Die zweifelhafte Überschrift

Gut, wir haben zweierlei begriffen: kath.net mag weder Barack Obama, noch Homosexuelle. Und gleiche Rechte für Schwule/Lesben? Brrrr, sagt der aufrechte rechte Katholik. Da trifft es sich traditionell gut, wenn die beiden Themenfelder, die kath.net am meisten Verdruss bereiten, aufeinander treffen. Wunderbar kann man auf die bösen „Liberalen“ einprügeln, die Angst vor dem „Anderen“ zelebrieren, bzw. durch Hass überdecken. Und man kann ein wenig Panik schüren, die einer Prüfung nicht statthält.
Die aktuelle kath.net-Überschrift „Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau – Obama ist dagegen“ ist so ein Fall für die dritte Kategorie.

Das klingt beim ersten Lesen so, als wollte Obama die Ehe ganz abschaffen. Beim zweiten Hinschauen mutmaßt man dann, Obama wolle nur noch Homosexuellen die Ehe zugestehen.
Was war passiert? Die Nachrichtenagentur AFP fasst zusammen:

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama hat sich gegen das geltende Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen im US-Bundesrecht ausgesprochen. Der Präsident sei „nach sorgfältiger Abwägung“ zu dem Schluss gekommen, dass die seit 1996 geltende gesetzliche Einschränkung der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau „verfassungswidrig“ sei, erklärte Justizminister Eric Holder in Washington.

Also: Keine Unterhöhlung der Ehe, bestehende Ungerechtigkeiten sollen abgeschafft oder zumindest vorerst minimiert werden. Juhu! Eigentlich. Denn bei kath.net schreibt man stattdessen:

Der Präsident der USA, Barack Obama, hat das Justizministerium der Vereinigten Staaten angewiesen, die Definition von „Ehe“ als einer Beziehung, welche zwischen einem Mann und einer Frau möglich sei, nicht weiter zu unterstützen. Dies berichtet CNN unter Berufung auf den Justizminister Eric Holder.

Der interessierte Leser muss sich also erst einmal erschließen, dass es um Homosexuelle geht – mit keinem Wort wird darauf eingegangen, dass Obama nichts gegen die heterosexuelle Ehe hat, sondern den Status der Ehe bloß auch Schwulen/Lesben genehmigen möchte.

Die Sorgen der kath.net-Leser drehen sich allerdings weniger um Satzzeichen und noch weniger um die Realität: Es werden – einmal mehr – wahnwitzige Schreckensvisionen an die Wand gemalt.
„krzyzak1099″ etwa lässt sich folgende gut durchdachte Zeilen entlocken:

Igitt!
Und Osama Obama nennt sich selber einen gläubigen Christen, der seine Kraft aus täglichem Beten zu Gott schöpft.
Einfach nur lachhaft und widerlich.

„Cosinus“ schreibt etwas, dessen innerster Kern wild zwischen Licht und Dunkel oszilliert:

Es gibt politisch korrekte Dumpfbacken,
die nie irgendewas kapieren.

„Siebtel“ findet Obamas Ideen ’staatszersetzend‘ und führt aus:

staatszersetzend
Das Merkmal gegenwärtiger, moderner Politiker ist, dass sie staatszersetzend und sittenwidrig sind. Das gilt für alle Couleurs. Ist ein Politiker einmal nicht unmoralisch und staatsfeindlich, dann wird er gleich entfernt. Auch dienen unsere Politiker nicht mehr, sondern schreiben uns per Gesetz die Sittenwidrigkeit einfach vor.

„Tina 13″ schreibt, nachdem der Artikel sie offenbar zusätzlich verwirrte:

Oh ha, das Licht ist aus ich geht nach Haus, nur es ist kein „nach Haus“ mehr da
„US-Präsident möchte die gesetzliche Definition von Ehe als Beziehung zwischen Mann und Frau nicht länger unterstützen“

dunkel, dunkler am dunkelsten …

O Herr strahle Licht in diese Welt!

Wenn der Mensch meint er ist sich selbst genug so wird er am eigenen Leibe spüren was Sache ist.

„willibald reichert“ schließlich glaubt, Obamas Worte seien gar „Anschläge“ und findet, dass jedes Land letztlich die Politiker habe, die es verdiene:

Obama – Drama
Schon wieder ein Drama, von dem Mann, der es kann, dem Zeitgeist hörig und an nichts gebunden. Schon
fatal, bei der jetzigen Weltlage die Zeit für solche An-
schläge auf ein gottgewolltes und harmonisches menschliches Zusammenleben zu verschwenden.
Denk ich an Obama und Amerika in der Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht. Aber jedes
Volk hat halt die Politiker, die es verdient!

Schön zu sehen an Deutschland mit z.B. Lügenbaron Guttenberg.


1 Antwort auf „Die zweifelhafte Überschrift“


  1. 1 Halbgares « Episodenfisch Pingback am 26. Mai 2011 um 22:55 Uhr

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