Falsche Freunde

Ein Gastkommentar von einem Mitarbeiter im Umfeld des Bistums Augsburg:

Bernhard Meuser, der Geschäftsführer des Sankt Ulrich Verlags in Augsburg, publizierte einen Artikel auf dem Internetportal kath.net. Er bringt damit nicht nur seinen eigenen Bischof gegen sich auf, sondern auch viele Gläubige.

Dass der Geschäftsführer eines katholischen Verlages einen Leitartikel in seiner eigenen Sonntags-Zeitung schreibt und damit quasi den Chefredakteur düpiert, ist zwar ungewöhnlich, das gab es aber in Augsburg früher auch. Schon vor Jahren sah sich Ulrichsverlag-Geschäftsführer Dirk H. Voss regelmäßig dazu berufen, den Gläubigen seine Sicht der Dinge zu erläutern. Sein Nachfolger, Bernhard Meuser, trat nun in seine Fußstapfen und verteidigte den Bischof in einem Artikel, der so klang, als wäre er von seinem Hirten persönlich diktiert worden. Inhaltlich in Ordnung, aber sicher kein Glanzstück journalistischen Schaffens. Sein Bischof, Konrad Zdarsa, hat ihm wahrscheinlich für das Stück auf die Schulter geklopft, danach hätte man zum Tagesgeschäft übergehen können. Wäre da nicht die Sehnsucht Meusers gewesen, seine Worte einem größeren Publikum zukommen zu lassen, als der örtlichen Kirchenzeitung. Deshalb schickte er den Artikel an das katholische Nachrichtenportal kath.net nach Linz, das ihn prompt veröffentlichte.
Kath.net allerdings ist ein erzkonservatives Medium, das gegen den Augsburger Bischof jüngst eine üble Kampagne initiiert hat, weil dieser einem seiner Priester untersagt hat, Artikel in der „Jungen Freiheit“ zu veröffentlichen, ein Blatt am äußersten rechten Rand. Die „Junge Freiheit“ ist allerdings mit kath.net befreundet. Und nun veröffentlicht Meuser ausgerechnet seine Zeilen in jenem Medium, das in Augsburg und den meisten anderen Diözesen offiziell gar nicht wahrgenommen wird, weil rein privat und mit der katholischen Kirche allenfalls auf der Sympathie-Ebene verbandelt. „Meuser fällt seinem eigenen Bischof in den Rücken“, heißt es hinter vorgehaltener Hand im Ordinariat, „wenn er jetzt genau die Webseite unterstützt, die wochenlang auf Zdarsa herumgeritten ist und gegen ihn gehetzt hat.“

Tatsächlich ist kath.net ein Produkt, das man in bestimmten Kreisen der katholischen Welt kennt, ähnlich wie das anonyme kreuz.net. Beide Seiten verbindet eine nahezu identische Themenauswahl, auf beiden Seiten darf gegen den Augsburger Bischof gewettert werden und auch sonst gibt es einige Gemeinsamkeiten. kath.net ist zwar nicht anonym, sondern wird im Wesentlichen von der Familie Noé betrieben, bewegt sich aber auf höchst brisantem inhaltlichen Eis – vor allem im Bereich der Kommentare. Diese werden von der Redaktion vor der Veröffentlichung gegengelesen, man distanziert sich auch nicht von ihnen, sie haben keinen Forum-Charakter, zählen also aus journalistischer Sicht ganz normal zum redaktionellen Teil der Seite. Da kommt es schon mal vor, dass ein Autor, in diesem Fall „Sixtus“, die Exkommunikation von allen Weltbild-Mitarbeitern fordert. Ein anderer Beitrag empfahl, dass alle Schwulen, Lesben und Transen verbannt werden sollen. „Ins KZ schicken geht ja nicht mehr … sorry, hätt ich ja auch lieber gewollt“, schreibt der Autor „JustTB“. Dieser Beitrag wurde zwar einige Stunden später wieder von der Seite genommen, zeigt aber, wes Geistes Kind die Kommentatoren dort mitunter sind und welche politische Heimat sie bevorzugen. Vergangenen August engagierte kath.net den Autor Marcus B. für ein paar offizielle Beiträge – und erkannte angeblich erst hinterher, dass dieser eine Vergangenheit im nationalen Lager hat und auch in einer NPD-Jugendpostille publizierte. Nach öffentlichem Protest nahm kath.net B.s Beiträge wieder vom Netz, steht aber inhaltlich bis heute zu den Texten.

Kein Wunder also, dass es ein Bischof nicht gern sieht, wenn seine eigenen Mitarbeiter in einem solchen Pulverfass journalistisch tätig werden. Als der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen im Herbst in Rom plötzlich und ungewollt bei einem Journalistentreffen am gleichen Tisch wie der Herausgeber von kath.net saß, hatte er hinterher im eigenen Haus und in der Redaktion dem Vernehmen nach erheblichen Erklärungsbedarf. Kurz vor Weihnachten wurde der Vertrag mit ihm aufgelöst.
Dass kath.net ein paar Verbindungen in den Vatikan hat, ist unbestritten. Offiziell zugeben will das in Rom aber niemand. Auf Missfallen stößt dort vor allem, dass sich das Portal in der Vergangenheit von der schismatischen Priesterbruderschaft St. Pius X. mitfinanzieren ließ. Deren hauseigener Verlag „Sarto“ schaltete 2011 über Wochen Bannerwerbung auf kath.net. Das ist besonders pikant, weil Sarto Bücher verlegt, die gegen die Seligsprechung von Johannes Paul II. hetzen und auch den jetzigen Papst massiv kritisieren, weil er sich unbeirrt zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekennt. Auch viele Kommentare auf kath.net sympathisieren mit den Piusbrüdern, deren Bischof Williamson den Holocaust leugnete und dafür auch verurteilt wurde.
All dies bildet ein Umfeld, mit dem ein katholischer Bischof nichts zu tun haben will, gerade dann nicht, wenn er die Faktenlage kennt. kath.net und einige Anhänger halten dem gern entgegen, dass auf ihrer Seite auch namhafte Autoren wie Matthias Matussek schreiben – vor allem, um für ihre Bücher und Ansichten Werbung zu machen. Abgesehen davon, dass sich die „prominenten Namen“ in den letzten Monaten dort sehr zurückhalten, vermutlich deshalb, weil sie ein paar Hintergründe recherchiert haben, hätte all dies der Geschäftsführer eines kirchlichen Verlages wissen müssen, ehe er seinen Artikel nach Linz schickte und nun in seiner Diözese massiv in der Kritik steht. Noch nicht offiziell, aber hinter geschlossenen Türen schüttelt man in Augsburg fassungslos die Köpfe.

Der Artikel Meusers lässt sich hier finden.


3 Antworten auf „Falsche Freunde“


  1. 1 Stephan 09. Februar 2012 um 19:30 Uhr

    Apropos Dirk H. Voss. Es wird ja immer noch wild spekuliert, wer hinter kreuz.net steckt. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es sich dabei um Voss handeln könnte. Wenn man sich mal bei kotz.net die Artikel über Voss ansieht, halte ich das für durchaus möglich. Selten dämliche Selbstbeweihräucherung in den Beiträgen… na ja. Oder weiß da irgendjemand mehr dazu?

  2. 2 Flo 09. Februar 2012 um 20:48 Uhr

    Es gibt auch tatsächlich in Augsburg noch Menschen, die, nach allem was was passiert ist, der Ansicht sind, dass es keine Verbindung zwischen kath.net und kreuz.net gibt. Das ist absurd, denn zum Teil sind dort nicht nur die Themen identisch, sondern auch die Formulierungen.

  3. 3 Administrator 09. Februar 2012 um 23:00 Uhr

    @Flo: Beziehst du dich auf den Autor dieses Textes? Falls ja, möchte ich dir gerne widersprechen, weil im Gastkommentar ja explizit auf die Gemeinsamkeiten beider Portale eingegangen wird. Ob es, außer der Überschneidung einiger Autoren, tatsächlich personelle Gemeinsamkeiten zwischen kath.net und kreuz.net gibt, ist bei einem anonymen Portal wie kreuz.net eben kaum zu sagen. Ich würde mich da nicht festlegen wollen.

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