Wer nicht passt, wird passend geschwiegen

Dass die Junge Freiheit eine Zeitschrift ist, die gleichermaßen CDU-Rechtsaußen wie NPD-Kader anzieht, ist keine Neuigkeit. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa scheint das allerdings erst jetzt gemerkt haben – kath.net zufolge rief er nun einen Pfarrer zur Ordnung, der für die Junge Freiheit schrieb:

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat den Stadtpfarrer von Ichenhausen (Kreis Günzburg), Georg Alois Oblinger, wegen dessen Tätigkeit bei der rechtsgerichteten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zurechtgewiesen. Oblinger hat seit einigen Jahren Beiträge für diese Zeitung verfasst. Das berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung.
[…]
„Selbstverständlich werde ich mich an die Weisungen der Diözese halten“, sagt dazu Pfarrer Oblinger. Das Wochenblatt sei eine dezidiert konservative Zeitung, aber „klar auf demokratischem Boden stehend“, verteidigte er sein bisheriges Engagement.

Die Junge Freiheit ist die zweitgrößte Wochenzeitung Deutschlands. Zahlreiche bekannte katholische Autoren publizieren in der JF, beispielsweise Professor Wolfgang Ockenfels, Jürgen Liminski, Martin Lohmann und Gabriele Kuby, Johanna Gräfin von Westphalen und Mechthild Löhr, Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben und Dame des Silvesterordens.

Gabriele Kuby ist ein schönes Beispiel: Die Autorin, die Harry Potter für das personifizierte Böse hält, Homosexuelle aus acht guten Gründen verachtet und die dann und wann den Holocaust relativiert, veranschaulicht ziemlich deutlich, dass intellektuell und/oder moralisch redliche Menschen der Zeitschrift besser fern bleiben sollten.

Einen weiteren „bekannten katholischen Autor“ der Jungen Freiheit hat kath.net – und das kann in der Eile natürlich schon einmal passieren – allerdings vergessen: Den „dezidiert konservativen, aber klar auf demokratischem Boden stehenden“ Historiker, im EDV-Dienstleistungsgewerbe tätigen Freizeitrassisten, Großdeutschland-Träumer, Horst-Wessel-Lied-Fan, Neonazi und ehemaligen kath.net-Gastkommentator Marcus B..

Dass die Junge Freiheit übrigens die „zweitgrößte“ deutschsprachige Wochenzeitung sein soll, ist ein wenig übertrieben: Während der Spiegel wöchentlich ~930.000 Exemplare und die ZEIT ca. 500.000 verkaufen kann, liegt die Auflage bei der JF bei übersichtlicheren 21.000.


2 Antworten auf „Wer nicht passt, wird passend geschwiegen“


  1. 1 Chris Heymen 18. Januar 2012 um 21:23 Uhr

    Ich habe heute versucht, auf der Facebook-Präsenz von kath.net folgende Zeilen zu einem verlinkten Artikel („Zensur im Bistum Augsburg“) zu veröffentlichen, sie wurden binnen Minuten gelöscht und mein Zugang gesperrt. Daher platziere ich die Sätze jetzt hier:

    „Es ist erstaunlich und doppelzüngig, dass kath.net, das selbst Kommentare, die nicht in das Konzept eines Artikels passen (zB wenn man sich bemüht, zwischen polarisierenden Meinungen zu vermitteln; leider ist Polarisierung erwünscht), zensiert und die Nutzer, die nachfragen, wann denn der Kommentar veröffentlicht wird, sperrt, sich hier über anderweitige Zensur echauffiert. Das nenne ich Heuchelei. Für weitere Informationen über die Praktiken von kath.net kann ich www.explizit.net empfehlen, in die Suchfunktion kath.net eingeben. Hier gab es eine gute Berichterstattung und Diskussion darüber.“

    Es ist wirklich eine Schande, dass dieses Portal die Bezeichnung „katholisch“ derart missbraucht

  2. 2 Administrator 18. Januar 2012 um 22:27 Uhr

    Hallo Chris,
    ein guter Punkt! Die Zensur bei anderen zu kritisieren, obwohl man selbst nicht besser ist, ist in der Tat ziemlich bigott und unsinnig.

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