Archiv für Juni 2011

Das Dagegen-Portal

Was macht man als Besitzer eines rechtskatholischen Portals, das sich einst entschied, jede Bewegung eines Menschen zum Skandal aufzubauschen? Richtig: Man macht weiter, egal wie lächerlich es wird.
Dirk Tänzler, Chef des BDKJ (Bund der deutschen katholischen Jugend), hatte Roland Noé und seine Leser im Mai verärgert, als er u.a. sagte:

Wir teilen die Überzeugung nicht, dass es der Kirche verboten ist, Frauen zu den Weiheämtern zuzulassen.

Auch der Umstand, dass Tänzler offenbar keine homophoben Ansichten vertrat, verärgerte die aufrechten Christen, was letztlich im sagenhaft besinnungslosen Kommentar eines Users gipfelte.

Nun ist der Unmut über Dirk Tänzler und den vermeintlich ‚linkslinksgrünen‘ BDKJ zurück, kath.net berichtet erzürnt:

Dirk Tänzler vom BDKJ hat im Vorfeld des Weltjugendtages sich darüber aufgeregt, dass auch Coca Cola den Weltjugendtag in Madrid sponsert. Dies sei für ihn „nicht vertretbar“. Die umstrittene Jugendorganisation ruft bereits seit 2007 zum Boykott des Unternehmens auf, weil es laut dem BDKJ Menschenrechtsverletzungen an Mitarbeitern in Kolumbien dulde und für Umweltzerstörungen in Indien verantwortlich sei.

Da fehlen einem doch wirklich die Worte: Tänzler ist nicht nur dafür, dass Homosexuelle und/oder Frauen gleichberechtigt sind – nun kritisiert er auch noch Coca-Cola, den grundsympathischen und wie viele andere Unternehmen für seine nachhaltige und menschenfreundliche Politik bekannten Konzern!
Abgesehen von der Frage, wieso die katholische Kirche trotz ihrer vielen Milliarden Euro auf der Bank (die sie, nebenbei bemerkt, auch durchaus zum Kampf gegen den Hunger in der Welt einsetzen könnte) auf Sponsoren angewiesen ist: Die schöne Nutzung des Konjunktivs zeigt, wie egal kath.net die Hintergünde (die übrigens hier nachzulesen sind) von Tänzlers Argumentation sind: „Tänzler ist grün, der BDKJ ist doof, der Vatikan hat immer Recht“. Wie sehr im Recht der Papst in diesem Fall ist, listet übrigens dieser ausführliche Wikipedia-Artikel auf.

Schwer zu sagen, ob die Ignoranz gegenüber weltlichen Argumenten diesen Artikel rückstandslos erklären kann. Es könnte auch sein, dass Noé ästhetisch voreingenommen ist, bejubelte er doch den aktuellen (wegen u.a. fehlender Realität und dämlichen Rollenbildern höchst problematischen) Coca Cola-Werbespot auf dem hauseigenen Videoportal ‚kathtube‘ als „tolles Video“.

Die kath.net-Kommentatoren jedenfalls reagieren größtenteils vorhersehbar. „frajo“ etwa schreibt grundsolide genau das, was man eben so von sich gibt, wenn einem Mitmenschen und Umwelt egal sind:

Ein grüner Sprecher.
Ihm scheint weder das „K“ als das „J“ ein Anliegen zu sein. Dafür das „I“ch sowie „grüne Themen“. Sehr bescheiden.

„nemrod“ wird lieber etwas persönlicher:

Tänzler wal wieder – katholisch, kirchentreu vom Scheitel bis zur Sohle! Wenn er nicht kirchlich Dünnschiß labern kann, dann halt mal was in dieser Richtung – nur noch peinlich diese Gestalt!

„mundkommunion“ arbeitet etwas subtiler:

Splitter
Wie ist das mit dem Splitter im Auge des anderen und dem eigenen Balken ?

„placeat tibi“ fühlt sich moralisch wie stilistisch auf der sicheren Seite:

Coke – das ist… das ist ja fast Autobahn!
Ja,das ist ganz unverzeihlich. Der Weltjugendtag muß umgehend abgesagt werden! Coke? Das muß doch wieder Rom ausgeheckt haben! Warum hat man den BDKJ nur nicht einbezogen? Die hätten doch ganz bestimmt beste Beziehungen zu korrekten deutschen Bio – Softdrink – Firmen einbringen können, oder weingstens Afri – Cola als Sponsor vorschlagen können, wenn ich so an die Afri Werbung der 70er denke (ohne jetzt Pepsi diskriminieren oder gar ausgrenzen zu wollen!)
Lob für den empörten Aufschrei Tänzlers, endlich mal wieder ein Beitrag des BDKJ, der dem geistigen Niveau dieses Vereins angemessen ist! Na ja, es geht ja hier auch um Flaschen…:)

„girsberg“ vergleicht das Unrecht an geborenen, vollständig leidfähigen Menschen naheliegenderweise mit Abtreibungen:

Wie steht der BDKJ zu den täglichen Menschenrechtsverletzungen in Deutschland, wo werktäglich etwa eintausend Ungeborene im Mutterleib getötet werden?

Hat jemand in dieser Hinsicht einen Aufschrei von Herrn Tänzler gehört? – Und vielleicht sogar immer wieder?

Auch „Dismas“ hat eine wertvolle Meinung:

Coca Cola….ist durchaus kritisch zu sehen…
aber warum sollen die mit ihrem Geld nicht mal was Vernüftiges und Gutes tun??
Sicher, ich trinke gegen Durst auch lieber Wasser, aber sicher wenn einer wie er tapfer und unermüdlich gegen die Abtreibungsmorde kämpft, persönlich Gebetsrunden und Sitzstreiks vor Abtreibungspraxen initiert und dann beim Marsch der 1000 Kreuze mit seiner zahlreichen BDKJ Gruppe immer vorne weg dabei ist……. --oder halt, irre ich mich, ist das gar nicht so??? Macht er das gar nicht?

Letztgültiges zu Matussek

kath.net hat einen neuen Helden: Matthias Matussek. In den letzten zwei Monaten berichtete man acht Mal über den Spiegel-Autoren, der zuletzt vor allem dadurch auffiel, sich als eigensinnigen und bemüht streitlustigen Katholiken darzustellen. Heute veröffentlichte kath.net einen mit „Glaube ist kein Glamourzirkus“ überschriebenen Artikel, den man offenbar von „The European“ entlieh. Abgesehen vom augenscheinlich unredigerten Beginn („Lieber Alexander“), der ziemlich kontextlos daherkommt, möchte ich auf diesen Text nicht eingehen. Zu Matussek wurde viel geschrieben, und es ist leider kein Ende abzusehen. Die wohl schönste Analyse seiner Schreibe und seiner Gedanken gelang Gerhard Henschel in der TITANIC – ich postete diese Zeilen schon einmal in der Kommentarspalte, finde sie auf der Hauptseite aber auch gut aufgehoben:

Matussek liebt Deutschland, und das sei sowohl ihm als auch Deutschland gegönnt. […] Seine Gegenwartsdiagnosen sind, gelinde gesagt, widersprüchlich. Einerseits findet er das Leben in Deutschland großartig: „Ich finde, wir haben Grund, zu feiern: Bei uns verrecken die Leute nicht auf der Straße, hier wird dir die Knarre nicht an den Kopf gehalten. Wunderbar.“ Und als ob das nicht genügend Gründe zum Feiern wären, führt er in seinem originellen Deutsch einen weiteren an („Es gibt immer zunehmend mehr Leute, die jetzt im eigenen Land Urlaub machen“). Laut Matussek haben wir allerdings auch Grund zum Frieren, weil wir in einer Welt leben, „die zunehmend kälter wird“, während uns die Gründe zum Feiern schon vor langer Zeit ausgegangen sind: „Es wird immer beschissener.“

Woran soll man sich halten, wenn in einer zunehmend kälteren Welt selbst die Wollust der feierlaunigsten Feuilletonisten ein abgefucktes Geschäft geworden ist? Matussek empfiehlt den katholischen Glauben: „Der Katholizismus ist eine in jeder Hinsicht spannende Religion, das wusste schon Heinrich Heine. Er ist poetisch.“ Das Spannende am Katholizismus ist aus der Sicht von Nichtkatholiken die Bigotterie seiner Funktionäre. Die heimlich Wein trinkenden und öffentlich Wasser predigenden Priester sorgen nicht erst seit Heines Zeiten für Furore. Noch spannender und zugleich poetischer nimmt sich Benedikt XVI. aus. Matussek erblickt in ihm „eine äußerst positive Figur“, denn „dieser freundliche, aber intellektuell unbestechliche Papst“ habe „Mut gezeigt“, wodurch sich Kritik natürlich sofort erübrigt: „Right or wrong – it’s my church.“ Und: „Wahrscheinlich sehe ich den Papst positiver als andere. Womöglich bin ich reflexhaft auf der Seite der Schwachen.“ Der Schwache ist in diesem Fall, man ahnt es schon, der Papst.

Aus: Gerhard Henschel, Titanic Januar 2011: Im magischen Dickicht des Nichts. Über Matthias Matussek, den wichtigsten Themensetzer seit John-Boy Walton. Seite 61

Das Toleranzverständnisverständnis von kath.net

Mag sein, dass ich bisher einfach kein genaueres Augenmerk auf die Überschriften legte, die kath.net den Artikeln zuwies. In jüngster Zeit jedenfalls fällt mir vermehrt auf, dass die Titel immer kreativer, ja: verspielter, schwerer zu greifen, werden. Da überschrieb man einen Gastkommentar kürzlich schlicht mit „Eh klar?!“, nun wird der Leser mit „Das Toleranzverständnis einiger SPD-Bundestagsabgeordneter“ allein gelassen. Und liest dann das:

Einige SPD-Politiker wollen anscheinend die Rede von Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag boykottieren. Ein Textentwurf des SPD-Bundestagsabgeordneten Rolf Schwanitz mit entsprechenden Inhalten wurde vergangene Woche an 146 SPD-Abgeordnete verschickt. Dies berichtet die „Rheinische Post“, der nach eigenen Angaben das Schreiben auch vorliegt.

In dem Text von Schwanitz, der auch der Sprecher der Arbeitsgruppe „Laizisten in der SPD“ ist, heißt es: „Wir lehnen die dem Papst eröffnete Möglichkeit einer Rede vor dem Bundestag ab und werden uns an diesem Ereignis nicht beteiligen“. Die Rede von Papst Benedikt sei mit dem „Grundsatz der religiösen Neutralität des Staates unvereinbar“, das Parlament sei kein Ort der „religiösen Missionierung“ und werde nur als „schmückendes Beiwerk missbraucht“.

Nun kann man von den Menschen kaum eine vernünftige Definition von ‚Toleranz‘ erwarten, die diese Vokabel üblicherweise als „Wir dürfen tun, was wir wollen und alle, die dagegen sind, haben still zu sein und sich zu fügen“ auslegen.
Der tiefere Sinn des Artikels bleibt trotzdem verborgen: Da will ein Mensch offenbar der Rede des Papstes nicht beiwohnen und andere ebenfalls dazu ermuntern. Das mag aus katholischer Sicht ärgerlich sein, ein Zeichen mangelnder Toleranz indes ist es nicht, zumal Schwanitz offensichtlich auch okaye, für kath.net-Leser natürlich unverständliche Gründe nennt.

Apropos Leser: Auch die haben eine Meinung zu Schwanitz. „Evchen“ hält sich bspw. nicht lange mit Argumenten auf, sondern kawummst los:

was beweist, dass Intelligenz keine Vorbedingung zur Wahl ins Parlament darstellt.

Gegnern mangelnde Intelligenz vorzuwerfen – ein Klassiker. „uwato“ schließt sich an:

Wenn Herr Schwanitz unbedingt öffentlich zum Deppen machen will, soll er doch. Hoffentlich bleiben alle Intelligenzbolzen in der Partei der Rede des Papstes fern, ihre Dummheit würde den Papst nur beleidigen.

Ein schöner rhetorischer Kniff ist es auch, eine Frage anzukündigen, diese vor lauter Erregung aber dann doch zu vergessen. „nemrod“ könnte wissen, wovon ich spreche:

Nur mal so ne Frage – wenn der Dalai Lama käme, ob da auch derartige Kampagnen gestartet würden ( auch zu der Aktion der SchwulLesbenundwas-weiß-ich-nicht-noch).

Unwahrscheinlich, dass ein bekennender (blödes Wort in diesem Kontext, aber das bestmögliche) Laizist eine Rede des Dalai Lama bejubeln würde. Was „SchwulLesbenundwas-weiß-ich-nicht-noch“ mit dem Thema zu tun haben soll, ist auch nicht ganz eindeutig.

„Theobald“ indes hätte das Zeug für eine Karriere in den Reihen der Antideutschen, der erste Satz ist gar nicht mal so schlecht. Dann jedoch wird es etwas unehrlicher:

genaugenommen sind ALLE Deutschen verdammungswürdig. Nur durch die Gnade Gottes ist es uns geschenkt, auf die Fürsprache und das Opfer seines Sohnes hin trotz unserer Sünden auf einen Himmel mit ihm zu hoffen.
Diesen Teil der Wahrheit hätte der liebe Abgeordnete dazu sagen sollen.

Und auch, dass die Kirche noch nie einen Menschen verdammt hat!

Einen Atheisten, der mit der Gnade Gottes argumentiert, kann man sich wohl auch nur in der kath.net-Kommentarspalte zusammenreimen – ebenso wie die Behauptung, die Kirche hätte „noch nie einen Menschen verdammt“.

„Indianer“ interessiert sich mehr für AIDS und hat ein ziemlich profundes Wissen angehäuft:

Mitschuld an Aidsepedemie
1. hält sich leider der Großteil der Menschen NICHT an den Papst --> darum Aids! So ist zB auf dem afrikanischen Kontinent ein Anteil von ca. 94 % Muslime und Naturreligionen, die sich einen Deucht um den Papst kümmern.

2. ist die ungehemmte Sexualisierung und Partnerwechsel das Hauptproblem. Menschen, die sich an die Gebote halten, haben da wenig Schwierigkeiten… Wann begreifen diese Politiker, dass ihre Sexbesessenheit auch Folgen hat.

Die Ordnung und das Heil sind nur bei Gott zu finden und unser Papst führt uns zu Gott. Wer das nicht will, muss eben Chaos und die entsprechenden Folgen tragen… FREIER WILLE – schon mal gehört?!

Alles tun wollen, aber die Verantwortungm dafür ablehen – das passt nicht zusammen.

Beschränken wir uns auf einen Punkt, der als einziger ein bisschen so etwas wie Widerspruch verdient: In Afrika gibt es nicht „ca. 94 %“ Muslime und Anhänger von Naturreligionen, anders wären die laut Wikipedia 38-42% Christen kaum zu erklären. Den restlichen Quatsch übergehe ich großzügig.

„Noemi“ glänzt mit überlegenen Worten:

nun, der Herr Schwanitz
ist ein typisches Produkt der DDR-Sozialisation und ein Vollidiot, dessen hanebüchenes Welt-und Katholikenbild ihn als solchen ausweist. Aber eines ist klar: die SPD , die solche Bundestagsabgeordnete hat, ist für Katholiken nicht wählbar.

Und so geht es immer weiter, ich könnte jeden einzelnen Kommentar aufzählen. Entweder hat Schwanitz bloß Unrecht, oder er wird recht wüst beschimpft. Dazwischen mischt sich der regelmäßig eingestreute Hinweis, die SPD sei für Katholiken nicht mehr wählbar oder noch nie gewesen. Und alle anderen Parteien ja auch nicht, alles SED und Kommunisten und der Satan himself.
Besonders schön ist abschließend allerdings noch die kleine Unterhaltung von „Noemi“ und „Cindarella01″, die kaum mehr als Ratlosigkeit zurücklassen. „Noemi“ beginnt:

die Heidenangst,
die die Atheisten u.a. im Bundestag vor dem Besuch des Hl. Vaters an den Tag legen, ist schon eindrucksvoll. Wenn der Papst nun auch noch einen Exorzisten mitbrächte, den im Hohen Haus wohl so manch einer brauchen könnte, wäre eine Massenpanik wohl kaum noch zu umgehen. Gern hätte ich allerdings vor einer eventuellen Heilung von Herrn Schwanitz noch erfahren, wie der Hl. Vater beispielsweise die Frauenunterdrückung im Islam bewerkstelligt hat.

Und „Cindarella01″ antwortet mit unübertoffener Ignoranz:

@noemi
Ja und ich hätte gerne von Herrn Schwanitz gewusst, wie es der Papst geschafft hat, AIDS über die ganze Welt zu verbreiten….. und das, obwohl er im Zölibat lebt.
Offensichtlich ist Herr Schwanitz hier besser informiert als der Rest der Welt.

Humor für Leute ohne Humor iii

Klar: Wer sein Weltbild mit solcher Kompromisslosigkeit vertritt, wie es kath.net eben tut, hat Probleme im weltlichen Miteinander. Da wird etwa eine Karikatur der TITANIC mal eben zu einem konkreten Fall von Christenverfolgung in Deutschland. Um zu belegen, dass man durchaus Spaß versteht, macht kath.net in Abständen einiger Monate jeweils einen Witz oder weist auf „lustige“ Webseiten hin. So verlinkte man einmal den Blog eines Studenten, der mit selbstgebastelten Plakaten liberale Katholiken zu verunglimpfen suchte und dabei auf mehreren Ebenen scheiterte. Etwas später versuchte sich kath.net am Wortwitz, indem man US-Präsident Barack Obama wegen seiner Haltung zu Abtreibungen kurzerhand zum „Pro-Death“-Aktivisten erklärte. Auch das war eher mäßig komisch.

Wenn Geistliche in der Öffentlichkeit Witze reißen, scheitern sie meist schon an der zelebrierten Harmlosigkeit, oder daran, dass Fundamentalismus nicht lustig ist. Der folgende von kath.net gefeierte Riesenjoke vom Kölner Kardinal Meisner gehört wohl in die erste Kategorie. „Kardinal Meisner zeigt Humor“ verspricht die Überschrift:

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat auch zu Fronleichnam Humor. „Ich habe noch nie Regen bei einer Fronleichnamsprozession in Köln erlebt. Bis auf vor zwei Jahren – und da war ich in Düsseldorf.“, erzählte er laut einem Bericht des Kölner Express bei der Fronleichnamsfeier im Kölner Dom. An der anschließenden Prozession nahmen auch in Köln viele tausend Menschen teil. Eine weitere beeindruckende Prozession fand am Rhein auf dem Schiff MS Rhein-Fantasie statt. Dort führte Pfarrer Stefan Wagner eine Flußprozession an, die von 100 weiteren Schiffen begleitet wurde.

Ich möchte meine zutiefst subjektiven Gedanken hierzu nicht verallgemeinern, könnte mir aber vorstellen, dass ich nicht der einzige Mensch bin, den diese Zeilen etwas ratlos zurück ließen. Mir ist sehr wohl bekannt, dass Köln und Düsseldorf eine gewisse Rivalität verbindet, trotzdem brauchte ich einige Minuten und etwa fünfmaliges Durchlesen des Artikels, um zu begreifen: kath.net meinte wohl nicht, dass die Wahl des Schiffs („MS Rhein-Fantasie“! Hahaha!) der Witz sein sollte, sondern die Sache mit Regen, Fronleichnam, Köln und Düsseldorf.
Gut, ich erwarte weder von kath.net, noch von Meisner Großtaten der Komik, aber das ist selbst für fundamentalistische Verhältnisse traurig.

Andererseits: Immerhin wurde kein „Witz“ des BZÖ-Politikers Gerhard Dörfler bejubelt – der Österreicher bewies einst seinen großdeutschen Humor im Beisein Roberto Blancos mit einigen Zeilen über eine „Negermama“, ein weißes Baby, ein „Negerbaby“ und Kakao.

Selbst in der kath.net-Kommentarspalte jedenfalls ist man sich offenbar nicht sicher, ob Meisner ein besonders guter Kalauer gelang.
„Yohanan“ beispielsweise wirkt recht distanziert:

In Westfalen soll es auch nicht regnen
während einer Prozession, so meine Frau.

Neues vom Papst

Der Papstbesuch in Deutschland nimmt langsam Formen an, Ende September kommt Benedikt nach Deutschland. Auf seinem Programm steht ein Trip nach Erfurt, am Morgen des 24. Septembers ist eine Eucharistiefeier auf dem Erfurter Domplatz geplant. Und da gibt es kath.net zufolge gewisse Probleme:

Das Interesse am Papstbesuch in Deutschland wächst und wächst und damit auch gewisse Probleme. Bis zum Donnerstagabend sind 156.000 Anmeldungen für die öffentlichen Messen von Papst Benedikt eingelangt. Dies teilte Matthias Kopp, der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, der „Rheinischen Post“ mit. In Berlin haben sich bis jetzt mehr als 50.000 Menschen für die Hl. Messe im Olympiastadion angemeldet und in Freiburg 44.000. Für die Messe auf dem Domplatz in Erfurt bislang 32.000 Besucher. Und genau dort entwickelt sich offensichtlich das nächste „Besuchsproblem“, da die dortigen Ordnungsbehörden die Teilnehmerzahl in Erfurt auf 27 900 Besucher begrenzt haben, eine Maßnahme, die bei Katholiken aus Erfurt auf Unverständnis stößt. Bereits mehr als 15.000 Teilnehmer musste für Erfurt eine Absage erteilt werden. Die Reduzierung der Teilnehmerzahl auf nur 27.900 erscheint bei der Größe des Platzes als ziemlicher Willkürakt der Verantwortlichen. 1990 jubelten auf dem selben Platz Helmut Kohl rund 100.000 Menschen zu.

Recht durchsichtig, worauf kath.net hinaus möchte: Die bösen Behörden wollen, so sie schon nicht den Besuch des Papstes verhindern können, wenigstens so vielen Menschen wie möglich die Teilnahme am Event verunmöglichen. Dass kath.net die Reduzierung der Teilnehmerzahl einen „ziemlichen Willkürakt der Verantwortlichen“ nennt, beweist, wie investigativ Roland Noé wirklich arbeitet. Ein kurzer Anruf beim eigens eingerichteten Bürgertelefon hätte genügt, um zu erfahren, dass es eben keine Schikane ist, im Vergleich zum Besuch Helmut Kohls 70.000 Menschen weniger auf den Domplatz zu lassen. Vielmehr änderten sich die Sicherheitsbestimmungen im Vergleich zu 1990, ebenso ist die Infrastruktur der damaligen Innenstadt nicht mehr mit der heutigen zu vergleichen.

Vielleicht wusste Noé auch, dass die Empörung über Erfurt ein wenig zu dünn sein könnte, und so hängt man an den Artikel noch eine andere Meldung heran:

Merkwürdiges rund um den Papstbesuch passiert auch im Erzbistum Freiburg. So wurden in den letzten Tagen mehrere Papst-Plakate mit Farbe beschmiert wie der „Südkurier“ berichtet. Dabei war der Kopf des Papstes Zielscheibe der Farbattacke. Zum Teil gab es auch schriftliche Beleidigungen. Ordinariatssprecher Georg Auer hat für solche Reaktionen kein Verständnis. „Wenn Menschen das als einzige Möglichkeit sehen, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen, dann ist das ein Armutszeugnis“, sagt er. Ob es eine Anzeige gegen die Täter geben wird, steht derzeit noch nicht fest.

Auch hier schwingt implizit mit: „Die sind alle gegen uns! Christenverfolgung!!“. Und auch hier ist es freilich Unfug, ein bemaltes Plakat ist kein Angriff auf die dargestellte Person oder Institution, man denke nur an die zuverlässig zu jeder Wahl mit Zahnlücken oder Bärtchen verzierten Plakate von Politikern.
Ebenso fraglich ist, die „Farbattacke“ den geliebten politischen Gegnern anzulasten. Ob die „linkslinksgrüne“ Jugend oder (noch) unpolitische(re) Menschen dahinter stecken, ist kaum herauszufinden.

Bei kath.net gilt aber eben keine Unschuldsvermutung, und so wird in der Kommentarspalte munter gemutmaßt.
„AlbinoL“ etwa stellt fest:

Hatte darüber in einem Post berichtet…die Mediale Hetze der letzten Jahre entläd sich jetzt im Hass gegen den Papst.
Atheistische oder einfach nur Farbe wurden gleich in den ersten Tagenauf die Plakate in Konstanz gesprüht…

Das ist nicht nur sprachlich ein wenig holprig, auch der Erkenntnisgewinn bleibt gering. Man könnte auch darüber diskutieren, ob die vom Vatikan zelebrierte Intoleranz schlimmer als ein verschmiertes Plakat ist. Überlassen wir das aber lieber „Cindarella01″:

Das ist der Grüne Geist,
der jetzt im „Ländle“ weht….
Da fühlen sich diese linken atheistischen Gruppen stark: Erst werden Plakate beschmiert, dann werden Autos angezündet (siehe Berlin und Hamburg). Die Baden-Württemberger werden schon bald merken, welche Geister sie sich gerufen (gewählt) haben. ….

Allerliebst, wie die Grünen ernsthaft als links erkannt werden, noch schöner aber ist der typische rechte Reflex, (in der Tat unsinnige) Gewalt gegen Dinge zu reklamieren. Meist folgt dann noch der Halbsatz mit den anständigen Rechten (die auf Gewalt gegen Dinge bekanntlich lieber verzichten und statt Autos Ausländer anzünden), hier verkneift „Cindarella01″ es sich immerhin.
„Noemi“ macht dann auf einen anderen Aspekt aufmerksam:

Und wer nicht weiß daß der Nachfolger Petri der Stellvertreter Christi auf Erden ist und schon deshalb zumindest respektvoll zu behanden ist- sollte sich hier jeglichen Kommentars enthalten .

Ich könnte auch von mir behaupten, der Stellvertreter Christi auf Erden zu sein – es wird mich indes nicht davon befreien, mit Kritik leben zu müssen. Aber darum geht es ja auch gar nicht: „frajo“ nämlich schließt mit einem besonnenen Kommentar über die wahren Übel des Landes:

Solche Ausschreitungen gibt es schon lange – wenn linke oder rechte Extremisten am Werk sind. Ob das die SA war, bei den Roten Garden oder sonstigen „Demokraten“ im Zusammenhang mit einem Weltwirtschaftsforum. Bei einem Papst ist das absolut neu auf dieser Welt. Wollen sie Ihre Solidarität mit solchen Gewalttätern bekunden? Ihren Urspung hat solches Tun jedenfalls auch in der Ideologie der Jusos und der Grünen.