Archiv für Februar 2012

Expertenmeinung zu Wladimir Putin

Preisfrage: Was fällt einem kath.net-Leser wie „krak des chevaliers“ zum ehemaligen und dank Korruption, Medienkontrolle und Auftragsmorden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch künftigen russischen Staatspräsidenten ein? Einem Leser wohlgemerkt, der den Spiegel für einen „direkten Nachfolger des Hetzblattes ‚Stürmer‘ der braunen Menschenverächter“ hält; an Thilo Sarrazins Thesen „wirklich nichts rassistisches“ entdecken kann; der die Rechtspopulisten der „Wahren Finnen“ für ihren „Kampf gegen die Homosexualisierung und Genderisierung eines Volkes“ lobt und auf den erwachenden „Widerstand in den anderen europäischen Nationen“ hofft; und der überdies zu Russland festhält:

Dass man in Russland seinen eigenen Wege geht, äußert sich schon jetzt daran, dass man dort keinen Homofirlefanz auf den Straßen und Plätzen duldet wie in Westeuropa, also auch keine „Homoehen“ oder vergleichbaren volksschädigenden Unsinn. Gut so! Hoffentlich bleibt man in Russland dabei und lässt sich nicht vom dekadenten Westen bevormunden. Gott segne das große und ruhmreiche Russland!

Was sagt also dieser kath.net-Leser, der die Hetzjagden rechtsradikaler Russen auf Teilnehmer der örtlichen CSDs offenbar für den Willen Gottes hält, zu Wladimir Putin und einer Punkband, die in einer orthodoxen Kirche gegen ebendiese und ihre Verflechtungen mit „Pooty-Poot“ (George W. Bush) protestierten?
Genau:

besser Putin
Die Frage stellt sich, wie die überhaupt in die Kathedrale hineingekommen sind. Normalerweise kontrollieren Wächter die Zugänge. Nur gut, dass dieser skandalöse Auftritt schon nach wenigen Minuten beendet werden konnte. Das ganze zeigt jedoch auch, welche Kaoten sich hinter der russischen Opposition verstecken. Besser Putin! Der ist der beste Garant für Ruhe und Ordnung und für ein starkes und christliches Russland! Gott segne und schütze das heilige Russland!

Andererseits: Eine wirkliche Überraschung ist so ein Statement auch nicht. Schließlich hat kath.net ja eh kein Problem mit totalitären Staaten – solange es Christen sind, die Minderheiten unterdrücken können.

„die wahre HURE BABYLON!“

Es gibt gewisse Themen, bei denen kath.net-Kommentare die hochgesteckten Erwartungen eigentlich nur noch enttäuschen können. Zum Beispiel bei Artikeln zu homosexuellen Muslimen, die für die Links- oder Piratenpartei zur Abgeordnetenhauswahl von, sagen wir mal, Berlin kandidieren. Oder bei Berichten von Atheisten, die sich mit einer jüdischen Gemeinde solidarisieren, nachdem diese von einem CSU-Politiker verbal angegriffen wurde. Was sollen die Rechtsaußen-Katholiken da noch formulieren, was ernsthaft überraschen würde und über die mittlerweile sattsam bekannten Ausfälle hinausginge?

Es gibt zu den beiden oben angerissenen, mehrheitlich fiktiven Szenarien, allerdings noch eine Steigerung, über die kath.net unlängst berichtete:

Eine ungewöhnliche Schwangerschaft bewegt die Öffentlichkeit. Eine lesbische Pfarrerin, die mit einer Politikerin eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen ist, bekommt in vier Monaten ein Kind. Es handelt sich um Eli Wolf, Leiterin des Frauenzentrums der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Die 46-Jährige ist seit 2002 mit der Staatssekretärin im nordrhein-westfälischen Ministerium für Gesundheit und Emanzipation, Marlis Bredehorst, verpartnert. Die 55-jährige Politikern gehört der Partei Bündnis 90/Die Grünen an. Das Kind soll durch künstliche Befruchtung gezeugt worden sein. Ihre „Liebe auf den ersten Blick“ habe 1997 bei einer Geburtstagsfeier begonnen, berichten die Frauen in der Bild-Zeitung. Nach der Geburt will Eli Wolf Elternzeit beantragen und nach Köln ziehen, wo die Partnerinnen eine gemeinsame Wohnung haben. Bredehorst kündigte an, ihr tägliches Arbeitspensum von derzeit 15 bis 16 Stunden zu kürzen, „um Freiräume für Frau und Kind zu schaffen“. Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können, gehöre zu den Ansprüchen ihres Ministeriums. Übereinstimmend berichten die Frauen, in ihrer Umgebung nur positive Reaktionen zu erfahren. In ihrer Kirche erlebe sie „pure Freude“, so Wolf.

Das muss die kath.net-Stammleserschaft auf so viele Weisen verstören, dass wir die Steine des Anstoßes vorsichtshalber noch einmal kurz auflisten:
- Homosexualität
- Evangelische Kirche
- Pfarrerin
- Die Grünen
- Ministerium für Gesundheit und Emanzipation
- künstliche Befruchtung
- uvm.

Puh. In Anbetracht all dieser Punkte ist es einigermaßen erstaunlich, dass kath.net durch die Wucht der negativen Kommentare nicht implodiert ist; und dass im Gegenteil bis dato, drei Tage nach Erscheinen des Artikels, nur 67 Lesermeinungen von der Redaktion durchgewunken wurden. Der Tenor allerdings ist eindeutig – und doch konzentrieren sich viele Leser_innen auf einen anderen Kritikpunkt: Um ihre Homophobie etwas zu verschleiern, wird plötzlich das Alter der angehenden Mütter zum großen Problem stilisiert.
„Siebtel“ eröffnet den munteren Reigen:

Keine Religion sollte Speerspitze
bei der Zerstörung der sittlichen Ordnung sein

„Markus-NRW“ diagnostiziert:

Das arme Kind. Selbst wenn es in einem „politisch korrekten“ Umfeld aufwächst wo zwei Mütter normal sein müssen – welcher Teenager möchte mit 10-14 Jahren von zwei Omas ihrgendwo abgeholt oder hingebracht werden. – Das ganze scheint sehr auf Selbstbestätigung der Damen hinauszulaufen – Kindeswohl wird hier auf jeden Fall mißachtet

„Evalyne“ findet:

kranke kranke Welt,
wo es anscheinend zu Hauf Menschen gibt, die so etwas normal finden. Armes armes Kind.

„medpilger89″:

Lesbeneltern
Was erzählt eine Pfarrerin ihrem Kind auf die Frage: „Wie soll ich Vater und Mutter ehren“?
Aber das Recht des Kindes auf einen Vater zählt nicht bei den beiden, denn das Glück wird immer nur für sich selbst wahrgenommen. Der gefährlichst Ort der Welt ist der Bauch der Frau, und wenn man dort nicht umgebracht wird, wird man in einem Reagenzglas gezeugt und weiß sein Leben lang nicht, wer die wahren Eltern sind. Und das ganze basiert auf dem „Recht“ der Frau über ihren eigenen Bauch. Das ganze ist der pure Egoismus bei den beiden Lesben und wird mit einem Talar verkleidet als Religion verkauft. Bitte hört auf mit den ewigen Dialogen, bitte keinen Ökumenismus mehr, es reicht. Hört Ihr denn nicht den Chor der Getöteten und der lebenden Toten? Wer bezahlt die beiden eigentlich? Doch nicht etwa Kirchenmitglieder mit ihren Kirchensteuern und Kirchengeldern?

„ichthys3″ plädiert für die gute alte biblische Homophobie:

Ich verstehe es einfach nicht.
In der Heiligen Schrift steht doch oft genug, dass Homosexualität Sünde und dem Herrn ein Gräuel ist.
Da predigen sie „sola scriptura“ und leugnen die halbe Bibel.

Und wo wir gerade bei jahrtausendealten Moralvorstellungen sind – „Rolando“, der dem Teufel für einen „genialen Schachzug“ gratuliert:

Wieder ein Versuch
Das was dem Herrn ein Gräuel ist auf dem Rücken eines unschuldigen Kindes in der Gesellschaft als “ normal“ darzustellen und es noch mit der Freude in einer „Kirche“ (die ja keine ist ) zu festigen.Ein genialer Schachzug Satans. Er hat erst den Glauben genommen und die „aufgeklärte Bevölkerung“ kann nicht mehr unterscheiden und glaubt somit seinem Sprachrohr,der Mainstreampresse mehr als dem Wort Gottes ,das durch die röm. kath Kirche verkündigt wird ,oder werden sollte.

„Noemi“ entsetzt sich und hat vermutlich keine Ahnung, wieviel Wahrheit in ihrem Satz steckt:

Das arme Kind kann man auf alle Fälle sagen, weil es schon vor seiner Geburt zu ideologischen Propagandazwecken mißbraucht wird.

„antony“ hat eine tolle Analogie parat:

„Wie kann man auf Rauchen reflexhaft mit ‚Krebsgefahr‘ reagieren! Die Jugendlichen haben noch keine Zigarette geraucht, und schon malt man ihnen die schlimmsten Folgen vor Augen. Wie vermessen!
Und kein Raucher wächst fern von anderen Einflüssen auf. Die Formel ‚Nicht Rauchen=kein Lungenkrebs‘ stimmt ja nur da, wo andere Einflüsse (wie Asbestexposition) fehlen, außerdem gibt es seltene Lungenkrebsarten, die völlig unabhängig von Giften sind.“

Verstehen Sie: Bestimmte Einflüsse machen eine gesunde Entwicklung einfach deutlich schwerer. Dass es andere schädliche Einflüsse gibt, ändert nichts daran. Genauso, wie Tabakabstinenz die Chancen für eine gesunde Lunge zwar nicht garantiert, aber deutlich erhöht.

„Dismas“ stellt fest:

Dieses Kind wird mit „Grundsätzen“ aufwachsen, die göttlichen Normen gänzlich entgegengesetzt sind. Was unnormal ist wird als „normal“ erklärt – dies entspricht dem Willlen des Diabolus. Ein Kind braucht grundsätzlich seinen Vater auch die männliche Erziehungskomponente. Diese aus selbstsüchtigen Streben dem Kind bewusst zu entziehen ist Missbrauch der elterlichen Funktion!

„pinky“ wird, glaub ich, schlecht:

Ohje…
ich glaub mir wird schlecht…!

„Wolfgang Löhr“ ist von der EKD ‚immer wieder neu‘ schockiert und stellt fest:

1. Wenn Gott gewollt hätte, daß 2 Männer oder 2 Frauen Kinder bekommen, dann hätte er biologisch schon dafür gesorgt.

Und wenn er gewollt hätte, dass sich Christen nicht um Kopf und Kragen schreiben, hätte er kath.net wohl zu verhindern gewusst.
„kaiserin“ indes muss schlecht gefrühstückt haben:

Ich glaube, ich muß jetzt rasch einen Underberg trinken: Mein Magen streikt!…

„C+M+B“ ist vermutlich Drehbuchschreiber bei ‚Familien im Brennpunkt‘, ‚Das Jugendgericht‘ und ‚Schwiegertochter gesucht‘:

Dieser Mensch wird seine beiden Mütter dereinst fragen: „Wie bin ich eigentlich auf die Welt gekommen?“ – Was wird er hören? – „Durch Reproduktionsmedizin. Durch unseren Willen“, antworten die beiden evangelisch-grün lächelnden Tanten. – „Wer ist mein Vater?“ wird es zurückfragen. – „Ach, diese paar Spermien sind doch nicht entscheidend; der Doktor hat das gut gemacht.“ – „Wer ist mein Vater, v e r d a m m t noch mal?! Mein Fleisch und Blut will ich kennen!“ – „Ach, Liebes, das Materielle ist im Christlichen nicht so wichtig, was zählt ist die Geist.“ Sie verbrüdert uns alle, hoppla – verschwestert uns alle. In diesem Sinn ist es gut, dass du ein Mädchen geworden bist.“ – Wie lange das Kind das aushalten wird?

„radzulun“ versucht sich derweil an Polemik. Sehr lustig:

anything goes
Wenn man sich heute mit dem Zeitgeist vermählt, ist man morgen Witwe, heißt es. Die Entwicklung bleibt nicht stehen. Wenn wir weiter daran arbeiten, daß eine Gesellschaft ohne Regeln die Regel wird, dann können wir heute schon ahnen, was morgen erlaubt sein wird. Warum eigentlich nur zwei Partner, man kann doch auch als Trio oder Quartett ernsthaft im Pfarrhaus zusammenbleiben…. wohin die Liebe halt fällt. Vielleicht kann man später einmal ja auch seinen Kanarienvogel heiraten oder die geliebte Katze, und warum eigentlich keine Lebenspartnerschaft mit meinem geliebten Barockschreibtisch. Engstirnige, rückwärtsgewandte Konservative behindern das noch. Langsam schleicht sich bei mir das Gefühl ein, daß uns unsere aufgeklärte, moderne Welt in absehbarer Zeit um die Ohren fliegen wird.

Und auch „geistlicher rat“ hat mit seinem/ihrem Eröffnungsposting noch etwas Wichtiges zur Diskussion beizutragen:

lesbische schwangere „pfarrerin“
nachdem ich das erste mal heute hier bin, erstmal ein herzliches „grüß GOTT“! :-)
ohne im einzelnen auf die argumente eingehen zu wollen, bzgl. „egoismus“, „kindeswohl“ … von mir nur soviel dazu:
was hat das alles noch mit christentum zu tun? was hat das noch mit göttlicher ordnung zu tun?
aber was will man schon von einer organisation (denn eine kirche war und ist die „ekd“ in meinen augen nie gewesen) erwarten, die ständig dem „zeitgeist“ hinterhechelt und spätestens immer alle 50 jahre ihre „glaubensüberzeugungen“ über bord geworfen hat? was will man von einer organisation erwarten, die auf ihrem letzten kirchentag öffentlich darüber diskutiert das credo abzuschaffen und das JESUS nur ein prophet war! hier sieht man die wahre HURE BABYLON!

Das kath.net-Stammpublikum hat es heutzutage eben nicht leicht. Und das ist doch auch irgendwie tröstlich.

Zwangsheirat ii

kath.net-Leser „Guiseppe“ begnügt sich nicht, wie „Gandalf“, mit dem Bejammern des Lebensstils Joachim Gaucks: Er hat sogar konkrete Handlungsanweisungen zu bieten:

Es besteht eine gültige Ehe, die nur Gott beenden kann
Gauck sollte sich mit seiner tatsächlichen Ehefrau, der er lebenslange Treue geschworen hat und mit der er immerhin vier Kinder hat, versöhnen und mit seiner jetzigen Freundin allenfalls eine platonische Beziehung haben – in getrennten Wohnräumen versteht sich. Dann wäre das längst nicht mehr private „Privatleben“ des Bundespräsidenten geordnet und er aus bestimmten Klatschspalten ‘raus.

Und wo wir grad dabei sind: Seinen Glauben könnte er ja auch noch wechseln – und in die Katholische Kirche übertreten, versteht sich. Das wäre jawohl das Mindeste.

Expertenmeinungen zur Evolution

Die Evolutionslehre ist ein Thema, bei dem Christen in der Regel nur verlieren können: Sehen sie die Evolution als Fakt an, werden sie von ihren vermeintlich rechtgläubigen Glaubensbrüdern und -schwestern darauf hingewiesen, dass sie sich irrten und vermutlich gar keine Christen seien. Leugnen sie die Evolution, machen sie sich oft und gerne sehr, sehr lächerlich.

Zu den deutschen Vorreitern des Kreationismus zählt Werner Gitt. In unzähligen Publikationen versuchte dieser bereits, die wissenschaftliche Erklärung der Entstehung der Arten zu widerlegen: Zwar ohne Erfolg, dafür sind seine Thesen immerhin äußerst amüsant. Gitt wurde nun 75, und zur Feier des Tages berichtete kath.net über ihn:

Naturwissenschaftler: Die ganze Bibel ist wahr

Informatikprofessor Werner Gitt wird 75 Jahre alt. Er vertritt die Auffassung, dass die Bibel in historischer und naturwissenschaftlicher Hinsicht irrtumslos ist.

Der evangelikale Naturwissenschaftler Prof. Werner Gitt (Braunschweig) wird am 22. Februar 75 Jahre alt. Der gebürtige Ostpreuße leitete bis zum Eintritt in den Ruhestand 2002 als Direktor und Professor den Fachbereich Informationstechnologie bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Er vertritt die Auffassung, dass die Bibel in historischer und naturwissenschaftlicher Hinsicht irrtumslos ist. Nach seinen Angaben sind bereits 3.268 Prophetien der Heiligen Schrift erfüllt. […]

Gitt ist auch ein Verfechter der Schöpfungslehre. Er lehnt die Evolutionstheorie ab, wonach die Welt durch Zufall entstanden sei und sich das Leben im Laufe von Jahrmillionen weiterentwickelt habe. Diese Theorie stehe nicht nur im Widerspruch zur Bibel, sondern sie sei auch wissenschaftlich fragwürdig.

Der von idea verfasste Artikel will Gitt auf subtile Weise zum seriösen Kritiker der Evolutionstheorie erklären: Zwar wird er einmal korrekt als „Informatiker“ bezeichnet, zweimal hingegen als „Naturwissenschaftler“. Nun ist es müßig zu diskutieren, ob Informatik gerade noch zu den Naturwissenschaften zählt. Das Wort jedenfalls ist in diesem Kontext deplatziert, impliziert es doch, dass Werner Gitt ein Experte auf dem Gebiet der Evolution sein müsse, schließlich ist er ja Professor einer Naturwissenschaft. Tatsächlich sprechen Gitts Einlassungen zur Evolution gegen diese Annahme: Er überträgt Begriffe aus der Informatik auf die Biologie, jongliert mit „Information“ in Zellen, die gottgegeben sein müsse, weil ihm keine andere Möglichkeit einfällt.

Viele kath.net-Kommentatoren sind trotzdem hellauf begeistert von Gitts Ansichten im Speziellen und der Evolutionskritik im Allgemeinen. „Fink“ etwa weist einen anderen Leser zurecht, der bemängelt, die Evolution treffe keine Aussagen über die Entstehung der Welt:

@ Schiller54 – Lenken sie nicht ab !
Schon richtig, bis dahin. Die Evolutionstheorie macht Aussagen zur Entstehung und „Entwicklung “ des Lebens, zur Entstehung der Tierwelt, zur Entstehung des Menschen. Die ET behauptet, alles sei aus reinem Zufall, ohne Absicht, ohne Schöpfer geschehen. D a liegt doch das Problem. Also, nicht ablenken!

Symptomatisch für die meisten Kreationisten: Die Unkenntnis darüber, was man eigentlich kritisieren möchte. Denn natürlich hat die Evolutionstheorie absolut nichts mit der Entstehung der Welt zu tun. Auch „Servulus“ ist sich darüber im Unklaren und verlinkt stattdessen auf eine Seite, die auf kath.net einst Werbung schaltete:

Die Evoutionslehre hat keine wissenschaftliche Grundlage
Die Evolutionstheorie hat aufgrund der fehlenden Bestätigung durch Beobachtungsdaten nichts mit Wissenschaft zu tun. Ferner ist sie durch folgenden Widerspruch zwischen Modell und Fakten widerlegt: Nirgends in der jetzigen Natur und in den Fossilien kann man auch nur ein einziges halbfertiges Organ sehen, das erkennbar irgendwohin evolviert, das heißt komplexer wird: Entweder ein Organ ist vollständig ausgebildet oder gar nicht vorhanden. Man beobachtet also den „Fittesten“ und gleichzeitig den „Unfittesten“ einer vermeintlichen Entwicklungskette. Die Zwischenwesen, die in sehr großer Arten-Anzahl hätten existieren müssen, wären aber alle überlebenstauglicher gewesen als letzterer. Deshalb müssten wir neben diesem auch solche Halbfertigen noch heute beobachten, was nicht der Fall ist.

www.originality-of-species.net

Anschließend zitiert „Servulus“ allerlei Kirchenmänner der letzten zwei Jahrtausende und sieht großzügig darüber hinweg, dass die es in Ermangelung vernünftiger Wissenschaft einfach nicht besser wissen konnten.
„templer“ beweist sein breites biologisches Wissen:

Ich habe mich auch mal mit den Kritikpunkten an der Evolutionstheorie beschäftigt.

Das Auge hat sich ja von einem Zustand (bei Tintenfischen z. B.) zu einem neueren Zustand entwickelt.. Das Problem ist, die uns bekannten „Augen-Entwicklungs-Zwischenschritte“ sind aber bei Spezies zu sehen, die überhaupt nicht mit dem Menschen verwandt sind.

Abschließend fragt immerhin „A. Hopfenschauer“ noch:

Werner Gitt: „Die Bibel irrt sich nicht“…
… aber vielleicht irrt Werner Gitt sich?

Zwangsheirat

Es gäbe sovieles, was man an Joachim Gauck und an seiner Kandidatur zum Bundespräsidenten aussetzen könnte! Seine (man muss es betonen:) nicht aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate etwa, in denen er Sarrazin Mut attestiert, obwohl er sein Buch nicht einmal gelesen habe. Seine offen rassistischen Einlassungen, nach denen Deutschland „Überfremdung“ drohe, zumal er keine Stadtviertel möge, wo „allzu viele Zugewanderte und allzu wenige Altdeutsche“ wohnten. Die beängstigende Einigkeit zwischen CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen (und Rechtspopulisten). Oder natürlich Gaucks militanten Antikommunismus, der reflexhaft jede Kritik am Kapitalismus verbietet.

Joachim Gauck wird, wenn nichts mehr dazwischen kommt, der konservativste Bundespräsident aller Zeiten sein. Und doch gibt es in der rechten Ecke Unmut, wie kath.net berichtet:

Der Rechtsexperte der Unionsfraktion, Norbert Geis (CSU), hat den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck aufgefordert, seine persönlichen Lebensverhältnisse schnell in Ordnung zu bringen. Dies dürfte bestimmt auch in dessen eigenem Interesse sein, um keine Angriffsfläche zu bieten, sagte der Bundestagsabgeorndete der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag).

Diese „Angriffsfläche“ dürfte sich wiederum nur CSU-Mitgliedern bieten – niemand sonst wird Joachim Gauck ernsthaft die Eignung zum Bundespräsidenten absprechen wollen, nur weil er sich von seiner ersten Ehefrau nicht scheiden ließ (und seine neue Lebensgefährtin nicht heiratete).
kath.net-Chef Roland Noé alias „Gandalf“ allerdings zeigt in der Kommentarspalte Verständnis für Geis:

Die Lebensverhältnisse von Gauck sind definitiv NICHT seine Privatsache. Da führt Deutschland seit Wochen Debatten über den Privatkredit von Wulff etc. und dann wird ausgerechnet beim Thema Ehe ernsthaft behauptet, dass dies jetzt seine Privatsache sei… Die Ehe sollte doch etwas über den materiellen Dingen stehen. Das ist dann wirklich die größte Heuchelei: Bei Wulff ist alles quasi ÖFFENTLICH und NICHT PRIVAT und bei Gauck soll dies dann nicht sein. Wenn schon so hohe Anforderungen, dann für alle und auch bei den deutlich wichtigeren Dingen wie z. B. Ehe.

Manche würden vermtlich auch mit der Privatsache kommen, wenn Gauck wöchentlich sich im Bordell auslebt.

Und weil „die Ehe“ eben auch „etwas über den materiellen Dingen“ steht, geht sie niemanden außer den Beteiligten etwas an. Und solange Joachim Gauck in seiner Freizeit keine Kinderopfer darbietet, niemanden gegen seinen Willen in seinem Keller einsperrt oder sonstige illegale Dinge macht, ist sein Privatleben für die Öffentlichkeit völlig irrelevant. Das ist der kleine, aber nicht unwichtige Unterschied zur Causa Wulff – der sich den am Untenrum anderer Menschen interessierten fundamentalistischen Katholiken aber wohl kaum erschließen dürfte.