Du sollst keinen Unfug erzählen wider deinen Nächsten

„Pure Vernunft darf niemals siegen“, sang einst Tocotronic; und Andreas Unterberger wird, obwohl mutmaßlich kein Fan der linksintellektuellen Band, wahrscheinlich zustimmen: Wenn es um das Durchsetzen eigener Ziele geht, darf man auch schon mal lügen, manipulieren und sich generell nicht sonders vernünftig verhalten.
Es geht um folgenden Sachverhalt, den Unterberger auf kath.net so umreißt:

Es sind oft kleine Nachrichten und scheinbare Einzelfälle, die ganze Ideologien zum Einsturz bringen können. Das dürfte jetzt in Sachen Abtreibung eine im Internet kursierende Videodokumentation sein.

Das ist irgendwie drollig, weil einerseits Abtreibungsbefürwortern eine Ideologie unterstellt wird, andererseits, weil man mit der selben simplen Logik auch die katholische Kirche zwecks Missbrauchsfällen „zum Einsturz bringen“ könnte, wenn es denn so einfach wäre.
Unterberger führt aus:

Auf dem zuerst in YouTube und dann auf katholischen Homepages kursierenden Video sah man ein Pärchen, das bei der amerikanischen Abtreibungsorganisation Planned Parenthood vorsprach, und dessen Gespräch heimlich mitgefilmt worden ist. Das Pärchen gab vor, als Zuhälter 13- bis 14-jährige Prostituierte zu betreuen. Sofort wurden ihnen jede Hilfe in Sachen Kontrazeptiva und Abtreibungen angeboten. Die Mädchen sollten über ihr Alter lügen und bräuchten auch keine Personalausweise. Auf die Frage, wann die Mädchen danach wieder „arbeiten“ könnten, wurde eine Frist von 14 Tagen angegeben. […]
Das Video hat einen Entrüstungssturm ausgelöst, obwohl die Beraterin entlassen wurde, nachdem ein Staatsanwalt zu recherchieren begonnen hat. Nach Angaben von Abtreibungsgegnern wird „Planned Parenthood“ mit 360 Millionen Dollar aus amerikanischen Steuermitteln finanziert.

Das besagte Video lässt sich u.a. hier bestaunen, es weist viele Schnitte auf, ist also editiert. Was genau ablief, lässt sich so freilich nicht genau nachvollziehen, man sieht vielmehr die Sicht der „Pro-Life“-Aktivisten um Lila Rose. Und man sieht, wie die Rezeptionistin einer Planned Parenthood-Einrichtung einem mutmaßlichen Zuhälter und einer mutmaßlichen Prostituierten gegenüber sitzt – was genau hätte sie nun, nach „Pro-Life“-Willen tun sollen? Den Kriminellen sagen, dass es so nicht ginge und damit diverse unschöne Zwischenfälle riskieren?
Diese Rezeptionistin spielte, so weit es das geschnittene Video vermuten lässt, mit und gab dem angeblichen Zuhälter Tipps. Als die beiden ungebetenen Gäste sich verabschiedet hatten, rief sie allerdings sofort die zuständigen Stellen an und meldete den seltsamen Zwischenfall. Das hätte Andreas Unterberger auch gelesen, hätte ihn die andere Seite der Medaille denn interessiert.

Der Blog „Media Matters“ merkt im Zwiegespräch mit erzürnten Konservativen an:

I don‘t think these guys quite get why we called Rose’s video a „hoax.“* So once more: Woodruff said what she said. That’s her in the video and those are her words. The hoax part comes when Rose insists that this somehow demonstrates a systemic pattern of abuse and corruption pervading all of Planned Parenthood. The organization reported suspected sex trafficking weeks ago. They fired Woodruff. What other actions would Breitbart, O‘Keefe and Rose have them take?

Was die ganze Geschichte nun mit einer „Ideologie“ und dem „Einsturz“ selbiger zu tun haben soll, bleibt etwas unklar. Unterberger weist in seinen wenigen Zeilen immerhin auf einen Punkt hin, der das Dilemma offenbart:

Und die amerikanischen Meinungsumfragen, die schon seit einiger Zeit erstmals seit Jahrzehnten wieder eine Mehrheit für ein Abtreibungsverbot zeigen, werden sich wohl noch weiter drehen.

Eben, es geht um Meinungsmache der rechten Christen, denen auch derartig unsinnige, vermeintlich investigative Lügen nicht zu schade sind, um ihre Haltung dem Rest der Nation aufzudrängen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Debatte, so sie Österreich denn je erreichen sollte, von klügeren Köpfen als Unterberger dominiert wird – zumal er dankenswerterweise am Ende mit dem Verweis auf die künftige muslimische Mehrheit immerhin zugibt, dass er nicht der Klassenbeste in Sachen Nachdenken ist.

„wüstenvater“ übrigens merkt in der Kommentarspalte von kath.net an:

Herr Unterberger ist mit seinem Blog ein wahres Juwel
in der österreichischen Journalistenszene. Seine Analysen sind messerscharf und gut recherchiert. Solche Leute bräuchte man in der Politik…

Und „Apfelkuchen“ weiß genau:

„Planned Parenthood“ mit 360 Millionen Dollar aus amerikanischen Steuermitteln finanziert.
Nicht nur Deutschland schafft sich selber ab.

Aber wahrscheinlich sind die straffrei erlaubten Abtreibungsverbrechen in der BRD nur ein Stein in der großen Strategie der politischen Klasse des „Ausdünnens und Einhegens“ (Der Grüne Fischer hat hier dankenswerter Weise ganz offen die Hosen heruntergelassen)Ein weiter Stein in der gezielten Abschaffung dürfte die fortschreitende Islamisierung sein, die sie uns allen aufs Auge drücken.


2 Antworten auf „Du sollst keinen Unfug erzählen wider deinen Nächsten“


  1. 1 Barkai 09. Februar 2011 um 23:33 Uhr

    da hast du aber mal wieder ein richtiges Juwel auf Kath.net ausgegraben!

    Aber merke: Pro-choice Organisation ruft SOFORT die Behörden an, um den Vorfall zu melden, ohne interne Untersuchung und die Verantwortliche wird auch nicht einfach sonstwohin versetzt.

    Pro-Life Organisation, röm-kath. Kirche, missbraucht und misshandelt Schutzbefohlene noch selber, kein Vorgestzter meldet das den staatl. Behörden, interne „Ermittlungen“ laufen an, der Kriminelle wird nur intern verstzt, und kann sich an anderen Opfern vergreifen. Oder aber wird in den Vatikan verstzt, wo der Täter selbst vor Interpol sicher ist. (nach Angaben in der Doku „Sex crimes & the vatican“ halten sich im Vatikan 6 Personen auf, gegen die in den/durch die USA ein Haftbefehl wg. Sexualstraftaten vorliegt. (die mutmaßlichen Täter, die vor anderen Nationen geflohen sind, nciht miteingerechnet.))
    Aber schön, dass Planned Parenthood in den Augen der Kathos eine „Ideologie“ aus Versehen zerstört haben soll….

    Könnten die Kathos nicht einmal vor der eigenen Tür kehren, bevor sie ihren Unrat auf andere werfen?

  1. 1 Nächstenliebe. « Episodenfisch Pingback am 04. Juli 2011 um 21:45 Uhr

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