Letztgültiges zu Matussek

kath.net hat einen neuen Helden: Matthias Matussek. In den letzten zwei Monaten berichtete man acht Mal über den Spiegel-Autoren, der zuletzt vor allem dadurch auffiel, sich als eigensinnigen und bemüht streitlustigen Katholiken darzustellen. Heute veröffentlichte kath.net einen mit „Glaube ist kein Glamourzirkus“ überschriebenen Artikel, den man offenbar von „The European“ entlieh. Abgesehen vom augenscheinlich unredigerten Beginn („Lieber Alexander“), der ziemlich kontextlos daherkommt, möchte ich auf diesen Text nicht eingehen. Zu Matussek wurde viel geschrieben, und es ist leider kein Ende abzusehen. Die wohl schönste Analyse seiner Schreibe und seiner Gedanken gelang Gerhard Henschel in der TITANIC – ich postete diese Zeilen schon einmal in der Kommentarspalte, finde sie auf der Hauptseite aber auch gut aufgehoben:

Matussek liebt Deutschland, und das sei sowohl ihm als auch Deutschland gegönnt. […] Seine Gegenwartsdiagnosen sind, gelinde gesagt, widersprüchlich. Einerseits findet er das Leben in Deutschland großartig: „Ich finde, wir haben Grund, zu feiern: Bei uns verrecken die Leute nicht auf der Straße, hier wird dir die Knarre nicht an den Kopf gehalten. Wunderbar.“ Und als ob das nicht genügend Gründe zum Feiern wären, führt er in seinem originellen Deutsch einen weiteren an („Es gibt immer zunehmend mehr Leute, die jetzt im eigenen Land Urlaub machen“). Laut Matussek haben wir allerdings auch Grund zum Frieren, weil wir in einer Welt leben, „die zunehmend kälter wird“, während uns die Gründe zum Feiern schon vor langer Zeit ausgegangen sind: „Es wird immer beschissener.“

Woran soll man sich halten, wenn in einer zunehmend kälteren Welt selbst die Wollust der feierlaunigsten Feuilletonisten ein abgefucktes Geschäft geworden ist? Matussek empfiehlt den katholischen Glauben: „Der Katholizismus ist eine in jeder Hinsicht spannende Religion, das wusste schon Heinrich Heine. Er ist poetisch.“ Das Spannende am Katholizismus ist aus der Sicht von Nichtkatholiken die Bigotterie seiner Funktionäre. Die heimlich Wein trinkenden und öffentlich Wasser predigenden Priester sorgen nicht erst seit Heines Zeiten für Furore. Noch spannender und zugleich poetischer nimmt sich Benedikt XVI. aus. Matussek erblickt in ihm „eine äußerst positive Figur“, denn „dieser freundliche, aber intellektuell unbestechliche Papst“ habe „Mut gezeigt“, wodurch sich Kritik natürlich sofort erübrigt: „Right or wrong – it’s my church.“ Und: „Wahrscheinlich sehe ich den Papst positiver als andere. Womöglich bin ich reflexhaft auf der Seite der Schwachen.“ Der Schwache ist in diesem Fall, man ahnt es schon, der Papst.

Aus: Gerhard Henschel, Titanic Januar 2011: Im magischen Dickicht des Nichts. Über Matthias Matussek, den wichtigsten Themensetzer seit John-Boy Walton. Seite 61


8 Antworten auf „Letztgültiges zu Matussek“


  1. 1 Volker 29. Juni 2011 um 12:36 Uhr

    Erschreckend ist doch bei dieser ganzen Entwicklung, mit welch eingeschränkter und plumper Rhetorik hier Stimmung gemacht wird. Diese Matusseks und Kisslers werden vom bedenklich rechten Rand der katholischen Kirche umjubelt, weil man sich seit langem die Kirchenspaltung in Deutschland herbeisehnt. Das alleine disqualifiziert diese aber als wirkliche Katholiken. Katholisch heißt Integration vieler christlicher Ausprägungen und Kulturen unter der einen Kirche.

  2. 2 Administrator 29. Juni 2011 um 22:26 Uhr

    Huch, kath.net will die Kirchenspaltung? Wie meinen Sie das?

  3. 3 Volker 30. Juni 2011 um 11:15 Uhr

    Na, Sie brauchen sich doch nur die Reaktionen auf das geheime Dossier auf kath.net anzuschauen. Wenn es nach den Betreibern und Usern geht, dann entwickelt sich die katholische Kirche endlich zu einer radikalen Sekte für Auserwählte. Nur: Das war sie noch nie und kann sie auch nicht sein.

    Interessant erscheint mir aktuell die Stellungnahme Kardinal Meisners auf seiner neuen Homepage zu kreuz.net zu sein. Da können Sie kath.net mal loben. Viele User sind sicherlich auch treue kreu.net-Poster und denen wird das kaum gefallen, was der Kardinal da sagt. http://direktzu.kardinal-meisner.de/ebk

  4. 4 Administrator 30. Juni 2011 um 19:32 Uhr

    Ja, mich erstaunte bloß die Wortwahl – eine „Kirchenspaltung“ befürchten die meisten kath.net-Leser in der Kommentarspalte regelmäßig. Die meinen bloß wahrscheinlich etwas anderes als Sie.

    Zu Meisner: Wieso sollte ich kath.net dafür loben, dass Meisner kreuz.net kritisiert? ;)
    Und ich finde diese Stellungnahme auch ehrlich gesagt etwas schwach. Da wird gesagt, dass der „Stil“ der Beiträge „beleidigend“ ist. Meisner distanziert sich also vom „Stil“, nicht aber vom tieferen Inhalt der Beiträge selber. Der ganze Text ist unfassbar – und für Meisner untypisch – diplomatisch gehalten. Würde er sagen „Ich distanziere mich ausdrücklich von kreuz.net, weil dort homophobe, rassistische, antisemitische Vollidioten schreiben“, würde ich ihn loben. So aber nicht.

  5. 5 Volker 30. Juni 2011 um 23:16 Uhr

    Viele kath.net-Poster sehnen die Spaltung herbei. Das kritisiere ich. Und was sollen die unter Spaltung anderes verstehen als ich? Der Unterschied ist, dass ich eine Spaltung verhindern möchte, diese Leute sie aber als erstrebenswert erachten.

    Schauen Sie sich die Reaktionen auf Meisners Kritik auf kath.net an. Hier fühlt man sich wohl ertappt und mit angesprochen. Viele kath.net-Poster sind sicherlich auch auf kreuz.net aktiv.

  6. 6 Administrator 01. Juli 2011 um 15:24 Uhr

    Naja, ich erinnere mich an den vor einigen Wochen veröffentlichten Artikel, der sich auf den Focus berief und behauptete, dass es einen „deutschen Sonderweg“ geben solle, was dann immer reflexhaft „Kirchenspaltung“ genannt wurde.
    Dass kath.net-Leser nichts dagegen hätten, wenn ihnen die liberaleren Katholiken die Kirche überlassen würden, glaube ich indes gern.

    Bezugs kreuz.net: Die Mehrheit der Kommentare loben Meisner, soweit ich das überblicke. Aber auffallend ist, dass die besonders rechten Kommentatoren (Noemi, St.Gabriel, st.michael) sich nicht äußerten. Man will wohl nicht über seinen Lieblingsspielplatz meckern.

  7. 7 Volker 01. Juli 2011 um 16:31 Uhr

    Vergessen Sie nicht den tapferen Kreuzritter „krzyzak1099″, der in seiner Kriegsrhetorik gegen muslimische, atheistische und protestantische Menschen kaum zu toppen ist.

  8. 8 Glamypunk 25. September 2011 um 13:24 Uhr

    Auf PI ist Matussek jetzt auch schon der Verteidiger des Abendlandes. Seine dümmliche Art kommt dort prima an.

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