mit dem Menschen verwandt sind.

Abschließend fragt immerhin „A. Hopfenschauer“ noch:

Werner Gitt: „Die Bibel irrt sich nicht“…
… aber vielleicht irrt Werner Gitt sich?


5 Antworten auf „Expertenmeinungen zur Evolution“


  1. 1 Johann Burtscher 21. Juni 2012 um 9:23 Uhr

    Prof. Dr. Werner Gitt hat absolut RECHT!
    Evolutionstheorie ist eben THEORIE und kein Faktum! Information ensteht nie aus Materie und setzt Intelligenz voraus. Aber Evolutionisten werden selbst Jesus Christus leugnen, wenn sie ihm gegenüber stehen – für solche ignoranten („Wir sind Gott“) Menschen kann das Erlösungswerk Jesu nicht fruchtbar werden… leider.

  2. 2 Administrator 21. Juni 2012 um 9:36 Uhr

    Ja, da haben Sie völlig recht. Die Gravitationstheorie ist bekanntlich auch nur eine THEORIE und kein Faktum. Leider erkennen die wenigsten, dass Schwerkraft überhaupt nicht existiert – für solche ignoranten („Wir sind Luft“) Menschen kann das Erlösungswerk der Erdanziehung nicht fruchtbar werden… leider.

  3. 3 Moritz 21. Juni 2012 um 9:37 Uhr

    Von was hat Jesus mich noch mal erlöst? Ich vergaß.

  4. 4 diskordianerpapst 21. Juni 2012 um 13:29 Uhr

    Ich beginne zu ahnen von was Jesus manche Leute erlöst hat.
    Leider ist das eher ein Indiz gegen die Existenz eines Schöpfers:
    Warum sollte der ausgerechnet denen die an seinen Sohn glauben, mittels diesem, von der Fähigkeit „erlöst“ haben, die Bedeutung des Wortes „Theorie“ in der Wissenschaft zu erfassen. ;-)

  5. 5 Furanku 24. September 2016 um 18:52 Uhr

    Gitt ist AFAIK aber gar kein Informatiker. Er ist, so weit ich weiß, Elektrotechniker hat darin einen Dr.-Ing. gemacht und wurde dann Leiter des Rechenzentrums der PTB, was eine Titularprofessur („Direktor und Professor“) beinhaltet. Er ist also weder Informatiker, noch hat er an einer Universität gelehrt bzw. geforscht. Die Abteilung Q „Wissenschaftlich-technische Querschnittsaufgaben“ der PTB, für die Gitt gearbeitet hat erbringt laut eigener Aussage auch nur „technische und infrastrukturelle Dienstleistungen“. Von einem „Informatikprofessor“ war Gitt also weit entfernt, er war eher so etwas wie der „Ober-Sysadmin“ der PTB.

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