Hier lag mir ein PeterLicht-Songtitel auf der Zunge

Aber ich verzichte, aus Pietät. Denn: Martin Humer ist, wie kath.net berichtet, verstorben. 86jährig, am Herzinfarkt. Hier könnte eine Trauerbekundung stehen, again: Ich verzichte, ich tu mich mit dem Nachtrauern österreichischer Rechtsaußen traditionell etwas schwer.

Martin Humer war Katholik und bezeichnete sich selber als „Pornojäger“, die Salzburger Nachrichten fassen zusammen:

Auslöser für sein Wirken gegen die Pornografie soll gewesen sein, dass er bei einem Familienausflug an einem Kiosk ein Sexheft entdeckte und den Eindruck hatte, die Behörden nähmen seine Anzeige nicht ernst.

Seitdem befasste er sich intensiv mit dem Sichten und Archivieren von pornografischem Material und Schreiben von Anzeigen. Er bekämpfte Pornografie, Prostitution, Schwangerschaftsabbruch, schulische Sexualerziehung und die Straffreistellung von Homosexualität.

Wie es bei rechten Fundamentalisten aber eben ab und zu vorkommt, kniff Humer auch mal ein Auge zu: Als im St. Pöltener Priesterseminar Bilder mit kinderpornographischem Inhalt aus dem Internet runtergeladen wurden und der Papst den zuständigen Bischof Kurt Krenn abbestellte, fiel Humer nicht etwa durch Einsatz gegen (Kinder-)Pornographie auf:

Er zählte auch zu den Unterstützern des Diözesanbischofs von St. Pölten, Kurt Krenn, der im Herbst 2004 im Zusammenhang mit der Affäre um Kinderpornos und Homosexualität im Priesterseminar zurücktrat.

Amüsant ist ferner eine Aktion, die kath.net zu berichten weiß, und die Humers politische Position erahnen lässt:

In den letzten Jahren hat er zumindest auch Aktivitäten gegen moderne Kunstwerke durchgeführt. So hatte er 1998 ein Bild des umstrittenen Aktionisten Otto Mühl mit rotem Farblack überschüttet. Dafür wurde er sogar zu 6 Wochen bedingter Haft verurteilt. „Ich bekenne mich nicht schuldig! Ich würde mich schuldig bekennen, wenn ich nicht im letzten Moment dieses Machwerk zerstört hätte, das Österreich blamiert hat“, sagte er damals.

Weiteren Aufschluss über sein Denken vermittelt Wikipedia:

Auf der österreichischen Babycaust-Seite, die auf kreuz.net zitiert wurde, wurde mindestens zweimal der Hitlergruß verwendet. 2007 verhängte das Amtsgericht München gegen Humer einen Strafbefehl wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Dagegen legte er Einspruch ein. Am 14. September 2007 sollte die Strafsache beim Amtsgericht München verhandelt werden. Zum anberaumten Gerichtstermin erschien er aber nicht. Der Strafbefehl wurde rechtskräftig, Humer wurde am 2. Dezember 2008 zum Strafantritt vorgeladen, stellte sich aber nicht den deutschen Behörden.

Im Jahr 2010 solidarisierte sich Humer mit dem österreichischen Neonazi Gerd Honsik und leugnete die Existenz der Gaskammern in den Konzentrationslagern Dachau und Mauthausen. Die Staatsanwaltschaft Wels leitete daraufhin ein Strafverfahren wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung ein. Das Verfahren wurde im April 2011 eingestellt, da kein Vorsatz der Wiederbetätigung erkennbar gewesen sei.

Ein durchgeknallter selbsternannter „Lebensschützer“ also, der sich mit Nazis solidarisierte, eine Nähe zu kreuz.net pflegte, Gaskammern leugnete, Homosexualität kriminalisierte und Kunstwerke aus Sorge um Österreichs Bild in der Welt zerstörte (&&&).

Kein Wunder also, dass die kath.net-Leser ihm hinterhertrauern. „GottesDienerin64″ etwa meint:

„Danke für Ihr Lebenswerk, Herr Humer“
Ein wenig provokant, aber das, wogegen er gekämpft hat, war es ja auch.
So jemanden müsste es in Deutschland auch geben.
Mögen Sie in Frieden ruhen und ihn bei Gott finden, Herr Humer.

„Legolas“ verlangt:

Von solchen kämpferischen Katholiken brauchen wir unbedingt mehr!

„a.t.m“ vermutet, dass ein liebender Gott sich gern mit Rechtsradikalen umgibt:

Möge dir nun Gott der Herr,
deinen ständigen Kampf gegen die Sünden der Welt hoch anrechnen.

„geometrix“ plaudert:

Nachruf auf den grossen Pornojäger….
Allmächtiger Gott, nimm diesen Treuesten, der Treuen auf in Deine ewige Seligkeit.
Gib ihm die Früchte und alle Süssigkeit des Himmels, die er sich auf Erden so sehr und sehr schwer verdient hat.
Ich weiss noch so gut, wie er in den 70 igern, des vorigen Jahrhunderts in den Medien, verlacht, verspottet und beleidigt wurde und als dumm und Ähnliches hingestellt wurde.
Als ein kleinformatiges Tagesblatt begann auf Seite 5 oder 7 täglich eine weibliche Nackte, abzubilden. Damals kündigte ich mein Abonnement…
Er hat mit uns Eltern gegen die Sexualerziehung in den Schulen gekämpft, aber wir haben diese öffentliche Schande, dass kath. Kinder in den Schulen fächerübergreifend die Unkeuschheit zwangsweise lernen müssen und so zur Sünde angestiftet und verführt werden,
nicht zur Abschaffung gebracht.
Hier wird einmal Gott die verantwortlichen Kleriker sicher einmal schwer strafen in der Ewigkeit, da Viele feige schwiegen und immer noch schweigen,
ausser dem seligen Johan

Und „Carolus“ findet:

Sein Engagement sei uns ein Vorbild!

PS: Der Name des Songs stammt vom dritten Album PeterLichts, und ich musste ihn mir nach dem Tod Otto von Habsburgs bereits zum zweiten Mal in kürzester Zeit verkneifen.


1 Antwort auf „Hier lag mir ein PeterLicht-Songtitel auf der Zunge“


  1. 1 Die Ausnahme Marcus Bauer « Episodenfisch Pingback am 11. Oktober 2011 um 1:09 Uhr

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