Archiv für September 2011

Pause

Hallo,

weil ich die gute Angewohnheit habe, Hausarbeiten für die Uni auf den allerletzten Drücker zu erledigen, habe ich aktuell gewisse Zeitprobleme. Daher werde ich hier in der nächsten Woche nichts schreiben und auch nicht auf kath.net lesen können.
Themenvorschläge in dieser Zeit können sehr gerne an episodenfisch@googlemail.com gemailt werden, ich werde mich denen dann am nächsten Mittwoch annehmen.

Völkerverständigung mit kath.net-Lesern

Kaum ist der Papst mal in Deutschland, schon lobt er im Bundestag die Grünen und spricht später auch noch, mehr oder weniger auf Augenhöhe, mit den Muslimen.
Und dann kommen da Wortfetzen wie diese von kath.net protokollierten heraus:

Liebe muslimische Freunde!

Ich freue mich, Sie als Vertreter verschiedener muslimischer Gemeinschaften in Deutschland heute hier willkommen zu heißen. Sehr herzlich danke ich Professor Mouhanad Khorchide für die freundlichen Worte der Begrüßung und die tiefen Reflexionen, die er uns vorgelegt hat. Sie zeigen, wie zwischen der katholischen Kirche und den muslimischen Gemeinschaften in Deutschland ein Klima des Respekts und des Vertrauens gewachsen ist und das gemeinsam uns Tragende sichtbar wird.

[…]

Liebe Freunde! Auf der Grundlage dessen, was ich hier angedeutet habe, scheint mir eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen möglich zu sein.

Da hetzt kath.net also mehrfach pro Woche gegen den Islam und Benedikt findet zumindest freundliche Worte für die Muslime. Schön.

Die User verkraften das Gesagte allerdings nicht so gut, sie sind verwirrt. „WoL“ etwa versucht krampfhaft, die Essenz zu verstehen:

Wenn ich den Papst richtig verstehe, meint er die Zusammenarbeit mit den Muslime in Bezug auf Homosexualitaet, Sexualisierung der Gesellschaft und Abtreibung und natuerlich nicht die Mehrehe, Kinderehe und Ehescheidung. Man kann auch alles falsch verstehen wollen.

„Herbert Klupp“, der führende Islamkritiker:

Kein Wort zum Islam
Auch wenn die Überschrift vom Islam spricht – der Papst tut das NICHT !
Warum wohl. Weil er nicht lügen darf. Würde er vom Islam sprechen, müßte er ganz bittere Dinge sagen. Und dann könnte (wahrscheinlich) wieder Blut fließen – man kennt das.
Also versucht er die Menschen, die Muslime liebevoll anzurühren.
Sicher irgendwie „schwach“ – aber auch irgendwie anders garnicht denkbar auf dieser hohen Ebene.

„kryzak1099″ weiß Bescheid: Die Muslime wollen sich nicht integrieren, während die Deutschen ihnen ebendiese Integration so leicht wie möglich machen wollen. Wir erinnern uns an Thilo:

Die…
islamfreundlichen Kommentatoren hier, vergessen eindeutig, dass die Rede des Papstes vor allem an die Moslems gerichtet ist.
Während die eingesessene Gesellschaft den eingewanderten Moslems jede Toleranz, Höflichkeit und jeden Anstand entgegengebracht hat, haben diese jedoch jeden Willen zur Integration und Zusammenarbeit fehlen lassen.
Die heutige islamfeindliche Haltung ist Ergebnis UNSERER Nachlässigkeit und der natürlichen, islamischen Aggression.
Während WIR stets an einem guten miteinander mit den Moslems bemüht waren und sind, sind diese nun vom Papst höchstpersönlich dazu gebeten worden, ebenfalls solch ein Verhalten an den Tag zu legen.

Und wir erinnern uns an Breivik – „Victor“:

Es ist eine Tatsache, daß Christen an 3 Fronten kämpfen: an der Front gegen die Atheisten und an der Front gegen den Islam und in Mitteleuropa noch an der innerchristlichen Front.

Was hat dich bloß so ruiniert

Diese Story muss eine Wohltat für kath.net sein: Da fliegt ein Pfarrer aus seiner Gemeinde – und die befindet sich dann auch noch in Linz! Hier braucht man keine teuren Vatikan-Korrespondenten, keine freien Focus-Schreiberlinge: Hier kann sich Roland Noé persönlich auf die Jagd nach großen Überschriften machen, schließlich ist kath.net selbst in Linz zuhause.

Es dreht sich um den polnischen Pfarrer Andreas Skoblicki, der vor wenigen Tagen vom Linzer Bischof aus der Gemeindearbeit entlassen wurde. kath.net schreibt seit Monaten um den heißen Brei herum, Ende Juli berichtete man, über Skoblicki würden „Halbwahrheiten verbreitet“. Das Bemerkenswerte an dieser Berichterstattung ist weniger, dass man am Pfarrer festhält; sondern vielmehr, was man alles weglässt.
Welche „Halbwahrheiten“ genau „ein kleiner Kreis aus dem Pfarrgebiet“ verbreitet, will man nicht so recht schreiben – auch in den drei Artikeln zum Thema, die vorvorvorgestern, vorgestern und gestern erschienen.

Dafür wird immer wieder festgestellt:

Skoblicki gilt bei den Gläubigen der Pfarre und auch beim Pfarrgemeinderat als durchaus beliebt und hat in Kopfing unter anderem ein Heiligtum für die Göttliche Barmherzigkeit eingerichtet.

Gegenüber dem ORF sagte der Pfarrer, dass er katholischer Geistlicher sei und als solcher verpflichtet, treu dem Lehramt und der Bibel Glaubensinhalte zu verkünden. Das werde er auch weiter tun. Medien würden sehr oft vieles verfälscht darstellen

Skoblicki gilt bei den Gläubigen der Pfarre und auch beim Pfarrgemeinderat als durchaus beliebt und hat in Kopfing unter anderem ein Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit eingerichtet.

(Ja, nochmal)

kath.net hat sich sogar etwas ganz Pfiffiges einfallen lassen:

Aufgrund zahlreicher Anfragen hat KATH.NET eine Solidaritäts-E-Mail-Adresse für Pfarrer Andreas Skoblicki eingerichtet: andreas.skoblicki@kath.net Sie können dort eine Solidaritäts-E-Mail hinschicken. Diese erreicht den Pfarrer direkt!

Den Höhepunkt der einseitigen Artikel liefert allerdings ein Beitrag vom gestrigen Dienstag – ein Interview mit Andreas Skoblicki himself. Dort solidarisiert sich kath.net, Kampagnen-Europameister, mit dem Pfarrer:

KATH.NET: Andere romtreue Priester aus der Diözese Linz befürchten jetzt, dass ihnen in Zukunft ein ähnlicher Rauswurf blühen wird, wenn gewisse Aktivisten und Medien hier eine Kampagne starten. Was möchten Sie diesen Priestern sagen?

P. Andreas Skoblick: Bleibt treu! „Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn.“ (Mt 10, 24). Bleibt einfach dem Herrn Jesus treu. Folgt Ihm nach! Er gibt uns alles, was wir brauchen, und er will dass wir täglich nur auf seine Stimme hören.

Mein persönliches Highlight aber ist diese Stelle, die schon einen Einblick gibt, wieso Skoblicki wirklich gefeuert wurde:

KATH.NET: Was für Pläne haben Sie jetzt für die Zukunft?

P. Andreas: Skoblicki: Ich möchte heilig sein!!!

(Ja, er verwendet hier tatsächlich drei Ausrufezeichen)
So. Und nun schauen wir noch kurz auf die tatsächlichen Gründe für Skoblickis Entlassung. diepresse.com notiert:

Um Andreas Skoblicki, der seit 2004 als Pfarradministrator in Kopfing im Bezirk Schärding tätig war, gab es seit Längerem eine heftige Diskussion. Eine Aktionsgruppe wirft ihm vor, für „sektenähnliche Zustände“ verantwortlich zu sein. Ihre Mitglieder berichteten mehreren Medien, es komme immer wieder zu tranceähnlichen Zuständen, Weinkrämpfen oder sogar Christuserscheinungen bei den Anhängern Skoblickis. Die Kirche sei auch schon mal verriegelt worden, Gläubige würden vor dem Priester am Boden liegen.

Außerdem spreche er von unehelichen Kindern als „Kinder der Sünde“, deren Nachkommen seien „verdammt bis in die dritte Generation“. In einem Gespräch mit der Volksschuldirektorin soll der Pole deren Schule als „Teufelswerk“ und die Lehrkräfte als „vom Satan besessen“ bezeichnet haben. Ein Gegner des Pfarrers schilderte, der Geistliche habe bei einer Messe einen Burschen gefragt: „Bist Du bereit, für Jesus zu sterben?“ und ihm das Mikrofon hingehalten.

Und in einem anderen Artikel heißt es zu seinem Umgang mit den Gläubigen:

Menschen hätten seine Predigten mit dem Argument verlassen, sie ließen sich nicht belehren. „Da sieht man doch, dass sie keine Ahnung vom Katechismus haben. Ich belehre nicht, aber ich komme im Auftrag des Lehramts der Kirche.“

Diejenigen, die sich verabschiedet hätten, seien ohnehin „so weit vom Inhalt des Glaubens entfernt, wie man es nur sein kann“.

Weshalb kath.net das ganz offensichtliche Fehlverhalten des Pfarrers verschweigt? Wahrscheinlich ist die überwiegende Mehrheit der kath.net-Leser derart kritiklos, dass sie dem Portal ohnehin alles abkauft. Die unschönen Taten und Reden Skoblickis zu erwähnen wären da wohl eher weniger hilfreich. So kann man aber die eigene Klientel schön mit einer neuen Folge der angeblichen europäischen (zumal innerkirchlichen) Christenverfolgung unterhalten.

Interessant ist übrigens, dass auch kreuz.net diese Taktik verfolgt: Alle (besonders der „Skrupellos-Bischof“) sind böse, bis auf Skoblicki. Die Grenzen verwischen weiter.

Politically farbenblind

Wie rechtslastig kath.net ist, suchte ich kürzlich mit einem Artikel über Marcus B. zu untermauern, der früher als Neonazi und später in extrem rechten Zeitschriften, heute bei kath.net wirkt(e).
Ein schönes Fundstück machte nun das Münsteraner Forum für Theologie und Kirche:

Im Oktober 2007 interviewte kath.net Stefan Herre, den Gründer des rassistischen und islamophoben Blogs „Politically Incorrect“. Die Fragen sind naiv („Wie sind Sie auf die Idee gekommen, PI zu gründen?“) bis lächerlich („Haben Sie keine Angst, dass es irgendwann mal Racheaktionen Ihnen oder auch Ihrer Familie gegenüber geben könnte?“); die Antworten werden ohne kritische Nachfragen oder Kommentare akzeptiert.

Wer weitere Informationen über das Portal PI haben möchte, dem sei der erst vor wenigen Tagen veröffentlichte und sehr ausführliche Text „Im Netz der Islamfeinde“ der Berliner Zeitung empfohlen.

Sozusagen dämlich

„Die Welt scheint zu taumeln“, stellt Bischof Andreas Laun in seinem neusten KLARTEXT auf kath.net fest:

Sie ist weit verbreitet, die tiefe Verdrossenheit über Politik und Politiker. Warum ist das so? Die Menschen sind verängstigt angesichts wirtschaftlicher Verunsicherung, sie haben Angst vor dem Anwachsen von Kriminalität und Terror, sie sind empört über die Schuldenpolitik ihrer Regierungen auf der einen Seite und Privilegien wie zum Beispiel unverschämte Politiker-Gehälter auf der anderen Seite.

Es könnte eine Kritik des Kapitalismus folgen; weil Enteignungsforderungen eines Bischofs aber eben eher die Ausnahme sind, geht es in eine ganz andere Richtung: Laun macht nämlich das wahre Übel unserer Zeit aus:

Sie spüren, wie sie mehr und mehr ihrer kleineren und größeren Freiheiten durch Vorschriften über Vorschriften beraubt werden, und schlimmer noch: Man beraubt sie auch mancher ihrer Grundrechte, wie zum Beispiel des Erziehungsrechtes der Eltern durch eine verpflichtende, aber unmoralische „Sexualerziehung“ in der Schule!

Die „unmoralische „Sexualerziehung“", die Kinder nicht so weltfremd und intolerant ins Leben entlässt, wie es Andreas Laun gerne hätte, ist aber nicht das einzige Böse, das der Weihbischof erkennt:

Empört sind die Menschen auch darüber, wie bestimmte Politiker mit der Macht der Gesetze unsinnige Ideologien wie Gender-Mainstreaming oder eine radikale Evolutionslehre den Menschen aufzwingen wollen und im übrigen vor allem damit beschäftigt zu sein scheinen, den politischen Gegner schlecht zu machen, statt sich vielleicht sogar mit diesem um das Wohl des Landes zu kümmern.

Hm. Ist vielleicht der tiefste, bedeutendste Grund vieler Übel in unserer heutigen Welt die Abwendung von Gott?

Vor allem aber EINE Frage wird nicht zugelassen und gilt als die politisch unkorrekteste aller Fragen und sie zu stellen als schlimmster Tabubruch überhaupt. Sie lautet: Ist vielleicht der tiefste, bedeutendste Grund vieler Übel in unserer heutigen Welt die Abwendung von Gott?

Eine interessante Frage. Ist die Abwendung von Gott der Grund dafür, dass es den Menschen in den säkularen Staaten Europas so gut wie nie geht? Dass der Wohlstand am höchsten, die Angst vor Krieg und Gewalt am niedrigsten in der Menschheitsgeschichte ist?
Man weiß es nicht.

Man weiß dafür spätestens seit diesem KLARTEXT, dass sich Andreas Laun für keinen noch so unsäglichen Vergleich zu schade ist:

Zwar lassen sich immer noch viele Europäer taufen, trauen und beerdigen von Priestern, aber gleichzeitig verhöhnt man die Gebote Gottes, missachtet die von Ihm geschaffenen Ordnung der Schöpfung und versucht unverdrossen, nicht nur eine Stadt, sondern eine ganze „Welt ohne Gott“ zu bauen. Sozusagen „Gottfrei“, vergleichbar dem grauenhaften Unwort „Judenfrei“, das die Nazis erfunden haben!

Auch angesichts all der geistigen Tiefschläge, die Andreas Laun in den vergangenen Monaten austeilte, legt dieser Vergleich die Latte für zukünftige Ausflüge ins fremde Land der Denkanstrengung dann doch recht hoch: Nicht nur, dass die christliche Religion in Mitteleuropa noch immer sonstwie priveligiert ist und nirgends eine „gottfreie“ Gesellschaft „droht“ – die imaginierte Verdrängung eines mutmaßlich allmächtigen Gottes aus dem Alltagsleben ernsthaft mit der Vernichtung der Juden durch die Nazis in Verbindung zu bringen: Das ist schon ziemlich ekelhaft.

Mit Dank an Markus H.