Boykott und kein Ende

Schock-Verdacht

Gehört Roland Noé, Chef von kath.net und den Usern als „Gandalf“ bekannt, der sog. „Homo-Lobby“ an?
Fakt ist: Noé benutzt als Profilbild den Zauberer ‚Gandalf‘ aus „Der Herr der Ringe“ – verkörpert wird die Figur durch den britischen Schauspieler Sir Ian McKellen. McKellen ist selber offen homoexuell und gründete einst die „Stonewall„-Organisation, die sich für mehr Rechte Homosexueller einsetzte.
Roland Noé vertritt allerdings auf seiner Webseite eine radikal andere Auffassung: Homosexualität ist seiner Meinung nach Sünde, Homosexuelle sind ihm zufolge (offiziell?) böse Menschen – und wer sich für Schwule und Lesben einsetzt, hat beim Österreicher gleich schlechte Karten!
Ist die Anti-Haltung also nur Tarnung? Möchte Noé auf subversive (unterschwellige) Art und Weise den Schwulen den Rücken stärken? Macht sich Roland Noé gar über die Leser seiner Seite lustig?*

Zugegeben: Vermutlich wusste Roland Noé nicht, dass der Schauspieler seines Namenpaten homosexuell ist, und man darf Noé zuliebe annehmen, dass seine Abscheu auf Homosexuelle aus tiefstem Herzen kommt.
Das zeigte sich u.a. heute bei kath.net auf ziemlich kuriose Weise, denn man wusste zu berichten:

Asylbewerber in Norwegen und die Homo-Ideologie

Asylbewerber in Norwegen sollen in Zukunft verpflichtet werden, einen Film über Homosexualität anzusehen. Das Video soll dazu hinführen, Homosexualität als „normal und akzeptierbar“ zu verstehen. Der Film ist bereits in Auftrag gegeben und soll in 13 Sprachen zur Verfügung stehen. Das berichtet der „Standard“ unter Verweis auf die Nachrichtenagentur NTB. In den Kirchen stößt dieser Film auf starke Kritik.

Das ist mindestens deshalb unterhaltsam, als dass rechte Katholiken und Fans der jungen freiheit eigentlich sowieso keine Anhänger von Asylanten sind, zumindest dann, wenn es sich nicht um verfolgte Christen handelt.
Wie man aber einen eigentlich zumindest nicht ganz sinnlosen Schritt korrekt verdammt, zelebriert Noé als „Gandalf“ in der Kommentarspalte dann höchstselbst:

Norwegen sollte man als Urlaubsland boykottieren…
…solange sie so eine Unsinn planen

Das erinnert an was? Exakt: An muslimische Reaktionen auf z.B. die Mohammed-Karikaturen; wahlweise auch an wirre amerikanische French Fries-Boykottaktionen.

Die Amerikaner indes besannen sich eines Besseren und hoben das Namensverbot wieder auf. Bei kath.net-Lesern kann man mit einiger Zuversicht davon ausgehen, dass diese ihre ausnahmslos gut reflektierten Positionen wohl nie aufgeben werden.
„Stephan Karl“ etwa merkt an:

Zwang Homofilme anzuschauen? Da sollte man doch gleich mal, wegen Diskriminierung von Andersdenkenden klagen!!!
Genau wie bei der Pension, wo war die-in England? Wo sie die Besizter zwingen wollten an homosexuelle Paare zu vermieten. Mit der Genderideologie muß Schluß sein, wenn wir das Abendland retten wollen.

+++ Dignare me laudare me Virgo Sacrata. Da mihi virtutem contra hostes Tuos!!! +++

Und „Karolina“ erkennt die Gelegenheit, mal wieder auf europäische „Christenverfolgung“ aufmerksam zu machen:

Wie abartig ist dieser Film denn?
Es genügt doch, daß man Homosexuelle nicht verfolgt, gut finden muß deren sexuelle Vorliebe doch keiner oder wird man nun gezwungen Beifall zu klatschen? Es gibt doch wohl noch soviel Redefreiheit, sagen zu dürfen, daß man dies widernatürlich und als gegen Gott gerichtet erachtet. Komischerweise darf jeder gegen das Christentum hetzten, das fällt dann wieder unter Meinungsfreiheit.

*: Dank an „Sheldon Lee Cooper“ (Big Bang Theory, yeah!) vom Blasphemieblog, ohne den auch ich nicht auf McKellens Homosexualität aufmerksam geworden wäre. Was nicht besonders schlimm gewesen wäre, da ich kein Gandalf-Bildchen habe und dieses nach Bekanntwerden der Vorlieben des Schauspielers auch nicht geändert hätte.


22 Antworten auf „Boykott und kein Ende“


  1. 1 Sheldon Lee Cooper 11. Februar 2011 um 23:39 Uhr

    Noch peinlicher ist ja beinahe, dass McKellen auch noch Atheist ist und nun als Avatar eines homophoben Katholiken dient. Fast scheint es so, als wolle uns kath.net mit Realsatire übersättigen, in der Hoffnung, unsere Wahrnehmungsschwelle für Ironie nachhaltig zu schädigen.

  2. 2 Sheldon Lee Cooper 12. Februar 2011 um 0:00 Uhr

    Dass er auch noch der „Chef“ von kath.net ist, wusste ich nicht. Das ist ohne Zweifel der Lacher der Woche für mich. Sehe kaum Chancen für’s Wochenende, das noch zu toppen. ;)

  3. 3 Administrator 12. Februar 2011 um 0:12 Uhr

    Naja, dass McKellen homosexuell ist, wiegt etwas schwerer als sein Nichtglauben. kath.net verbrüdert sich ja mit den Nazis der jungen freiheit; und in deren Kreisen ist Atheismus fast schon chique, Homosexuelle aus diversen Gründen aber nicht.

    Unterhaltsam isses trotz allem :)

  4. 4 Sheldon Lee Cooper 12. Februar 2011 um 1:13 Uhr

    Da wird die Junge Freiheit aber wenig Freunde finden. Laut Wikipedia gilt sie als „Brückenkopf“ zwischen Konservativen und Rechtsradikalen. Und letztere fallen jüngst eher durch politische Nähe zu evangelikalen Abtreibungsgegnern auf, während die nur Rechtskonservativen das Christentum, politisch frisiert, als Leitkultur wiedergefunden haben. Ich jedenfalls kenne kaum homophobe Atheisten. Höchstens dem gegenüber ignorante Atheisten.

  5. 5 Administrator 12. Februar 2011 um 15:58 Uhr

    Rechtsradikale mit Nähe zu evangelikalen Abtreibungsgegnern? Hm, da wär ich mir nicht sicher, wobei gerenell Rechtsradikale und Rechtspopulisten und Rechtskonservative nicht so leicht zu trennen sind. Sind Rechtsradikale (also potenzielle NPD-Wähler) aber nicht eher stolze Anhänger germanischer Religionen und Traditionen? Ich hatte das Vergnügen, mit einigen jf-Lesern reden zu dürfen und die fielen sehr durch ihren Atheismus auf – mag sein, dass sie mit ihrer Christentumkritik auch nur ihren Islamhass runterspielen wollten…

  6. 6 Sheldon Lee Cooper 12. Februar 2011 um 20:17 Uhr

    „Rechtsradikale mit Nähe zu evangelikalen Abtreibungsgegnern? Hm, da wär ich mir nicht sicher.“

    Es ist inzwischen, so finde ich, ziemlich deutlich geworden, wo sie stehen:

    http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/neonazis-marschieren-mit-abtreibungsgegnern-95971.html

    Dort heißt es u.A.: „Für „Lebensschützerin“ Ilse Meister aus Weilheim kam die Hilfe recht: „Den Inhalt ihrer Flugblätter kann man als christlich bezeichnen.“

    Auch die Republikaner (also die deutschen, nicht nur die amerikanischen) bekennen sich zum Christentum:

    „Das Programm sieht darüber hinaus Europa als „Hort des christlichen Abendlandes“, dessen Werte behauptet werden müssten.“ — Wikipedia

    Die „Germanischen Religionen“ von denen du sprichst, basierten ja zur Zeit des Nationalsozialismus auf einen „christlichen“ Unterbau (was nicht jetzt nicht heißen soll, dass Christen Nazis wären). Es wurde eben allerhand nordische Mystik kulturell verwoben. Vom Christentum haben sich die Nazis aber trotzdem nie getrennt.

  7. 7 Sheldon Lee Cooper 12. Februar 2011 um 20:26 Uhr

    Ich glaube ja eher, dass sich diese Gruppen nicht primär über die Religon verbunden fühlen, sondern über den Wertekonservativismus (ist das überhaupt ein Wort?).

    Religiöse Ideologien aller Art (theistische, wie atheistische – denn Atheismus ist nicht immer gleichbedeutend mit Areligiosität), taugen als Rückzugsgebiet für Meinungen, die sich nicht objektiv rechtfertigen lassen.

    Kann man eine Haltung auf ein Dogma zurückführen, dann muss man sie nicht begründen. Schon deshalb denke ich, dass Nationalsozialisten auch göttliche „Wahrheiten“ akzeptieren, um sie nicht kritisch hinterfragen zu müssen.

  8. 8 Sheldon Lee Cooper 12. Februar 2011 um 20:42 Uhr

    Wenn sich Rechtsextreme aber nun zum Atheismus bekennen, benötigen sie eine Ersatzreligion, um sich gegen die Positionen des säkularen Humanismus verteidigen zu können, der ja unter den Intellektuellen und Wissenschaftlern weit verbreitet ist und im Großen und Ganzen zu Positionen gelangt, die denen der Rechtsextremen diametral widersprechen.

    Homophobe Positionen und ihre Begründungen lassen sich zum Beispiel leicht wissenschaftlich widerlegen und aus humanistischer Perspektive als kontraproduktiv und falsch entlarven (siehe Sam Harris – The Moral Landscape).

    Dogmatismus und die übertriebene Zuwendung zu einer Religionsgemeinschaft schützen solche extremen Positionen häufig vor der Vernunft, weil sie das Denken in Kategorien wie „richtig oder „falsch“ durch Kategorien, wie „für uns“ oder „gegen uns“ auswechseln.

  9. 9 uboot 12. Februar 2011 um 23:21 Uhr

    Sheldon Du erzählst über Dich mehr als über kath.net
    danke

  10. 10 Sheldon Lee Cooper 13. Februar 2011 um 0:52 Uhr

    @uboot
    Ich kann wohl nicht davon ausgehen, dass du das ausführst. Richtig?

  11. 11 Administrator 13. Februar 2011 um 2:11 Uhr

    Tja, Sheldon, das meinte ich mit dem Problem der Benennung, was nun rechtsradikal und was „nur“ -populistisch ist. Klar, die dt. Republikaner hängen tief in der braunen Soße drin, aber ich würde im Vergleich die NPD als zumindest rechtsradikaler betrachten. Andererseits funktioniert diese Einteilung ja nicht, wie Sarrazin eindrucksvoll demonstrierte: Auch die sogenannte „bürgerliche Mitte“ teilt Ansichten, die ich als rassistisch usw. bezeichnen würde.

    Abgesehen von der Begriffsdiskussion stimme ich dir aber zu.

  12. 12 uboot 13. Februar 2011 um 22:46 Uhr

    http://www.kath.net/detail.php?id=21416

    das würde nicht zielführend sein @Sheldon da wir uns 1)nicht kennen und 2) auf verschiedenen Seiten stehen.

    es ist leicht anhand eines Feindbildes sich stärker zu fühlen.
    (kath. Kirche)
    aber es ist schwerer, ohne Feindbild mit sich selbst zurechtzukommen. sich zu ertragen ohne jmd dafür verantwortlich machen zu können.

    hoffe daß Du noch lange Deine Feindbilder behalten kannst und kein zu schweres Leben hast :-)

  13. 13 Administrator 14. Februar 2011 um 1:38 Uhr

    Schon ein bisschen seltsam, sich mit dem Verweis auf „Atheist = macht es sich einfach“ aus der Diskussion zu stehlen.

    Und was genau soll der Artikel über John Lennon und die angebliche „schlechte Qualität“ heutiger Musik? Macht es sich der Vatikan da nicht ein wenig leicht mit den Feindbildern? ;)

  14. 14 red one 14. Februar 2011 um 1:39 Uhr

    Also, dass man der katholischen Kirche eher negativ gegenüber steht liegt glaube ich eher selten daran, dass man einen Feind braucht. Vielmehr liegt es daran, dass die katholische Kirche (und auch alle anderen Kirchen^^) sich nicht gerade so benimmt, dass man als aufgeklärtes Wesen freundlich zu ihr stehen könnte. ;)

  15. 15 Administrator 14. Februar 2011 um 3:00 Uhr

    Aber aber aber: „I‘ve just seen a face“ von den Beatles / John Lennon himself ist wirklich ganz ganz großes Kino. Insofern danke für den Kommentar, uboot, da hab ich doch glatt mal wieder „Help“ durchgehört.

  16. 16 uboot 14. Februar 2011 um 8:06 Uhr

    http://www.youtube.com/watch?v=-M2jSzLBzK4
    Hommage an Gary Moore.
    ich will nicht verwirren, sondern drücke mich gern musikalisch aus.

    jede Seite hat 10.000 Argumente und 1000 Bücher.
    die Kirche wird die Angriffe „aushalten“, wie immer. gefährlicher sind die Angriffe von innen, aber auch hier sieht BXVI klar
    http://www.kath.net/detail.php?id=28499
    die „Aufklärung“ @red one wurde unter dem Schafott geboren, in einer Blutlache. der technisch ausgereifte Genozid an den Juden konnte stattfinden, nachdem alle großen Philosophen schon gesprochen hatten. und weiter gings mit Hiroshima.

    jede seite hat ihre Erklärung, so auch für die inzw. 8 Mio abgetriebenen Kinder im Land der Dichter und Denker, der Richter und Henker. Zellklumpen für die Einen, die schützenswertesten Wesen überhaupt für die Andern, weil sie noch nicht mal schreien können wenn man sie kleinhäckselt.

    wir tun uns da leichter, denn für uns war der Teufel im Spiel.

    die Wunden von Adolfs Auftritt in der Weltgeschichte spüren wir noch heute in der 3., fast 4. Generation „danach“.

    wenn wir aufhören würden zu hassen (incl. uns selbst), dann wäre ein Bäumchen (der Hoffnung) gepflanzt.

    und Verbohrte, Beton-Fraktionen, die gibts nun wirklich auf jeder Seite. soweit f heute vom Ingenieur, der sich durchaus nicht davonstiehlt :-)

  17. 17 Sheldon Lee Cooper 14. Februar 2011 um 18:36 Uhr

    @uboot
    Nur weil Dogmatismus zu Feindbildern führt, heißt das nicht, dass kritische Distanz gegenüber Institutionen zu Dogmatismus führen oder damit gleichbedeutend sind. Insbesondere dann nicht, wenn man diese Kritik schlüssig begründen kann. Du zum Beispiel hältst von rationalen Argumenten Abstand, weil du glaubst, durch eine Emotionalisierung der Debatte um Abtreibungen etwaige Gegner dämonisieren zu können. Schließlich gibt es da ein Dogma, dem du folgen musst.

  18. 18 Sheldon Lee Cooper 14. Februar 2011 um 18:40 Uhr

    Mit der Haltung, dass ich kath.net (nach kreuz.net) für ein unglaublich dummes Forum für Ewiggestrige halte, bin ich nun wirklich nicht alleine.

  19. 19 red one 14. Februar 2011 um 19:32 Uhr

    Sorry uboot, aber deiner wirren Erläuterung kann und will ich nicht wirklich folgen, schon alleine weil natürlich das Totschlagwort überhaupt „Hitler“ darin vorkommt. :) Vielleicht kann man meine Definiton von aufgeklärt aber auch einfach mit „nicht rückwärtsgewandt“ übersetzen.

  20. 20 uboot 15. Februar 2011 um 7:49 Uhr

    paßt schon,
    ich habe nicht geschrieben in der Hoffnung auf Annäherung, sondern um zu schauen, ob man überhaupt miteinander reden kann.
    kreuz.net übrig. betrachten wir als nicht katholisch mit rechtsradikalen Tendenzen.
    ich bin nun nicht mehr im Studentenalter, und habe 20 Jahre lang grün gewählt :-) ich glaube, bis Schröder den Fischer gezwungen hat, am Irak-Krieg teilzunehmen (?)
    wie auch immer, danke für die Gespräche, bei denen ein gewisser „Mindest-Respekt“ gewahrt wurde.

  21. 21 red one 15. Februar 2011 um 14:06 Uhr

    Was kreuz.net betrifft da würde ich dir was das rechtsradikale betrifft definitiv zustimmen. :) Was Schröder-Fischer betrifft, so meinst du wohl eher den Kosovo-Krieg oder?

  22. 22 uboot 16. Februar 2011 um 14:00 Uhr

    ja, sorry Kosovo.
    jedenfalls 1. Auslandseinsatz dt. Soldaten.

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