Archiv für April 2011

Let England shake

Was gäbe es momentan alles über England zu berichten! Über Sinn und Unsinn des royalen Hochzeitstrubels, über die Snooker-WM in Sheffield. kath.net entscheidet sich dann aber doch für ein anderes Thema:
„Großbritannien: Katholische Adoptionsstelle verliert vor Gericht“ ist ein Artikel überschrieben, der dann folgendemaßen eingeleitet wird:

Der letzten katholischen Adoptionsvermittlungsstelle des Landes wird gerichtlich verboten, nach katholischen Prinzipien zu arbeiten.

Was war passiert? Wurden die Katholiken gezwungen, der anglikanischen Kirche beizutreten? Durften sie während der Arbeit nicht beten? Nicht ganz:

Das britische Gericht, das für Angelegenheiten der Wohlfahrt in erster Instanz zuständig ist (Charity Tribunal), hat entschieden, dass die katholische Adoptionsvermittlungsstelle „Catholic Care“ Kinder auch an homosexuelle Paare als Adoptiveltern vermitteln muss.
[…]
Zwei Jahre lang hat Catholic Care bisher um seine Rechte gekämpft. 2007 trat unter der Labour-Regierung ein Gesetz in Kraft, das „Diskriminierung“ aufgrund sexueller Orientierung generell verbietet.

Formschön, wie man die Diskriminierung von Homosexuellen durch hasserfüllte Fundamentalisten in Anführungszeichen setzt – ist doch alles nicht so schlimm, wir sind doch die wahren Opfer. Finden jedenfalls die Leser.
„Bastet“ etwa bringt zum Ausdruck:

Meiner Meinung nach, sollte Catalolic Care besser Ihrer Einrichtung schließen als unschuldige Kinder widernatürlichen Paaren zum verderben ihre Seele zum „FRASS“ vorwerfen.

„Nummer 10″ versucht sich am Rundumschlag:

Dunkelheit auf der Welt
Jesus wird auf dieser Erde so oft immer wieder ans Kreuz geschlagen, meint „verfolgt“. Die Nicht-Vermittlung an Homosexuelle Paare ist keine „Diskriminierung“, sondern folgt biologischen und wissenschaftlich fundierten Gesetzen und Erkenntnissen. Nur die linke Meinungsdiktatur, die sich schon die Vorherrschaft erschlichen hat, macht sich nun auch in den Gerichten (da sitzen ja auch nur Menschen) breit. Catholic Care sollte sich ausschließlich auf private Spender verlassen und lieber kleiner werden, als arme Waisenkinder der Unzucht preiszugeben. Die Verantwortung vor Gott ist größer als die vor den Menschen. Falls auch das vom linken Gesinnungsstaat verboten ist, sollte sich Catholic Care eine Möglichkeit überlegen, wie man im Hintergrund wirken kann und die Gesetze nicht berühren muss, sprich, ein neues Konzept der Institution (z. B. Beratung, Kontaktherstellung statt finale Vermittlung). Sehr interessant, dass kath.net diesen aktuellen und sehr gut recherchierten Artikel einstellt! Eine gewohnt sehr gute, seriöse Arbeit von kath.net, die unsere Unterstützung in diesen meinungsdiktatorischen Zeiten verdient. Hier steht die Wahrheit, die viele leugnen wollen. Vergelt’s Gott dafür!

„Indiana“ bringt es endlich auf den Punkt: Verfolgung! Darunter geht eben nichts mehr:

Christenverfolgung pur…
Heute darf man beinahe ALLES sein, nur nicht katholisch!
Ob allerdings das ständige Totschweigen der Kirche der richtige Ansatz ist, sei dahin gestellt. Ich denke schon, dass solche Entscheide und eine solche teuflische Entwicklung nicht widerspruchslos hingenommen werden sollten.

Wo sind die christlichen bzw. katholischen Politiker??????????
Wo ist der Protest der Bischöfe?????????

„Guiseppe“ lässt sich vom Verbot der Diskriminierung zu einem schönen Vergleich animineren:

Heinrich VIII. läßt grüßen
Das ist eine erneute englische Kriegserklärung an die katholische Kirche.

„siebenstern“:

Das Malzeichen des Tieres
Früher glaubte ich die Offenbarung des Johannes ist ziemllich unverständlich, abgehoben. Mehr und mehr scheinen sich die apokalyptischen Verheissungen zu erfüllen. Niemand soll kaufen/verkaufen etc, der nicht das Malzeichen des Tieres trägt.Wir sollen die Dämonen, die der satanistische Staat an die Stelle Gottes gesetzt hat anbeten. Nicht im Sinne eines Gebets, aber durch gotteslästerliche Handlungen, wie z.B. die Erlaubnis der Adoption durch Homosexuelle.
Wann werden die nächsten Perversionen gesetztlich freigegben?? Pädophilie, Sodomie, Nekrophilie?? Mal sehen, wann das gesellschaftlich akzeptiert wird???

„M.Schn-Fl“ probiert, den rechten Standardfloskeln neues Leben einzuhauchen:

Meinungsterror
Der Meinungsterror grün- linker ideologischer Richtung nimmt in ganz Europa zu. Hier wird die Demokratie wharhaft und ernstaht bedroht. Und diese Bedrohung hat schon beängstigende Züge angenommen. Unter dem Diskriminierungsparagarphen wird in der ganzen bislang freien westlichen Welt die Abschaffung der Gewissensfreiheit und der demokratischen Grundrechte ausgehebelt.

„Dismas“ hat dazu nur zu sagen:

Dazu ist nur zu sagen:
In England herrscht immer noch die finstere Katholikenverfolgung!! Pfui!! Können wir getrost unter die traurigen Verhältnisse wie bei den islamischen Staaten zählen.

Und bringt den fast schon verloren geglaubten Vergleich zwischen einem homosexuellen Paar und Schuhen:

Seit wann sind zwei linke Schuhe ein Paar Schuhe?? Ja, Christus hat den Sündern aber nichts aufgezwungen und hat vor allem KEINE Kompromisse in seiner Lehre gemacht!
Also ist es für einen Christen unmöglich, eine Abtreibungstötungslizenz zu unterschreiben oder HS-Leuten Kinder anzuvertrauen, das wäre Kindesmissbrauch! (Frage: Wieviele Kinder zu töten ist es wert eines zu retten, sagen SIE mir das!)
Das sind keine „Moralbebedenken“ sondern Grundlagen des christlichen Lebens.

„tokyo“ plant eine Revolte:

Bitte konsequent sein
Das Gericht soll bitte seine Schlussfolgerung konsequent umsetzen und auf alle Bereiche anwenden, in denen Homosexuelle in irgendeiner Art diskriminiert, bzw sich diskriminiert fuehlen koennten.
Abschaffung der Kirche von England und die sofortige Ausmerzung des Christentums, des Islams und des Judentums aus dem Koenigreich, die Abschaffung des Koenigshauses (Oberhaupt der Kirche), Abschaffung der heterosexuellen Ehe, die Ausschaffung aller Buerger, die eine Meinung gegen Schwule haben, und schliesslich die Abschaffung der Verfasssung, da sie sich auch noch auf sowas „Scheussliches“ wie Gott bezieht.

Ist uns allen eigentlich klar, dass wir im Begriff sind, alle Werte der Gesellschaft auf den Kopf zu stellen fuer ein paar streitsuechtige Homosexuelle, die nie genug bekommen koennen?

Man spricht immer ueber „unsere Gesellschaft“, aber ich entferne mich immer mehr von diesem „Wir“. Die Legimitation dieses „demokratischen“ Staats schwindet immer mehr.
Wenn eine Million Menschen in den Steuerstreik eintreten, dann kann der Staat nicht mehr. Ist die Zeit reif fuer einen Massenstreik?

„krak des chevaliers“ findet, dass Elton John immer krank aussehe, was natürlich auf seine Homosexualität zurückzuführen ist. Wie es sich dann mit dem Aussehen von Papst Benedikt verhält, klammert er/sie (vermutlich) wohlwissend aus:

GB und die Schwulen
Auch im Vereinigten Königreich – vormals Inbegriff für Kontinuität und Konservativismus – werden die Schwulen gehätschelt und getätschelt – wie passend. So hat auch der bekennende Homosexuelle und stets krank aussehende Elton John eine Einladung zur königlichen Hochzeit am Samstag in die Westminster Abbey bekommen, wo er ja schon 1997 einen Soloauftritt absolvieren durfte.

„SixFeetUnder“ immerhin findet:

Urteil
Sehr gut!

Und wird dafür auf der Bewertungsampel mit tiefem Rot belohnt. „Siebtel“ hingegen erhält für den folgenden Beitrag, dessen tieferer Sinn sich mir wohl exklusiv verborgen bleibt, die volle grüne Punktzahl:

PSEUDOGLEICHHEIT
Homosexualität existiert nur, wenn es Heterosexualität gibt – niemals umgekehrt. Homo-Ehe ist eine reine PSEUDOGLEICHHEIT.

Europa geht endlich unter (?)

Nach der österlichen Besinnlichkeit war es Polterbischof Andreas Laun, der mit einem eindimensionalen Artikel Europa attestierte, sich Sarrazingemäß selber abzuschaffen. Einen Tag später folgte dann ein weiterer Vorstoß, diesmal vom schon mehrfach auf kath.net in Erscheinung getretenen Gregor Graf Henckel von Donnersmarck. Es ist nicht unangemessen, auch ihm fortgeschrittene Ahnungslosigkeit vorzuwerfen:

Der Zisterzienserpater Gregor Graf Henckel von Donnersmarck befürchtet, dass ganz Europa im Begriff sei, sich abzuschaffen und es in zweihundert Jahren keine Europäer „in unserem Sinne“ mehr geben könne. „Der Europäer, wie wir ihn kennen, hat sich quasi in einen Suizid gestürzt und zwar in Gestalt der Destabilisierung von Ehe und Familie, Verhütung, Tötung ungeborener Menschen und der Gleichberechtigung von nicht auf Fortpflanzung angelegter Lebensgemeinschaften“, sagt er im Interview mit der Wochenzeitung „Junge Freiheit“.

Eigentlich hat sich Donnersmarck bereits dank des Gesprächspartners gründlich diskreditiert, aber machen wir uns den Spaß und hören ihm einmal zu. Da begeht Europa also „quasi“ Suizid, indem man Ehe und Familie destabilisiert. Das geschieht dadurch, dass man Verhütung zulässt und Abtreibung unter bestimmten Umständen nicht verbietet. Das ist nicht nur höchst spekulativ – es ist auch Unsinn, im selben Atemzug die „Gleichberechtigung von nicht auf Fortpflanzung angelegte[n] Lebensgemeinschaften“ zu kritisieren. Homophobie ist und bleibt uncool, und so ließe sich – Donnersmarcks Logik folgend – auch anmerken, dass das Zölibat nicht ok wäre. Und dass nicht fruchtbare Menschen vermutlich ihr Recht auf Leben verwirkt hätten.
Richtig schön aber wird erst der folgende Absatz:

„Diskriminierung bedeutet nicht nur, dass man Gleiches ungleich stellt, sondern ebenso, dass man Ungleiches gleich stellt“, so Henckel von Donnersmarck.

Das ist nicht nur grob falsch, sondern auch widerlich, verneint es doch den Grundsatz, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben. Donnersmarck jedenfalls folgert:

Fakt sei, dass die Ehe schwerst diskriminiert werde, wenn man ihr Lebensgemeinschaften, die nicht ihrem Charakter entsprächen, ähnlich oder gleich mache, so der Abt weiter.

Was es nun beispielsweise einem heterosexuellen Ehepaar ausmachen soll, dass nun auch homosexuelle Menschen die Ehe eingehen könn(t)en, bleibt einigermaßen unklar. Ein kleines Zuckerle allerdings hält der Artikel noch bereit:

Einen Ausweg aus dem säkularisierten, diktatorischen Relativismus, der sich in Europa breitmache und den er als die eigentliche Gefahr unserer Zeit identifiziert, sehe er in naher Zukunft nicht, so Henckel von Donnersmarck.

Na, das ist doch immerhin etwas.

Die kath.net-Leser aber nehmen Donnersmarcks Visionen dankbar an – „sixtus“ immerhin macht Mut im Kampf gegen den Antichristen:

Wir können den Sieg des Antichristen verhindern!
Der Untergang Europas und der Sieg des Antichristen ist besiegelt, wenn es uns nicht gelingt, das Unheil, welches die Jakobiner und später der Protestant Bismarck angerichtet haben, zu revidieren. Wir können das christliche Europa nur retten, wenn wir die Trennung von Staat und Kirche überwinden und sie wieder zu einem Ganzen in Christus vereinen. Dazu gehört die Abschaffung der Zivilehe bei gleichzeitiger Pflicht zur kirchlichen Eheschließung, Verschärfung des Kuppeleiparagraphens, Verbot der Abtreibung und der Verhütung. Homosexualität ist eine Krankheit, die nachweislich mit psychiatrischen Methoden geheilt werden kann!

Auch die anderen aufgezählten Punkte sind ein Triumph der Rückwärtsgewandheit, allein der Verweis auf den Kuppeleiparagraphen ist an Absurdität, die Behauptung Homosexualität=Krankheit an Dummheit nicht zu übertreffen.
„Kajo“ hingegen merkt weise an:

Die Geschichte
wiederholt sich halt immer. Auch das einst mal mächtige römische Reich schaffte sich durch seine Wolllust, seine Völlerei und seine Dekadenz selber ab.

„Apfelkuchen“ fasst rational zusammen:

Der Europäer ist dem Teufel auf dem Leim gegangen
Dieser Teufel sagt, ich bin die Freiheit.

Die Freiheit ohne Gott.

Wie eben im Paradies auch schon.

Es ist die alte Schlange.

Sie hat ihm die Sinne vernebelt, das Herz hart gemacht, den Blick blind werden lassen.

Sie hat es geschafft, daß er gerichtet wurde gegen alle natürlichen Ordnungen, die Gott geschaffen.

Das hat ihn ins Chaos, ins Dunkel der Hölle gestürzt, in die Gottesferne hinausgeschleudert.

Jetzt hat er Angst, weil er begreift, daß er sich abschafft und in die Falle gegangen ist, Heulen und Zähneknirschen ist angesagt.

Sein schlechtes Gewissen drückt ihn, denn die bitteren Konsequenzen seines eigenen Tuns werden immer deutlicher.

Und präzisiert nochmals:

Es ist Satanismus
… den sie anbeten :

Tue was du willst.
Das sei das ganze Gesetz, dein ganzes Reich.

Und dieses satanische Reich ist aufgerichtet worden.

Mene mene tekel

Die Osterfeiertage und wohlmöglich die Monate zuvor hat der Salzburger Weihbischof Andreas Laun genutzt, und mal wieder eine Streitschrift wider das nicht näher definierte „gottlose“ Europa verfasst und an kath.net gemailt:

Die Erzählung über das „Mene-Tekel-U-Parsin im Buch des Propheten Daniel ist ohne Zweifel eine der eindrucksvollsten des Alten Testamentes! Ronald Barazon geht in den Salzburger Nachrichten vom Osterwochenende 2011 von ihr aus und deutet von ihr her die Entwicklung Europas, die ihn, wohl zu Recht, mit Sorge erfüllt.

Mit einer anderen, „ergänzenden“ Sorge erfüllt mich, dass er die Geschichte nur zitiert, aber die Vorgeschichte zur „Schrift an der Wand“ auslässt und damit auch die Frage nach den tieferen Gründen weglässt! Denn Daniel erzählt offenbar im Sinn einer Begründung, wie es zu diesem Mene-Tekel kam: Der König hatte offenbar nie auch nur eine Sekunde nachgedacht, warum sein Vater scheiterte und auf dem Niveau eines Tieres endete, nämlich wegen seines Abfalls von Gott! Unbekümmert machte Belschazzar, sein Sohn, so weiter: Auch er verehrte selbst-gemachte Gottheiten und benützte für seine Orgien mit „Wein, Weib und Gesang“ die heiligen Gefäße, die schon sein Vater aus dem Tempel von Jerusalem geraubt hatte! Mitten in eines dieser Gelage hinein erscheint die unheimliche Hand an der Wand und schreibt das Meine-Tekel-U-parsin, das nur Daniel ihm deuten kann (Dan 5,26f): „Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende.

Gewogen wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden. Geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben.“ Der König, bleich vor Entsetzen schon beim Erscheinen der schreibenden Hand, versucht noch, gute Miene zu dieser für ihn so niederschmetternden Botschaft zu machen, indem er Daniel belohnt, aber es ist zu spät: „Aber noch in derselben Nacht wurde Belschazzar, der König der Chaldäer, getötet!“

„Menetekel“ bedeutet übrigens, dies als Service für gottlose Leser, (laut Wikipedia) „eine unheilverkündende Warnung, einen ernsten Mahnruf oder ein Vorzeichen drohenden Unheils“. Was Laun damit ausdrücken möchte, ist relativ eindeutig: Europa ist gottlos, wird es irgendwann merken – dann ist es aber zu spät und alles verloren. Gute Argumente hat Laun natürlich auch parat:

Könnte die Hauptgefahr, in der unser Europa schwebt nicht auch der Abfall von Gott sein? Und dieser Abfall beginnt nicht erst dort, wo jemand nicht an Gott glaubt, sondern schon beim Abfall von dem, was man früher die „gesunde Vernunft“ nannte! Man denke nur, mit welch ideologischer Verhärtung man Absurditäten verteidigt und sogar mit politischer Gewalt den Menschen auferlegen will: Es beginnt mit der totalitären Form der Evolutions-Theorie mit ihrer Vergottung des „Zufalls“ und damit Leugnung der Vernunft im Seienden

Europa ist also dem Untergang geweiht, weil sich die Wissenschaft gegen die dämlichste Lehre alive, den Kreationismus, durchgesetzt hat. Das ist nicht nur deshalb weniger überzeugend, weil Laun selbstverständlich keinerlei Argumente gegen die Evolutionstheorie vorbringen kann – der Zufall jedenfalls wird natürlich nicht „vergottet“, sondern u.a. im Vorgang der Mutation erkannt. Aber das kann schon mal passieren, wenn man die Evolution stattdessen eher hochtrabend als „Leugnung der Vernunft im Seienden“ betrachtet.

es geht weiter mit Umschreibung von Geschichte und vor allem auch mit der Leugnung höherer Gerechtigkeit als der des Staates!

Besonders die zweite Hälfte des Satzes ist bemerkenswert, klingen diese Zeilen doch danach, als ginge es Laun um die Etablierung eines Kirchenstaates in u.a. Deutschland. Dass er dabei großzügig ignoriert, dass man eine „höhere Gerechtigkeit“ nicht notwendigerweise als seinen Gott identifizieren müsste, ist ein schönes Zeichen seiner Ignoranz. Das nicht besonders überrascht.

Zur Häresie der Vernunft-Leugnung gehören natürlich auch die Gender-Ideologie, die Legitimierung der Abtreibung, die Verherrlichung der Homosexualität. Ein Angriff auf die Vernunft ist auch die Behauptung, alle Religionen seien gleich, was meist soviel heißen soll, wie dass alle „gleichgültig“ sind und keine gültig sein kann, weil es keine Wahrheit gibt, genauso wenig wie „gesunde Vernunft“!

Angriffe auf Homosexualität, Gleichberechtigung, Abtreibung – Laun in Höchstform, der sich allerdings spätestens im zweiten Abschnitt dieses Absatzes ein wenig verrennt. Natürlich sind die Religionen nicht gleich, schließlich postulieren sie jeweils andere Götter. Andererseits ähneln sie sich darin extrem, denn objektiv ist keine als wahr erkennbar. Auch nicht Launs Katholizismus, was die implizierte Absicht seines Textes hinfällig werden lässt.
Vielleicht weiß Andreas Laun auch, dass seine Zeilen mehrheitlich nicht sinnvoll sind. Zur Sicherheit jedenfalls legt er noch einmal nach, wie er den Menetekel-Vergleich gemeint hat:

Und Europa muss bereit sein, sich den „Mene Tekeln“ an seinen Wänden zuzuwenden und sie sich deuten zu lassen! Von wem? Ich sage kühn und provokant: Von jener katholischen Kirche, die zu verhöhnen Mode geworden ist, die aber Papst Benedikt XVI. im Auftrag Jesu Christi repräsentiert!

Es wäre schön, wenn Andreas Laun wieder öfter etwas bei kath.net veröffentlichen würde. Vielleicht etwas zu seinen Kernthemen Evolution und Sex.

Der Extremismus der Mitte

Während man die politischen Aussagen der kath.net-Leser guten Gewissens als „diffus“ bezeichnen kann und vielleicht gar sollte, so bleibt doch ein gewisses Unwohlsein: Was, wenn solche Menschen eines Tages vielleicht tatsächlich einmal das Sagen bekämen?
Wie es einst auch in Deutschland aussehen könnte, führen unsere Nachbarn vor: In Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, der Schweiz und in Österreich sind rechtspopulistische bis -extreme Parteien stark im Kommen oder eben schon etabliert.
Ganz offenbar sind nicht nur die Leser auf dem rechten Auge blind – kath.net selbst berichtete in den letzten Wochen begeistert über die Entwicklungen des europäischen Rechtsrucks.
Am 30. März glänzte man etwa mit einem kritiklosen Artikel über Ungarn:

Ungarns Regierung unter Premier Viktor Orbán (siehe Foto) hat einen Entwurf einer überarbeiteten Verfassung vorgelegt, der die linke Opposition in Aufregung versetzt. Davon berichtet Welt Online. „Sie wollen eine Art totale Diktatur schaffen“, wettert etwa Attila Mesterhazy, Chef der oppositionellen Sozialisten. Die Fidesz-Partei, die mit einer Zweidrittel-Parlamentsmehrheit regiert, plane die Einsetzung der neuen Verfassung bereits zu Ostern.

Die Präambel beginnt mit den Worten: „Gott segne die Ungarn.“ Der Stolz der Ungarn auf ihr Land und auch auf seine christliche Prägung kommt deutlich zum Ausdruck: „Wir sind stolz, dass unser König, der Heilige Stephan, vor 1000 Jahren den ungarischen Staat auf festem Fundament geschaffen und unser Land zum Teil des christlichen Europas gemacht hat“, lautet die erste Aussage.

Wahnsinn: Gott in der Verfassung! Da kann es einem ja völlig egal sein, dass in dem extrem rechten Klima mit Unterstützung von Fidesz und Jobbik Roma nicht mehr sicher und im Gegenteil Zielscheibe rassistischer Überfälle sind. Aber, hey! denken sich die kath.net-Leser, und so schreibt „roxana“ nur:

Respekt!

„Marcus“ interpretiert „Linksoppositionelle“ auf unnachahmliche Art und Weise:

Danke Viktor Orban! Das ist ein wunderbares Vorhaben.
Und wer zum Kuckuck ist Mesterhazy? Der mit der „totalen Diktatur“?

Die Marxisten sollen in Ungarn überhaupt den Mund halten nach jahrzehntelangen Verbrechen.

„Sudeticus“ glänzt mit gänzlich unreflektiertem Volks-Begriff:

m Land der Krone des Hl. Stephan
Die Ungarn sind eben noch ein „Kulturvolk“ mit ungebrochenem Selbstverstaendnis, einer langen Geschichte und tiefen christlichen Traditionen.
Fuer wahr: Gott segne die Ungarn!

„Lukas Martin K.“ hat noch Visionen:

Glückliches Ungarn – armes Deutschland
Angesichts solcher Pläne können wir Deutsche doch nur vor Neid erblassen. Welcher Politiker hätte bei uns den Mut und das Rückgrat, solche Ideen auch nur zu äußern?

Aber um der harten Realität ins Auge zu schauen: Würde eine solche Verfassung überhaupt noch zu unserem durchsäkularisierten Post 68-Deutschland passen?

„Waldi“ findet:

Es ist schon ein gewaltiger Irrsinn, wenn man, um den Schwulen, Lesben und der millionenfachen Abtreibung zum „Recht“ zu verhelfen, Gott entrechtet und seine Gebote missachtet.

„JohannBaptist“ schließlich entlarvt die deutschtümelnde Romantik:

Gott segne die Ungarn
die Keimzelle des künftigen christlichen Europa.

Wobei das Verständnis von „christlich“, das kath.net-Leser so pflegen, hierzulande tatsächlich glücklicherweise nicht mehrheitsfähig wäre.

Schauplatzwechsel. Am Wochenende triumphierte in Finnland eine Partei, die schon im Namen verrät, wieso sie nicht ideal für eine Regierungsbeteiligung ist: Die „Wahren Finnen“, die ihren Wahlkampf vor allem mit nationalistischen, EU-kritischen und fundamentalchristlichen Parolen bestritt und letztlich fast 20% der Stimmen erreichte. Auch dieser Tiefpunkt in der finnischen Demokratie findet bei kath.net Anerkennung:

Zum Wahlerfolg der „Wahren Finnen“ bei den Parlamentswahlen am 17. April in Finnland haben offenbar viele Christen beigetragen. […]
Im Wahlkampf hatte sich die Partei unter Führung des Katholiken Timo Soini gegen den EU-Rettungsschirm für finanzschwache Länder wie Griechenland und Portugal gewandt sowie für einen Ausstieg Finnlands aus der EU ausgesprochen. Im Parteiprogramm stehen aber auch einige Punkte, die für Christen interessant sind, etwa die Ablehnung von Abtreibungen und gleichgeschlechtlichen „Ehen“. Das hat sie für Konservative attraktiv gemacht, sagte der Vorsitzende der Finnischen Evangelischen Allianz, Timo Keskitalo, gegenüber idea. Seiner Ansicht nach ist der Erfolg der „Wahren Finnen“ zu einem Großteil eine Reaktion darauf, dass die etablierten Parteien in ethischen Fragen weitgehend liberale Positionen vertreten. Dazu komme die Sorge vieler Bürger vor einem wachsenden Einfluss von Muslimen.

Absolut verständlich – 8.200 Muslime bei über 5 Millionen Einwohnern können ja durchaus Anlass zu Sorgen darstellen – keinesfalls darf man also von Panikmache oder gar „Rechtspopulismus“ sprechen. Meint jedenfalls User „st.michael“:

Deutsche Sicht
Deshalb werden die „Wahren Finnen“ hier auch so schlecht beleumundet.
Unsere Hetzpresse geht halt mit Anders Falschdenkenden sehr rabiat um.
Ein zeichen das solche Patrteien gute Ziele haben.

Auch „Eichendorff“ denkt so:

Es ist erfreulich
dass sich die Finnen, wie auch die ihnen verwandten Ungarn, nicht der E-Diktatur des Relativismus beugen. Beschämend sind die negativ-intoleranten Kommentare in deutschen und östereichischen Medien, zumal den Ungarn gegenüber, die soviel zur Überwindung des eisernen Vorhangs beitrugen

„Kajo“ macht sich eigene Gedanken:

Nicht intolerant
Die Kommentare in den „Deutschen Medien“ sind nicht intolerant, sondern bewusst negativ, ja man möchte schon fast sagen bösartig, da der erwähnten Presse ein christlich geprägtes Europa einfach zuwider ist. Besonders beliebt sind bei dieser Presse Angriffe auf die kath. Kirche und hier besonders auf den Papst und ihm nahe stehende Bischöfe.

„krak des chevaliers“ schließlich glänzt mit wundervoll unbedarfter Sprachwahl bezugs z.B. „Homosexualisierung“, „Diktatur“ oder eben „Volk“:

warum nicht aus bei uns?
Eine solche Partei wie die „wahren Finnen“ müsste es auch bei uns in Deutschland gehen. Es geht ja nicht um einen billigen Nationalismus oder um Fremdenfeindlichkeit, es geht schlicht und einfach darum, die natürlichen Lebensgrundlagen und die nationale Identität zu bewahren und alles abzuwehren, was diesen Anliegen schadet. Dazu gehört natürlich auch der Kampf gegen die Homosexualisierung und Genderisierung eines Volkes und gegen das Verbrechen der Abreibung. Leider aber finden gerade diese Verirrungen ihre größten Förderer in der EU. Es ist gut zu sehen, dass in einigen europäischen Ländern wie Ungarn und Finnland nun der Widerstand gegen die Brüsseler Bürokratendiktatur wächst. Die Völker sind nicht so dumm, wie manche Leute es meinen. Finnen und Ungarn geben ein gutes Beispiel. Hoffentlich erwacht der Widerstand auch bald in den anderen europäischen Nationen.

Dass kath.net und Leser extrem rechtes Gedankengut in der Politik nicht erst seit einigen Wochen gutheißen, lässt sich übrigens besonders gut an älteren Artikeln mit USA-Bezug rekonstruieren. Im November des vergangenen Jahres etwa erschien ein Artikel, der bewusst die komplette Irrationalität und den Rassismus der us-amerikanischen Tea Party-Bewegung ausklammerte und sie auf vermeintlich christliche Werte reduzierte.

Eine kleine Hoffnung allerdings gibt ein kath.net-User namens „Irustdim“:

@Welch ein Unterschied
In Baden-Württemberg trugen die Christen für den Sieg antichristlichen Positionen entscheidend ab. In Finnland das Gegenteil!!!

Charmeoffensive (?)

Etwas tut sich bei kath.net, irgendwas ist in Bewegung geraten. Vielleicht ist Roland Noé im Zuge der Osterfeierlichkeiten ein wenig toleranter geworden, vielleicht ist ihm Zensur plötzlich zuwider, vielleicht sitzt er dieser Tage auch mit verbundenen Augen vorm Rechner und winkt jeden Kommentar durch. Letzteres Medium jedenfalls wird seit neuestem geradezu unterwandert von Beiträgen, die es vor einigen Wochen nicht auf kath.net geschafft hätten. Schauen wir uns das einmal an einem Beispiel an:
Heute meldete kath.net pflichtschuldig die Meinung eines us-amerikanischen Bischofs zum Thema Homosexualität:

Fabian Bruskewitz, Bischof von Lincoln, sagt, dass kirchliche Autoritäten die Unmoralität homosexueller Handlungen benennen müssen.

Priester sollten es nicht vermeiden, offen anzuprechen, dass homosexuelles Handeln unmoralisch ist. „Vorsicht und Klugheit sind wichtig, aber ich glaube nicht, dass sie als Entschuldigungen dafür dienen sollten, dass man nicht klar spricht, wo dies nötig oder pastoral extrem wichtig ist.

Dass es angesichts dieser ziemlich unschönen Zeilen Widerspruch gibt, überrascht wenig – erstaunlich indes ist, dass sich dieser Protest tatsächlich und ausgerechnet in der Kommentarspalte artikuliert.
Gleich zu Beginn merkt „pillendreher“ an:

Todsünde?
Ich kann mit dieser „Todsünde“ problemlos leben und Gott liebt alle Menschen gleich, sonst hätte er mich ja nicht so gemacht. Gerade in caritativen Berufen und in der Kunst sind wir unverzichtbar. Wer sollte Michelangelo verbessern wollen?

Der Kommentar ist auf der Bewertungsampel zwar dunkelrot – aber immerhin vorhanden. Und gleich darauf schreibt „Markus92″:

@pillendreher
So sehe ich das auch. Lassen Sie sich nicht einreden, dass Gott Sie verflucht!

Erstaunlicherweise folgt dann auch noch „Frater_Lucius“:

interessant, dass neue Todsünden „geschaffen“ werden.

@ pillendreher …. ich auch

Was ist denn nun los? Bin ich meinen Job los? Wird kath.net auf seine alten Tagen zum Treffpunkt liberaler Christen und gar zu einem etwas aktuelleren Sodom und Gommora? „Tadeusz“ jedenfalls scheint genau das zu fürchten:

Schon mal Bibel gelesen?
@pillendreher – Deine Aussage errinnert stark an manche Aussagen der Bewohner von Sodoma und Gomorrah kurz vor dem Untergang.

„landpfarrer“ stellt zudem noch einmal klar, dass es den katholischen Bischöfen gar nicht darum geht, sich an der Einmischung in fremde Sexualität zu ergötzen – man will ja nur helfen:

@Markus92, Pilendreher
Bischof Bruskewitz tut hier nichts Anderes, als die beständige Lehre der Kirche darzulegen und klarzumachen, um was es geht: Das Ewige Heil des Menschen.

Was soll man davon nun halten? Ist Roland Noé zur Besinnung gekommen, oder bloß eines Tages mit dem tiefen Wunsch nach einer etwas offeneren Streitkultur aufgewacht?

Man weiß es nicht. Aber wir werdens im Auge behalten.