Kath.net schafft Guttenberg nicht ab

Die Lüge ist ein schreckliches Drama“ überschrieb kath.net noch 2010 einen Artikel. Mittlerweile dürfte es eher heißen: „Die Lüge eines konservativen katholischen Katholiken ist eigentlich gar kein so schreckliches Drama“.
Klar, es wurde in den letzten Tagen eigentlich alles gesagt und geschrieben; Verteidigungsminsiter Karl-Theodor zu Guttenberg erdete sich auf die denkbar erbärmlichste Art und Weise: Waren die Vorwürfe, seine Doktorarbeit sei teilweises Plagiat, am letzten Mittwoch erst „abstrus“, fielen Guttenberg am Freitag Fehler auf. Am Wochenende las er sein Werk mutmaßlich zum ersten mal selbst und musste feststellen, dass nicht so ganz sauber gearbeitet worden war. Dabei muss er mindestens einmal gelogen haben: Entweder war ihm natürlich klar, dass die Arbeit inakzeptabel war – dann log er das gemeine Wahlvolk an und legte keine sonderlich gute Basis für weiteres Vertrauen.
Oder er schrieb die Arbeit nicht selbst, was die vielen Plagiate und Guttis Unsicherheit über diese erklären würde – dann hätte er aber auch das Volk und die anderen Parlamentarier nicht mit der Wahrheit gefüttert.
Dass seine Dissertation zudem kein Plagiat sein soll, wie er in der Fragestunde vom Mittwoch Jürgen Trittin erklärte und ihm indirekt gar mit einer Verleumdungsklage drohte, das ist ganz großes Kino und zeugt von unfassbarer Überheblichkeit.

Was ich zu sagen versuche: Es ist alles gesagt worden und im Folgenden werde ich mich nicht mehr damit beschäftigen, ob Gutti log oder nicht – es soll sich vielmehr um das ziemlich einzige Medium drehen, das Guttenberg weiterhin ziemlich blind folgt: kath.net.
Dort schrieb man bereits am Samstag von idea eine kleine Verteidigungskampfschrift ab.
Gestern dann folgte ein noch seltsamerer, ebenfalls von idea verfasster Artikel:

Jetzt wird in Medien über den – wie es heißt – „größten deutschen Wertekongress“ vom 24. bis 26. Februar in Nürnberg berichtet. Es geht um den Kongress christlicher Führungskräfte unter dem Motto „Mit Werten in Führung gehen“. Hier geht es um eindeutig christliche, von Jesus im Neuen Testament geforderte Werte. Sie sind teilweise aus den alttestamentlichen Zehn Geboten bekannt: Wir sollen nicht lügen, betrügen, ehebrechen, sondern den Feiertag halten und allem voran Gott allein die Ehre geben. Jesus hat diesem noch hinzugesetzt: die Feindesliebe und die Vergebungsbereitschaft.

Können angesichts solch klarer Wertevorstellungen nur fehlerlose Referenten bei dem Kongress mit 3.500 Teilnehmern auftreten? Die Frage wird an uns Verantwortliche gestellt, ist doch seit langem als bekanntester Redner Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vorgesehen. Auch bei anderen Mitwirkenden wurden wir aufgefordert, sie wieder auszuladen, weil man bei ihnen Fehler oder theologische Irrtümer sieht.
[…]
Es kann unter uns Christen nicht darum gehen, dass vermeintlich Sündlose über Sünder richten. Nach Jesu eigenen Worten ist es immer so, dass Sünder Sünder ermahnen, die Sünde zu meiden – egal ob es sich nun um ethisches oder theologisches Fehlverhalten handelt. Und vergessen wir nicht: Es gibt Sünden, die bekannt werden, so dass der Sünder am Pranger steht. Aber um die ganz große Mehrheit von Sünden weiß eben nur Gott allein – und ihm sollten wir das endgültige Urteil im Jüngsten Gericht überlassen.

Das ist schon daher putzig, weil Guttenbergs Lügen auf „Fehler“ reduziert werden, das bewusste Betrügen der Universität Bayreuth um einen Doktortitel für das eigene Ego als Kleinigkeit abgetan wird. Das funktioniert bei der BILDzeitung (siehe unten) hervorragend, das kann man also auch mal in christlichen Kreisen versuchen.
Ein anderer Grund, wieso der kath.net-Artikel schön ist, ist folgender:

Jetzt wird in Medien über den – wie es heißt – „größten deutschen Wertekongress“ vom 24. bis 26. Februar in Nürnberg berichtet. Es geht um den Kongress christlicher Führungskräfte unter dem Motto „Mit Werten in Führung gehen“.

Das ist, wenn man streng sein möchte, schon wieder eine Lüge: Medienecho auf den besagten „Wertekongress“ blieb bislang völlig aus. Bevor der idea-Artikel verfasst wurde, existierte bei Google News gerade ein einziger Eintrag über die Veranstaltung – von eann.de, der „Unabhängigen Zeitung für Religion, Kirche und Gesellschaft“. Vom 2. Februar.
Es scheint fast so, als wollte man die aktuelle Debatte für ein wenig Werbung nutzen.

Heute dann bereicherte kath.net das Internet um eine weitere Knallermeldung: Guttenberg sagte trotz der Rechtfertigungsversuche vom Vortag seine Teilnahme am Kongress ab. Das wird mit der Trauerfeier für drei dt. Soldaten begründet – und am Ende des Artikels kann man sich einen kleinen Seitenhieb auf Gegner Guttenbergs nicht verkneifen:

Ein klares Meinungsbild hat eine Umfrage der „Bild“-Zeitung ausgelöst. Bei der Umfrage „Soll Guttenberg im Amt bleiben? Oder soll der Minister zurücktreten?“ haben sich 87 Prozent der „Bild“-Leser für den Verbleib ausgesprochen. Nur 13 Prozent wollen seinen Rücktritt.

Zu diesen drei Sätzen ist unendlich viel anzumerken. Stichwortartig:
- Wie der Bildblog großartig verglich, war diese Umfrage ungefähr so sinnvoll und ergebnisoffen, als würde ein Justin Bieber-Fanmagazin über ein Karrieende des jungen Sängers abstimmen lassen
- Die Teilnahme an der Umfrage kostete, da nur per Anruf, Fax oder Brief möglich: Geld. Und das dürfte Guttenberg-Gegnern zu blöd gewesen sein
- Die Junge Union schickte panikartig Emails an die eigenen Mitglieder, um sie an ihre gute Pflicht als KT-Fan hinzuweisen
- Zuvor gab es bei bild.de eine Onlineumfrage, an der über 600.000 Menschen teilnahmen, und bei der eine Mehrheit (56% gegenüber 35%) Guttenbergs Rücktritt forderte. Diese Umfrage verschwand allerdings schnell in den Archiven, da sie augenscheinlich nicht das gewünschte Ergebnis lieferte
- Das Argument, besagte Onlineumfrage sei manipulierbar, ist lustig angesichts über 200.000 Menschen in der Pro-Guttenberg-Facebookgruppe. Offenbar schienen diese Personen eher abstimmungsfaul zu sein
- Tobias Huch, „Porno-Unternehmer“ und Initiator der Pro-Guttenberg-Facebookgruppe, verbindet mit der BILD zarte Bande. Er wirb auf seiner Seite für die BILD, das BILD-Profil rief die Leser auf, seine Gruppe zu „liken“

Dass die Meinung der Mehrheit (zumal in diesem Fall der BILDLeser, nicht der Bevölkerung) im Übrigen nichts mit dem Wahrheitsgehalt zu tun hat, dürfte kath.net als tapferem Gegner des „Zeitgeistes“ doch eigentlich klar sein.

Als Beispiel für die Vernebelungsversuche der Fans Guttenbergs sei stellvertretend der Kommentar von „Anna Katherina“ vom heutigen Artikel gegeben:

Verzeihen wir zu Guttenberg
Hätte der mutige Minister zu Guttenberg das Lager „OP North“ in der Provinz Baghlan nur einen Tag früher besucht, hätte vielleicht auch er sein junges Leben verloren.
Der mutwillige linke Bremer Professor Dr. Andreas Fischer-Lescano, der derzeit, ausgerechnet vor den vielen Wahlen 2011, seine Vorwürfe gegen Minister Karl-Theodor zu Guttenberg hinausposaunt, ist wie die SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti Gründungsmitglied des “Instituts Solidarische Moderne“. Dort halten SPDler, Grüne und DIE LINKE zusammen. Vorstandssprecherin ist Frau Kipping von der Kommunisten-SED…PDS…Linkspartei…DIE LINKE.
Ypsilanti hat v o r der hessischen Landtagswahl 2008 versprochen, nach der Wahl nicht mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten. Doch nach der Wahl wollte sie die Zusammenarbeit mit der Linkspartei. Ypsilanti wurde deshalb der Lüge bezichtigt.

Fischer-Lescano behauptet ausgerechnet zu Beginn des Superwahljahres 2011, dass er bei einer Routineuntersuchung auf die Doktorarbeit zu Guttenbergs aus dem Jahr 2006 gestoßen sei. Diese Behauptung ist nicht glaubwürdig.
Glaubwürdig ist, dass es keine Routineuntersuchung war, sondern dass der linke Professor aus Bremen eine gezielte Untersuchung vornahm, in der Hoffnung, Schlechtes über zu Guttenberg zu finden.

Die sozialistische Tagesschau vom 23.02.2011 brachte an erster Stelle mit Polemik durchsetzte 4 Minuten weit überwiegend gegen zu Guttenberg.
An zweiter Stelle, also zweitrangig, kamen die vielen unschuldig ermordeten Demonstranten in Libyen.
Offensichtlich war für die ARD die Hetze gegen den beliebten christlichen Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg wichtiger und das Wichtigste.

Anders als die christenunfreundliche Tagesschau, anders als den ersten Stein werfende Genossen wie der im Bundestag vor Hass glühende frühere Kommunist Trittin (Nach dem „Kruzifix-Urteil“ forderte er: „Zum Teufel mit dem Schulkruzifix…!“) sollten wir dem jungen Politiker Karl-Theodor verzeihen, denn er hat seine Doktor-Fehler nicht in böser Absicht gemacht, sie vorbildlich zugegeben und bereut – vor vielen Millionen.

Beten wir für die Soldaten, die ihr Leben gaben.


7 Antworten auf „Kath.net schafft Guttenberg nicht ab“


  1. 1 Max 25. Februar 2011 um 0:13 Uhr

    Schöne Überschrift:-) Abgesehen davon finde ich es interessant, dass in allen halbwegs seriösen Medien Konsens herrscht, dass sich Guttenberg diskreditiert hat und eigentlich längst zurücktreten müsste (ich vermute mal, die meisten Journalisten haben selber studiert und wissen daher, dass das, was KT da gemacht hat, schlicht und einfach Betrug war). Nicht nur laut Bild, sondern auch laut Infratest findet allerdings immer noch die Mehrheit der Deutschen Guttenberg ganz großartig („so ein bisschen mogeln, machen doch alle“). Das erinnert mich ganz stark an die Sarrazin-Debatte, wo Politik und Journalisten fast durchgängig entsetzt waren, während die Demoskopie große Unterstützung im Volk konstatierte. Ich bin ja ganz froh, dass ich offenbar wenig mit dem „einfachen Volk“ zu tun habe. In meinem engeren Bekanntenkreis finden sich weder Sarrazin- noch KT-Fans. So hoffe ich zumindest. Aber vielleicht sagen die ja den Infratest-Interviewern was anderes als mir…

  2. 2 Administrator 25. Februar 2011 um 0:25 Uhr

    Hallo Max,
    ich kenne das, bzw. ich kenne auch keine Fans von Thilo oder Guttenberg persönlich. Ich bezweifle gar nicht, dass es Millionen von Leuten gibt, die der BILDzeitung alles abkaufen und die in Guttenberg wider alle Fakten einen tollen Politiker sehen. Wahrscheinlich, weil er immer so nett grinst und weil seine Frau im Privatfernsehen Pädophile jagt.
    Was mich so stutzig macht: Angeblich gibt es mittlerweile um die 300.000 Fans von Guttenberg bei Facebook – aber in allen Internetumfragen wird mehrheitlich für einen Rücktritt votiert. Das kommt mir sehr seltsam vor: Zum „Liken“ sind sie offenbar alle zu bewegen – zum online abstimmen aber nicht. Bisher hielt ich die „Astroturfing“-Vorwürfe für lächerlich, aber anders kann ich mir die Diskrepanz zwischen Facebookfans und schwachen Online-umfragewerten nicht erklären.

    Aber ich geb dir recht: Sehr schön, dass selbst die FAZ (während sie allerdings Sarrazin am selben Tag ein Buch rezensieren lassen) gegen Gutti Position bezieht. Und sogar rechte Medien wie die „blaue narzisse“ haben Fehler Guttenbergs eingeräumt. Im Moment sind es echt nur noch die BILD und kath.net, die Gutti verteidigen :D

  3. 3 Tobias Kraus 25. Februar 2011 um 12:00 Uhr

    Mal angenommen, in der Wählerschaft gibt es nachwievor den Rückhalt für Guttenberg wie es Umfragen suggerieren. Wo kommt das her? Hat sich die Politik so weit vom Wähler entfernt, dass sich dieser wirklich nur noch auf Äußerlichkeiten zu stützen weiß und wenn ja, wo soll das denn nun schon wieder hinführen?

  4. 4 Administrator 25. Februar 2011 um 21:47 Uhr

    Falls Guttenberg das wirklich durchstehen sollte – und daran habe ich mittlerweile leider keine Zweifel, wird er in ca. 10 Jahren Bundeskanzler und wieder einen soliden Mix aus Militärdiktatur und Monarchie etablieren, fundiert von der Springerpresse. Darauf wird es wohl hinauslaufen, unfassbar, wie blöd die Deutschen sind.

  5. 5 Mifune 01. März 2011 um 13:30 Uhr

    So, das Thema hat sich damit erledigt. :)

  6. 6 Administrator 01. März 2011 um 23:32 Uhr

    Jo, aber leider hat er sich herausgewunden und seine Fans sind genauso blöd wie vorher, lieben ihn immer noch. Dass er wiederkehren wird, steht wohl fest. Am liebsten natürlich in der CSU, da kann er nicht sooo viel Quatsch anstellen. Am unliebsten in Kombi mit Sarrazin in einer neuen rechtspopulistischen Partei…

  1. 1 guttenberg ist copyriot « meta . ©® . com Pingback am 02. März 2011 um 3:12 Uhr

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