Eine unerwartete Wendung

kath.net versteht keinen Spaß bei Holocaustvergleichen und Geschichtsrevisionismus!

Das war Ihnen neu? Tjaha:

[…]
Die Antworten von P. Lugmayr dürften offensichtlich innerhalb der Piusbruderschaft binnen weniger Stunden für gewaltige Aufregung gesorgt haben. Kurz nach deren Veröffentlichung nämlich erreichte KATH.NET ein Kommentarangebot aus dem Umfeld der Bruderschaft St. Pius X. von einem gewissen Anton Löhmer. Dieser stellte sich als Jurastudent und Vorsitzender des „Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Freiburg e.V.“ vor. Außerdem ist er laut eigenen Angaben Mitglied der Katholischen Jugendbewegung (KJB), der Jugendvereinigung der FSSPX.

Die KATH.NET-Redaktion hat das Angebot dankend abgelehnt, dies aus dem einfachen Grund, weil der Beitrag nicht als besonders theologisch versiert erschien und außerdem sehr schnell merkwürdige Aussagen des Autors im Internet zu finden sind.

So schreibt dieser in einem Internetbeitrag in dem Blog „Der Gerade Weg“ (https://dergeradeweg.wordpress.com/2010/07/12/das-apostolat-des-scheiterns/) folgendes:„Gestrenge Tugendwächter wachen an den Gräbern der NS-Opfer und verteidigen mit heiligem Zorn die Singularität des Holocaust gegen jeden revisionistischen Zweifler wie das Allerheiligste eines postmodernen Tempels, doch zugleich gehen die Abtreibungszahlen in die Millionen und kehrt das „lebensunwerte Leben“ unter dem Mantel des selbstbestimmten und humanen Todes klammheimlich zurück“.

Hat kath.net also doch etwas aus der Geschichte um den rechtsradikalen Gastkommentator Marcus B. gelernt und googelt mittlerweile neue Autoren? Das ist einerseits zwar löblich, andererseits aber auch ziemlich fragwürdig: In unzähligen Leserkommentaren, die zuvor von der kath.net-Redaktion geprüft wurden, wurde der Holocaust relativiert und gegen Migranten gehetzt.
Da durfte auch die kath.net-Moderatorin „Philothea“ im Forum schon mal den hier von Noé gescholtenen Bischof Williamson in Schutz nehmen – als Brite könne er schließlich gar nichts über Auschwitz wissen.

Hätte kath.net indes tatsächlich den Anspruch, fragwürdigen Personen mit noch fragwürdigeren Ansichten keinen Platz zur Verfügung zu stellen, hätte man gleich das Interview mit Franz Schmidtberger abblasen müssen. Der vertritt als Mitglied der Piusbruderschaft nicht nur die bekannten reaktionären katholischen Werte, sondern hat auch so seine eigenen, der Demokratie und einer freiheitlichen Gesellschaft weniger zuträglichen Gedanken:

Besonders problematisch ist die abstruse These von Schmidberger, dass es „legitime Regierungen“ gibt, „die nicht aus Wahlen hervorgegangen sind“. Demnach könnte eine Alleinherrschaft eine legitime Regierung sein, da es nicht auf die Zustimmung der Bevölkerung, sondern auf eine Anerkennung durch Gott selber ankomme. In der Erbmonarchie sieht er eine solche Voraussetzung als erfüllt.
[…]
Zugleich fordert Schmidberger ein Wahlrecht, das von dem Grundsatz, dass jeder Wahlberechtigte ein und dieselbe Stimme („one man, one vote“) hat, abweicht. Er fragt: „Würde nicht ein wesentlich auf die Familienoberhäupter abgestütztes Wahlrecht der Familie als Zelle der Gesellschaft eine ganz andere Stellung verleihen?“ Frauen kommen bei seinen Überlegungen beim Wahlrecht überhaupt nicht vor.

Auch bezweifelt Schmidberger, „ob die Parteien wirklich zum Wohle eines Volkes seien oder nicht vielmehr zu dessen Spaltung beitragen“. Sicher kann es legitim sein, sich über den Zustand der politischen Parteien zu beklagen. Schmidberger stellt aber die Existenzberechtigung der Parteien als solche infrage. Nach seiner elitären Position sollten nämlich an deren Stelle „jene christlichen Männer“ treten, „die sich durch sittliche Reife und Lebenserfahrung, durch Gerechtigkeitssinn und Sorge um das Gemeinwohl auszeichneten“.
[…]
Darüber hinaus fordert Schmidberger die Todesstrafe. Es müsse klar werden, dass die Strafe zunächst „einen vindikativen (rächenden) Charakter“ habe, um die „zerstörte Ordnung“ wiederherzustellen. „Die Todesstrafe für Schwerverbrecher (Mord, Drogenhandel) trägt diesen rächenden Charakter in sich und führt viele Schuldige nach dem Zeugnis von Gefängnisseelsorgern zur Bekehrung.“

Gesellschaftspolitisch führen Schmidbergers Grundsätze zurück ins Mittelalter: Er sagt „dem Konkubinat wie auch den vorehelichen und außerehelichen Beziehungen den Kampf an“. Er will, dass in einer christlichen Gesellschaftsordnung der Vertrieb von empfängnisverhütenden Mitteln verboten wird. Ferner heißt es: „Ebenso verbannt sie Gotteslästerung, Homosexualität und Pornografie aus dem öffentlichen Leben; sie bestraft die Abtreibung und verwirft die Euthanasie wie die Drogen. Auch schließt sie Freimaurerlogen und verbietet Geheimgesellschaften.“

Die Ablehnung des Gastkommentars kann man als Geplänkel abtun: Große ideologische Unterschiede zwischen kath.net und Anton Löhmer existieren nicht – bis auf einen, den Roland Noé alias „Gandalf“ in der Kommentarspalte erwähnt. Auf entgeisterte Kommentare von „bgo“ rechtfertigt er sich:

„bgo“:
Habe ich etwas falsch verstanden ? Ausnahmesweise ..
… bin ich mal anderer Meinung als kath.net

Die Abtreibungen sind durchaus vergleichbar mit dem Holocaust.

1)
Allein in Deutschland werden in 10 Jahren 2.5 Millionen Menschen getötet.
2)
Im Dritten Reich wussten so viele Deutsche angeblich nichts von der Ermordung der Juden, heute wissen so viele Deutsche angeblich nicht, dass es Menschen sind, die im Schoß der Mutter getötet werden.

Was ist falsch an dem Internetbeitrag ?

„Gandalf“:
@bgo: es geht hier eher nicht um den Vergleich sondern um diese Passage: „und verteidigen mit heiligem Zorn die Singularität des Holocaust gegen jeden revisionistischen Zweifler“

Dies bezieht sich 100 % auf Williamson und seine Holocaustaussagen!

Es ist, wie bereits gesagt, löblich, dass kath.net auf den offensichtlich revisionistischen Gastkommentar verzichtete. Dass man die Geschichte allerdings derart hochstilisiert und sich, nach all den Vorkommnissen, als engagierter Gegenspieler reaktionärer Judenhasser aufspielt, ist lächerlich. Und es lässt Zweifel aufkommen, ob die demonstrierte Empörung echt ist – oder nur den etwas angekratzten Ruf wiederherstellen soll.


1 Antwort auf „Eine unerwartete Wendung“


  1. 1 Xavi 17. Februar 2012 um 17:51 Uhr

    Die Empörung ist nicht echt. Mit Gewissheit kann man davon ausgehen, dass Herr Noé ein Doppelspiel betreibt und als „engagierter Gegenspieler reaktionärer Judenhasser“ sich hier gibt.

    Im seinem Forum ließ er sie ungehindert gewähren:

    - Die Moderatorin Philothea, die den Holocaustleugner Fred Leuchter zum angesehenen Wissenschaftler stilisierte. Günter Deckert, einen Rechtsextremisten, als „Beweis“ anführte, dass es keine Gaskammern gab. An Hohmanns berüchtigter Rede nichts Antisemitisches erkennen konnte.

    - Den Moderator Geist, der stolz darauf war einen Neonazi im Forum zu haben und ihm in den Himmel hob.

    - Einen bei Kath.net vielfach beschäftigten Gastkommentator Gurtner, der als Alumne erklären durfte, dass ihm das Thema Holocaust zum Hals heraushängt.

    - Ein Copertino, der seit Jahren gegen Israel hetzen darf …. und die Juden meint.

    Nie hat Herr Noé ihnen widersprochen oder gar was gelöscht.
    Wer zweifelt da, dass jetzt im Nachrichtenteil Herr Noé kein Doppelspiel betreibt?

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