Archiv für August 2011

Fundstück i

Ja: kath.net ist selten rational. Und auch Gabriele Kuby, die dort des Öfteren schreibt und ergo ernst genommen werden möchte, machte, wie es mein Eintrag im kath.net-Wiki nahelegt, nicht immer mit einer besonders engen Beziehung zur Realität von sich Reden.

Trotzdem ist es immer wieder schön, Neues zu finden – vielleicht werden die „Fundstücke“ hier eine regelmäßige Rubrik, jedenfalls sind hier zunächst einmal Gabriele Kubys 10 Argumente gegen Harry Potter:

1. Harry Potter ist ein globales Langzeitprojekt zur Veränderung der Kultur. Die Hemmschwelle gegenüber Magie wird in der jungen Generation zerstört. Damit dringen die Kräfte in die Gesellschaft ein, die das Christentum einst überwunden hat.
2. Hogwarts, die Schule für Zauberei und Hexerei, ist eine geschlossene Welt der Gewalt und des Grauens, der Verfluchung und der Verhexung, der Rassenideologie und des Blutopfers, des Ekels und der Besessenheit. Es herrscht eine Atmosphäre ständiger Bedrohung, die sich auf den (jungen) Leser überträgt.
3. Harry Potter handelt nicht vom Kampf des Guten gegen den Bösen. Von Band zu Band wird Harrys Verwandtschaft mit Voldemort, dem ganz und gar Bösen, deutlicher. Im V. Band wird er selbst von Voldemort besessen, was zur Zerstörung seiner Persönlichkeit führt.
4. Die Menschenwelt wird erniedrigt, die Welt der Hexen und Zauberer glorifiziert.
5. Es gibt keine positive transzendente Dimension. Das Übernatürliche ist ausschließlich dämonisch. Göttliche Symbole werden pervertiert.
6. Harry Potter ist kein modernes Märchen. Im Märchen sind Zauberer und Hexen eindeutig Gestalten des Bösen, aus deren Macht sich der Held durch die Ausübung von Tugenden befreit. Bei Harry Potter gibt es niemanden, der das Gute will.
7. Die Unterscheidungsfähigkeit des Lesers zwischen Gut und Böse wird durch emotionale Manipulation und intellektuelle Verwirrung außer Kraft gesetzt.
8. Es ist ein Vergehen an der jungen Generation, sie spielerisch zur Magie zu verführen und ihre Phantasie mit Bildern einer Welt anzufüllen, in der das Böse regiert, eine Welt, die nicht nur als ausweglos, sondern als erstrebenswert dargestellt wird.
9. Jeder, dem an Meinungsvielfalt gelegen ist, sollte sich gegen die Massenverblendung und Meinungsdiktatur durch ein gigantisches Multimedia-Unter-nehmen zur Wehr setzen.
10. Da der Glaube an einen liebenden Gott systematisch zerstört wird, ist die schulische Indoktrination mit Harry Potter intolerant und widerspricht dem Geist unserer Verfassung. Die Teilnahme an schulischen Potter-Aktivitäten kann aus Glaubens- und Gewissensgründen verweigert werden.

(Quelle)

Und auch wenn ich Volker verärgern werde: Das auf Kubys Seite präsentierte Zitat des Papstes (sofern es authentisch sein sollte) sagt einiges über die derzeitige Situation der Katholischen Kirche aus:

Es ist gut, dass Sie in Sachen Harry Potter aufklären, denn dies sind subtile Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen, ehe es überhaupt recht wachsen konnte.

Die lieben Zahlen xvi

Wir erinnern uns: Gestern sorgte man sich auf kath.net um die Demokratie, weil eine muslimische Partei an eben dieser partizipieren wollte.
Heute sind die kath.net-Leser noch ungehaltener, „nemrod“ etwa orakalt:

Die Zukunft des „Christlichen Abendlandes“ wird muslimisch sein – Dank der Lauheit der europäischen „Christen “ und der Multikultieuphorie der Linken!

Und „frajo“ notiert:

Das Diskriminierungsverbot gilt in der Praxis nur für Christen; bei den Mohamedanern getrauen es sich die Verantwortlichen nicht, gleiche Maßstäbe anzulegen. Die weitere Entwicklung ist vorhersehbar. Bald können sie sich über neue Arbeitsplätze in der Textilindustie freuen, um die Französinnen nicht nur mit dem Tschador züchtig umhüllen zu können.

Was war passiert? Wurde die Scharia in einem europäischen Staat eingeführt? Hat sich die gesamte Bevölkerung zum Islam bekehrt?

Fast. kath.net meldet:

In Frankreich gibt es mehr praktizierende Muslime als praktizierende Katholiken. Darauf macht das Hudson Institut in New York aufmerksam. Außerdem werden derzeit im ganzen Land 150 Moscheen gebaut, während in den letzten zehn Jahren 20 neue katholische Kirchen gebaut und 60 geschlossen wurden, einige davon wurden auch in Moscheen umgewandelt.

Von den 40 Millionen französischen Katholiken (64 Prozent der Staatsbürger) praktizieren weniger als 2 Millionen ihren Glauben regelmäßig (4,5 Prozent der Katholiken). Von den 4,5 Millionen Muslimen in Frankreich praktizieren 2,5 Millionen, das sind 41 Prozent, ihre Religion.

Nehmen wir einmal an, das Hudson Institute wäre nicht mit den neuen amerikanischen Rechten verbandelt und würde in Sachen Religionsausübung auch liberale katholische Standpunkte zum „Praktizieren“ zählen: 2,5 Millionen Muslime praktizieren in Frankreich also ihren Glauben. Von 4,5 Millionen. Das sind 41 Prozent.
kath.net-Leser könnten also aufatmen: Die französischen Muslime sind also nicht alle strenggläubig und streben nach keinem Gottesstaat. 2,5 Millionen (von über 65.000.000 in Frankreich lebenden Menschen) ist auch keine so besonders hohe Zahl – jeder redliche Rechtspopulist würde also seinen Fehler einsehen und mit der Hetze gegen „Multikulti“ aufhören.

Weil Ehrlichkeit aber nicht die größte Stärke der Rechten ist, gibt es auf kath.net eben Kommentatoren wie „Bonifaz2010″, die ungerführt feststellen:

Wie viele solcher Meldungen müssen wir noch lesen, bevor auch die Politik aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und erkennt, daß die ungezügelte Einwanderung dazu führt, daß Europa eine Kolonie des Islam wird.

Religionsfreiheit mit kath.net

Ach, wo soll das noch hinführen?! Erst holt Deutschland Muslime zum Wiederaufbau, dann erdreisten die sich zum Bleiben – und nun wollen sie auch noch politische Mitbestimmung!
kath.net notiert, illustriert von einem Bild einer Frau mit Kopftuch (implizite Warnung: Achtung, Fundamentalisten!):

Eine islamische Partei tritt in Osnabrück erstmals bei der Kommunalwahl am 11. September an. Die Muslimisch Demokratische Union (MDU) hat 14 Bewerber in sechs der acht Wahlbereiche aufgestellt. Wie die Gründer Erhat Toka und Shamzad Qammar in Zeitungsinterviews mitteilten, seien auch Christen unter den bisher 120 Mitgliedern.

Die im April gegründete Partei setzt sich in erster Linie für eine Stärkung der Rechte der Muslime ein.

Man muss kein Fan von Religionen sein, um zu erkennen, dass allen die gleichen Rechte zukommen sollten. Und solange Religionen privilegiert werden, sollte das natürlich auch nicht nur dem Christentum, sondern auch dem Islam, dem Buddhismus, dem Hinduismus oder der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters zugestanden werden.
Und auch wenn Politik und Religion nichts miteinander zu tun haben sollten und sich in muslimische Partei gern der ein oder andere Fundamentalist verirrt: Da es nicht nur CDU/CSU mit explizit christlichen Zielen gibt, sondern auch die Partei Bibeltreuer Christen, die Zentrumspartei oder AUF, spricht eigentlich nichts gegen eine muslimische Partei.

Sollte man meinen – kath.net-Leser sehen das anders.
„chronotech“ findet:

Goodbye Deutschland !!!

„dalet“ ist sich nicht ganz sicher, ob seine Beobachtung stimmt, aber irgendwie hat er den Eindruck, dass die Moslems seit dem 11.9.2001 auf dem Vormarsch sind:

Ich bin nicht ganz sicher, ob meine Beobachtung stimmt, aber irgendwie hab ich den Eindruck, dass die Moslems seit dem 11.9.2001 auf dem Vormarsch sind.

„Johannes_Maria“ formuliert die rechtskatholischen Befürchtungen:

Der Anfang vom Ende
Langsam aber sicher tritt das ein, was sich viele insgeheim dachten aber es nie gewagt hätten auszusprechen…

Der Islam braucht eig. Ihren „hl. Krieg“ in Europa nicht aktiv führen… durch des dass z.B. die Deutschen in der Mehrheit keine Kinder mehr wollen und lieber noch sogar abtreiben… wird der Islam irgendwann uns eh überbevölkern…
Dann kommt der Machtwechsel irgendwann ganz voll alleine…

Armes Deutschland, Mein Jesus Verzeihung und Barmherzigkeit

„Noemi“ erklärt „Multikultilogik“:

Außerdem sind sie damit ja genau nach ihrer Marschtabelle unterwegs- nach der es erstens gar keine vom Christentum geprägte abendländische Kultur gibt, diese aber dennoch schnellstmöglich planiert und abgeschafft werden muß ( Multikultilogik).Die Relativisten unter ihnen hoffen, mit Hilfe der Moslems ihren Atheorelativismus herbeizwingen zu können und ahnen dabei nicht einmal ansatzweise, daß diese Geisteshaltung der Scharia anheimfallen wird. Wenn wir nicht im selben Boot säßen, könnten wir diesem sich anbahnenden Trauerspiel, dem geplanten und organisierten Selbstmord einer alten Kultur, ja gelassen zusehen.

„kaiserin“ hält nicht viel davon, dass Muslime Mitreden wollen:

Blind oder DUMM?
Nun ist Deutschland (…und Europa sowieso!) wirklich GANZ unter den Teppich, am Boden geklebt und zertreten!

„ulmi“ weiß:

Der Name Muslimisch Demokratische Union ist ein Paradoxon, da Islam und Demokratie sich ausschließen. Das Erstarken des Islam einerseits führt auf der anderen Seite zwingend zum Abbau von Demokratie. Würde hingegen die Demokratie gestärkt, müsste der Islam säkularisiert werden, und genau das ist nicht möglich.

Da diese Partei sich aber für die Stärkung der Rechte von Muslimen einsetzt, ist klar, wohin die Reise geht. Der Name dieser Partei ist also nichts anderes als eine Nebelgranate, die unters Volk gestreut wird, um die beabsichtigte Islamisierung zu verschleiern.

„harryfrank37″ verzweifelt mit den bösen Linken:

Die Linken werden es nie begreifen
Diese Multikulti-Jünger glauben den Islam benutzen zu können, um das ihnen verhasste Christentum zu „brechen“. Ein Grüner hat zu mir einmal gesagt, „wir benutzen den Islam um das Christliche zu brechen“ und auf Hinweise dazu meinte er „Wir werden die Moslem dann schon beherrschen.“ Nur wer die Geschichte des Islam nur etwas kennt, weiß, dass am Ende die Linken und die Atheisten, die „Gelackten“ sein werden. Aber dann ist es zu spät. Aber es ist eine alte Tatsache, dass selbst die Akademiker unter den Grünen/Linken diesbezüglich eine geistige Engführung und auch eine Selbstüberschätzung haben, dass sie sich etwas anderes gar nicht vorstellen können.

„Ingeborgia“ appelliert in einer Art und Weise, die frappierend an Breivik erinnert:

Mit aller Macht dies beginnende Macht verhindern!!!
Die deutsche Bevölkerung muss mit aller Macht dagegen angehen.
Die Scharia darf nicht in unserem Lande angewendet werden.
Mohamed ist der falsche Prophet.
Die Islamisierung muss mit aller Macht verhindert werden und Christen müssen in unser Land kommen.
Es ist zu vielen Moslems der Einlas in unser Länd gewehrt worden…
Früher hatten sie den heiligen Krieg mit Schwertern und Pfeilen geführt jetzt versuchen sie es auf anderem Weg…

„Martyria“ übersieht das oben angeführte Reservoir fundamentalistischer christlicher Parteien:

Nur wir Katholiken haben keinen aktiven Gegenpol zu bieten. Wann gründet sich endlich eine Katholische Liga?

„H.Kraft“ weiß:

Diese Veränderungen habe ich schon seit einiger Zeit kommen sehen.
Es ist schlimm, wenn so die Demokratie bei uns langsam untergraben und in Frage gestellt wird. Der Islam ist somit in Deutschland weiter auf dem Vormarsch.
Leider hat die Politik bei uns hier kein richtiges Profil mehr. Auch Muslime sollten hier ihre Grenzen haben und die Demokratie anerkennen. Jedenfalls darf es so nicht weitergehen. Diese Entwicklungen sind sehr
beängstigend.

Genau! Die Muslime haben die gute christliche deutsche Demokratie anzuerkennen, die ihnen keinerlei Gleichberechtigung einräumen. So funktioniert das hier!
„rosengarten1997″ glänzt, bricht aber zum Glück mitten im Satz ab:

Die Konsequenz ist die Kinderlosigkeit eines ganzen Volkes bzw. Europas , das sich nun, nur noch durch Zuwanderung am Leben erhält. Die verschiedenen Kulturen der Einwanderer, bringen eben nun ihren Glauben und ihre Kultur mit in unser Land und nun eben ihre eigene Partei. Unser glaubensschwaches Volk hat nun dieser, zumeist Islamischen Ku

Am schönsten aber: „frajo“ ist sich für einen zünftigen Nazivergleich nicht zu schade:

Das ist nur konsequent!
Ist nicht auch Hitler „demokratisch“ an die Macht gekommen?

Zweierlei zum Weltjugendtag

Verschwörungstheorien fallen eigentlich gar nicht in mein Spezialgebiet, sondern in das des sehr empfehlenswerten Blogs Reflexion – weil kath.net anlässlich des Weltjugendtages in Madrid sich von den Medien aber ungerecht behandelt fühlt, sei hier einiges angemerkt.

Da wird etwa der Kardinal Schönborn zitiert, der sich über die kritische Berichterstattung beschwert:

Angesichts der mehr als eine Million Weltjugendtagsbesucher aus aller Welt sei es „grotesk“, wenn in Medien laufend fast ausschließlich über die Proteste in Madrid berichtet werde. Ein Polizist habe ihm in Madrid berichtet, dass rund 1.000 Menschen demonstriert hätten, von denen viele zudem gar keine Spanier gewesen seien. „Vielleicht waren es auch mehr, aber jede einzelne meiner Katechesen haben mehr als tausend Jugendliche besucht – und es gab hunderte Katechesen in diesen Tagen durch Bischöfe aus der ganzen Welt.“ Eine kritische Betrachtung der Berichterstattung sei „höchst angebracht“, so der Kardinal: „Durch die Unverhältnismäßigkeit in den Medienberichten wird die Öffentlichkeit hinters Licht geführt.“

Schönborns Absicht ist erkennbar, er möchte, dass der Ausflug seines Chefs kritiklos gefeiert wird. Wenn die Polizei aber ihre munteren Prügelorgien der vergangenen Monate gegen die „Empörten“ im Namen der Katholischen Kirche fortsetzt; der Papst eine Radikalisierung des Glaubens fordert, während ein katholischer Fundamentalist wegen der Drohung eines Anschlags auf Atheisten festgenommen wurde; die jugendlichen Pilger kostenlos per Bus und Bahn herumreisen dürfen, mittellose Spanier aber nicht: Dann darf man anmerken, dass eine kritische Berichterstattung wichtiger ist als das Erwähnen päpstlicher Gebete.
Im Übrigen war es gerade der „linke“ Spiegel mit den Artikeln Matthias Matusseks, der durch unkritische Berichterstattung glänzte.

kath.net indes stößt noch etwas anderes auf, Petra Lorleberg widmet dem Thema einen ganzen Artikel:

Erhebliche Unterschiede konnte der aufmerksame Beobachter bei den Angaben über die Teilnehmerzahl beim Madrider Weltjugendtag finden. Wie viele waren es denn nun wirklich? Eine Million? Zwei Millionen? Oder „nur“ ein paar Hunderttausend?

Ja, wieviele waren es denn?

Wir werden es vermutlich nie erfahren, wie viele Pilger in Madrid waren.

Die Feststellung hält sie freilich nicht von einem Versuch ab, die Teilnehmerzahlen in die Höhe zu treiben:

Denn es ist allein schon schwierig zu definieren, wer eigentlich Teilnehmer war und wer nicht. Einige Antwortversuche beziehen deshalb auf die Zahl der angemeldeten Dauerteilnehmer. Das ist legitim, aber dann ist die Menge naturgemäß kleiner. Doch war jemand, der beispielsweise nur zur Abschlussmesse kam, kein Teilnehmer? Man kann den Kreis noch weiter ziehen: Wäre ein Madrider Einwohner, der seit Monaten für den WJT gebetet hat, dann aber in seiner Bar übernächtigten Pilgern Kaffee verkaufte und deshalb zu keiner Veranstaltung ging, wirklich kein Teilnehmer? Das Beispiel ist erfunden, doch ich bin sehr sicher, dass es derartige „Teilnehmer“ in Mengen gegeben hat.

Sind die Verkäufer in Fußballstadien, die betrunkene Fußballfans mit Bier und Würstchen verköstigen und deshalb das Spiel nicht sehen können, wirklich keine Teilnehmer?? Das Beispiel ist erfunden, doch ich bin sehr sicher, dass es derartige „Teilnehmer“ in Mengen gegeben hat.

Dann ist da die Sache mit der gezielten Desinformation durch manche Medien. Einsamer Höhepunkt war dabei bisher für mich ein Bericht zum letzten Mega-Event unserer Kirche: Nach der Seligsprechung von Johannes Paul II. am 1. Mai dieses Jahres sprach irgendwo eine Zeitung von den „Tausenden“, welche auf dem Petersplatz feierten. Tja, so kann man es natürlich auch sehen, es ist nicht einmal gelogen: Ein paar tausend waren tatsächlich dabei unter der geschätzten einen Million damals…

Dieser Absatz ist eines der schönsten Beispiele für die Meinungsbildung unter Fundamentalisten: Quellen sind völlig unnötig, man stellt eine Behauptung auf, die „die andere Seite“ doof aussehen lassen soll, und zack! hat man die moralische Oberhand.
Oder auch nicht, denn Lorleberg weiß ja eigentlich immer noch nichts genaues:

Als sicheres Faktum festzuhalten ist für die Abschlussmesse des Weltjugendtags 2011 auf jeden Fall: Es waren gewaltig viele Teilnehmer. Wenn die Fernsehkameras über die Teilnehmermenge schwenkten, blieb mir mehrfach fast der Atem stehen ob der ungeheuren Anzahl mitfeiernder Menschen.

Eine ziemlich gute Argumentation: Traurig sein, dass die Medien die Teilnehmerzahlen zu niedrig ansetzten, obwohl man selbst keine besseren Informationen hat – und deshalb eben von 2 Millionen ausgehen.
Im Übrigen sind auch katholische Quellen nicht frei von den angeblich zu niedrigen Zahlen – so schrieb etwa das nicht im Verdacht antikatholischer Hetze stehende Radio Vatikan noch am 19., dass die Hauptveranstaltung des WJT von „440.000″ Teilnehmern frequentiert wurde.
Und kath.net selbst schreibt im ganz oben zitierten Artikel nur von „über einer Million“.

Die suggestive Argumentation von Petra Lorleberg indes trägt in der Kommentarspalte Früchte – „Noemi“ versteigt sich einmal mehr in wilde Christenverfolungs-Phantasien:

die Madrider Polizei,
spanisches und italienisches Fernsehen berichteten schon am Abend der Vigil von 2 Millionen Teilnehmern auf dem Platz der 4 Winde. Da hatten es unsere Medien noch mit Hunderttausenden. Es ist natürlich so, daß ganz festgezurrte Scheuklappen, auch ideologische- das Sichtfeld schwer eingrenzen und beim Zählen behindern. Seit gestern las und hörte man bei der ÖR von 1,5 Millionen- nur die ganz Sehbehinderten sprachen und sprechen weiter von Hunderttausenden. Aber die hatten auch einen „strengen“ Papst gesehen und gehört, und einen , der vor vorehelichem Sex warnte-jedenfalls in ihren vorgefertigten Phantasie-szenarien. Wenn es nicht so traurig wäre, daß diese 4. Gewalt ihre verfassungsmäßigen Aufgaben zu 100% nicht erfüllt, ihnen ganz im Gegenteil entgegenarbeitet, könnte man über diese armen, sichtbar von höllischer Heidenangst vor der Kirche, ihren zahllosen Gläubigen und dem Hl. Vater geschüttelten Kämpfer für eine „vergötzte Vernunft“ à la franz. Revolution lachen.

„Apfelkuchen“ weiß:

Der Satan in der BRD kann noch so lügen und betrügen
er ändert hier aber nichts an den Fakten.

Die Sterne leuchten trotzdem.

Und natürlich:

Sie werden mit ihren Lügen in der BRD nicht durchkommen
Die ganze Welt weiss es besser.

Übrigens: Oft wurde auf kath.net zuletzt darüber geschrieben, dass nur der Papst eine solche Masse von Menschen anziehen könne. Dazu auch zweierlei: Es wäre traurig für die Katholische Kirche wenn sie nicht zumindest eine Million Jugendliche mobilisieren könnte. Und Justin Bieber könnte das wohl trotzdem locker toppen.

Probiers mal mit Gelassenheit

Was musste man da gestern Morgen auf kath.net lesen?

Die spanische Polizei hat gestern einen ausländischen Studenten festgenommen, um ihn an einem Anschlag zu hindern. Der mutmaßliche Attentäter stehe unter dem Verdacht, dass er am heutigen Mittwoch eine Protestdemonstration gegen Papst Benedikt XV. mittels Stickgas und anderen Chemikalien stören wollte.

SpOn schrieb in einem Artikel zum Thema gar, der Festgenommene habe geschrieben, er wolle die protestierenden Papstgegner „erledigen“.

Aber: Entwarnung! Schließlich gibt es ja gar keine christlichen Fundamentalisten, wie wir im Zuge der Berichterstattung über den norwegischen Terroristen Anders Behring Breivik gelernt haben.

Und so orientieren sich dann auch die kath.net-Leser nicht an den Fakten (Katholik kündigt an, Papstgegner vergiften/töten zu wollen), sondern machen eine Medienverschwörung aus. „Martyria“ beispielsweise frohlockt:

„Hurra“
In Norwegen hat’s nicht funktioniert, aber nun hat die Presse endlich ihren christlichen, ja sogar katholischen Attentäter. Eine Million Jugendliche feiern in Madrid friedlich und fröhlich ihren Glauben, und glücklicher Weise ist ein Millionstel (=0,000001= ein Tausendstel Promille) ein Irrer, der einen Anschlag geplant hat. Wartet nur, Brüder und Schwester, wie uns das gerade in Deutschland medial um die Ohren fliegen wird. Denn endlich kann man Katholiken mit Taliban gleichsetzen.

Ja, dass neuerdings auch Christen mit Terroranschlägen oder Plänen zu diesen aufkreuzen, ist wahrlich eine tolle Nachricht. Ob unter den jährlichen Mekka-Pilgern der Anteil an Terroristen höher als das postulierte „ein Millionstel“ liegt, könnte man übrigens auch einmal hinterfragen. Und natürlich den Umstand, dass bei einem festgenommenen Moslem/Atheisten/Linken die Reaktion „Martyrias“ etwas anders ausgefallen wäre.

Auch „Dismas“ dreht den Spieß um: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, sind halt die Medien Schuld. Und die Endzeit – aus einem katholischen Terroranschlag wird Christenverfolgung gebastelt. Virtuos:

@Martyria
JA, das nehme ich auch an. Dazu braucht es auch nur Gerüchte oder Verdächtigungen, schon kommt eine neue „Schwarte Legende“. Aber das überrascht nicht, es sind Zeichen der Endzeit. Es steht uns eine rabiater werdende Verfolgung von Katholiken bevor.

Für „Noemi“ klingt das eher wie der Versuch des gescheiterten Zapatero-Regimes auf Biegen und Brechen Störfeuer zu schießen-wenn denn schon Hunderttausende friedliche, fröhliche junge Pilger Christi wegen zusammenströmen:

Für mich klingt das eher wie der Versuch des gescheiterten Zapatero-Regimes auf Biegen und Brechen Störfeuer zu schießen-wenn denn schon Hunderttausende friedliche, fröhliche junge Pilger Christi wegen zusammenströmen.

Ja, die bösen Sozialisten (die im Zuge der aktuellen Demonstrationen nicht müde werden zu erwähnen, dass der Papstbesuch förderlich für Spanien sei) haben einem mexikanischen Studenten Notizblöcke mit Bombenplänen untergeschmuggelt und in seinem Namen im Internet gegen Atheisten gehetzt. Das längst fällige Update zur 9/11-Verschwörung.

„Urselina“ schlägt die virtuelle Hand über dem (allerdings auch nur) virtuellen Kopf zusammen:

Meine Güte,
geht es den laizistischen Atheisten dreckig, dass sie mit solchen primitiven, selbstgestrickten Meldungen Werbung für ihre kümmerliche Gegendämonstration machen müssen.

Auch „Kathole“ hat so seine/ihre Zweifel und sucht andere Schuldige:

Bekommt der Möchtegern-Attentäter noch einen Orden von Zapatero für seine PR-Verdienste?
Aus der Sicht der sozialistischen spanischen Regierung und der mit ihr innigst verbundenen antikatholischen Kräfte dürfte hierzu die Devise gelten: „Wenn es einen solchen bösen gewaltbereiten mutmaßlichen Katholiken nicht gäbe, müßte man ihn unbedingt erfinden.“

Denn das tatsächliche Bild des WJT, bei schon jetzt 1 Million junger Menschen fröhlich und friedlich zusammengeströmt ist, um ihrer Verbundenheit mit Kirche und Papst Ausdruck zu verleihen, während auf der anderen Seite erheblich weniger, dafür aber haßerfüllte, verbitterte und nicht mehr ganz so junge Papstgegner erwartet werden, ist unter PR-Gesichtspunkten das „worst case“-Szenario für die Zapatero-Truppe.

Da muß natürlich unbedingt ein „bad catho“ her, um die eigene Gefolgschaft restlos zu mobilisieren und den geneigten Freunden in den großen Medien auch einen Anlaß oder wenigstens Vorwand für eine Negativ-Schlagzeile zum WJT zu liefern.

„ivanka“ ist sich ebenfalls sicher, dass die Medien die Schuld tragen:

Einige Weltpolitiker / Zeitungen konnen es nicht
ertragen das so viele junge Menschen in die Kirche kommen, ihren Glauben offentlich zeigen,
den Heiligen Vater gut finden, frohlich feiern….

Dann muss man halt etwas negatives schreiben
- positive Kommentare sind denen zu anstrengend.
Die Kosten sind immer ein guter Argument,
wenn das nicht klappt dan sucht man sich ein anderes Thema aus.

Bei fast jedem „Papstbesuch“ hat die Polizei viel zu tun, das war immer so. Was ist da ungewonlich?
Bei so vielen Menschen kann immer was kommen.

„Bei so vielen Menschen kann immer was kommen.“ Ein Satz voll schlichter Schönheit. „Bei so vielen Menschen kann immer was kommen.“ Aber das gilt auch nur für Christen. „Bei so vielen Menschen kann immer was kommen.“ Muslime sind hingegen per se böse, da liegt es an der Religion. „Bei so vielen Menschen kann immer was kommen.“

Dann allerdings wird es endlich investigativ – „Noemi“ präsentiert exklusive Fakten:

man kann dieses Kapitel getrost
schließen- die Meldung war größtenteils eine Presseente. Die spanische Polizei hat bekannt gegeben, er hätte kein Gefahrenpotential gegeben. Festgenommen wurde der junge Mann , weil eine Freundin ihn ob seiner rabiaten Äußerungen zu Papstgegnern angezeigt hatte und eine gewisse Terrorfurcht herrscht- das ist ja auch o.k.. Es wurden keinerlei Chemikalien oder sonstige Zutaten für einen „Gasangriff“ bei ihm gefunden. So weit so gut. Nur weiterhin von einem vereitelten Anschlag zu spechen, wie es unsere dumm-unbelehrbaren ms-Medien tun, das ist dann schon wieder Manipulaiton und gesteuerte Meinungsmache. Aber so richtig geklappt hat das eben doch auch nicht- war mal ein Versuch….