Sympathy for the Devil

Ok, es handelt sich weniger um den Teufel, mit dem die kath.net-Leser sympathisieren, als um die Piusbrüder. Die wurden von Papst Benedikt seit dessen Amtsantritt ja ziemlich offensiv umgarnt, was nicht überall besonders positiv aufgenommen wurde.

Wir erinnern uns: Die Piusbrüder lehnen die Menschenrechtserklärung ab, Staaten, die diese anerkennen, leben seither „in einem Zustand dauernder Todsünde“. Ein säkularer Staat ist ihnen zuwider, die Piusbrüder wollen einen christlichen Gottesstaat mit Todesstrafe, Verbot von Scheidungen, Homosexualität und Blasphemie. Ferner lehnt man das zweite vatikanische Konzil ab – und dann war da ja noch diese Sache mit dem Antisemitismus. Richard Williamson, der aktuell wohl bekannteste Vertreter der Piusbruderschaft, fiel u.a. 2009 in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen mit einer gepflegten Holocaustleugnung auf. Ihm zufolge starben maximal 300.000 Juden in deutschen Konzentrationslagern – niemand von ihnen in Gaskammern. Das antisemitische, gefälschte Pamphlet „Die Weisen von Zion“ betrachtet er als authentisch; die Aufgabe der „Judenmission“ wird von der Piusbruderschaft abgelehnt.
Dementsprechend hat man auch gute Kontakte in die Naziszene, der Gründer der Piusbrüder, Marcel Lefebvre, war etwa Fan von Pinochet und Franco; die rassistische französische Partei Front National gilt ihnen als „am wenigsten vom Naturrecht“ entfernt, und natürlich gaben Piusbrüder auch der (von kath.net empfohlenen) rechte Postille junge freiheit Interviews.

Man kann die Piusbrüder folgerichtig als durchgeknallte, rechtsaußenstehende Fundamentalisten betrachten, die nirgendwo dazugehören sollten. Das aber sah Papst Benedikt anders und suchte den Dialog mit ihnen, um sie zum Wiedereintritt in die Katholische Kirche zu bewegen.
kath.net berichtete dazu gestern:

In seinen umfangreichen Erläuterungen bekräftigte Fellay, dass für die Priesterbruderschaft St. Pius X. eine Einigung mit Rom auf der Grundlage einer Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils unmöglich sei. Es bestehe nicht die Absicht, diesen Weg einzuschlagen. Das Ergebnis der theologischen Gespräche könne nicht in Zugeständnissen an den Vatikan bestehen, die die Prinzipien der Bruderschaft gefährdeten, so Fellay im August hinsichtlich des bevorstehenden Treffens mit Kardinal Levada. Gleichzeitig erklärte der Bischof, dass er nicht wisse, worin ein eventueller Vorschlag des Vatikans bestehe. Das Hauptprinzip der Bruderschaft bestehe im Glauben. Daher könne ein eventueller Vorteil einer Einigung nicht damit bezahlt werden, dass der Glaube aufs Spiel gesetzt werde: „Zuerst der Glaube, um jeden Preis, der Glaube hat den Vorrang vor einer Anerkennung seitens der Kirche“.

Mit anderen Worten: Die Befürchtungen der Kritiker des Versuchs Benedikts, die Piusbrüder wieder in die Kirche zu integrieren, bewahrheiten sich – sie stellen Forderungen auf, die im Normalfall jedoch immerhin nicht erfüllt werden dürften.
Viele kath.net-Leser sehen das im Übrigen ähnlich und kritisieren Fellay – natürlich nicht für die fundamentalistischen und rassistischen Standpunkte seiner Bruderschaft, sondern für den fehlenden Gehorsam gegenüber dem Papst.

Es gibt aber auch zahlreiche Stimmen, die Sympathie mit der Piusbruderschaft kaum verhehlen können.
„Legolas“ etwa schreibt:

Zustimmung
Ich stimme Bischof Fellay zu!
In Glaubensfragen darf es keine Kompromisse geben!

Lieber mit der Anerkennung noch 10 oder 20 Jahre warten, als sich in Gefahr zu begeben den Modernismus, der alles zerstört, langsam in sich aufzusaugen. Die Piusbruderschaft braucht nichts zu überstürzen: Sie wächst beständig während die Verteidiger des Konzils, sowie der Neuen Messe immer weniger werden!

Auch „Marcus“ gibt zu bedenken:

@Mitposter: Es ist jetzt ohnehin höchst an der Zeit, die Konzilstexte neu zu bewerten.
Was heißt z. B. in Gaudium et Spes die Formel „über die Kirche in der Welt von heute“? Gilt das noch – über 45 Jahre nach der Veröffentlichung?

Und was heißt „nostra aetate“ heute? Ist diese „aetas“ noch im Jahr 2011?

Und: Seien wir uns ganz ehrlich, kann man der Piusbruderschaft verdenken, daß sie ein Konzil ablehnt, das zehntausende Priester und Ordensleute zum Verlassen ihrer Berufung geführt hat?

Nein, liebe Mitposter, „Konzil gut, Piusbruderschaft schlecht“, so leicht können wir es uns nicht machen.

Ebenso „Hl.Hilarius“:

Wieso gegen die FSSPX?
Fast alle Berichte auf kath.-net handeln von Fehltritten von protestantischer oder gar von katholischer Seite. Jeder meckert über die Moderne, über den Verfall der katholischen Kirche; diejenigen aber, die all das tun, was man von unserer Kirche verlangt, sind die Piusbrüder, dessen einziges Manko ist, das Vaticanum II abzulehnen.

Stimmt etwa jeder Katholik mit folgenden Worten des Vaticanum II überein:
„Der Mensch ist Urheber, Mittelpunkt und Ziel des wirtschaftlichen Lebens und der Kultur, denn die Würde der menschlichen Person gründet in der Gottesebenbildlichkeit.“?
Für mich persönlich ist Gott allein das Ziel unseres wirtschaftlichen Lebens.

„Parisot“:

Na hier wird aber schnell geurteilt. Wenn man die Geschichte der Piusbruderschaft verfolgt und auch die jüngsten Entwicklungen in der Kirche (Pfarrer-Initiative) ist die Position der Pius-Bruderschaft verständlich. Warum sollen sie ein Konzil anerkennen, dessen Früchte bitter sind? Man hat dem Lehramt aller Päpste treu zu sein, nicht nur einer Person. Welches Dogma leugnen sie? Fakt ist, dass viele heutige Priester unter dem Hl. Papst Pius X suspendiert worden wären.

„Waldi“ weist darauf hin, dass die Piusbrüder ja nicht der schlimmste Teil der Katholischen Kirche wären:

Nach allem…
was sich heute in unzähligen Pfarreien zum Leidwesen vieler Katholiken an theatralischen Verrücktheiten abspielt, kann ich die Piusbrüder verstehen, auch wenn ich kein Anhänger der Piusbruderschaft bin. Die Piusbrüder sind in der Tat weit davon entfernt, der katholischen Kirche das anzutun, was verschiedene innerkirchliche Laiengruppen wie „Wir sind Kirche“, die „Memorandisti“, das „Kirchenvolksbegehren“, die „Pfarrerinitiative“, das „ZdK“ und nicht zuletzt viele Bischöfe, Kardinäle und Priester mit Vorliebe provozieren. Warum sieht man nur den Splitter in den Augen der Piusbrüder, aber die riesigen Balken in den Augen vieler, in der katholischen Kirche verbliebenen, revoltierenden Gruppierungen nicht? Dass die Kirchen immer leerer werden, ist weiß Gott, nicht die Schuld der Piusbruderschaft!!!

„templer“ hält fest:

Sorry aber im Vaticanum II wurde einiges aufgehoben was vorher gut und richtig war. So hat sich die Kirche davon entfernt sich selbst als alleinige Wahrheitsvertretung zu sehen – nicht mehr Gott und das Evangelium sind im Zentrum, sondern „das Gute“ oder „der Glaube das die anderen dasselbe meinen“. Die EINE katholische Kirche ist nicht mehr Ausschlaggebend – sondern eine Beliebigkeit trat ein.

Es gibt einiges was im Argen liegt, und bevor man die Piusbruderschaft angreift, die immerhin noch uralte lateinische Liturgie leben und damit Gott dienen, sollte man erstmal fragen was die Bischöfe aus Deutschland gebissen hat als sie sich offen gegen den Papst stellten und ständig was von „Frauenordination“ und anderen Unsinn reden. Das sind Angestellte der Kirche die offen gegen ihre eigenen Strukturen aufbegehren und Protestanten sein wollen – während die Kirchen immer leerer werden weil die alten Leute wegsterben.

Die Piusbruderschaft hat schlicht Recht!

Auch „Stormarn“ kann die radikalen Piusbrüder verstehen:

Verständnis
Solange die deutschen Bischöfe, aber auch der Papst den Protestantismus nicht als schlimmste Häresie sui generis betrachten und entsprechend mit den Häresien umgehen, kann ich den Widerstand von FSSPX irgendwie nachvollziehen. Warum muß der Heilige Vater protestantische Abgesandte während seines Besuchs treffen? Was geht es uns an, wie Protestanten das Jahr 2017 begehen? Ich denke, es war der hl Cyprian von Karthago, der über Häretiker gesagt hat: „Sie sind von und gegangen, also haben sie nie zu uns gehört.“ Dem mag ich nichts hinzufügen!

„AGNUSS“ weiß:

Priesterbruderschaft St. Pius X.
ist mittlerweile zum Herzstück der Heiligen Katholischen Kirche trotz des Konzils Vatikann II. geworden.
Zu dieser Erkenntnis sind schon nicht wenige gekommen.

„Sureno“ findet:

Wie wichtig wären die Gläubigen der Piusbruderschaft für die Gemeinden!

„Waldi“ wendet sich an eine andere Kommentatorin:

Sie werden doch nicht leugnen wollen, dass die widerspenstigen, romfeindlichen Gruppierungen innerhalb der katholischen Kirche einen viel größeren Schaden anrichten als die Piusbrüder.

Und:

„Was wird vom II. Vatikanum übrigbleiben?“ Kurz gesagt: Nichts! Denn der negative Trend, der seit dem II. Vatikanum bis heute die katholische Kirche so abscheulich beutelt, wird sich unvermindert fortsetzen! Das mystische Potential ist aufgebraucht und die Kirche scheint nicht mehr die Kraft zu haben, die hohen Werte einzusammeln, die sie so leichtfertig dem fressgierigen Zeitgeist geopfert hat. Für die katholische Kirche wäre schon viel gewonnen, wenn sie sich darauf besinnen würde, durch Missionierung wenigstens die Treuesten noch bei der Stange zu halten.

Dismas erklärt sich:

Ich selbst habe keinerlei Kontakte zur PBruderschaft St.PiusX, aber trotz allem stehen sie mir näher als jeder Protestant und viele Modernisten „in der Kirche“. WER befolgt denn das Konzil, die nun so gegen FSSPX schreien, zumeist selbst noch viel weniger!!

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Sorry aus den eben angedeuteten Gründen
halte ich die Aufregung vieler hier gegen die FSSPX ungerechtfertigt….
Schaut mal auf „Memorandumstheologen“, „HS-Priestergruppen , „Pfarrerinitativen“ und Bischöfe. die den Ehebruch verniedlichen

Und das ist ja nur konsequent: Menschen, die für Gleichberechtigung kämpfen, sind halt eher abzulehnen als Rassisten und Antisemiten.
„goegy“ lobt unterdessen:

An den Pius Brüdern kann man manches bemängeln. Aber wo kann man dies nicht? Manchmal schiessen sie über das Ziel hinaus. Vielleicht sind sie zuweilen zu doktrinär, zu nostalgisch rückwärts gewandt etc. etc.
Auf jeden Fall sind diese Priester im Glauben tief verwurzelt; sie sind für ihre Gläubigen voll da, rund um die Uhr. Das Priesteramt ist für sie nicht ein „job“, wie jeder andere, wo man Dienst nach Vorschrift betreibt und nachher einfach den Telefonbeantworter einschaltet.
In Auftritt und Bekleidung stehen sie zur Kirche und deren Mission, für jedermann ersichtlich und ansprechbar. Die Predigten haben Tiefgang und ihre Kirchen sind mit Liebe gepflegt. Hier überwiegt eindeutig das positive gegenüber den Mängeln.

„st.michael“ schließt sich an:

Das Problem der P.Bruderschaft ist das sie heute dort stehen wo die römisch Katholische Kirche eigentlich stehen müßte.
Denn die Priester sind gehorsam und überaus fromm. Die hl.Messen sind wirkliche Oasen in den Glaubenswüsten und schweißen das Volk Gottes zusammen.
[…]
Ich rechne nicht mit einer schnellen Wiedereingliederung, denn dazu sind die Modernisten in der Kirche zu stark.
Aber der hl. Geist wird wirken und die Spreu vom Weizen trennen.

Es ist ja nicht so sehr mein Problem, dass die Romtreue der kath.net-Leser offenbar nicht besonders weit reicht. Besorgniserregend ist umso mehr, dass einer offenkundig fundamentalistische, rassistische, antisemitische Gruppierung derartige Sympathien zufliegen.


3 Antworten auf „Sympathy for the Devil“


  1. 1 Volker 07. September 2011 um 14:40 Uhr

    Dass diese Kommentare bei einem Artikel über die Piusbrüder auf kath.net auftauchen, finde ich nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist aber die Masse an Kommentatoren, die plötzlich von den Piusbrüdern abrücken. Das ist ein neues Phänomen und ein wirklich gutes Zeichen, auch wenn dieses Umschwenken, wie das Fähnchen im Winde, eigentlich immer auf die anderen, die Gegner und Feinde, und nie auf sich selbst als fundamentalistisch-konservativem Katholiken bezogen wird. Scheinbar hat man verstanden, dass die Piusbrüder die Katholische Kirche nicht restaurieren können, sie weiter ihr eigenes Süppchen kochen werden. Das ist enttäuschend für diese Leute aber vielleicht auch lehrreich.

  2. 2 Administrator 07. September 2011 um 14:44 Uhr

    Ich habe nicht mitgezählt, aber ich habe eher den Eindruck, dass die Freunde der Piusbrüder in der Überzahl waren.
    Und, das ist vielleicht meine Naivität als der Nicht-Katholik: Wenn diese Menschen sich gegen das 2. Vatikanische Konzil wenden, widersprechen sie doch der kirchlichen Lehre, oder nicht? Ergo wären sie nicht so papsttreu, wie sie sich immer darstellen.

  3. 3 Volker 07. September 2011 um 15:09 Uhr

    Genau, die Piusbrüder und deren Anhänger lehnen das 2. Vatikanum in bestimmten Punkten ab (z.B. Religionsfreiheit, den neuen Messritus, das Verhätnis zu den anderen Religionen etc.). Sie sehen einen Bruch zur Tradition. Der Papst spricht in Bezug auf das Konzil von einer Hermeneutik der Kontinuität, heißt, die Deutung des Bruches lehnt er ab.

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