Archiv für Mai 2011

Halbgares

Ich schrieb einmal, kath.net-Leser hätten zwei Feindbilder: Homosexuelle und Obama. Ich muss mich verbessern, natürlich gibt es viel mehr Menschen, die von den rechten Katholiken nicht ganz so gern gesehen werden. Muslime natürlich, Juden sowieso. Und Atheisten. Die versteht man nicht so recht, und deshalb ließ man den Polterbischof Andreas Laun schon einmal verkünden, Ungläubige seien dumm.

Heute dann durfte man sich endlich einmal wieder am Atheisten-Bashing üben, Anlass bot ein kath.net-Artikel zu Richard Dawkins:

Der atheistische Evolutionsbiologe und Bestsellerautor Richard Dawkins („Der Gotteswahn“) hat seine eigene Ansicht über Wesen und Herkunft der Bibel: Er schätze die kulturelle, geschichtliche und literarische Bedeutung der Bibel, man dürfe sie nur nicht von der Religion „kapern“ lassen, sagte er dem Vorsitzenden der King-James-Bibelvereinigung, dem Labour-Abgeordneten Frank Field. […]
Wie Dawkins sagte, könne man ohne die Bibel zu kennen englische Literatur ebenso wenig verstehen wie etwa die Musik von Richard Wagner (1813-1883) ohne Kenntnis der nordischen Gottheiten.

Man muss, um die gleich zitierte Empörung der aufrechten Christen zu verstehen, vielleicht erst einmal kurz erörtern, weshalb Dawkins‘ Äußerung nicht ganz so gut ankam. Hätte der Brite die Bibel für schlecht und grundsätzlich verdammenswert befunden, wäre wohl alles in Ordnung. Indem er aber der Bibel durchaus positive Seiten abringen konnte, zerstörte er das mühsam aufgebaute Bild seiner selbst; er zerstörte gewissermaßen das Weltbild des kath.net-Lesers.
Das vermag möglicherweise die folgenden Kommentare zu erklären – entschuldigen, wie so oft, kann es sie nicht.

„Moni82″ etwa bleibt betont sachlich:

Ohje
Ein Buch der Religion der Religion entreißen, der hat doch nen Vollschaden, dieser Dawkins!

„Siebtel“ beschwört relativ unmotiviert ganz andere Mächte:

Dass Josef Goebbels in seinem Kampf gegen die Hl. Kirche diesen Einfall nicht hatte (Bibel ohne Religion) hätte ihn vermutlich geärgert.

Herr Richard Dawkins meint „man dürfe sie nur nicht von der Religion „kapern“ lassen“. Was will ein Individuum wie Dawkins mit der Hl. Schrift – unabhängig von ihrem Verfasser – anfangen? Gar nichts. Herr Dawkins ist mit Bibel ohne Gott heillos überfordert; ein desperat Molekülenhaufen.

„EinChrist“ findet Dawkins dagegen bloß

Lächerlich!

„WerIstWieJesus“ hat neben dem formschönen Namen auch noch eine prima Argumentation parat:

Nachdem er auf wissenschaftlicher Ebene gescheitert ist versucht er es nun auf literarischer.

Mal lästerte er: „Es gibt sicher keinen Gott“.
Dann musste er zurückrudern: „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott.“
Dann wurde er beleidigend: „Die Gotteslüge“

Dieser Mann ist ein schlechter Witz.

Dass „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott“ nicht von Dawkins stammt, und dass es auch kein „Zurückrudern“ darstellt – geschenkt, denn „Tina 13″ schließt ihren darauf folgenden reichlich wirren Kommentar immerhin stilecht mit

O Maria Muttergottes steh uns bei.

„quovadis“ stellt fest:

Da sieht man wieder:
Atheismus macht dumm.

Und „Hingerl“ fügt hinzu:

Dawkins ist einfach nur dämlich.

„Quirinusdecem“ spannt den Bogen hingegen endlich einmal wieder etwas weiter:

eins und eins ergibt drei
Wie gehabt, falsche Aussagen werden pseudowissenschaftlich untermauert und als Tatsache propagiert und durch die zum großen Teil gleichgeschalteten Medien verbreitet Darauf läss sich dann trefflich argumentieren: Der nächste Schritt wird sein, daß die Bibel eigentlich ein säkulares Werk ist, daß die Religion für sich antizipiert hat mit dem Ziel die Menschen zu unterdrücken. Die Tradition des jüdisch- christlich geprägten Abendlandes wird inzwischen ja auch wiederholt abgestritten und von Wahlgewinnern als „Phantom“ bezeichnet. Das Bundespräsidialamt leistet diesen Aussagen Vorschub mit ihren Statements zur Stellung des Isalm in Deutschland. Entwicklungsziel ist eine vollständig gottlose Gesellschaft oder umgekehrt ausgedrückt die Diktatur des antichristlichen. Nur christlich deswegen, weil der Islam sich durch seine ihm innewohnende Ordnung durch und mit Gewalt selbt diskreditiert.

Ob nun gerade christliche Fundamentalisten von „pseudowissenschaftlich untermauert[en] Aussagen“ sprechen müssen, lasse ich einmal dahingestellt – auch, weil die Kommentarspalte nur so überkocht vor neuen Erkenntnissen zum Atheismus. „Mario“ nämlich schließt messerscharf: >Was ich nicht verstehe, muss wohl Mist sein, weil ich ja sonst Dinge verstehe< :

Wo ist die Logik?
Also ich habe wirklich noch nie was dümmeres in meinem Leben gehört, wie das Zeug was der Typ da von sich gibt. Hört er sich eigentlich selber? Aber ein Trost ist jedenfalls da – Dumm und dennoch Bestsellerautor. Dann kanns wirklich jeder! =)

Dazu passt der folgende Kommentar „Mario“s, der wild zwischen Irr- und Unsinn hin- und hermäandert:

Naja, ich sehe ja was die ganzen Atheisten von sich geben. Meiner Meinung nach hat das herzlich wenig mit Intelligenz und Logik zu tun. Atheismus ist einfach nur eins: Man denkt das man frei ist, aber in Wirklichkeit steckt man fest.

Das beste ist ja, das der Glaube, das Jesus Christus meist als eine fiktive Person „abgestempelt „wird. Aber gehen wir die Sache doch mal so an: Der Holocaust ist passiert. Es gehört zur Geschichte. Es ist historisch. Jesus ist auch eine „Person“ in der Geschichte der Menschheit, eine historische Person die wirklich existierte. Und doch leugnet man ihn. Aber wenn jemand den Holocaust leugnet, springen alle auf. Logik?

Tja, das mit der Logik ist so eine Sache, der man auf kath.net nicht auf die Schliche zu kommen hoffen sollte.

Facebook, schon wieder

Es ist schon interessant zu beobachten, wie kath.net die aktuelle Situation des Christentums beurteilt. Da wird man einerseits (als natürlich einzige Gruppe) in muslimisch geprägten Staaten verfolgt und sieht das auch auf die europäischen Christen zukommen – so ist man andererseits offenbar online eine Weltmacht. Zum zweiten Mal (vgl.) jedenfalls verweist man auf die vermeintliche Oberhand auf Facebook:

Die Auswertung des Nutzerverhaltens auf Facebook ergibt, dass beim Surfen die religiösen Themen absolut im Spitzenfeld stehen. […]
Nach Angaben von AllFacebook.com wurde beispielsweise die Seite „Jesus Daily“ in jener Woche fast 2.3 Millionen mal aufgerufen und belegte damit Platz eins in der Beliebtheitsskala. Die Seite „The Bible“ kam im Ranking auf Platz zwei und konnte im selben Zeitraum 900.000 Aufrufe vorweisen, die spanischsprachige Seite „Dios Es Bueno!“ kam mit fast 460.000 Aufrufen noch auf Platz neun, eine Seite namens „Jesus Christ“ belegte mit knapp 316.00 Aufrufen immerhin noch Platz 16. Auf den anderen Plätzen waren Sportteams, Popstars und Prominente aus der ganzen Welt zu finden.

„gerda maria“ macht sich in der Kommentarspalte auf betont ironische Art und Weise Luft:

… wie ärgerlich für die Meinungsmacherpresse, die sich den Titel „Geburtsstätte der Wahrheit“ mit Gewalt selbstverleiht und doch ach so genau weiss, dass sich heutzutage abgesehen von ein paar Zurückgebliebenen niemand mehr für das Transzendente interessiert…!

Ja, ärgerlich für die „Meinungsmacherpresse“, dass die Facebookseite „Jesus Daily“ über zwei Millionen „Interaktionen“ in einer Woche hatte. Verdammt ärgerlich sogar, weil das doch veranschaulicht, dass – äh, ja. Was genau soll uns diese Zahl weis machen? Dass Facebook von Christen dominiert ist, dass es sogar im Internet kein wichtigeres Thema als den dreifaltigen Gott geben soll?

Either way, so richtig aussagekräftig ist die Statistik, die hier anzuschauen ist, nicht. Es stimmt schon, dass an Rang 1 und 2 mit „Jesus Daily“ und „The Bible“ mutmaßlich religiöse Seiten stehen, dass auf Platz 10 mit „Jesus Christ“ folgt (und als 16. „ILoveAllah.com“), doch wird dadurch eher gezeigt, dass „Fans“ religiöser Pages offenbar gerne plaudern. Bei „Jesus Daily“ werden minütlich irgendwelche Verse aus der Bibel gepostet, einer Userin gelang „vor 10 Minuten“ beispielsweise dieser aussagekräftige Post:

praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord …praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord
praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord praise the Lord
---Amen

Wie die christlichen Seiten im Vergleich zu den anderen wirklich dastehen zeigt das „Leaderboard“, das die Seiten offenbart, die die meisten „Fans“ haben. Dort steht an der ersten Stelle „Texas Hold‘em Poker“ mit über 43 Millionen „Fans“, es folgen Facebook (41,2 Mio) und Eminem (36,7 Mio). Die erste christliche Seite folgt auf Rang 179 mit „The Bible“ mit 7,1 Millionen „Fans“. Das ist nicht ganz schlecht, aber eben doch ziemlich deutlich abgehängt. Von Roger Federer (Platz 173) etwa, von „Sex and the City“ (Nr. 155) – oder dem auf Rang 127 liegenden Family Guy-Zitat „“Mom, mom, mommy, ma, mom, mom, ma, ma, mommy, mommy… WHAT!!… hi!“.

Der schönste Kommentar, vielleicht überhaupt

Ok, es ist ja kein Geheimnis, dass kath.net rechtsoffen arbeitet. Man bietet Banner für das rechte Blatt ‚junge freiheit‘ an, die Schreiberlinge überschneiden sich, die Feindbilder teilen sich rechte Katholiken mit sonstigen Rechten sowieso.
Was aber User_in „St.Gabriel“ am 19.05. unter dem Artikel zu Dirk Tänzler gelang, sucht in der jüngeren kath.net-Geschichte seinesgleichen. Ein Pamphlet, ein Aufruf, eine Feier der Tumbheit, der Ignoranz, der Liebe zum blanken Hass. „St.Gabriel“ verdreht sämtliche Fakten, bevor er am Ende auf das nicht eben klügere Portal „eigentümlich frei“ verlinkt. Ein Text, den man sich übers Bett hängen sollte, als Gutenachtgeschichte, als mahnendes Beispiel. Genug des Pathos‘, hier ist das Schmuckstück:

opportun, dumm, links
Beim BDKJ handelt es sich um Vertreter des linksgrünen Spektrums. Daher sind deren Forderungen nicht weiter verwunderlich. So wurde 2009 auch in Mülheim an der Ruhr unter der Bundesvorsitzenden Ursula Fehling der Beschluss verabschiedet:“Für Demokratie, Toleranz und Vielfalt: Rechtsextremismus aus christlicher Überzeugung bekämpfen”. So beteiligt sich der BDKJ auch an der Aktion „Nazis aus dem Takt bringen“. Mit „Vielfalt“ ist hier natürlich die Anbiederung an den Islam gemeint, die „bunte Gesellschaft“, in der die Christen den Muslimen gegenüber „tolerant und demokratisch“ sind (leider ist das umgekehrt überhaupt nicht der Fall). Und aus dem Takt sollen die Islamkritiker gebracht werden, die in den Augen der Linken ja alle „Nazis“ und böse „Rechte“ (lt. Fehling „dringt rechtsextremes Gedankengut immer mehr in die Mitte der Gesellschaft ein“) sind.

Das beweist, dass die Damen und Herren des BDKJ keine Kenntnisse besitzen – weder vom Islam noch vom Nationalsozialismus, dass sie so dumm wie lang sind und sich eigentlich nur selbst entlarven, dass sie gar die Menschen, die sich gegen Totalitarismus, Menschenverachtung und Diskriminierung (z.B. von Christen und Juden und anderen nicht-islamischen Minderheiten) einsetzen, brandmarken. Menschen, die gegen Islamofaschismus sind, werden als Nazis, als Rechtsextreme bezeichnet. Aber Joseph Goebbels ist da ganz anderer Meinung:„Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke… Nichts ist uns verhaßter als der rechtsstehende nationale Besitzbürgerblock“ (Dr. Joseph Goebbels, “Der Angriff”, 1931). Ausserdem bekannte sich Goebbels 1926 als „deutscher Kommunist“.

Zudem waren „die Nazis“ doch Freunde der Muslime, also was will dann der BDKJ? Auch der Duce, Benito Mussolini sagte: ”Das faschistische Italien verheißt den muslimischen Völkern Frieden, Gerechtigkeit, Wohlstand, Achtung vor den Gesetzen des Profeten, es will der Welt seine Sympathie für den Islam und die Muslime beweisen!” (Oriana Fallaci in “Kraft der Vernunft”).

Noch ein Zitat von Hitler:“Hätte bei Poitiers nicht Karl Martell gesiegt: Haben wir schon die jüdische Welt auf uns genommen – das Christentum ist so etwas Fades –, so hätten wir viel eher noch den Mohammedanismus übernommen, diese Lehre der Belohnung des Heldentums: Der Kämpfer allein hat den siebenten Himmel! Die Germanen hätten die Welt damit erobert, nur durch das Christentum sind wir davon abgehalten worden“ (Hitler´s Table Talk 1941-1944, Enigma Books, 2000, S. 607).

Hier ein interessantes Video von Hitler seinem Freund, dem Großmufti von Jerusalem:
http://www.youtube.com/watch?v=yLRTe-lZMB0&NR=1

Offensichtlich unterliegen die Größen des BDKJ auch dem Etikettenschwindel im Hinblick auf die Konnotationen der Begriffe „rechts“ und „links“. Diesen Schwindel gibt es allerdings nur in Deutschland und ist willentlich manipulativ. Aber dessen waren sich die Größen des BDKJ sicher nicht bewusst. Linke lesen auch selten Erik von Kuehnelt-Leddihn, der sich gern als Rechter (rectus = right = richtig) bezeichnet, also als Patriot, als Konservativer, als einen, der demokratisch-freiheitsliebend ist, als „katholisch, rechtsradikal und liberal“.

Demnach sollte der BDKJ nicht den „Kampf gegen Rechts“, sondern besser den „Kampf gegen Links“ führen, aber der wird ja leider nicht staatlich subventioniert und die „Nazikeule“ wird dann gegen den eigenen Holzkopf geschlagen (sorry, auf Neusprech heisst es ja „Betonkopf“, denn Linke beleidigen ja keine Bäume).
Mir wird übel, wenn ich daran denke, dass ich diesen Laden noch durch meine Kirchensteuer finanziere, ein linkes Geflecht, dass sich opportun unserer linken bunten Republik anpasst, das Kirche verweltlichen will, nicht aber die Welt christianisieren will.
Diesen Laden ersatzlos streichen!!!

Hier ein Artikel von André F. Lichtschlag über Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn, der hier in grandioser Weise das Rechts-Links-Konstrukt erklärt:

Nevermind

Es muss eine Genugtuung sein, ein größeres rechtes Portal für Katholiken zu führen. Wasserrohrbruch? Ärger mit der Gattin? Stress mit den lieben Kleinen/Gott? Kein Problem, man haut einfach auf eine Person ein, indem man eine schöne Kampagne startet, schon fühlt man sich wohler.
Die Suche nach dem Opfer des Stressabbaus gestaltete sich für Roland Noé mutmaßlich recht einfach, schnell fand sich Dirk Tänzler. Der ist im Vorsitz des BDKJ, des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend und bei kath.net derart beliebt, dass man zu Beginn des ersten Artikels (19. Mai) über ihn seine Email-Adresse gleich an den Beginn stellte, sein blau unterstrichener Name führt nicht zu seiner Homepage, sondern öffnet den Outlook Express; überschrieben wird mit „Dirk ‚Luther‘ Tänzler“. Verbunden mit dem Bild des Namensgebers wird das nicht unbedingt lustiger; der Text aber lässt immerhin vermuten, dass sich Noé hernach besser fühlte:

Dirk Tänzler, der 42-jährige Chef des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), möchte am kommenden Freitag auf dem Gelände des Altenberger Doms im Bergischen Land seine Vorschläge zu „Reformen in der Kirche“ präsentieren. So meint er in seinen „Vision“ unter anderem „Wir teilen die Überzeugung nicht, dass es der Kirche verboten ist, Frauen zu den Weiheämtern zuzulassen“. Auch gegen den Zölibat wird gewettert.

Skandal! Da sagt Tänzler doch tatsächlich – ja, was sagt er da eigentlich? Zumindest nicht, dass die Kirche doch bitte Frauen zu Weihämtern zulassen solle, er gibt sich diplomatischer. Gegen das top-investigative kath.net hat er damit natürlich keine Chance, und so wird weiter entlarvt:

Die Heiligkeit der Ehe wird relativiert.

Weil:

„Wir sind überzeugt von der Heiligkeit der Ehe, aber wir teilen die Überzeugung nicht, dass deswegen andere Formen von Partnerschaft und familiärem Zusammenleben aus der Kirche weniger wertvoll sein sollen“

Rütteln gegen u.a. Homophobie – schrecklich. Für Kopfschütteln bei katholischen Bloggern sorgt dann diese Aussage:

Für Kopfschütteln bei katholischen Bloggern sorgt dann diese Aussage: „Gerade weil diese Themen des Dialogs mit den Geschwistern in den Ortskirchen anderer Erdteile dringend bedürfen, können wir dazu nicht schweigen. Die Kirche in Deutschland muss diese drängenden Fragen deshalb vor den Papst und in das Gespräch mit der ganzen Weltkirche bringen.“

Die besagten „katholischen Blogger“ beschränken sich dann auf eine Dame namens Barbara Wenz, die findet, dass Sarkasmus auch von einem fundamentalistischen Standpunkt aus wirkt. Sich aber leider völlig verrennt:

Bloggerin Barbara Wenz meint in ihrem Blog: „So. Diesem Absatz entnehme ich, dass eine Horde von begeisterten jungen BDKJ-Katholiken neulich ausgeschwärmt ist, nach Indien zum Beispiel. Oder in den Irak. Oder zur Elfenbeinküste. Oder nach China, Pakistan. Überall hin, wo Katholiken (und nicht nur sie, auch andere Christen), verfemt, verfolgt, bestialisch niedergemetzelt, von den Kirchenbänken gebombt werden. Und die Geschwister dort haben gerufen „Halleluja!“ – nicht wahr? Die Geschwister waren ganz aus dem Häuschen, dass endlich die deutsche Ortskirche mit ihnen Dialog über gleichgeschlechtliche Partnerschaften und alles führen will. Sie haben einen Hammel geschlachtet und gebraten, Bauchtänzlerinnen (genau!) kommen lassen und ein großes Fest gefeiert. Zu lange schon lebten sie in der Erwartung des zweiten Messias, der sie von ihren dringlichsten Problemen erlösen wird.“

Das blendet einerseits mal wieder aus, dass nicht nur „Katholiken (und […] auch andere Christen)“ verfolgt werden, sondern auch viele andere Gruppen von Menschen. Und andererseits erinnert das Argument stark an das ziemlich unsägliche CDU/SPD-Credo „Uns gehts doch so gut im Vergleich mit den Anderen, wozu also auf die Straße gehn?“
Dass besonders der zart angedeutete Hinweis auf Homophobie (ich mag zu viel in die wenigen Zeilen interpretieren, möglicherweise ging es Tänzler auch um andere Formen heterosexuellen Zusammenlebens) wichtig ist, zeigt der Blick auf z.B. Uganda, wo ein mehrheitlich christliches Land ganz ernsthaft über die Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle diskutiert.

Das aber ist kath.net eher egal, und so schließt man den Artikel mit einer kurzen Reiseempfehlung für den etwas radikaleren Katholiken:

Derzeit findet in Altenberg die Hauptversammlung des innerkirchlich umstrittenen deutschen Jugendverbandes statt.

Und so reagieren auch die User nach dem reichlich emotionalen Bericht etwas gereizt. „Noemi“ etwa stellt nach einer gründlichen Analyse fest:

Das kirchensteueralimentierte Berufskatholikentum -repräsenteirt von Tänzer und Glück- läßt Brechreiz aufkommen.

„st.michael“ ist kein großer Fan der Protestanten, wie er gegen Ende seiner strukturierten Rede durchschimmern lässt:

Völlig abgehoben und weg von der Wirklichkeit
Diese Leute nennen sich katholisch und sind es nicht.
Wer zur röm.kath.Kirche gehören will, muß die Grundstandarts von Glauben und Gehorsam schon akzeptieren.
Der Papst hat die Sache entschieden und gut ists.
Dies Herschaften sind nicht katholisch und müssen endlich ausgeschlossen werden.
Aber leider werden sie von so manchem Würdenträger ja in ihrem Schwachsinn auch noch indirekt unterstützt.
Nie vergessen, die Katholiken in Deutschland sind nur noch zu 4 % Kirchgänger und wahrscheinlich auch nur noch in der Minderheit romtreu, also für wen sprechen diese Typen ?
Sie sind so überflüssig wie die ZDK Schwatzbude mit redseligen Alt-Politikern.
Armes Deutschland, bist Du doch ein auf ewig verdammtes Lutherland

„Waldi“ wagt sich ans Meisterstück: Kritik an den herrschenden Zuständen mit einer Rhetorik, die ihre Nähe zu etwas weiter rechts nicht verbergen kann:

Der Deutsche Katholizismus schickt sich an,
der giftigste Stachel im Leib Christi, der katholischen Kirche zu werden. Während in vielen Ländern der Welt bedrohte Christen unter Lebensgefahr mutig ihren katholischen Glauben verteidigen und ihre Treue zum Papst Benedikt XVI. bekennen, treiben in Deutschland pseudo-religiöse, geistig dekadente Gruppen ungestraft ihr Unwesen. Wie ekelerregende Maden im Speck zersetzen sie die katholische Kirche von innen heraus. Der Deutsche National-Katholizismus ist diesbezüglich ein bejammerswerter Vorreiter für die Gestaltung einer Kirche, zu der sich niemand mehr hingezogen und niemand mehr seelisch versorgt und vertreten fühlt. Bis in die kleinsten Pfarrgemeinden hinein ist dieser giftige Werdegang schon zu spüren. Ein übler Dunst der Hoffnungslosigkeit breitet sich unerbittlich über das Land und kein Bischof ist in Sicht, um diesem zerstörerischen Treiben endlich Einhalt zu gebieten. Wenn schon ein Jugendverband wie der BDKJ mit so viel Negativ-Potential aufgeladen ist und revoltiert, dann bleibt für die Zukunft nur noch wenig Hoffnung!

„julifix“ indes schreitet zur Tat:

Dies habe ich soeben an den BDKJ geschrieben:
Sehr geerhter Herr Tänzler,
mit Überraschung lese ich, und wahrscheinlich auch viele andere katholische Gläubige, über Ihre Aktionen und Pläne zu „Reform“ der katholischen Kirche. Es ist wirklich verwunderlich, wie sehr Sie sich bereits in den Fängen des Widersachers verstrickt haben und gar nicht mehr merken, dass Sie im Brustton der Überzeugung GEGEN den Willen Gottes handeln.

Sie sollten als Bundesvorsitzender des BDKJ eigentlich theologisch soweit wissend sein, dass all die Vorschläge, die Sie machen, durch Gottes Wort definitiv NICHT abgedeckt sind.

Ich habe einen Vorschlag zur Güte und bitte Sie und Ihresgleichen – und das meine ich sehr ernst:

Treten Sie aus der katholische Kirche aus und konvertieren Sie am besten zu eine der Freikirchen!!
Damit…

bekommen Sie und Ihresgleichen
1. alles was Sie sich an vermeitlichen Freiheiten wünschen, einschließlich der Freiheiten für aussereheliche/homosexuelle Beziehungen.
2. können Sie dann wenigstens keine katholischen Jugendlichen mehr zum Glaubensabfall verführen und Sie in die Sünde mit hineinziehen.
3. Stiften Sie dann nur noch in den Gefilden Verwirrung, die sowieso schon von der Wahrheit abgekommen sind und lassen Sie uns Jesus- und Papsttreue Katholiken in Ruhe!!!
4. Nehmen Sie bitte gleich noch Leute wie Herrn Alois Glück MIT

Wir Katholiken würden nähmlich gerne ENDLICH unseren uns vom Herrn gegebenen Glauben so leben, wie Jesus es in seiner Gnade und Barmherzigkeit für uns vorgesehen hatte.

Eines verspreche ich Ihnen in die Hand:
ich und viele andere echte Katholiken werden mit vollem Herzen dafür beten und Gott bitten, dass Sie nach einiger Zeit der Erfahrung, den falschen Weg gegangen zu sein, wieder in die barmherzigen Arme Jesu zurückkehren werden. Und ich verspreche Ihnen nochwas: Jesus wird Sie und die Ihren wieder mit ganzem Herzen aufnehmen, wenn Sie erkannt haben, dass Sie auf dem „falschen Dampfer“ waren.

Mit freundlichen Grüßen und Gottes reichem Segen

Julian Welz

Domine, ut videam!

Heute dann, zwei Tage nach dem Auftakt, folgte ein etwas kürzerer Artikel über Tänzler, den „Berufsjugendlichen“, wie kath.net süffisant (von „Noemi ab-) schreibt. Und es sind keine guten Nachrichten für die Leser:

Dirk Tänzler bleibt für weitere 3 Jahre Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Der 42-jährige wurde am Samstag von der BDKJ-Hauptversammlung für weitere 3 Jahre bestätigt. „Kirche braucht Veränderung, wir müssen uns der Welt öffnen und der wachsenden Distanzierung vom Leben der Menschen entgegenwirken.“, erklärt Tänzler anlässlich seiner Wiederwahl. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich zuletzt am Freitag am Abend von der umstrittenen BDKJ-Thesenanschlag-Aktion von Dirk Tänzler distanziert. Der BDKJ-Chef hatte am Freitag am Nachmittag seine antirömischen Vorschläge zu „Reformen in der Kirche“ präsentiert.

Die Vokabel „antirömisch“ hilft wohl im Zweifelsfall über jeden Zweifel an der eigenen rechten Position hinweg – „confrater-stefan“ stellt stellvertretend Fragen, und sehnt sich in Zeiten zurück, in der sich Jugendliche als „zuchtvoll“ beschreiben, „heimattreu“ sind und der „gesunden Familie“ dienen möchten:

Jugendlicher?
Ein Mann in diesem Alter ist kein Jugendlicher mehr und kann jugendliche Unreife nicht mehr als Entschuldigung für seine Unsinn anführen. Dann doch lieber jemand, der 20 Jahre jünger ist, vielleicht mal organisatorische Fehler macht, dafür aber auch noch die Bedeutung des Wortes „katholisch“ kennt. Unglaublich.

Wer heute Kinder oder Enkel hat kann diese nicht mehr ohne weiteres in die selben Jugendorganisationen eintreten lassen, in denen man selbst in jungen Jahren aktiv war. Man vergleiche nur mal die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) gestern und heute:
Da hieß es mal „Wir sind christgläubig: dienen der lebendigen Kirche. Wir sind berufstüchtig: dienen dem verantwortungsbewussten Berufsstand. Wir sind zuchtvoll: dienen der gesunden Familie. Wir sind heimattreu: dienen dem einträchtigen Dorf im sozial geordneten Volk. Wir sind wahrhaftig sozial: dienen den weltweiten Aufgaben in Kirche und Landvolk.“
In den 1980er Jahren kam ein allgemeines Umweltbewusstsein, ein „Eine-Welt“-Gefühl dazu und das waren noch alles Dinge, die jugendadäquat und mit dem katholischen Glauben vereinbar, ja von diesem inspiriert waren. 1996 (glücklicherweise lange nach meiner Zeit) wurde der Bundesvorstand dann hauptamlich. Seit 2004 ist Gender Mainstreaming im Programm der KLJB verankert.

Definitionssache

Es ist ja schon so eine Sache mit den richtigen Vergleichen. Unvergessen etwa, wie Kathrin Müller-Hohenstein es vor einem Jahr im ZDF für angebracht hielt, Miroslav Kloses Befinden nach dem Schießen eines Tores mit dem „inneren Reichsparteitag“ zu umschreiben.
Es mag an dieser Stelle überraschen, aber auch kath.net ist nicht immer ganz stilsicher – recht anschaulich macht das ein Artikel zu einem Vorfall in Österreich, der relativ kritikfrei mit „‚Pilgerverbotstafel‘ erinnert an ‚Kauft nicht bei Juden‘“ überschrieben ist:

Heftige Kritik übte heute der steirische BZÖ-Chef und Menschenrechtssprecher Gerald Grosz

Wieso die Rechtspopulisten um den nicht mehr ganz fitten Jörg Haider einen „Menschenrechtssprecher“ stellen, bleibt unklar, aber:

an der Aktion eines obersteirischen Großgrundbesitzers, der ein Betretungsverbot für pilgernde Geistliche durch seinen Wald mittels Tafeln ausgesprochen hat. „Diese Aktion ist nicht nur zutiefst geschmacklos, sondern schlichtweg abartig und menschenrechtswidrig. Diese Verbotstafel für Geistliche und gläubige Christen erinnert in erschütternder Art und Weise an andere hetzerische Tafeln der Vergangenheit wie
beispielsweise „Kauft nicht bei Juden ein“. Hier liegt der Tatbestand der Verhetzung auf der Hand, die Staatsanwaltschaft hat von sich aus tätig zu werden“, so Grosz, der zudem eine sofortige Entfernung dieser Tafeln forderte. Es werden hier eine Glaubensgemeinschaft und der damit verbundene Priesterstand pauschal kriminalisiert. „Der Tatbestand der Verhetzung ist erfüllt und ich fordere die Justiz auf, mit derselben Vehemenz vorzugehen, wie bei anderen medial bekannt gewordenen Delikten der letzten Jahre“, so Grosz.

Nein, direkt „erinnern“ tut das Schild nicht an den Slogan „Kauft nicht bei Juden“. Zu sehen ist u.a. ein mutmaßlicher Priester, der hinter Kindern her rennt. Das ist nicht besonders lustig, aber der Verweis auf die Nationalsozialisten scheint nicht wirklich angebracht. Zudem sind keine Repressionen bei Nichtbeachtung des „Verbots“ zu erwarten, keine Schläger mit Hakenkreuzbinde, keine spuckenden Passanten, keine Brandmarkung mit Judensternen, keine Einlieferung ins KZ, kein Tod in der Gaskammer. Man kann also mit einigem Fug und Recht behaupten, dass der werte BZÖ-Menschenrechtssprecher ein wenig übertrieb, und dass kath.net sich durchaus von dem Zitat distanzieren könnte.
Tut man aber dann doch nicht, sondern lässt erklären, dass das Verbot des Pilgerns ja eh nicht gelte:

Bei der Diözese Graz-Seckau ist man über dieses „Verbot“ wenig begeistert. Diese Art von „Generalverdacht und -verurteilung ist weder rechtlich noch moralisch haltbar und strikt zurückzuweisen“, so Bischofssprecher Georg Plank gegenüber dem „Standard“. Widerspruch kommt auch von Georg Zöhrer, dem Leiter der Land- und Forstwirtschaft. Dieser sagte im „Standard“-Interview, dass die Waldbetretungsverbote des Forstgesetzes hier nicht greifen würden. „Der Pilgerweg ist öffentlich ausgeschildert als Wanderweg – und damit von jedermann und jeder Gruppe benutzbar, sofern nicht kommerzielle Zwecke dahinter stehen. Einschreiten kann der Besitzer nur, wenn der Herr Pfarrer den Weg verlässt.“