Nächstenliebe.

Dass Andreas Unterberger oft und gerne rechten Unsinn schreibt, kann der interessierte Leser u.a. hier, hier, hier, hier, hier oder hier nachlesen. Was er aber nun in seinem Blog und als Gastbeitrag auf kath.net veröffentlichte, ist selbst für kath.net-Verhältnisse unfassbar.

Passiert war in Österreichs Presselandschaft zuvor Folgendes: Eine 45jährige Frau behauptete, 1994 von Leo Maasburg, dem Leiter der Päpstlichen Missionswerke (Missio), sexuell genötigt worden zu sein. Ferner sei sie als Jugendliche von einem weiteren Geistlichen, einem Tiroler Franziskanerpater, missbraucht worden. Der Franziskanerpater hat vor Monaten die Tat gestanden, dieses Geständnis mittlerweile widerrufen. Maasburg hingegen beharrt darauf, bloß eine „freundschaftliche Bekanntschaft“ mit der Frau gehabt zu haben.

Und da kommt Andreas Unterberger ins Spiel. In einem vor blinder Wut schäumenden Eintrag redet er sich auf kath.net nun um Kopf und Kragen und verhöhnt das potenzielle Opfer:

Das hat für jeden Menschen mit zumindest einem Rest an gesundem Menschenverstand und Lebenserfahrung von Anfang an mehr als faul gestunken: Eine 45-jährige Frau wird zum nationalen Thema, weil sie sich neuerdings beklagt, mit 17 Jahren von Männern regelmäßig sexuell „genötigt“ worden zu sein.

Für die späte Entdeckung der Frau gibt es nur zwei rationale Erklärungen: Entweder sie hat psychische Probleme oder kriminelle Energie. Denn eine 17-Jährige ist keine 10-Jährige, bei der es erklärbar wäre, dass sie so etwas erst nach 28 Jahren entdeckt. Und die angeblichen „Nötiger“ hatten keine Machtmittel über sie und Gewaltanwendung wird nicht einmal behauptet.

Das muss man sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: Das mutmaßliche Opfer kann also nur psychisch krank, oder kriminell veranlagt sein, weil sie „erst nach 28 Jahren entdeckt (!!!)“, missbraucht worden zu sein. Abgesehen davon, wie widerlich diese Worte sind, sei Unterberger ein wenig Recherche empfohlen. Dann hätte er womöglich auch herausbekommen, dass viele Opfer von (sexueller) Gewalt die Geschehnisse verdrängen – gerade bei Respektpersonen wie Geistlichen dürfte das gehäuft vorkommen. Ein ähnliches Phänomen: Viele Opfer trauen sich nicht oder erst spät, sich jemanden anzuvertrauen.
Ferner sind auch Formulierungen wie „neuerdings beklagt“, oder das in Anführungszeichen gesetzte „genötigt“ ungeheuerlich.
Was zudem der offenbar den Altherrenphantasien Unterbergers entlaufene Absatz über „Machtmittel und Gewaltanwendung“ bedeuten soll, wird nicht völlig klar.

Die harmloseste Form der psychischen Variante ist die einer schweren Geltungssucht. Ein Psychiater hat sogar – nach Analyse von 1200 Schreiben der Frau – „mit größter Wahrscheinlichkeit“ ein Borderline-Syndrom vermutet.

Und da haben wir das nächste Problem. Nein, mindestens drei: Die Frau soll also am Borderline-Syndrom leiden. Das ist 1.) kein Indiz dafür, dass sie lügt. Das ist 2.) sogar eher ein Indiz dafür, dass sie die Wahrheit sagt, gehört eine Borderline-Persönlichkeitsstörung doch zu den häufigsten Folgen von sexuellem Missbrauch. Und 3.) gibt es äußerst berechtigte Zweifel daran, ob der Psychiater redlich und ergebnissoffen den Fall behandelte: Peter Hoffmann, so der Name des angeblichen Fachmanns, ist nämlich selbst in der rechtskatholischen Szene Österreichs etabliert und war zu einem christlichen Kongress eingeladen, der sich (natürlich auf extrem seriöse Art und Weise) mit Homosexualität befasste; ferner diskutierte er mit Weihbischof Andreas Laun über „Kirche und Pädophilie“. Inwiefern sich Hoffmann dem speziellen Fall des mutmaßlichen Opfers annehmen konnte, darf indes bezweifelt werden: Er sprach nicht mit ihr, sondern stützte sich offenbar allein auf ihre SMS und Emails.

In jeder normalen Umgebung würde diese Frau für die nach 28 Jahren entdeckte Nötigung ausgelacht werden. Ist diese doch in einem Lebensalter erfolgt, in dem schon die große Mehrheit der Menschen, vor allem der jungen Frauen sexuelle Erfahrungen gemacht hat – die man im Rückblick oft nicht immer in die allerpositivsten Kapitel des eigenen Lebens einordnet.

Man möchte nicht wissen, was für Unterberger und seinesgleichen noch „normal“ ist. Jedenfalls spricht auch dieser Absatz Bände über die rechten Vorstellungen von sexuellem Missbrauch. Besonders übel allerdings ist noch der bigotte Hinweis darauf, dass die Jugend „im Rückblick oft nicht immer in die allerpositivsten Kapitel des eigenen Lebens einordnet“ wird – Kein Sex vor der Ehe und so, zwei Fliegen mit einer Klappe.

So weit so irrelevant für den Rest der Menschheit. Es ist auch nicht einmal relevant, ob diese sexuellen Handlungen wirklich stattgefunden haben oder nur einer – wohl eher krankhaften als postpubertären – Phantasie entsprungen sind. Und ob die Nötigung primär in den ja nicht gerade einfachen hormonellen Stürmen eines 17-jährigen Menschen bestanden hat.

Nein, natürlich ist das nicht relevant für jemanden, der die katholische Kirche höchstens „antichristlichen“ Anfeindungen ausgesetzt sieht, und Missbrauch durch Geistliche ins Reich der Fabeln verweist. Völlig egal, ob der Frau gegebenfalls vor einem Gericht Recht zugesprochen wird, und ob die mutmaßlichen Täter bestraft werden. Denn: „17-jährige Menschen“ sind durch ihre „einfachen hormonellen Stürme“ ja sowieso alle unzurechnungsfähig.

Aus einem einzigen Grund wurde diese menschliche Banalität aber zu einer nationalen Story: weil die angeblichen oder wirklichen Sex-Partner Priester sind. Das löst zweierlei Reaktionen aus: Die eine ist der seltsame Hang der Kirche, sich ohne Prüfung der Fakten einem ständigen maxissima culpissima hinzugeben. Natürlich sind sowohl eine außereheliche sexuelle Beziehung wie auch die eines Priesters innerkirchlich Sünden, das geht aber die Außenwelt oder gar den Staatsanwalt dennoch nichts an. Und das wird mit absoluter Sicherheit auch die sehr linksgestrickte Wiener Staatsanwaltschaft in Kürze zugeben müssen, die jetzt (pflichtgemäß) die Anzeigen zu prüfen hat.

Weil Priester, wenn sie sich schon auf die liederliche fleischliche Ebene niederbegeben, natürlich zart und zahm bleiben und nicht etwa vergewaltigen, ist die Angelegenheit für „die Außenwelt oder gar den Staatsanwalt“ also irrelevant. Dieses Denken mag eine Erklärung für die unzähligen Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche sein: Dem Papst ist es ja sowieso egal, die Gerichte hat es nicht zu interessieren.

Der zweite, geradezu Pawlowsche Reflex ist jener der Linksmedien, mit dem ORF als wirkmächtigste Speerspitze voran, die von einem aggressiven Hass auf die Kirche beseelt sind (Gläubige würden wohl sagen: entseelt). Es gibt nämlich außer dem Hang der Linken zu einem militanten Kulturkampf gegen die Kirche überhaupt keinen Grund, die skurrilen Behauptungen dieser Frau tagelang als Spitzenmeldung in Weltnachrichten zu transportieren.

Goldig, wie Unterberger allen ansatzweise kritischen Medien eine Affinität nach Links unterstellt; besonders schön: Den ORF als öffentlich-rechtlichen Sender tatsächlich eine „wirkmächtigste Speerspitze“ zu nennen. Die Mitte der Gesellschaft beginnt für Unterberger vermutlich erst bei der FPÖ.
Und wenn einem die Argumente ausgehen, spricht man eben mal von einem „militanten Kulturkampf“ gegen die Kirche. Klingt in rechten Ohren schöner als ein sachliches „Wir haben keine Ahnung, ob die Frau die Wahrheit sagt“. „Skurrile Behauptungen“ ist zudem wieder einmal eine Umschreibung, die die pure und völlige Verachtung ausdrückt.

Und dann wird erstmals offenbar, worum es Unterberger wirklich geht:

Wenn ein Wiener Bürgermeister oder ein SPÖ-Ex-Vizekanzler jahrelang ein sexuelles Doppelleben führen – und in einem Fall fast die ganze Stadt bis auf die eigentliche Ehefrau davon weiß –, dann ist der ORF der Meinung, dass daran Null öffentliches Interesse zu bestehen hat.

Hm. Das ist nur eine Vermutung, aber vielleicht liegt das nicht gegebene öffentliche Interesse daran, dass „ein Wiener Bürgermeister oder ein SPÖ-Ex-Vizekanzler“ mit einem „sexuellen Doppelleben“ kein Gesetz übertritt? Dass er niemandem damit körperlich schadet?

Die Relativierung geht aber sogar noch weiter:

Wenn in Wiener-Gemeinde-Heimen und in anderen staatlichen Anstalten im Laufe der Jahre Hunderte Kinder (wahrscheinlich sogar viele Tausende) körperlich und/oder sexuell schwerst misshandelt worden sind, dann wird das höchstens einmal pauschal und beschwichtigend erwähnt.

Natürlich werden auch diese Fälle öffentlich behandelt. Dass Unterberger, wie alle anderen rechten Katholiken, zudem nicht verstehen will, dass die Missbrauchsfälle in einer so „hochmoralischen“ Institution wie der katholischen Kirche einen Sonderfall darstellen, ist traurig. Aber kein Grund, ein mutmaßliches Opfer sexuellen Missbrauchs aus niederen Beweggründen der Lächerlichkeit preisgeben zu wollen.

Weil sich Unterberger aber noch nicht genug entblödet hat, schiebt er den folgenden Absatz nach:

Wenn jedoch eine Frau nach 28 Jahren sagt, sie habe damals die „Nötigung“ Christoph Schönborn mitgeteilt, dann wird das zu einem nationalen Skandal, den der ORF breitest tritt, natürlich ohne das erwähnte Gutachten des Psychiaters zu erwähnen. Und die Grünen lechzen überhaupt schon nach einer neuen Kommission, die offenbar stalinistische Schauprozesse gegen die Kirche führen soll.

Grüne! Stalinistische Schauprozesse!

Diese Maßstäbe sind zwar nicht mehr rational zu fassen, aber die culpissima-Kirche lässt sich alles gefallen. Sie erhebt kein Wort des Protestes gegen die Grünen, die etwa in Deutschland – vor viel weniger Jahren als die angebliche Nötigung – die Straffreiheit für wirklichen Kindesmissbrauch verlangt haben.

Abgesehen davon, dass es lediglich kleine Teile der Grünen waren, die für kurze Zeit völligen Unfug forderten: Der Kampf gegen die Grünen ist ohnehin völliger Unsinn. Sie werden sich in den kommenden Jahren als Koalitionspartner der rechten Parteien etablieren: Die FDP in etwas erträglicher.

Sie erhebt auch kein Wort des Protestes gegen den antikirchlichen Kampfsender ORF, der von den Bischöfen offenbar nur bei Messübertragungen aufgedreht wird. Dabei hat sie in dessen Wahlmänner-Kollegium sogar einen Kirchenangestellten als Kirchenvertreter sitzen. Der aber hat noch kein einziges Mal die Stimme im Interesse der Kirche erhoben, sondern tut dies nur im Interesse seines eigenen Vereins, der Caritas, sowie seiner kommunistischen und grünen Freunde. Ja, dieser Kirchenmann ist sogar eine der sichersten Stimmen für die Wiederwahl des letztverantwortlichen Politruks an der Spitze des ORF.

„Antikirchlicher Kampfsender ORF“, die Caritas hat „kommunistische Freunde“. Wäre das Thema nicht so ernst, Unterbergers Ergüsse wären zum Schreien komisch.

„Wer es fassen kann, der fasse es!“. Das steht in einem den Bischöfen nicht ganz unbekannten Buch. Ich fasse es nicht.

Dito. Ein unbegreiflich hasserfüllter, irrationaler, verhöhnender Artikel ist Unterberger gelungen, der vermutlich sogar kreuz.net die Schamesröte ins Gesicht triebe.


17 Antworten auf „Nächstenliebe.“


  1. 1 red one 04. Juli 2011 um 21:44 Uhr

    Ich habe selten so etwas widerliches gelesen, wie diesen menschenverachtenden Scheißdreck von Unterberger. ARGH!

  2. 2 Seidenraupe 05. Juli 2011 um 0:18 Uhr

    Unterbergers mit seinem Blog ist Österreich. Wer da in die Kommentarspalte schaut, weiß über die Innenpolitik in Ö Bescheid. Wenn ich schon den Namen lese, kommt mir alles hoch.

  3. 3 Volker 05. Juli 2011 um 9:56 Uhr

    Ich möchte Ihnen, lieber Eulenfisch, für diesen ausgezeichneten Artikel danken und hoffe, dass Sie ein großes Publikum haben, damit ihn viele Menschen lesen. Es ist einfach abartig, was da auf kath.net läuft. Die Offiziellen der katholischen Kirche sollten sich viel mehr von diesem Portal distanzieren!

  4. 4 Administrator 05. Juli 2011 um 14:19 Uhr

    Danke @Volker, aber: Episodenfisch! ;)

    Normalerweise bin ich von den kath.net-Artikeln mittlerweile nur noch empört; Unterbergers Worte widerten mich aber regelrecht an. Sehr sehr sehr sehr traurig, das.

  5. 5 Volker 05. Juli 2011 um 20:08 Uhr

    Ups, was war da mit mir los?? Natürlich meinte ich Episodenfisch!! Ja, es ist einfach nur noch zum Kotzen, deshalb sind Blog wie dieser hier so wichtig!!

  6. 6 Barkai 14. Juli 2011 um 20:33 Uhr

    „Ist diese doch in einem Lebensalter erfolgt, in dem schon die große Mehrheit der Menschen, vor allem der jungen Frauen sexuelle Erfahrungen gemacht hat“
    klar, Frauen sind natürlich eher „sündig“ als Männer…..

    @Volker
    warum sollten sich die offiziellen von kath.net distanizeren? Das verbale Einschlagen auf Missbrauchopfer tun die Offiziellen der RK doch auch. Kardinal Lehmann, der ees verräterisch nannte, wenn Missbrauchsopfer monetäre Entschädigung verlangen. In Mussinghoffs Bistum rief ein vater bei der Missbrauchshotline an und nichts geschah, auf Nachfragen erhielt man vom Bistum die lapidare Antwort, dass sich das Opfer schon selber hätte melden müssen. Die Leitlinien der deutschen Bischofskonferenz zum Umganng mit sexuellem Missbrauch sind von Experten gnadenlos zerpflückt worden und die Bischöfe (mit Ausnahme der bayrischen Bischöfe) wollen immer noch keine Anzeige dei Polizei/Staatsanwaltschaft sobald nur der Verdacht von Missbrauch aufkommt, sondern wollen erst eine interne Untersuchung zu den Vorkommnissen halten und wenn sich dann der Verdacht erhärtet, will man dem mutmaßlichen Täter zur Selbstanzeige raten. Was alelrdings geschehen soll, wenn der mutmaßliche Täter sich ncith selber anzeigt, darüber schweigen die Leitlinien.
    Also warum sollten sich die Offiziellen der RKK von solchen Zeilen wie oben distanzieren?

  7. 7 Barkai 14. Juli 2011 um 20:44 Uhr

    Nochmal @ Volker oder warum sich die Offiziellen der RKK gar nicht von kath.net distanzieren wollen oer es nicht redlicher weise können. Alle verlinkten Blogeitnräge haben verlinkungen zu den Originalquellen, sodass klar wird und leicht ersichtlich ist, dass die Dinge über die gebloggt wird auch in der „seriösen Presse“ zu finden waren und nicht einfach erfundne wurden.
    Zollitsch und sein Umgang mit sexuellem Missbrauch:
    Ordinat täuscht Opfer: http://skydaddy.wordpress.com/2010/06/14/%E2%80%9Eluckenlose-aufklarung%E2%80%9C-fragen-an-das-ordinariat-freiburg/

    Zollitsch wird NICHT aktiv im Falle von wenigstens vermutetem sexuellen Missbrauch, obwohl er 2006 schon hätte aktiv werden müssen: http://skydaddy.wordpress.com/2010/07/15/us-experte-zollitsch-hatte-2006-ermitteln-mussen/

    Zu den leitlinien ein paar wirkliche Empfehlenswerte Blogeinträge, der Blogeitnrag verlinkt auch auf den Blogeintrag, in dem Kardinal Lehmann den Missbrauchsopfer quasi Geldsucht unterstellt (der Eintrag heißt in etwa die tun nichts, die wollen nur reden):
    http://skydaddy.wordpress.com/2010/06/21/leitlinien-schwachen-und-kirchensprech/

  8. 8 Volker 15. Juli 2011 um 10:29 Uhr

    @Barkai

    Sie verwiesen auf Blogtexte und nicht auf die seriöse Presse. Trotzdem möchte ich nicht ausschließen, dass es immer noch Missstände in der katholischen Kirche im Umgang mit den Missbrauchsfällen gibt. Diese sind zu kritisieren und aufzudecken.

    Wenn Sie Bischof Zöllitsch kritisieren wegen einer Verfehlung 2006, dann ist es aber unredlich, einen Zusammenhang zu den neue Richtlinien von 2010 herzustellen.

    Insgesamt scheinen sich die Texte auf die Situation von 2002 und nicht auf die von 2010 zu beziehen.

    Ich hoffe, dass sich da noch einmal eine ganze Menge getan hat.

  9. 9 Barkai 16. Juli 2011 um 16:59 Uhr

    wie bereits oben angemerkt, sind in den Blogtexten die Origianalquellen verlinkt. Die Originalmeldungen sind also einfach nur einen Klick entfernt.
    Wenn Zollitsch aber im Jahr 2010 sagt, dass es lediglich „Hinweise“ auf Missbrauch gegeben habe (Statement auf der HP der Erzdiozese! http://www.bistum-freiburg.de/html/aktuell/aktuell_u.html?t=c990509295995c0a4db2c384da8843e5&&cataktuell=955|957|1019|1049|1068&m=19718&artikel=6864&stichwort_aktuell=&default=true)
    Aber in mind. einem Fall bereits 1992 ein Geständnis vorlag (siehe hier: http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/ordinariat-freiburg-korrigiert-darstellung-zu-oberharmersbach).
    Dann muss man sagen, dass sich der Vorwurf sehr wohl auf 2010, nämlich das Statement der Diozese bzw. Zollitsch bezieht und man muss klar sagen, dass das Vorliegen eines Geständnisses im Jahre 1992 wohl etwas mehr als nur ein Hinweis ist?! Somit läßt sich festhalten, dass Zollitsch in mind. einem Fall die Vorkommnisse kleinredet, wenn er so tut, als ob man die Hiwneise erst 2010 gekriegt hat?
    Was also hat sich Ihrer Meinung nach dann getan im jahre 2010? ISt es Ihrer Meinung anch positiv hervorzuheben, dass Zollitsch wenigstens einen Euphemismus benutzt?

  10. 10 Barkai 16. Juli 2011 um 17:42 Uhr

    Nochmal @Volker
    Aber vielen Dank, dass sie nach seriösen Quellen gefragt haben, so ist nach Angaben der Zeit anzunehmen, dass Zollitschs Diozöse die Adresse eines Missbrauchsopfers an den Täter weitergegeben hat, im Artikel geschilderten Fall muss das nach oder während 2010 geschehen sein, da sich dieses Opfer erfolgreich um Entschädigungen/übernahme der Therapiekosten, bemühte, aber danach Post vom Täter bekommen hat!
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-06/kirche-missbrauchsopfer-datenschutz/seite-1

    zu Kardinal Lehmanns dreisten Unterstellungen den Geschädigten gegenüber.
    Laut der Datumsangabe im Archiv ist diese Meldung der Rhein-Zeitung (online Ausgabe) vom 27.4.’10,also wieder jüngeren Datums.
    Lehmann sagt etwas von „Begehrlichkeiten nach Geld“, die man spürt, wenn man auf die Opfer in den USA, Irland und am Runden Tisch der Heimkinder sehe. Das ist meine persönliche Meinung, aber ich finde es mehr als unverschämt, wenn ein ranghoher Kleriker der RKK, die wie ein schneller Blick in das Schwarzbuch der Kirchenfinanzen zeigt, sehr reich ist, den Opfern, die wirklich schlimme und traumatische Erlebnisse hinter sich haben, Geldgier unterstellt.
    Die kurze Mitteilung kann hier eingesehen werden, leider waren die längeren versionen anderer Zeitungen nciht mehr online, denn ansonsten hätte man noch weitere Unterstellungen des Herrn Lehmanns lesen können: http://archiv.rhein-zeitung.de/on/10/04/27/rlp/t/rzo701965.html?markup=rzo701965

    Halten wir also fest: Lehmann unterstellt den opfern Begehrlichkeiten anch Geld (April/Mai 2010), wenn man sich dennoch durchringt und sich um Entschädigungen und Finanzierung einer Therapie bemüht, riskiert man dass die Adresse und Kotnaktdaten an den (mutmaßlichen) Täter weitergegeben werden.

    Es hat sich also was getan im Umgang mit dem Missbrauch in der röm-kath Kirche. Die Opfer müssen nämlich jetzt in Angst leben, dass nach Kontakt mit der Kirche wegen Missbracuh, der ehemalige (mutmaßliche) Peiniger weiß, wo sie wohnen.

    Zur Höhe der Entschädigung, die die Kirche den Opfern zahlt, hat Report Mainz berichtet. Das Video ist noch immer auf offiziellen ARD-Kanal/Konto auf youtube zu sehen. Bereits in der Beschreibung des Videos ist zu lesen, dass die Kirche für z.B. 900 mal Missbrauch 5000EUR insgesamt zu zahlen, es sollen also knapp 5,56EUR pro Missbrauch gezahlt werden. Heißt also, dass ein Opfer von Missbrauch durch die Kirche schlechter entschädigt wird als eine Prostituierte (für einvernehmeliche, wenn auch geschäftliche Handlungen) bezahlt wird.
    Auch wenn, wie im Beitrag deutlich wird, die Kirche aufgrund der möglichen Verjährung nicht in allen Fällen zahlen muss (im Falle des 900-fachen Missbrauchs zum Beispiel), muss man die Kirche oder Herrn Zollitsch, der auch im Beitrag zu Wort kommt, doch daran messen, dass sie eben angeblich jetzt bereit seien, den Opfern finanziell zu helfen und die Opfer zu utnerstützen. Ich hingegen frage mich, wie groß eine Unterstützung von ca. 5,56EUR pro Missbrauch tatsächlich sein kann.
    Zum Report Mainz Beitrag: http://www.youtube.com/watch?v=GavRYdNnqyU&feature=player_embedded

  11. 11 Volker 16. Juli 2011 um 21:05 Uhr

    Sollten sich die Dinge so veralten, wie Sie diese darstellen, dann ist die Kritik berechtigt. Grundsätzlich sollte man einzelne Aussagen nicht aus dem Zusammenhang reißen, wobei ich nicht weiß, ob dies geschehen ist. Und dass man die Beschuldigungen erst einmal überprüfen muss, liegt auch auf der Hand. Ich hoffe, dass die Kirche zunehmend ehrlicher und offener mit diesen Missbräuchen umgeht.

  12. 12 welser 18. Juli 2011 um 14:16 Uhr
  13. 13 Administrator 18. Juli 2011 um 14:42 Uhr

    @welser: Schrecklich! Und natürlich hat kath.net darüber nicht mehr berichtet…

  14. 14 Barkai 20. Juli 2011 um 14:04 Uhr

    @Volker,
    Sie haben jede Menge Artikel zur Hand, um sich in’s Thema einzulesen und dann können Sie für sich selber urteilen. (und die Höhe der Entschädigung von 5,56EUR pro Missbrauch liegt ganz ofeen dar, da muss man nicht itnerpretieren!)
    Aber zu dem Thema gibt es (leider) mal wieder mehr Infos.
    Haben Sie davon gehört, dass in Niedersachsen ein Geistlicher verhaftet wurde kurz bevor er mit einer Gruppe Minderjähriger Richtung Taize fahren sollte. (Die verhaftung erfolgte wegen Gefahr im verzuge).

    Laut NDR ist der Verdacht gegen den Geistlichen spätestens 2006 aufgekommen und die Kriche/das Bistum hat sie Staatsanwatlschaft eingeschlatet deren Ermittlungen den Tatverdacht leider nicht erhärten konnten. Obowhl der verdacht des Missbrauchs im Raum stand hatte das Bistum aber keinerlei Bedenken, einen verdächtigen Geisltichen mit einer Gruppe von Minderjährigen wegfahren zu lassen?!
    Die Süddeutsche Zeitung schildet aber ein sehr wichtiges Detail, was der NDR ausläßt „Wir haben ihm damals in einem Gespräch signalisiert, wo die Grenzen sind‘, sagte Bongartz. Als sich dieselbe Familie im vergangenen Jahr im Zuge des Missbrauchskandals erneut wegen der Vorfälle von 2006 gemeldet habe, habe das Bistum die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Diese konnte den Verdacht zunächst nicht erhärten.“
    Das heißt also, das einmalige äußern des Verdachtes reicht beim Bistum NICHT aus, um die Behörden einzuschalten, man muss also das Bistum wiederholt darauf aufmerksam machen, dass man einen Geistlichen verdächtigt Straftaten gegen die sexuelle Selbstsestimmung zum nachteil von Minderjährigen zu verüben, bevor irgendetwas passiert. Dann kontaktiert das Bistum die Staatsanwaltschaft (endlich!), diese kann aber den Verdacht nciht erhärten, zur Verhaftung des Geistlichen ist es gekommen, so Süddeutsche Zeitung, nachdem eine Mutter mit ihrem Sohn gemeinsam Anzeige erstattet aht.
    Da werden also zweimal die Ermittlungsbehörden auf ein und denselben mutmaßlichen Sexualstraftäter aufmerksam gemacht, einmal durch die Kirche und die Behörde kann den verdacht ncith erhärten, einmal durch ein Opfer und dessen Elternteil und der verdacht kann sofort derart erhärtet werden, dass man wegen Gefahr im verzuge und Gefahr von Wiederholungstaten den Mann sofort verhaftet? Ich frage mich gerade ernstahft, was genau das Bistum der Staatsanwaltschaft erzählt hat.

    Desweiteren, so NDR, sollen ca. 30 menschen nach der erfolgten verhaftung ihrer Gemeinde Solidarität signalisiert haben. Solidarität mit einer Gemeinde, die es zuläßt, dass ein potentiell pädokimineller Geistlicher mit Minderjährigen in’s Ausland fährt…
    Ich bin mir bewusst, wie auch der NDR-Artikel schon sagt, dass große Teile der Laien der Gemeinde, den Geistlichen als „umstritten“ ansahen und einen übermäßigen Kontakt des Geistlichen mit Kindern und Jugendlichen NICHT gutgeheißen haben, dennoch muss man feststellen, dass keiner der Menschen, die den Pfarrer kritisch sahen und dafür gute Gründe hatten, eben wegen ihrer Gründer die Polizei informiert haben. Insebesodnere über die Familie, die das Bistum so lange gedrängt hatte, bis das Bistum die Staatsanwaltschaft (grob) informierte, hätten diese Eltern ncith selber Anzeige erstatten können? Dann wäre der mutmaßliche Täter vermutlich sehr viel früher aufgehalten worden!
    Der in diesem Blog im Kommentarbereich angesprochene Suizid eine jungen Mannes kann auch evtl mit dieser Missbrauchsserie in Niedersachsen im Zusammenhang stehen nach NDR-Angaben.

    Die Quellen: Süddeutsche Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/I5L38k/110310/Pfarrer-gesteht-weiteren-Missbrauc.html
    NDR: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/missbrauch467.html

  15. 15 Volker 21. Juli 2011 um 13:39 Uhr

    @Barkai

    Ich danke Ihnen für die Informationen! Ich verurteile die zögerliche Vorgehensweise ebenfalls. Ich kann verstehen, dass für jeden Menschen zuerst einmal die Unschuldsvermutung gilt, allerdings geht der Schutz der Kinder vor, so dass man einen Verdächtigen niemals mit Kindern auf eine Fahrt schicken darf. Ich hoffe und bete dafür, dass die Kirche aus den vergangenen Erfahrungen lernt und zukünftig schneller und entschlossener zum Schutz von Kindern und Jugendlichen handelt!

  16. 16 Barkai 21. Juli 2011 um 17:53 Uhr

    @Volker,

    ich bezweifle, dass es mit hoffen und beten getan ist. Solche Aktivitäten hat die Kirche doch schon seit Hunderten von Jahren ausgesessen. Lauter Protest und den mit dem Finger auf Misstände zeigen, scheinen mir bessere Aktionen zu sein. Ich habe gerade im übrigen mal eine Aussage gefunden, was die Kirche der Staatsanwaltschaft im Fall in Niedersachsen erzählt aht (nachdem sie mind. 2x dazu aufgefordert wurde, was zu tun). Und, wie ich befürchtet habe, klingt das Ganze sehr vage. Ob die Kirche bewusst irgendetwas verdreht hat, es heißt, dass es ein weibliches Opfer gegeben habe, bislang haben sich aber nur männliche Opfer gemeldet, und so vllt die Identifizierung des Opfers erschweren wollte, um einer Aussage des Opfers vorzubeugen läßt sich nicht sagen. Aber „zögerliches Vorgehen“ ist doch stark euphemistisch für „nahezu keine Informationen“, die der Ermittlung und Feststellung des Sachverhaltes dienen, geben.
    „Anfang 2010 seien der Staatsanwaltschaft Hildesheim „ein paar Bröckchen hingeworfen worden“, bestätigt Sprecherin Christina Pannek. Es sei ein Mädchen begrapscht worden, habe es von Seiten der Kirche geheißen. Andere Anhaltspunkte habe es nicht gegeben. Die Kommunikation sei ausschließlich über das Bistum erfolgt. Die mutmaßlichen Geschädigten seien demnach nicht bereit gewesen, eine Aussage zu machen.“ [1]
    (Man beachte, dass die RKK die Opfer anonym hält und gleichzeitig für die Opfer spricht und behauptet, dass es niemanden gäbe, der eine Aussage machen möchte…)

    [1] http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,774985,00.html

  17. 17 Volker 21. Juli 2011 um 18:15 Uhr

    Ich denke, dass sich nach dem Jahr 2010 schon auch etwas ändern wird. Immerhin haben die Bistümer die Personalakten für die Ermittlungsbehörden geöffnet und es wird Studien und Untersuchungen zum Missbrauch innerhalb der Kirche geben. Das bedeutet natürlich nicht, dass von heute auf morgen alles gut ist. Und ich möchte auch nichts entschuldigen. Ich kann mir kaum etwas Schlimmeres vorstellen, als einen Priester, der ein Kind missbraucht!

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