Beste Gesellschaft

Nachdem sich kath.net in den letzten Tagen bereits darum bemühte, der Jungen Freiheit weitgehend argumentfrei die Neigung zu rechten Themen und Autoren abzusprechen, legt heute Michael K. Hageböck nach. Auch der kann nicht verstehen, wieso dem Ichenhausener Pfarrer Georg Alois Oblinger vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa untersagt wurde, für die Zeitschrift zu schreiben – und fährt dementsprechend harte Geschütze auf:

Mit der Zensur von Pfarrer Oblinger beschneidet der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa in eklatanter Weise ein grundlegendes Menschenrecht und bringt eine gewichtige, katholische Stimme in der deutschen Presselandschaft zum Schweigen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist verbürgt in: Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen; Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union; Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen – Hageböck ist in der Posse um eine Rechtsaußenpostille also um keinen Superlativ verlegen. Dass Zdarsa als Oblingers Vorgesetzter sehr wohl die Möglichkeit hat, dessen publizistische Bestrebungen etwas einzugrenzen, will ihm nicht auffallen. Zudem verstößt das „Schreibverbot“ auch gegen kein Menschenrecht – Oblinger steht es schließlich frei, weiterhin für die JF zu schreiben. Er müsste dann nur mit den Konsequenzen leben können.
Hageböck fährt mit der bekannten Verteidigungsstrategie fort:

Man braucht nicht sämtliche Positionen der „Jungen Freiheit“ zu teilen, doch man muss ihr bescheinigen eine der ganz wenigen Zeitungen im deutschen Sprachraum zu sein, wo frei gedacht und geschrieben werden kann. Vielleicht die einzige maßgebliche Stimme, was konservative Positionen anbelangt.

Chefredakteur der Jungen Freiheit ist Dieter Stein (1967), ein gläubiger Protestant, der überzeugte Christen beider Konfessionen unter seinen Mitarbeitern hat. Kaum eine Bistumszeitung in Deutschland berichtete so oft und so positiv über Papst Benedikt XVI. wie die „Junge Freiheit“ – ganz zu schweigen, was sonst mit Hilfe von Kirchensteuergeldern publiziert wird.

Statt zu hinterfragen, wieso eine Zeitschrift mit rechtem Einschlag so viele Katholiken anzuziehen scheint, hat Hageböck eine andere tolle Idee:

Eine unvollständige Auswahl von Interview-Partnern der „Jungen Freiheit“ belegt, dass dieses Organ in den letzten 25 Jahren die unterschiedlichsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für einen Beitrag gewinnen konnte. Hier aufgeführt sind Prominente unterschiedlichen Glaubens (Juden, Moslems, Christen) sowie linke Politiker (womit dem Vorwurf entgegnet sein soll, die Zeitung sei rechtsaußen). Bei soviel Prominenz wirkt die Zensur von Pfarrer Oblinger völlig absurd und lächerlich.

Es folgt eine Liste mit diversen „Juden, Moslems, Christen, Sozialdemokraten und weiteren linken Politikern“. Abgesehen davon, dass diese Aufteilung ziemlich dämlich ist – sie verschweigt auch ein paar Dinge. Die Liste mit den Namen bekannter Interviewpartnern ist jedenfalls bestenfalls ein Viertel der Wahrheit. Nicht nur, dass sämtliche für die Verteidigung der JF unbequemen Personen unerwähnt bleiben – Hageböcks Auflistung will zudem den Eindruck erwecken, als hätten alle Aufgeführten der Zeitschrift im vollen Bewusstsein ihres Standpunkts Rede und Antwort gestanden. Das Gegenteil ist der Fall:

Charlotte Knobloch etwa, von 2006 bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, gab der Jungen Freiheit im Jahr 2000 ein Interview. Das stieß im ZdJ auf keine große Begeisterung – man distanzierte sich prompt von der Zeitschrift und gab die Losung aus, in Zukunft nicht mehr mit „rechtsgerichteten Medien“ zu kooperieren. Auch wurde die von Hageböck genannte Elvira Noah kritisiert, die zuvor mit der JF sprach. Michel Friedman, der ebenfalls in der Liste geführt wird, wird von der Berliner Zeitung 2000 zitiert, es sei problematisch, sich der JF „als Gesprächspartner anzudienen“.

Auch Heinz Buschkowsky, SPD-Politiker und Bürgermeister von Berlin-Kreuzberg mit dem Hang zu Sarrazinscher Polemik, entschuldigte sich 2005 öffentlich für sein Interview mit der JF. Buschkowsky behauptete, nichts von dem Charakter des Blattes gewusst zu haben; Chefredakteur Dieter Stein habe die Zeitschrift als „konservativ“ vorgestellt. Allerdings kam Buschkowsky später selbst zur Einschätzung, die JF sei „rechtsradikal bis neonazistisch“.

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang eine SPD-Broschüre von 2005, die in der Partei bezeichnenderweise nicht unumstritten ist. Dort heben die Autoren Sebastian Edathy und Niels Annen die Rolle der vermeintlich seriösen Interviewpartner für die Außenwirkung der Jungen Freiheit hervor:

Es darf auch keinerlei Beiträge oder Interviews für extrem rechte Zeitschriften geben. Dies gilt insbesondere für Blätter wie die „Junge Freiheit“ und „Criticon“, die sich damit als demokratisch legitimieren wollen.

Medien wie die Junge Freiheit, oder auch die nach eigener Aussage konservative Jugendzeitschrift Blaue Narzisse wissen natürlich: Wollen nicht-rechtsaffine Politiker oder Kulturschaffende einigermaßen seriös bleiben, werden sie ihnen im Zweifelsfall keine Interviews geben. Deshalb wird die Ausrichtung in der Regel verschwiegen, mit „konservativ“ angegeben – oder man versucht, wie es Hageböck nun auf kath.net probiert, mit dem Aufzählen anderer namhafter Personen alle Zweifel zu zerstören.
Schwer zu sagen, wie viele der in der Liste enthaltenen Politiker nicht wussten, mit was für einer Zeitschrift sie es zu tun hatten.

kath.net bemüht sich seit Tagen darum, die Junge Freiheit als ein konservatives, kirchenfreundliches Medium zu zeichnen, das von Bischof Zdarsa und den bösen linken Medien völlig willkürlich als rechtsradikal gebrandmarkt wird. Und so fehlen in Hageböcks Index vertrauenswürdiger JF-Interviewpartner naturgemäß all jene, die der Argumentation nicht dienlich sind. Das in der Jungen Freiheit abgedruckte Gespräch mit NPD-Chef Udo Voigt, die Tiraden des französischen Neonazis Alain de Benoist, die Opferschätzungen des Holocaust durch Alfred Schickel, die mit Nazis verbundenen Claus Wolfschlag oder Günter Zehm: Diese Autoren und ihre Texte werden einfach ausgeblendet, als ob sie für den Charakter der JF nicht wichtig wären.

Die als Stichwortgeber dienenden Artikel werden von den kath.net-Lesern entsprechend begeistert angenommen. Drei der mittlerweile sechs Texte haben mehr als 70 Kommentare aufzuweisen, und auch unter Hageböcks Erguss finden sich bereits 20 Meinungen. „Gewitterwolke“ nennt Konrad Zdarsa da etwa einen ‚Schwächling-Bischof‘, „JohannBaptist“ spricht vom ‚Augsburger Intrigantensumpf‘, den es trocken zu legen gelte.
Und ein besonders unterhaltsamer Beitrag gelingt „Dismas“ unter dem gestrigen Artikel von Gernot Facius:

Auch Gernot Facius verteidigt nun die „Neue Freiheit“
Ich sehe bei der JF auch keinen „Rechtsextemen Hintergrund“.
„Deutschnational“ entspricht nicht meiner Denkrichtung aber ich halte es für völligen Unfug, ja verleumderisch, diese Einstellung mit einem „Braunen Sumpf“ zu verbinden. Wenn man die heutige „Mainstream-Presselandschaft“ mit ihrer atheistischen oder gnostischen Linkslastigkeit betrachtet, könnte man fast der Meinung sein, die DDR hätte sich modernisiert und Westdeutschland übernommen!! Dem müssen wir als Katholiken verantwortungsbewusst entgegentreten!


4 Antworten auf „Beste Gesellschaft“


  1. 1 F. M. 22. Januar 2012 um 23:23 Uhr

    Michael K. Hagenböck bejammert, dass hier ein Menschenrecht verletzt wird:

    Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist verbürgt in: Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen;

    Ja weiss der gute Mann denn nicht, dass die Menschenrechte der katholischen Hierarchie am Ar… vorbei gehen? Dass die römisch-katholische Kirche als einzige, neben der Despotie Weissrussland, sich bockbeinig weigert die Menschrechterklärung zu ratifizieren?

    Und so ganz nebenebei, wenn die Zensur der katholischen Hierarchie, die ja keine Demokratie ist, wie immer wieder betont wird, sondern ein Feudalsystem nach mittelalterlichem Vorbild, die „richtigen “ trifft, wie zum Beispiel Hans Küng oder Eugen Drewermann, dann ist doch in Hagenböcks Kreisen der Jubel gross.

  2. 2 nms 23. Januar 2012 um 18:27 Uhr

    Michael K. Hageböck stellt erstaunliche Glaubens-Persilscheine aus. So behauptet er locker: „Chefredakteur der Jungen Freiheit ist Dieter Stein (1967), ein gläubiger Protestant, der überzeugte Christen beider Konfessionen unter seinen Mitarbeitern hat.“
    Mir sind schier Tränen der Rührung gekommen. Ach diese frommen jungen Leute, so ein tolles Kirchenblättchen, das ich das noch erleben darf.
    Und erst der Heilige Vater in ihrem wunderhübschen Buchladen: Da hängt er, zu seiner Rechten der gute Schächer Alain de Benoist und zu seiner Linken noch ein guter Schächer, Carl Schmitt.
    Und unsere braven Katholen von kath.net fühlen sich sowas von katholisch dabei, diese Häschen sind förmlich high. Was für ein Kraut mischen nur diese Vorbeter in ihre Diskurse? Und wie sie doch die Worte genüsslich mümmeln in ihren Kommentaren, diese über den geistigen Löffel Barbierten.

  3. 3 Wolfgang 24. Januar 2012 um 0:23 Uhr

    Ja und beratungsresistent sind die bei kath.net auch noch. Mehrere Kommentare von mir wurden nicht veröffentlicht, weil ich dort entsprechende Autoren benannt habe, oder versucht habe, klar zu machen, dass eben die JF nicht das ist, was kath.net von ihr hält.
    Aber vielleicht wird es ja gerade hoffähig, dass man nur Teilwahrheiten bekannt gibt oder nur das zugibt, was auch nachweisbar ist. (Man nennt es ja neuerdings auch wulffen) :)

  4. 4 Volker 24. Januar 2012 um 8:36 Uhr

    @Wolfgang

    Aber dann stellt sich kath.net hin und schreit ganz laut „Zensur“, diese Verlogenheit ist unglaublich und eines katholischen Portals unwürdig.

    Das wird übrigens hier sehr schön auf den Punkt gebracht:

    http://www.lectiobrevior.de/2012/01/ubn.html

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× zwei = zwölf