Beste Gesellschaft ii

Armin Schwibach ist für kath.net mindestens in zweifacher Hinsicht wertvoll: Einerseits ist der in Rom lebende Journalist offenbar bestens mit dem Vatikan vernetzt, was die Einfluss- und Informationsmöglichkeiten für das rechtskonservative Portal enorm verbessert. Andererseits erweckt ein eigener Vatikan-Korrespondent für neutrale Beobachter den Eindruck, kath.net sei seriös. Eine Taktik, der auch ich mich einst zu bedienen versuchte; der katholische Historiker Michael Hesemann machte mich jedoch mit sanftem Druck darauf aufmerksam, dass er keinesfalls der Episodenfisch-Vatikan-Korrespondent sein wolle.

Tatsächlich stechen Schwibachs Texte aus dem Agenturallerlei heraus, durch das sich kath.net ansonsten auszeichnet: Der ehemalige Student an diversen päpstlichen Universitäten begnügt sich nicht mit kurzen Analysen: Mit weniger als zehn großzügig bemessenen Absätzen mit jeweils ca. 4 Fremdwörtern pro Artikel gibt er sich nicht zufrieden. Das klingt dann z.B. so:

Der falsche ökumenische Irenismus und Indifferentismus dagegen sei dem Ansinnen des II. Vatikanischen Konzils völlig fremd. Daher bedürfe es der Wachsamkeit. Der Indifferentismus werde von der immer mehr verbreiteten Meinung verursacht, dass die Wahrheit für den Menschen unzugänglich sei, so dass es notwendig wäre, sich auf die Suche nach Regeln für die Praxis zur Verbesserung der Welt zu beschränken. Auf diese Weise jedoch würde der Glaube von einem Moralismus ohne tiefgehendes Fundament ersetzt werden.

Die vielleicht erfrischendste Einleitung eines Artikels aller Zeiten stammt ebenfalls von ihm:

Benedikt XVI.: die Eucharistie ist Speise auch für den Müden und Orientierungslosen. Von Armin Schwibach – Special: Eine Circusvorstellung für den Papst + Audienz für ein Babykrokodil

Man merkt das schon: Armin Schwibach nimmt sich selbst nicht besonders ernst. Und andere auch nicht. Im Oktober 2011 etwa gab er den bösen „Mainstream-Medien“ total lustige Tipps, wie sie mit dem Papstbesuch umzugehen hätten. Und heute berichtet er über angebliche Attentatspläne auf Benedikt XVI. Die kann er zwar nicht widerlegen, macht sich aber dennoch keine Sorgen – dafür amüsiert er sich mehrfach über den etwas eingerosteten deutschen Satzbau von Italienern.

Dass sich hinter Armin Schwibach aber nicht nur der fröhliche, kompetente Vatikankenner versteckt, wird schon nach minimaler Recherche offenbar. So wirkte er in einem Buch namens „Die leise Diktatur“ mit, in dem sich mehrere Autoren

wehren […] gegen Kirchenfeindlichkeit, die Einschränkung ihrer Religionsfreiheit als Christen, Abtreibung und Euthanasie sowie gegen den neuen Antisemitismus der Linken, gegen eine ausufernde Kriminalität, gegen Islamisierung und Überfremdung und den verschämten Umgang mit der eigenen Kultur und Identität.

Das Buch wird u.a. auf der bezeichnend betitelten Seite rechts-lesen.de vertrieben. Die Organisation hinter diesem Versand nennt sich übrigens „Nationaler Bildungskreis“. Nun wäre es freilich unfair, Armin Schwibach auf rechts-lesen.de festzunageln – auch Jutta Ditfurths Abrechnung mit den Grünen wird dort vertrieben, und Ditfurth steht nun wahrlich nicht in dem Verdacht, rechtes Gedankengut salonfähig machen zu wollen.

Es sind andere Details, die Schwibachs Seriosität fragwürdig erscheinen lassen. Zum Beispiel die Mitautoren: Da findet sich etwa die katholische Psychotherapeutin Christa Meves, die 1973 wusste:

Die Frau hat von ihrer biologischen Aufgabe her ein natürliches Bedürfnis nach Unterwerfung, der Mann nach Eroberung und Beherrschung.

1977 erklärte sie in einem Interview, „dank Ableistungen für Führer, Volk und Vaterland“ habe sie „in den letzten Kriegsjahren mehr praktische Psychologie und Pädagogik gelernt als später an der Universität“. Sie beteiligte sich in Publikationen der DVU und der Republikaner, dämonisiert Sexualität und (natürlich) Harry Potter; außerdem hielt sie Vorträge im Studienzentrum Weikersheim.

Neben Christa Meves wirkte auch der Gründer des rassistischen Portals PI, Stefan Herre, an „Die leise Diktatur“ mit, ebenso Islamhasser und Verschwörungsideologe Udo Ulfkotte (der die Stuhlgangsgewohnheiten muslimischer Feldarbeiter für den EHEC-Ausbruch im Vorjahr verantwortlich machte und ihnen einen Fäkalien-Dschihad unterstellte).

„Die leise Diktatur“ erschien im katholischen MM-Verlag. Dieser führt neben einschlägiger Erbauungsliteratur auch eindeutig rechtspopulistische Bücher wie „Der Westen dankt ab. Bürgerkrieg und Weltenbrand“, „Der lange Arm der Stasi. Folter, Psychoterror, DDR-Nostalgie“ oder „Europa stirbt vor sich hin. Bevölkerungspolitik vor dem Bankrott / Wege aus der Krise“.
Vor allem aber vertreibt der MM-Verlag auch eine eigene Zeitschrift, die sich KOMMA nennt (man beachte das MM, das für den Verlagsleiter Michael Müller steht).

KOMMA wurde (vermutlich 2000) gegründet und versteht sich als Zeitschrift, die sich „für Kirche, Glauben und den Papst einsetzt“. 2010 bewarb Armin Schwibach den KOMMA-Blog auf kath.net:

Erst zwei Monate ist es her, dass die katholische Monatszeitschrift KOMMA den Sprung ins Internet gemacht hat, denn: auch im wachsenden katholischen Internet Deutschlands will KOMMA seine Stimme für die Freiheit des Bekenntnisses, des Glaubens und der freien Meinungsäußerung erheben und sich gegen jede Form der „Gesinnungsdiktatur“ stemmen.
[…]
KOMMA ist keine Kirchenzeitung, sondern unabhängig, das Ergebnis der Arbeit qualifizierter Katholiken, die sich nicht scheuen, ihren Glauben in alle Lebensbereiche einzubringen.

Zu diesen „qualifizierten Katholiken“, die sich „gegen jede Form der „Gesinnungsdiktatur“" engagieren, zählt laut Impressum auch Schwibach selbst. Das verschweigt er ebenso wie die Namen anderer Autoren der Zeitschrift:

Stefan Herre, Birgit Kelle, Rüdiger Kinsky, Claudia May, Thomas Mertz, Christa Meves, Chaim Noll, Wolfgang Ockenfels, Carsten Ostrowski, Thomas Otten, Gabriele Gräfin Plettenberg, Udo Ulfkotte, Barbara Wenz, Peter Winnemöller, Albert Wunsch

Da hätten wir also noch einmal PI-Gründer Herre, Fundamentalistin Meves und Islamhasser Ulfkotte. Auch Wolfgang Ockenfels, der neuerdings auf kath.net für die Junge Freiheit wirbt, ist für KOMMA aktiv. Für den KOMMA-Blog schreibt auch Ansgar Lenge, der vorher bei der nach rechts offenen Criticón war: Das Blatt warb für diverse rechtspopulistische Parteien und bot auch mehreren Rechtsradikalen eine Plattform.

Das Problem mit Armin Schwibach ist, im Großen und Ganzen, nicht der Inhalt seiner Texte, sondern der Veröffentlichungsort. Obwohl seine beinah täglich erscheinenden Artikel auf kath.net eindeutig konservative Positionen erkennen lassen, ist seine fehlende Berührungsangst zum rechten katholischen Rand besonders hervorzuheben. Mit Stefan Herre, Christa Meves und Udo Ulfkotte setzt man sich vermutlich nicht zufällig in das selbe Boot.

Und wenngleich sich Armin Schwibach bislang nicht mit der Jungen Freiheit einließ, so scheint auch diese Zeitschrift bereits ein Auge auf den kath.net-Vatikan-Korrespondenten geworfen zu haben.


2 Antworten auf „Beste Gesellschaft ii“


  1. 1 Aren 10. Februar 2012 um 23:32 Uhr

    nur so am Rande: Jedesmal wenn ich auf deinen Blog gehe, seh ich am unteren Rand deiner Einträge Werbung und zwar meistens eine in Richtung Tarot, Pilgerreisen und so weiter. Ist das ne Parodie oder aus Versehen?

    Grüße von einer bislang stillen Leserin

  2. 2 Administrator 10. Februar 2012 um 23:38 Uhr

    Hallo Aren, danke für die Rückmeldung. Ich sehe die Werbung nicht, weil ich Adblock Plus verwende (was ich generell empfehlen würde). Die Anzeigen werden wohl durch irgendwelche Algorithmen genereriert, und beim Thema Katholizismus kommt dabei wohl Werbung für die von dir beschriebenen Themen raus.

    Ich werde mich mal schlau machen, ob sich das irgendwie ändern lässt.

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