Warum liegt hier eigentlich Stroh?

Man muss kath.net ja wirklich eines lassen: Roland Noé und seine Unterstützer machen keine halben Sachen. Wenn erstmal ein „Skandal“ ausgemacht worden ist, konzentriert man sich auf eine lückenlose Aufdeckung. In diesem Falle: kath.net kann sich gewissermaßen darauf versteifen, eine Geschichte so gut es geht auszuschlachten. Aktuell trifft es Weltbild.

Dass sich über den Weltbild-Verlag nicht nur Bibeln, Papst-Biographien und theologische Lektüren beziehen lassen, stellte beispielsweise bereits 2008 die Süddeutsche fest:

Zu den besten Geschäftemachern im deutschen Medienmarkt gehört seit einigen Jahren die katholische Kirche. 14 Diözesen besitzen die Weltbild-Gruppe in Augsburg, die rasant zulegt – und doch denken die katholischen Bischöfe in Deutschland nun über den Verkauf des Konzerns nach.
[…]
Ein Verlag dieser Größenordnung kann sich der Vielfalt von Themen nicht erwehren. Wer auf buecher.de, einem Ableger der Gruppe, den Suchbegriff „Erotik“ eingibt, findet inzwischen 4364 Treffer. Zuoberst: „Die Lehre der Lust. Kleine Hure.“ Darunter: „Die Unterwerfung der Hure Zarah“. Und darunter der Titel: „Geld verdienen mit Sex, Erotik und Porno“.

Vielleicht veranlasst durch die Aufdeckungen des ORF, denen zufolge der Gastkommentator Marcus B. eine rechtsradikale Vergangenheit hatte, suchte sich kath.net dennoch den Weltbild-Verlag als Zielscheibe der neuesten Kampagne aus – Sex sells, auch unter Fundamentalisten. Am 18. Oktober berichtete man erzürnt „2500 Erotik- und Pornoangebote beim ‚katholischen‘ Weltbild-Verlag“:

Die Verlagsgruppe „Weltbild“, die „mehrheitlich in der Hand der katholischen Kirche ist“, steht dem „Geschäft mit Erotik“ aufgeschlossen gegenüber. Frühere Aussagen, „Weltbild verzichte mit Rücksicht auf die katholische Moral auf einigen Umsatz, relativieren sich mittlerweile“.
[…]
[Unter den angebotenen Büchern] seien sogar „Titel des Verlags Blue Panther Books mit seiner Sex-Prosa der Reihen ‚Anwaltshure‘, ‚Vögelbar‘ und ‚Schlampeninternat‘“, berichtete der „Buchreport“ weiter

Ja sowas!
Am selben Tag vermeldete kath.net stolz, die Bischöfe „nehmen das nicht einfach hin!“, was auf die „KATH.NET-Berichterstattung“ zurückzuführen sei. Am 20. Oktober folgte der Verweis auf den Münchener Kardinal Marx, der erörterte, dass „weder Pornografie noch Gewaltverherrlichung“ erwünscht seien, weshalb der „Druck auf WELTBILD-VERLAG“ steige. Am 21. Oktober konnten die Leser lernen, dass sich der „Sexskandal“ ausweite:

Der Skandal um die Porno- und Erotikangebote im Weltbild-Verlag weitet sich aus. So ist der Weltbild-Verlag auch an anderen Verlagen beteiligt, zum Beispiel mit 50 % an der Verlagsgruppe Droemer Knaur. In dieser Verlagsgruppe wird Pornografie nicht nur vertrieben, sondern sogar produziert. Unter Knaur Erotik findet man zahlreiche eindeutige Angebote wie “Wilde Obsession”, “Sündige Spiele” oder “Absolut Sex”.

Und am 24. Oktober schließlich wurde ein Artikel aus der Tagespost veröffentlicht:

Aber allein die Fünfzig-Prozent-Beteiligung des bischöflichen Weltbild-Verlags bei Droemer-Knaur zeigt, dass hier nicht nur irgendwelche Filter schlüpfrig geworden sein könnten. Der Fehler steckt vielleicht im System. Droemer-Knaur verlegt nicht nur buddhistische Literatur, sondern auch knallharten Sex und Erotik.

An dieser Stelle sollte man vielleicht einmal einhalten; ausatmen, wieder einatmen und den Schaum vom Mund streichen. „Übelmeinende“ könnten also der katholischen Kirche vorwerfen, mit Erotikartikeln Geld zu verdienen? Sieht da jemand die so nahe scheinende Verbindung mit der Piusbruderschaft scheitern, denn welche andere Gruppe in der Gesellschaft vertritt eine derart reaktionäre und lächerliche Position zur Sexualmoral wie die rechten Christen um kath.net?

Abgesehen davon, dass die auf weltbild.de oder buecher.de vertriebenen Bücher und DVDs keine Pornografie im eigentlichen Sinne darstellen und ab 16 Jahren freigegeben sind: Ich behaupte einmal, dass der schon von Titel und Cover her großartige Film „Graf Porno bläst zum Zapfenstreich“ auch für das Eheleben der aktuell exzessiv interviewenden Roland und Linda Noé ein Gewinn sein könnte.

Dass indes nicht etwa diskutiert wird, wieso bei Weltbild Bücher von Rassisten wie Udo Ulfkotte („Albtraum Zuwanderung“, „SOS Abendland“) vertrieben werden, zeigt die widerliche Doppelmoral: Sex ist böse, mit Hass auf andere Menschen darf hingegen gerne Geld verdient werden.


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