PID und die Nazis

Man kennt das: Es gibt nur Gut und Böse, Schwarz und Weiß, Katholiken oder Abschaum. Da ist es kein Wunder, dass sich kath.net ziemlich sicher ist, wie man die Präimplantationsdiagnostik (PID) zu bewerten hat: negativ.
Wikipedia weiß über PID zu berichten:

Unter dem Begriff Präimplantationsdiagnostik (PID) werden zytologische und molekulargenetische Untersuchungen zusammengefasst, die dazu dienen, bei einem durch in-vitro-Fertilisation erzeugten Embryo bestimmte Erbkrankheiten und Besonderheiten der Chromosomen vor der Implantation zu erkennen, also bevor der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wird. Zweck der Diagnose ist, eine Hilfe für die Entscheidung zu geben, ob der Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll oder nicht.
[…]
Durch die PID solle ausgewählt werden, welcher Embryo in die Gebärmutter verpflanzt und somit eine Chance zum Überleben bekomme. Die Kriterien für eine derartige Auswahl, die in der Evolutionsbiologie als „künstliche Selektion“ bezeichnet wird, seien nicht kontrollierbar. Einige argumentieren, Menschen dürften diese Entscheidung gar nicht treffen; andere halten eine Entscheidung gegen das Einpflanzen von Embryonen mit letalen Gendefekten oder sehr schwerwiegenden Gendefekten zwar für ethisch vertretbar, befürchten aber, dass selbst eine auf Einzelfälle beschränkte Erlaubnis der PID mittelfristig zugunsten einer liberaleren Rechtsprechung abgelöst werden könne. Es wird befürchtet, dass die PID dann zu einer gängigen Methode werde, um subjektiv „optimalen“ Nachwuchs zu bekommen. Es gebe aber kein Recht auf ein ‚gesundes‘ Kind.
[…]
Während die Embryonen im Rahmen der Präimplantationsdiagnostik einen besonderen Schutz erführen, seien sie in der späteren Schwangerschaft nicht mehr geschützt. Werde später eine Behinderung festgestellt, sei eine Abtreibung legal. Weil die Belastung für die Schwangere dann aber wesentlich größer sei, werde durch das Verbot der PID unnötiges Leiden erlaubt.

Weil kath.net aber eben auf einfachere Antworten steht und – wenn missliebige Meinungen im Umlauf sind – gerne polarisiert, zitiert man heute den Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen: „Früher nannte man so etwas auf Nazideutsch ‚Selektion‘“ schleudert der dem Leser entgegen und fährt in wohlgeformten Wörtern fort:

Algermissen übte Kritik daran, dass die grundsätzliche Frage über den Status des Embryos auf dem Parteitag gar nicht erst diskutiert worden sei. „Ist es nur ein Zellhaufen oder ein Mensch im Werden? Ist es Material, das man untersuchen kann, um ein gesundes Kind zu produzieren? Oder besitzt dieser Embryo die personale Würde jenseits der Frage, ob er behindert ist – womit er auch nicht zur Disposition steht.“ Wenn diese Frage nach unserem Werteverständnis nicht mehr diskutiert werde, „dann gräbt sich eine Partei mit dem ‚C‘ im Namen selbst das Wasser ab“.

So wenig weitsichtig die Formulierung des Bischofs, so vorhersehbar die Kommentare der User. Algermissen wird zu einem neuen Sarrazin, denn er traut sich etwas zu sagen,
- über das „einige heulen werden“ („Gandalf“ aka Roland Noé)
- das („Nazi-Vergleiche“) „in Deutschland absolut verpönt“ ist („Bonifaz2010″)
- das „die liberalen, politisch Korrekten wieder empört aufheulen“ lässt („Thomas71″)
- das die „political correctess“ („Philipp Neri“ bzw. „Tropau“) verletzt.
Und was schlicht dumm ist. Oder, wie „Benedetta“ sagt:

UIUIUI
HUT AB und DANKE, Bischof Algermissen!
Aber ansich müsste er wissen, da- JEDWEDER Nazivergleich in Deutschland SOFORT die absolute ACHTUNG nach sich ieht. Ich mein, daß wir überhaupt noch FÜHRERSCHEIN sagen dürfen….offziell heisst das ja „Fahrerlaubnis“… *Kopf an die Wand hau*


1 Antwort auf „PID und die Nazis“


  1. 1 Einer weiß mehr « Episodenfisch Pingback am 30. November 2010 um 0:19 Uhr

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