Widde widde wie sie kath.net gefällt

kath.net schreibt wieder etwas über den Missbrauch innerhalb der Katholischen Kirche und leitet das folgendermaßen ein:

Erzbischof von Dublin Diarmuid Martin: Seilschaften schützen Kleriker, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben, bis hinauf zu den höchsten Ebenen der katholischen Kirche.

Armin Schwibach führt aus:

In seiner offiziellen Stellungnahme zur Veröffentlichung der vatikanischen Antwort erklärte der irische Außenminister Eamon Gilmore, dass die Regierung das Angebot des Vatikans zu einem konstruktiven Dialog sowie zu einer Kooperation annehmen werde, um das Wohlergehen der Missbrauchsopfer sicherzustellen und die verabscheuungswürdige Geißel des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker in Irland zu bekämpfen.

Das klingt für einen kath.net-Artikel vergleichsweise ausgewogen und kritisch – es geht sogar noch weiter:

Indes legte der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, der für seine „Null-Toleranz-Haltung“ im Sinne Benedikts XVI. bekannt ist, den Finger auf eine schwere innerkirchliche Wunde. Martin gab nach einem Bericht des „The Irish Independent“ vom 4. September zu, dass es unter dem Klerus, der sich des Missbrauchs von Minderjährigen schuldig gemacht habe, einen „Klüngel“ gebe. Diese Schutzmechanismen würden bis zu den höchsten Instanzen der katholischen Kirche reichen.

Wer nun aber hofft, kath.net beließe es bei diesen Zeilen, sieht sich getäuscht. Wo Teile der Katholischen Kirche gerügt werden, kann natürlich auch ein Seitenhieb auf die Gegner nicht fehlen. Besser: ein Schlag in den Magen:

Bereits im Jahr 2004 hatte das „John Jay College of Criminal Justice“ (New York) einen Bericht über sexuellen Missbrauch und Klerus veröffentlicht. Der Bericht analysierte die zwischen 1950 und 2002 in den verschiedenen Diözesen gegen Kleriker vorgebrachten Anzeigen wegen Missbrauchs und hatte festgestellt, dass der Großteil der Opfer, 81 Prozent, männlichen Geschlechts war. Die Studie des „John Jay College“ erklärte weiter, dass die Pädophilie, das heißt ein Hingezogensein zu Kindern in vorpubertärem Alter, das als psychiatrische Krankheit definiert wird, nur einen kleinen Teil des Problems der sexuellen Missbräuche ausmachte. Die Opfer waren zum Großteil Heranwachsende, die nicht mehr im vorpubertären Alter waren. Die viel zitierte „Geißel“ des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und Schutzbefohlenen steht somit im Bereich der Kirche vor einem homosexuellen Hintergrund.

Und hier bin ich versucht, kath.net mal wieder eine bewusste Täuschung oder Schlimmeres zu unterstellen: Wider besseren Wissens (oder zumindest: Ohne jede bei diesem Thema gebotene Recherche) wird Kindesmissbrauch mit Homosexualität in Verbindung gebracht. Ein Besuch Wikipedias (oder jeder halbwegs seriösen anderen Seite zum Thema) hätte gereicht und Schwibach hätte erfahren:

Nach vorsichtigen Schätzungen fallen sogenannte regressive Täter mit etwa 90 Prozent auf Personengruppen zurück, deren primäre sexuelle Präferenz auf Erwachsene gerichtet ist. Aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Kindern greifen sie zur sexuellen Befriedigung auf Kinder zurück. Man spricht deshalb auch von einem Ersatzobjekttäter.

Statt zu hinterfragen, welche Kinder für Geistliche wohl, so schlimm die Formulierung auch ist, „leichter verfügbar“ sind, wird also mal eben das Problem des sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche auf einen Nenner gebracht: Die Homosexualität ist schuld – steht schließlich schon in der Bibel.
Ebenso bezeichnend, wie Schwibach mit dem Verweis auf angeblich „nicht mehr Vorpubertäre“ versucht, den Missbrauchs-Begriff zu unterhöhlen: Indem er das Alter der Opfer hochsetzt, will er implizieren, die vermeintlich homosexuellen Geistlichen würden einvernehmlich handeln – somit wäre ihre Homosexualität wirklich das einzige Problem.

Davon unbeeindruckt schreibt „Charlene“ dann auch in der Kommentarspalte:

Homosexualität
Die Missbrauchsstraftaten katholischer Kleriker sind in übergroßer Mehrzahl homosexuelle Übergriffe. Danke, sehr geehrter Herr Schwibach, dass Sie dies so deutlich aussprechen. Die eigentliche Schuld der Kirche in Deutschland, in den USA und auch in Irland begründet sich in der Tatsache, dass Homosexuelle entgegen allen kanonischen Regeln zu Priestern geweiht wurden.


1 Antwort auf „Widde widde wie sie kath.net gefällt“


  1. 1 Volker 06. September 2011 um 16:25 Uhr

    Ja, es ist erbärmlich, wie hier versucht wird, das Problem innerhalb der Kirche zu einem Problem der (angeblich auch noch illegal geweihten) Homosexuellen zu machen. Vielmehr sollte man mal darüber nachdenken, weshalb es diesen „katholischen“ Missbrauch denn gibt!? Warum werden überwiegend Jungs zum Opfer? Welche Wahl hat denn ein tief gläubiger Katholik nach katholischer Lehre, wenn er seine homosexuelle Veranlagung verspürt? Man schreibt ihm vor, diese nicht auszuleben, obwohl schon der Apostel Paulus bemerkt, dass man nicht sexuell enthaltsam leben soll, wenn man nicht die Gabe dazu hat, weil sonst das Böse entstünde (1 Kor 7). Viele werden einen vermeintlichen Ausweg im Priestertum sehen, dass, wie David Berger aufgezeigt hat, homosexuellen Idealen in vielem entgegen kommt. Indem aber die Sexualität verdrängt wird und diese Priester sich nicht weiter damit auseinander gesetzt haben, können diese ungesunden Ausprägungen entstehen.

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