Archiv für Oktober 2011

Süßes oder kath.net ii

Dass kath.net mit Halloween nicht besonders viel anfangen kann, durfte ich vor exakt 365 Tagen schon einmal feststellen. Zu ungeheuerlich scheint der Umstand, dass sich dieses eher säkulare Fest auch in Mitteleuropa etablieren könnte; noch schlimmer, dass dadurch der katholische Feiertag Allerheiligen (1. November) etwas an Presse und Beachtung einbüßt.

Statt wie letztes Jahr Philipp Mißfelder lässt kath.net diesmal Armin Schwibach erklären, wieso Halloween böse ist. Und wie im Vorjahr wird natürlich nicht diskutiert, was für ein unsinniger Kommerzquatsch mit diesem Fest betrieben wird – es geht schließlich um höhere Mächte:

Ist Halloween mit seinen Todesmasken und seinem Spiel mit der „dunklen Seite der Wirklichkeit“ also eine Art Zelebration der Neigung zum Dämonischen?

Jein! Denn:

Das Dunkle und Magische zieht an. Es wird als reales Unreales wahrgenommen. Das Dunkle beflügelt uneingestandene Phantasien, die in radikalem Widerspruch zur alltäglichen Lebenswelt stehen. So faszinierten und faszinieren Harry Potter und seine Zaubergenossen Kinder, die – weil Kinder – Übersinnliches vom Sinnlichen nicht kategorial trennen, für die „zaubern“ und „verzaubert sein“ zum Wachsen und Reifen hinzugehören.

Könnte auch Schwibach „Übersinnliches vom Sinnlichen kategorial trennen“, so hätte er wohl auf die folgenden Zeilen verzichtet:

Ein Problem stellt sich allerdings, wenn es nicht die Kinder sind, die Schlange stehen, um das magische Buch zu kaufen, sondern die Eltern. Dann wird aus Halloween Horror, aus Schrecken Terror, aus dem vielleicht noch erahnten Heiligen ein unerreichbares Desiderat. Die im dämonischen Kostüm feiernde Seele kann sich nur betrinken, um nicht an der unendlich weit entfernten Heiligkeit zu ersticken.

Ach, das ist selbst mir zu blöd.

Von nichts gewusst

2009 verlief, im Rückblick betrachtet, vergleichsweise unspektakulär. Barack Obama erhielt aus zweifelhaften Gründen den Friedensnobelpreis, der Eisvogel wurde in Deutschland völlig zu Recht zum Vogel des Jahres gewählt und das Betriebssystem Windows 7 bereicherte die Computerwelt.

Angela Merkel, die im selben Jahr noch zum zweiten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt werden sollte, verscherzte es sich 2009 mit den katholischen Fundamentalisten: Sie wagte es tatsächlich, Papst Benedikt anlässlich seiner Bemühungen um die reaktionäre Piusbruderschaft zu kritisieren. Deren Bischof Richard Williamson hatte zuvor im schwedischen Fernsehen mal wieder den Holocaust geleugnet.

Das gefiel kath.net nicht besonders: Wie konnte sich Angela Merkel (Frau! Protestantin! Angela Merkel!) einbilden, den Papst mit guten Ratschlägen versorgen zu müssen? Vorsichtshalber erstellte Roland Noé am 3.2. unter seinem Community-Nick „Gandalf“ im zugehörigen Forum den Thread „Angie gegen Benedikt“, der es auf die respektable Zahl von 974 Posts bringen sollte. Neben allerlei üblichem Geplauder darüber, dass die CDU ja spätestens jetzt für echte Katholiken unwählbar geworden sei, finden sich dort auch einige tatsächlich bemerkenswerte Beiträge.

Dass Linz, Standort von kath.net, just im Jahr 2009 zur Europäischen Kulturhauptstadt erklärt wurde, ist im Thread nicht zu bemerken. Stattdessen fallen Posts auf, die mit ’saublöd‘ noch nett beschrieben sind. Voran schreitet dabei die Moderatorin (!) „Philothea“, die mit mehr als 6000 Postings hinter „Gandalf“ auch zu den Vielschreiberinnen des Forums gehört. Weil „Philothea“ vor kurzer Zeit verstorben ist, verzichte ich an dieser Stelle auf Screenshots und unnötige Polemik gegen sie und zitiere nur ihre Beiträge.

Richard Williamson jedenfalls hatte 2008 im schwedischen Fernsehen folgende Sätze zu Protokoll gegeben:

Ich glaube, dass es gar keine Gaskammern gab […] Ich denke, dass 200.000 bis 300.000 Juden in nationalsozialistischen Konzentrationslagern umgekommen sind […] aber keiner von ihnen durch Gaskammern

Dafür hat „Philothea“ eine eigenartige Erklärung:

Bitte bedenkt das Williamson Engländer ist.
Für Engländer hat der Holocaust eine andere Bedeutung als für uns Deutsche.
Aber vor allem in England spielen andere Sachen eine wichtigere Rolle im Geschichtsuntterricht.
bitte nicht meinen, das was wir Deutschen in Geschichte lernen wäre in anderen Ländern auch so

Auf Proteste anderer User antwortet sie:

Ich denke, wir Deutschen – oder deutschsprachigen- meinen immer alle müssten über den Holocaust so informiert sein wie wir. Aus anderen Ländern die sind aber darüber meist nur schlecht informiert.
Das kann man sich auch leicht überlegen: Wieviel wissen wir über den Armeniermord in der Türkei oder über die ETA oder oder oder
…oder schauen wir in unsere eigene geschichte – wieviel wissen wir über die Rassenunterddrückung und den Ermordungen des Kaiserreiches in den Kolonien?

Abgesehen von den Unterschieden der Verbrechen und vom Umstand, dass Richard Williamson den Holocaust nicht aus Unkenntnis, sondern aus eindeutig antisemitischen Gründen leugnete, ist das noch gar nicht so schlimm. Jedenfalls verglichen mit dem, was „Philothea“ einige Tage später schreibt:

ich hab mich mit meinem Vater untehalten und da kam raus
Es gab in den 80er einen amerikanischen Wissenschaftler der Auschwitz untersucht hat und festgestellt hat das in den Gaskammern niemand umgebracht wurde, da die Wände Gasfrei waren.
Es war ein angesehener Wissenschaftler der auch Untersuchungen in den Todeskammern der USA machte.
Er stellte fest dass die Wände der Räume in denen die Wäsche von Ungeziefer befreit wurde, 10 cm tief verseucht waren, in den Gaskammern für die Menschen aber gar keine Verseuchung war.
Das publizierte er zum Schrecken für die Polen und auch Deutschen.
Es kam zum Prozeß wegen Holocaustleugnung in Deutschland. Erst hier wurde dann klar dass Auschwitz von den russischen Panzern komplett zerstört wurde und von Deutschen rekonstruiert wurde. Mein Vater hat damals für diesen Prozeß übersetzt und weiß von daher was da los war.

Wenn Williamson dieses Buch gelesen hat, dann sind seine Aussagen zu verstehen.
Und Williamson beruft sich, wenn ich das richtig mitbekommen habe auf ein amerikanisches Buch aus dieser Zeit.

Und dann eben nochmal
Engländer und Amerikaner sind lange nicht so firm in Deutscher Geschichte wie wir Deutschen ;)

Sie bezieht sich dabei auf den sog. Leuchter-Report, ein Prozessgutachten von Fred Leuchter. Es ist, wie Wikipedia schreibt, „in der Bundesrepublik Deutschland als Volksverhetzung strafbar.“
Dass „Philothea“ diesen längst widerlegten Mist nicht nur als mildernde Umstände für Williamson wertet, sondern gar als Tatsache darstellt, ist ziemlich ungeheuerlich. Immerhin widerlegt „Franziska“ diesen Unfug daraufhin. Als sich die kritischen Stimmen mehren, stellt „Philothea“ fest:

ich habe nicht geschrieben dass es richtig ist sondern dass es zu verstehen ist, dass er nicht so bescheid weiß.
Mensch Leute nur weil wir in den deutschsprachigen Ländern ab der 6. Klasse immer wieder über den Holocaust informiert werden, heißt das doch nicht dass alle Menschen auf der Welt darüber genauso gut Beschied wissen. Wir wissen über die Geschjichte anderer Länder auch nicht wirklich Bescheid.

Natürlkich ist es furchtbar, dass die Menschen über so schreckliches nicht Bescheid wissen aber es ist so.
Nur das wollte ich klar machen, ich wollte damit niemand in Schutz nehmen der den Holocaust leugnet – ok?

Und bezugnehmend auf „Franziska“:

Ach weil ich zu verstehen versuche, warum ein Mensch den Holocaust leugnet bin ich selber nicht firm in der deutschen GEschichte?
Du scheinst mich besser zu kennen als ich mich kenne ;) ;)
Es ging einfach darum mal zu versuchen aufzuzeigen dass nicht alle Menschen soviel von deutscher Geschichte wissen (und wissen müssen) wie wir deutschen.
OK?
Natürlich kann jeder mehr wissen aber nicht jeder irgendwo auf der Welt muss die deutsche Geschichte kennen – wir kennen uns ja auch nicht in den Gräueltaten aller anderen Nationen aus.

Nein es ist nicht der Prozeß gewesen den du dort aufführst – ich weiß auch gar nicht warum du nun auch noch meinst zu wissen wo und wann mein Vater bei einem Holocaustleugnerprozeß übersetzt hat ;) :P

Auf den Einwurf von „Benedictus“, von einem Bischof könnte man ein bisschen Allgemeinwissen schon verlangen, antwortet „Philothea“:

Für uns deutschen ist das Thema Holocaust ein Thema was viel beschrieben wird und viel in den Köpfen ist in allen anderen Nationen um uns herum ist das aber nicht so.

Ob ein Bischof wirklich alles wissen muss? ich finde nicht.

Und auf die Feststellung, dass der Leuchter-Report einen „zweifelhaften Ruf“ besitze, entgegnet sie:

Was heißt zweifelhafter Ruf

bis Ende der 80er war er eben nicht unbedingt in zweifelhaftem Ruf

„Anglican“, der/die im gleichen Atemzug Eva Hermann in Schutz nimmt, glänzt danach mit einem eher kruden Vergleich:

Zu Williamson: Seine Ansichten sind absurd. Ebenso ist aber diese internationale Hexenjagd absurd, die jetzt auf diesen Mann veranstaltet wird. Da wirft man der Kirche vor, in den vergangenen Jahrhunderten Andersgläubige und Ungläubige verfolgt zu haben. Und was erlebt man gerade mit Williamson? Bloß daß hier nicht die Kirche die verfolgende Institution ist, sondern die Medien in Verbindung mit den offenen, westlichen Demokratien.

Wie gesagt, ich möchte in diesem Zusammenhang auf unnötige Spitzen gegen „Philothea“ verzichten, und deshalb halte ich mich abschließend etwas allgemeiner: Es ist bezeichnend, dass eine Moderatorin, die Vorbildfunktion besitzen sollte, derartigen Unfug in ein Forum schreiben kann, während andere User für liberale Ansichten gesperrt werden. Aktuell lässt sich diese absurde Bigotterie übrigens im Thread „Christen und Erziehung“ verfolgen, in dem Posts von „tweety“ gelöscht werden, weil sich diese gegen körperliche Gewalt gegenüber Kindern ausspricht.

Mit Dank an Wilhelm für den Hinweis.

Expertenmeinungen zum Islam

Nach dem ganzen Weltbild-Irrsinn ist es schön zu sehen, dass kath.net auch den Kernbereich des Islamhasses nicht vernachlässigt. In einem idea-Artikel nämlich wird über „bi-nationale“ Ehen berichtet, in denen (christliche) Frauen häufiger die Religion ihres (muslimischen) Partners annehmen sollen. Das ist vergleichsweise unspektakulär, und zu bemäkeln gäbe es allenfalls den Umstand, dass der vermeintlich rasante Anstieg von 250-300 konvertierten Frauen pro Jahr (2001) zu 2000 im Jahr 2011 nicht eingeordnet wird.

Im Kommentarbereich spielt sich daraufhin das übliche Spiel ab: Der Islam ist böse, we are doomed. Findet jedenfalls „nemrod“, der/die sich Sarrazins Unfug zu Herzen genommen hat:

In ca einhundert Jahren ist D ein muslimisches Land, wenn nicht gar ganz Europa – so ähnlich war die islamische Landnahme seinerzeit auch in Kleinasien und Nordafrika! Aber Hauptsache Selbstverwirklichung und Fun – gg das offensive Auftreten der Muslime hierzulande darf nichts gesagt werden bzw. die christlich-abendländische Wurzel wird entweder mißbraucht oder aber verleugnet. Es ist nicht die islamische Stärke, die Angst macht sondern die Schwäche der hiesigen „christlichen“ Gesellschaft, die schon als hündische Unterwerfung bezeichnet werden kann.

„Dismas“ bezieht sich auf diesen Kommentar und findet eine wertfreie Bezeichnung für den Islam: „Geißes Gottes“:

Der Islam ist wieder mal die „Geißel GOTTES“ für Europa, damit wir uns besinnen, das Gottlosigkeit, Geld, Sexbesessenheit(Porno HS,Werbung) Selbstverwiklichungswahn(Feminismus) GOTT nicht ersetzen können.
Wir, unsere Gesellschaft hat es nicht besser verdient in ihrer traurigen Gottvergessenheit und auch militatem Atheismus und Gotteshass

Für höhere Aufgaben empfiehlt sich aber „JungeChristin“, die schon in den vergangenen Wochen von sich Reden machte. Hier kennt sich jemand mit der linken Subkultur aus:

Es gibt unter politisch links und anarchistisch orientierten Frauen viele, die die christlichen Werte grundsätzlich ablehnen, deutsche Männer hassen und Deutschland lieber heute als morgen eliminieren wollen. Diejenigen sind für diese Ziele auch bereit, mit moslemischen Männern zu leben und Muslima zu werden. – Das hat alles wenig mit religiösen Gründen, sondern sehr viel mit politischen und gesellschaftlichen Gründen zu tun. Auch das auffallende Interesse grüner und sozialdemokratischer Frauen am Islam und deren Einsatz zB für Moscheebauten, gleichzeitig massive Ablehnung von Glockenläuten und Prozessionen sollte zu denken geben.

Warum liegt hier eigentlich immer noch Stroh?

+++UPDATE: JETZT NOCH VERSAUTER!!+++

Es muss sich wundervoll anfühlen, wenn man als katholischer Fundamentalist guten Gewissens im Internet nach Begriffen wie „Porno“ oder „Sex“ suchen kann – schließlich ist Roland Noé und sein kath.net-Team gerade auf der Suche nach weiteren Enthüllungen im sog. „Sexskandal“.

Der Weltbild-Konzern, der mehrheitlich der katholischen Kirche gehört und der wiederum ein Drittel von buecher.de besitzt, war in den letzten Wochen durch die harte Recherche von kath.net in Bedrängnis geraten: Sie boten schließlich Bücher und DVDs an, die erst ab 16 Jahren freigegeben waren!
Obwohl betont wurde, die „Enthüllungen“ würden hinsichtlich der Gefahr kirchenferner Kritik vorgenommen, so darf man doch eher annehmen, dass kath.net die rigide Sexualmoral wieder etwas gesellschaftsfähiger machen und Zensur ausüben möchte.

Das neueste Ziel der Kritik ist ein Film namens „Porn Horror Movie“ (der im englischen Original übrigens auf den etwas subtileren Titel „One-eyed monster“ hört).
kath.net merkt entrüstet an:

Allerdings sind sogar am Freitag Mittag nach wie vor geschmacklose Angebote sogar bei Weltbild.de zu finden. So gibt es z. B. ein Video „Porn Horror Movie“. Ein Auszug aus der Produktbeschreibung: „Als sich Porno-Superstar Ron (Ron Jeremy) mit einer Schar heißer Nachwuchs-Talente zu einem Low-Budget-Dreh in eine einsame Berghütte zurückzieht, erwartet er einen leichten Job. Doch kaum ist die erste Klappe gefallen, wird der Hauptdarsteller von einem unheimlichen Blitz aus dem All getroffen – mit mörderischen Folgen: denn jetzt macht sich Rons sagenumwobenes Super-Genital selbständig und bohrt sich gnadenlos von einem blutigen Höhepunkt zum nächsten….“

Hätte sich kath.net weiterhin über diesen Film informiert, wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass es sich um eine trashige Komödie handelt, die, natürlich, ab 16 Jahren freigegeben ist. Mich erinnert die Story übrigens frappierend an den (dem Trailer zufolge) großartigen Film „Rubber“, in dem ein Reifen als Mörder auftritt.

Lustig übrigens, dass kath.net bekanntlich nicht nur rassistische Bücher auf weltbild.de egal sind – auch der ebenfalls ab 16 Jahren freigegebene Film „Die Passion Christi“ wird dort verkauft. Und obwohl dieser vielfach verstörendere Bilder (und antisemitische Hintergrundgedanken) enthält als der „Porn Horror Movie“ und alle Erotikbücher, wurde er beim Erscheinen auf kath.net gefeiert.

Anlässlich dieser an Bigotterie und Wahnsinn kaum zu überbietenden Kampagne sei hier noch an einen wundervollen kath.net-Beitrag zum Thema Denglisch erinnert: So empfanden „besorgte“ kath.net-Leser den Slogan „kiss and ride“ als „Hinweis zur Prostitution“. Ohne zu googlen oder nachzudenken leitete kath.net die Bedenken an die Stadt Wien weiter. Die Geschichte ist so wundervoll, dass sie sogar in dem Wikipedia-Artikel zum Thema Erwähnung findet.
„Kiss & Ride“-Schilder sind übrigens Kurzzeitparkplätze, auf denen Autos zwecks Abholung Reisender halten können.

+++UPDATE+++

Im Thread zum „Sexskandal“ um Weltbild hat Roland Noé alias „Gandalf“ nun drei wahrlich schockierende Bilder verlinkt:
1, 2, 3. Sie zeigen drei DVD- bzw. Buch-Cover, die klarmachen: Hier muss etwas geschehen. So kann es nicht weitergehen! Angezogene Frauen, Männer mit Sonnenbrillen – kommt schon, Weltbild! Das ist schwach und eines zünftigen „Sexskandals“ nicht würdig!

Im gleichen Thread weist „Gandalf“ auch die Vielschreiberin „Cindarella01″ in die Schranken:

@Cinderella: Eigentlich muss man ja hier Deinen Schwachsinn,den Du hier ablässt, kommentieren. Denn offensichtlich hast DU keine Ahnung, um was es hier geht. Ich kann Dir entsprechende widerliche Screenshots der PORNO-Angebote – nichts anderes ist das, auch wenn weltbild.de dies nicht so sieht – zukommen lassen, mit der Detailbeschreibung und entsprechenend Fotos, die man auf kath.net nicht einmal veröffentlichen könnte, schicken. Du solltest Dir daher die Frage stellen, wie katholisch Du denn bist, wenn Du hier diese widerlichen Dinge relativierst.

Da war doch noch was

Es sind mittlerweile beinahe drei Wochen ins (großdeutsche) Land gegangen, seitdem der ORF die von mir bereits im Monat zuvor recherchierte rechtsradikale Vorgeschichte des kath.net-Gastkommentators Marcus B.s publik machte.
Was ist in der Zwischenzeit geschehen?

Eine vollständige Klärung der Umstände, wie ein Neonazi auf kath.net gelangen konnte, ist bisher jedenfalls ausgeblieben. Und dabei versprach es doch ein offener Umgang mit den eigenen Fehlern zu werden! Wir erinnern uns an die auf dem Portal erschienene und betont sachlich mit „kath.net und ein lokales Medientheater“ überschriebene Klarstellung:

„Mein Name ist M.B. (Name Kath.Net bekannt), Jahrgang 1966,[…] wohnend, von Beruf selbständiger EDVler (Hauptkunde …). Studiert hatte ich nach dem Abi Geschichte mit dem Nebenfächern Politik und Mediävistik. Während des Studiums begann auch das Interesse am Katholizismus. So suchte ich mir für die Magisterarbeit (Uni Bochum) wie für meine Promotion (Katholische Uni Eichstätt 1999) kirchengeschichtliche Themen (politischer Katholizismus, katholische Publizistik, Josef Görres).“

So stellte sich vor einigen Monaten bei KATH.NET ein Autor vor, der einen Gastkommentar anbot, der in der Folge auch publiziert wurde. Themen waren u. a. der Dialog in der deutschen Kirche. KATH.NET bekommt täglich Angebote für Gastkommentare; diese werden nicht finanziell abgegolten.

Am 6. Oktober wurde in mehreren Medien behauptet, M. B. sei Autor in rechtsradikalen Organen und sei früher in der rechtsradikalen Szene gewesen. KATH.NET recherchierte umgehend und fragte bei M. B. nach. Dieser schickte eine Stellungnahme, in der er die aktuellen medialen Berichte teilweise bestätigte.

KATH.NET publiziert allerdings grundsätzlich keine Kommentare aus dem rechtsradikalen Bereich; die Redaktion deaktivierte vorläufig bis zur weiteren Prüfung der Sachlage die Gastkommentare von M. B.

Dass der Name des Autors auf die Initialen verkürzt und die Zeit der Veröffentlichung von 20:00 auf 16:00 Uhr manipuliert wurde, konnte nur eines heißen: Hier drängte Roland Noé tatsächlich auf eine schnelle und transparente Lösung. Auch das implizierte „Wer konnte das denn ahnen?“ schien verständlich: Wie sollte man heutzutage auch an nähere Informationen über einen Menschen gelangen? Und wieso sollte es einen stutzig machen, dass der (großdeutsche) Autor ausländerfeindlicher Artikel für kath.net den selben Namen besaß wie ein deutscher Neonazi, der auch für Blätter wie die Junge Freiheit schrieb? Eben.

Dass man tatsächlich alles Menschenmögliche unternahm, um die Sache schnell aus der Welt zu schaffen, versicherte Noé am 7.10. unter seinem Usernamen „Gandalf“ in der Kommentarspalte:

Liebe Leute! Bitte um eure Geduld, wir überprüfen gerade vers. Sachtatbestände und dann könnten weitere Schritte in die eine oder andere Richtung folgen.

Und auf erneutes Drängen im Forum erklärte er am nächsten Tag:

Nur soviel: Wir überprüfen derzeit intensiv den Sachverhalt auf allen Ebenen. Es geht nicht um die Texte an sich sondern um den Autor, dh. bitte hier um etwas Geduld, aber wir müssen uns hier doppelt und dreifach absichern. Alles ist möglich, auch eine Wiederaktivierung der Beiträge.

Dass indes auch nach beinahe drei Wochen nichts passiert ist: kein weiteres Wort verloren, kein Artikel wieder freigeschaltet wurde, dafür aber eine massive Kampagne gegen den Weltbild-Verlag gefahren wurde, heißt--- Ja, was bedeutet das? Dass kath.net am Ende doch nicht so viel an Transparenz liegt? Dass es Roland Noé eigentlich völlig wumpe ist, ob ein Autor nun rechtsradikal, rechtsextrem, rechtspopulistisch oder rechtskonservativ ist, solange die Medien nichts mitbekommen?

Vermutlich möchte kath.net die Geschichte am liebsten in den Untiefen des Internets versinken lassen. Das allerdings wird auch in Zukunft misslingen.