kath.net – nein, danke!

Es ist ja nicht so, als könnte man von kath.net erwarten, dass sich die Redakteure auch mit anderen Weltanschauungen beschäftigen – schon die eigene Religion wirkt auf neutrale Beobachter unübersichtlich genug.
Man darf aber zumindest davon ausgehen, dass nicht gezielte Falschinformationen verbreitet werden, die werden schließlich auch, sobald sie das Portal oder einen ihrer Autoren betreffen, von kath.net selbst stets mit großer Vehemez dementiert.

Aber es sind ja nur Atheisten. Und denen kann man einiges unterstellen – so wie es Walter Brandmüller, soeben zum Kardinal erhoben, in seinem Buch tut. Selbstverständlich wird das Buch unter dem dazugehörigen Artikel von kath.net feilgeboten: „Atheimus – nein, danke!“ lautet die Überschrift, und man wird vom Inhalt nicht enttäuscht. Denn das Buch „Vernünftig glauben. Ein Gespräch über Atheismus“ wird mit vielen Zeilen gewürdigt, nicht alle bestechen durch kluge Analysen.

Dass jeder Atheismus gegen die Vernunft ist, beweist nicht allein das Ringen des abendländischen Denkens mit Gott. Angefangen bei den ersten griechischen Philosophen ist ein Prozess der Emanzipation von den Göttern festzustellen, um zu einem göttlichen Prinzip, zu dem Gott oder zu Gott vorzudringen. Die Vernunft tötet die Götter, um in sich den Gott als ihre Sinngestalt zu suchen.

Das ist mindestens mindestens insofern fragwürdig, als dass der Versuch, allen Atheisten vorzuwerfen, keine Vernunft zu besitzen, lächerlich ist. Und ziemlich falsch wird es dadurch, dass einmal mehr behauptet wird, Atheisten suchten „in sich den Gott als ihre Sinngestalt“ – Atheismus meint Ablehnung des Glaubens an Gott, nicht mehr. Aber darauf kommt der Text später noch zu sprechen.
Zuvor jedoch wird ein wenig ausgeteilt – Richard Dawkins wird kurzerhand zum „Vulgärspekulanten“ ernannt.

Und auch, wenn über das Buch nicht einmal über die Verlagsseite etwas herauszubekommen ist – nehmen wir im Folgenden an, dass es sich beim erwähnten Richard Wagner um jenen Richard Wagner handelt, der für Broders obskure ‚Achse des Guten‘ schreibt. Liebenswürdigerweise mit der Seitenangabe „(S. 14)“ lässt kath.net ihn zu Wort kommen:

Richard Wagner schreibt im seinem Vorwort unter dem Titel „Die Partei der Atheisten“: „Der Atheist ist im Grunde nichts weiter als der Bankrotteur, der sich zum Insolvenzverwalter erklärt hat und nun die Milchmädchenrechnung umschreibt. Er ist in Sorge, und doch voller Zuversicht, und damit verbraucht er seine ganze Glaubensfähigkeit. Atheismus ist mehr als ein Glaube, und damit auch weniger, es ist eine Ideologie.“ So betrachtet seien die Atheisten eine Partei, „die sich vor allem gegen das Christentum wendet, und zwar ausdrücklich gegen den Katholizismus. Der Atheismus ist ein Phänomen der westlichen Welt. Sein Hauptfeind ist der Vatikan. Es ist sein Feindbild. Als gelte es die von ihm angeblich verteidigte säkulare Gesellschaft gegen den Vatikan zu behaupten“

Und das ist sowas von falsch, dass es fast schon wieder richtig ist. Atheismus ist weder „mehr als ein Glaube“, noch eine „Ideologie“, lieber Herr Wagner. Atheismus ist die Ablehnung aller Götter. Andererseits haben viele Atheisten das (berechtigte) Anliegen einer Säkularisierung. Und ob der Vatikan nun der Hauptfeind ist – eher im Gegenteil. Zumindest solange von dort weiterhin mittelalterliche Meinungen in die Welt geschickt werden, ist der Vatikan kein Feind, sondern eher eine Hilfe für Atheisten, denn solange schwindet die kirchliche Macht.

Das Buch indes scheint weitere Perlen der Weisheit zu enthalten, kath.net fährt nämlich fort:

Vom Kardinal an der Hand geführt entdeckt der Leser, dass der Christ und Katholik vor dieser „Partei“ keine Angst zu gaben braucht. Zusammen mit Langner zeigt Brandmüller, dass der Katholik mit seiner weiten Vernunft in der Lage ist, Gott und Welt als ein Mosaik zu fassen, innerhalb dessen sich die Leugner Gottes selbst in ihrer Unvernunft als blasse, wenn auch oft spitze Steinchen erweisen.

Genau, Katholiken sind Atheisten in jeder Hinsicht weit überlegen und Atheisten nichts anderes als „blase, wenn auch oft spitze Steinchen“, die den klugen und großmütigen Katholiken im Weg liegen. Das hat beinahe etwas von Volksverhetzung.


2 Antworten auf „kath.net – nein, danke!“


  1. 1 Nome 22. November 2010 um 16:06 Uhr

    Will mal n Kompliment da lassen, ist ja wumpe, obs veröffentlicht wird.

    Danke für den (und die tolleN) toll geschrieben Text(e), mir als Christ (in keiner Kirche Zuhaus“) spricht er im Grunde – jeder eurer Texte vielmehr – aus der „Seele“^^

    Weiter so!

  2. 2 Administrator 22. November 2010 um 20:55 Uhr

    Danke für die netten Worte – aber wieso sollte ich sie nicht veröffentlichen? Ich freue ich immer über Kommentare, besonders natürlich über wütende kath.net-Leser. Aber zur Not nehme ich auch Lob an. ;)

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