Archiv für Dezember 2010

Vieles neu macht der Januar

Ich liege von der Grippe geschwächt in den Seilen bzw. im Bett, was die momentane Leere ein wenig erklärt – da ich zu weniger als sonst zu gebrauchen bin. Das hält mich aber nicht davon ab, großartige Neuerungen usw. für das neue Jahr anzukündigen. Also: Großartige Neuerungen, hier, 2011.

Ich denke da (u.a.*) an einen etwas besseren Überblick über die Verfehlungen von kath.net, ein endgültiges Best of der Kommentare und, nach bildblog-Vorbild, ein kath.net-Wörterbuch.
Was davon ich wann umsetzen kann, wird abzuwarten sein, ich werde aber mein Bestes geben.

Bis dahin allen Leidensgenossen Gute Besserung und nen guten Rutsch.

*: Man soll den Leser ja da abholen, wo er steht, daher: Anregungen nehme ich gerne an und ich werde versuchen, sie umzusetzen. Entweder als Kommentar oder per Mail kontaktieren: episodenfisch@googlemail.com

Herodes, again

Offenbar inspiriert von Theo Lehmanns schrägen Vergleich vom biblischen Kindermord und Abtreibung, legte der Kölner Kardinal Meisner in seiner Weihnachtspredigt, wie kath.net schreibt, nach:

Wer PID akzeptiere, sei auch bereit, „assistierte Selbsttötung“ durch Ärzte zu akzeptieren. Auch Herodes habe damals „eine Selektion vorgenommen“, nach Alter, Geschlecht und Ort. „Gewiss, es ist politisch unkorrekt, diesen Vergleich zu ziehen, weil die Befürworter von PID um ihre Entscheidung gerungen haben. Aber bei allem Ringen: Diese Entscheidung ist falsch! Sie tötet genetische Identitäten, sie tötet die Einzigartigkeit dieser Identitäten, sie tötet Personen, Menschen, sie tötet Abbilder Gottes, sie vergreift sich an Gott selbst.“

Es ist nicht politisch unkorrekt, PID mit Herodes zu vergleichen. Es ist schlicht völliger Unsinn. Es gab aller Wahrscheinlichkeit nach keinen von Herodes angeordneten Kindermord. Zudem bleibt fraglich, ob das Ausschließen schwerer Krankheiten mit dem Wunsch nach Sicherung der Herrschaft wirklich vergleichbar ist; ob Abtreibung oder „Selektion“ von Embryonen dem Töten geborener Kinder ähnelt – nunja.

Dass sich kath.net-Leser für derartige Feinheiten nicht interessieren, liegt auf der Hand – und so ist es doch verwunderlich, dass bisher erst zwei Kommentare getätigt wurden. Dafür ist jener von „H.Kraft“ in Auszügen durchaus unterhaltsam:

[…]
Christ sein, bedeutet den anderen Menschen voll und ganz anzunehmen. Ein Mittragen heißt, den Anderen aus seiner Anonymität herauszuholen. Wir brauchen sind zu sehr immer die sogenannte Dritte Welt in unseren Argumenten zu nennen. Wir sind hier in Europa und vor allem in Deutschland in der Vierten Welt. Überwinden wir endlich einmal unsere Ich-Sucht und den eigenen Egoismus.
Wir brauchen hier keinen Islam, sondern mehr Mitmenschlichkeit in allen Bereichen.[…]

Weihnachten und so

So, hier ist dann erstmal Pause bis ca. nächsten Montag. Gründe: Weihnachten, Familie, Freunde – kath.net dürfte auch erst einmal Schluss mit Poltern machen.

Allen christlichen Lesern dieses Blogs wünsche ich frohe Weihnachten, allen Anderen selbstverständlich auch. Oder eben eine schicke Zeit mit anderer Beschäftigung.


Erdmöbel – Weihnachten Ist mir doch egal – MyVideo

Advent, Advent. ii

Der Advent – Zeit zum Nachdenken, für die Familie, für den Kommerz. Um die Aktualität der biblischen Geschichte hervorzuheben, reden Pastoren und Pfarrer in der jeweiligen Weihnachtspredigt in der Regel von der Liebe, die Jesus auf die Erde gebracht habe. Davon, wie heute wohl mit Maria und Joseph auf der Suche nach Unterkunft umgegangen würde. Oder es wird davon gesprochen, dass Frieden auf Erden eine herrliche Sache wäre.

Herodes wird in der Regel (zumindest in der norddeutschen Provinz, von der ich nur berichten kann) aus den Weihnachtsandachten ausgespart, und das hat ein paar gute Gründe. Der um 4 v.C. verstorbene König von u.a. Judää und Galiläa wird mit dem Kindermord in Bethlehem in Verbindung gebracht. Laut Matthäusevangelikum sorgte sich Herodes um seine Herrschaft, da ihm von der Geburt Jesu berichtet wurde. Und ließ alle Kinder in der Umgebung, die jünger als 2 Jahre waren, töten.
Soweit der biblische Hintergrund, kath.net baut darauf einen etwas schrägen Vergleich auf:

Herodes war ein Waisenknabe gegen das, was heute läuft. Weltweit 40 Millionen getötete Kinder pro Jahr. Bei uns töten nicht Soldaten, sondern Ärzte. Nicht im Auftrag von Herodes, sondern der Mütter bzw. der Frauen, die, um nicht Mutter werden zu müssen, lieber zu Mördern werden. Bei uns weinen die Mütter nicht wie in Bethlehem. Sie lassen sich stolz in der Zeitung ablichten: „Ich habe abgetrieben.“

Dazu ließe sich allzu viel einwenden – belassen wir es bei drei Hinweisen:
Erstens ist es Unfug, wenig taktvoll und durchaus beleidigend, abtreibende Frauen zu Mördern zu stilisieren, die auf die Abtreibung stolz wären und dem ungeborenen Kind nicht hinterher trauern würden. Das ist grob verallgemeinernd und blendet die großen Gewissensnöte des ganz überwiegenden Teils der beteiligten Frauen aus.
Zweitens darf man bezweifeln, ob der Mord an geborenen Kindern mit Abtreibung vergleichbar ist. Fakt ist, dass Föten bis in den 6. Monat keine Schmerzen spüren können – in Deutschland ist eine Abtreibung sowieso bis auf Ausnahmen nur bis zum 3. Monat der Schwangerschaft erlaubt.
Drittens bleibt fraglich, ob es den von Herodes angestoßenen Kindermord überhaupt jemals gab. Außerhalb der Bibel gibt es keine Quellen, wie selbst der ziemlich talentierte Historiker Michael Hesemann in einer Verteidigungsschrift der Weihnachtsgeschichte aktuell einräumen muss.

„Navelius“ legt daraufhin in der Kommentarspalte eine Definition des Lebens und eine Kritik der Abtreibung vor – und macht damit alle Philosophen und Ethik-Komissionen übeflüssig:

Zur Abtreibung
Abtreibung, die bewußte Tötung eines unschuldigen wehrlosen ungeborenen Menschen ist ein verabscheuungswürdiges Verbrechen, hat JP II gesagt. Mit Recht bestraft die Kirche die Tat der Abtreibung mit der Exkommunikation ipso facto.

Abtreibung ist an und für sich eine himmelsschreiende Sünde.

Da der Mensch sich im Mutterschosse nicht zum Menschen, sondern als Mensch entwickelt, darf nicht über ihn nach irgendwelchen „Indikationen“ verfügt werden.

Wenn man folglich die Stimme des Gewissens übertönt und per Willensakt beschließt, einen Menschen zu töten, gerade einen ungeborenen wehrlosen schutzbedürftigen Menschen, so ist dies ein feiger Mord.

Die Abtreibung ist mit dem Naturrecht nicht vereinbar, schon gar nicht mit dem göttlich-positiven Recht! Da mögen die Völker in Verblendung an Definitionen hinschreiben, was sie wollen.

Ja, Abtreibung ist Mord.

Die lieben Zahlen iv

Es hat alles sein Gutes. Missbrauchsfälle können mit dem Verweis auf eine vermeintlich verschwindende Minderheit von geistlichen Tätern klein geredet werden. Die „Mainstreammedien“ schreiben Unfug, aber man hat ja den Thilo. Es treten zwar ziemlich viele Menschen aus der katholischen Kirche aus, aber hey: Das geht den Anderen ja ähnlich.
Letzteres zumindest scheint Hubert Gindert in einem Gastkommentar auf kath.net zu denken:

Kirchenaustritte auch wieder Munition gegen die Kirche, gegen die katholische Kirche, versteht sich. […]
Besonders stark betroffen ist das Bistums Augsburg“. Genannt werden für Augsburg 11.351 Kirchenaustritte gegenüber 6.953 dem Vorjahr. Das ist eine Steigerung um 62%. […]
Der AZ-Artikel bringt u.a. auch die Zahlen der Nachbarsdiözese Rottenburg-Stuttgart, wo ein als liberal bekannter Bischof residiert. Dort sind von Januar bis Mitte November diesen Jahres 17.169 Kirchenaustritte gegenüber 10.619 (2009) vermerkt. Die absoluten Zahlen sind also erheblich höher als in Augsburg und die Zunahme von 2009 auf 2010 beträgt 62%!
Die AZ setzt mit ihrem Artikel ihre bekannte Kirchenpolitik fort, Bischof Mixa für nahezu alles verantwortlich zu machen. Information wird zur Desinformation.

Moment, moment: Natürlich sind 17.169 Kirchenaustritte im Bistum Rottenburg-Stuttgart knapp 6.000 mehr als die 11.351 im Bistum Augsburg. Allerdings ist der Vergleich völliger Unsinn, wenn man die Zahlen der Katholiken in den jeweiligen Bistümern vergleicht: Augsburg bringt es auf, Stand 2008, knapp 1.400.000 Menschen katholischen Glaubens. Im Bistum Rottenburg-Stuttgart leben zum gleichen Zeitpunkt fast 2 Millionen Katholiken – 1.955.000.
Und insofern sind die 6.000 Menschen mehr, die im Bistum Rottenburg-Stuttgart austraten, nicht besonders verwunderlich.
Nicht zuletzt gab es übrigens auch eben dort diverse in diesem Jahr bekannt gewordene Missbrauchsfälle.

Eigentlich müssten die Kirchenaustritte auf die Mitglieder einer Religionsgemeinschaft bezogen werden. Und da steht die Kirche im Verhältnis zu Parteien oder Gewerkschaften sehr gut da.

Im Unterschied zu Parteien oder Gewerkschaften können sich die meisten Mitglieder der Kirchen nicht dagegen wehren, einzutreten – zumindest erscheint es recht fraglich, dass sich die Kinder freiwillig für die Taufe als Säugling entscheiden können.