Archiv für Oktober 2010

Lieber tot als grün

Kath.net kann auf eine längere Historie von Intimfeinden zurückblicken: Auf die „Zeitgeist-Medien“ (Süddeutsche, Spiegel, Titanic, Rheinischer Merkur) etwa, auf Barack Obama, die Homosexuellen, die Moslems – und auf die Grünen. Die sind nämlich besonders suspekt, fielen sie doch bisher nicht mit überzogener Islamophobie auf [im Gegenteil: Einer von ‚ihnen‘ ist immerhin Parteivorsitzender in Deutschland], sind nicht über alle Maßen konservativ, riechen nach Gras und sind die schlimmeren Kinderschänder. Soweit die beliebtesten Vorurteile von rechtskatholischer Seite.

Und da die Grünen moralisch auf der etwas besseren Seite stehen, sieht man sich offenbar auch gar nicht im Stande, inhaltlich zu kritisieren – man provoziert lieber. Genau dies suche ich nun anhand zweier Beispiele zu illustrieren.

Am 21. Oktober nämlich meldete man, dass die bayrischen Grünen doch tatsächlich so weit gehen wollen, den Islam mit dem Christentum rechtlich gleichstellen zu wollen. Als Bebilderung respektive Eye-Catcher hätte man nun beispielsweise das Konterfei Cem Özdemirs nehmen können. Oder, ein wenig subtiler, eine verschleierte Frau. Aber man blieb standhaft und nahm das Naheliegendste: eine Figur aus dem Disney-Animationsfilm „Toy Story“, bezeichnenderweise ein Alien mit 3 Augen.

Weil dieser Scherz Noé und den anderen Redakteuren augenscheinlich so gut gefallen hat, machte man es heute ähnlich. Über die Meldung, dass eine katholische Funktionärin in Österreich Landesgeschäftsführerin der burgenländischen Grünen wurde [was eigentümlicherweise mit dem Kommentar eines australischen Politikers (Grüne = „süß getarntes Gift“) garniert wird] packte man – einen grünen Vogel, vorzugsweise tropischen Ursprungs.

Welche Bebilderungen demnächst folgen, bleibt ungewiss. Dennoch einige Vorschläge.

Für bspw. „Özdemir: Audienz beim Papst“.

Wende zum Gutmenschentum: Wird Gabriele Kuby grün?“

Oder auch schick: „Grüne für ‚Homo‘-Ehe“

Fundstück: Outsourcing

Werbe-Banner auf kath.net

Sinnvolles Nachkarten

Ziemlich unmotiviert prangt dem Leser heute Morgen eine echte Knallermeldung entgegen: „Immer mehr Beschwerden an Deutschen Presserat“ heißt es auf kath.net, erläuternd wird in der Einleitung dann von „fast 200 Eingaben“ gegen das bekannte April-Titelbild des Satiremagazins Titanic gesprochen. Im eigentlichen Text wird das dann präzisiert:

Beim Deutschen Presserat gehen immer mehr Beschwerden ein. Allein bis Oktober registrierte das Organ zur Freiwilligen Selbstkontrolle der Presse rund 1.500 Eingaben, so dass am Jahresende mit etwa 1.600 Beschwerden gerechnet wird. Das wären 26 Prozent mehr als im Vorjahr, als 1.269 Beschwerden eingingen. 245 betrafen die Berichterstattung über das Loveparade-Unglück im Juli in Duisburg, insbesondere die Abbildung von Toten. 198 richteten sich gegen ein Titelbild der Satire-Zeitschrift Titanic.

Das ist gut zu wissen – aber nicht im Mindesten als Anstieg zu bezeichnen: Schon Ende Mai, als die Entscheidung des Presserats feststand, nicht gegen die Titanic vorzugehenm wusste kath.net zu berichten:

198 Leser hatten sich über diese Karikatur beim Presserat beschwert und vor allem einen Verstoß gegen die Ziffer 10 des Kodex angeführt. Darin heißt es: „Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.“

Süßes oder kath.net

Welches Fest wird in diesen Tagen mit allerlei Liebe zum Detail, Brimborium und wenig wohlschmeckendem Gemüse begangen?
Völlig korrekt: Allerheiligen. Da die Mehrheit aber eher Halloween feiert, ist schon seit einigen Jahren ein wenig unterhaltsamer Streit zwischen fundamentalistischen Christen und großen Teilen der sog. „Spaßgesellschaft“ im Gange.

Besagter Zwist also dreht sich darum, dass ein eher weltliches Fest einerseits (für die protestantische Seite) den Reformationstag (31. Oktober) zu verdrängen scheint, andererseits fürchten die Katholiken, dass durch Halloween Allerheiligen (1. November) und Allerseelen (2. November) aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden. Und satanistisch sind die ganzen Geister und Gespenster ja sowieso auch noch.

Wenig überraschend, dass dieses Duell des Wahnsinns um eine qualifizierte Meinung ergänzt wurde: Philipp Mißfelder, Chef der Jungen Union, meldet sich, wie kath.net aufgeregt notiert, zu Wort:

Philipp Mißfelder, der Chef der Jungen Union sieht im Feiern von Halloween einen Angriff auf christliche Werte und Traditionen. In einem Beitrag für die „Bild am Sonntag“ schreibt er wörtlich: ‚Wir sind in der Pflicht, christliche Traditionen gegen den Zeitgeist zu verteidigen, mag er noch so locker daherkommen. Wollen wir unsere Kinder lieber mit Monstermasken zum Bonbonbetteln auf die Straße schicken, anstatt ihnen das religiöse Fundament unserer Gesellschaft näherzubringen?'‘. Für Mißfelder ist die Antwort auf diese Frage ein klares „Nein“. Für den Junge-Union-Chef verdrägt der von Kürbissen geprägte Karnevalsersatz die Zeit der Besinnung um den Reformationstag und Allerheiligen.

Auch die kath.net-Leser ergehen sich in Kulturgeschichte. Und liegen, wieder einmal, gnadenlos falsch.
„wüstenvater“ etwa unterstellt, in bester kulturchauvinistischer Art und Weise, den vorchristlichen Kelten, dass sie schon vom einzig wahren Glauben wussten. Zudem versucht er sich darin, die Ursprünge Halloweens offen zu legen – keine leichte Sache, herrscht darüber in der Forschung doch ziemliche Uneinigkeit. „wüstenvater“ also schreibt:

„Samhain“ gegen die kommerzielle Verulkung verteidigen
„Halloween“ ist eine moderne Verulkung des vorchristlichen, keltischen Samhain-Festes. Unsere Vorfahren hatten, vielleicht aufgrund einer Uroffenbarung, bereits eine Ahnung von einem „Jenseits“ und der Unsterblichkeit der Seele. Das Samhain-Fest war gedacht als ehrfurchtsvolle Kontaktnahme mit den Seelen der Verstorbenen. Das Christentum führte dieses Fest dann im Lichte der Heiligen Schrift seinem tiefsten Sinn zu und machte daraus Allerheiligen und Allerseelen. Man muss nicht nur eine „christliche Tradition“ gegen irgendetwas verteidigen, sondern auch den religiösen Ernst unserer, wenngleich noch heidnischen, so doch schon auf dem Weg zur Wahrheit befindlichen Vorfahren gegen eine völlig unreligiöse, kommerzielle Verulkung!

„Waldi“, schon mehrfach durch pointierte Wortmeldungen aufgefallen, findet:

Gut gegeben!
Auch wenn ich mit Herrn Mißfelder nicht immer einer Meinung bin, so muss ich ihm doch für diesen Beitrag meinen tiefsten Respekt zollen. Endliche einer, der im grölenden Kriegsgeschrei atheistischer Horden gegen den Papst, die katholische Kirche und das Christentum allgemein, seine Stimme tapfer zu dessen Verteidigung erhebt. Wieder ein kleiner Funken von Hoffnung. Schade nur, dass es kaum noch Priester gibt, die auf diese schleichende Gefahr mutig hinweisen!

„Anna Katherina“ hingegen ist offenbar böse bis ins Mark:

An der Haustür schreien sie: „Süßes oder Saures!!!“
So wird frühzeitig der Erpressernachwuchs geschult.
Kein Wunder:
Kürbisköpfe sind bekanntlich hohl.
Wenn es bei mir klingelt, halte ich ein paar Zitronen bereit, eben Saures. Wunschgemäß.

Kann nicht einmal jemand an die armen Kinder denken? Schrecklich!
„Waeltwait“ ist wütend. Es fehlt nur der klassische „Armes Deutschland!“-Ausruf als Schlussakkord:

Ein großer Teil des deutsche Volkes
ist gefährlich, weil sie Schleimlecker und dann Totschäger sind. Und die, die nicht zu jenen Gruppen gehören, die, die selbst ein wenig nachdenken, die, die eine selbst gebildetet Meinung haben, ja die können das Verhalten ihrer Landsleute nicht fassen.
Sprachen Christen zu ihren Kindern vom Nikolaus mussten die sich einen Weihnachtsmann oder ein Väterchen Frost ausdenken. Allerheiigen ist für einen Teil des Volkes nur schwer zu ertragen. Jetzt haben diese Art Menschen ja auc was zu feiern. Jeder macht sich so gut zum Deppen wie er es kann. Da ist man modern und kommt sich ganz großartig vor. Na Bravo

„Tina 13″ hat Recht: Seit wann sollte man in der Zeit zurückgehen? Die keltischen Bräuche sind schließlich ca. ähnlich alt wie biblische Stories – und für eins von beiden sollte man sich dann ja doch entscheiden:

Philipp Mißfelder, der Chef der Jungen Union, mutig, mutig!
„Christliche Traditionen gegen den Zeitgeist verteidigen!“

Da sollte sich jeder Christ angesprochen fühlen.

Halloween ist modernes Heidentum!

Seit wann gehen wir in der Zeit zurück? Nur weil „dies“ über den großen Teich geschwappt ist muss dies nicht gut sein!

Gelobt sei der Herr, denn ER hat wunderbar Seine Liebe und Güte uns erwiesen!

Angemerkt sei noch, dass kath.net zu diesem Thema einen weiteren Artikel ins Rennen schickt. In diesem warnt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick vor einer „oberflächlichen Spaßkultur“. Die Kommentare darunter strotzen in der Gesamtheit erneut vor diesem und jenen, eine positive Ausnahme gelingt allerdings „Thomas49″, der ‚Nachgedacht‘ hat:

Nachgedacht
Eine religiöse Bedeutung der hiesigen Halloween Veranstaltungen existiert doch für niemanden, auch nicht für diejenigen die daran teilnehmen!
Darüber muss man sich wirklich nicht aufregen. Da gibt es Schlimmeres…

Eben.

Noé wieder Krieg 2

Es gibt zwei goldene Regeln: Stets zu seinen Witzen stehen, aber keinen zweimal machen. Kath.net beherzigt immerhin einen der beiden Grundsätze: Man wiederholt das wenig grandiose Wortspiel „Hom-O-bama“, modifiziert es lediglich um die Ziffer 2. Denn es soll kein Zweifel entstehen: Obama ist immer noch böse.
Um das zu beweisen, suchte sich kath.net eine AP-Meldung heraus, in der Schockierendes offenbar wird:

Less than halfway through his first term, President Barack Obama has appointed more openly gay officials than any other president in history.

Mehr Homosexuelle als jeder President zuvor also – bloß: wohin genau hat Obama sie berufen? Die AP-Meldung gibt darüber wenig Aufschluss, spricht bloß von „from agency heads and commission members to policy officials and senior staffers“ . Kath.net berichtet gewohnt selbstbewusst hingegen:

AP meldet: Obama hat in 2 Jahren seiner Präsidentschaft mit 150 Personen mehr Homosexuelle in das Weiße Haus befördert als je ein Präsident zuvor.

Das macht – selbst wenn wir annehmen, dass alle diese Menschen, die Obama berief, auch im Weißen Haus arbeiten – bei den im Internet herumgeisternden geschätzten Mitarbeiterzahlen im Weißen Haus von ~1.700 einen Anteil von etwas über 8 Prozent offen Homosexuellen, mit „versteckten“ möglicherweise etwa 12%. Fraglich, ob unter Bush deutlich weniger Homosexuelle arbeiteten – sie durften es lediglich weniger offen zeigen. Und: In einer (vermeintlich) liberaleren Regierung dürften sich Homosexuelle sowieso wohler fühlen.

Interessant aber auch:

Liberty Counsel, eine christliche Rechtsberatungsfirma in den USA, die sich auf die Verteidigung von christlichen Werten (Pro-Life, Pro-Family) in den USA spezialisiert hat, hat bereits im Januar dieses Jahres in einer Studie aufgezeigt, dass Obama die ideologisch radikalsten Ernennungen vorgenommen hat, die je ein US-Präsident durchgeführt hatte.

Lustig, ‚Liberty Counsel‘ von „ideologisch radikalsten Ernennungen“ schwadronieren zu hören – erreichte doch besagte ‚Rechtsberatungsfirma‘ zweifelhafte Bekanntheit mit der doch relativ ideologisch radikalen Warnung vor Harry Potter.
Danach wird Gabriely ‚Gaby‘ Kuby das Wort erteilt, die aber erstaunlich faktenorientiert stammelt:

Damit macht sich Obama vor aller Welt zum Homo-Aktivisten Nummer eins.

Und so bellen dann auch die User. „Navelius“ beschränkt sich auf ein Stoßgebet:

Gebet
O Gott kürz´die Tage bitte ab, Herr und Gott, kürz die Tage der Finsternis und des Wahns ab. Amen.

„Noemi“ ist wie immer ein wenig direkter. Und objektiver.

daß Obama
ein gnadenloser Opportunist und Relativist ist und ungehemmt auf jeder Zeitsgeistwelle schwimmt, um sich Wählerstimmen möglichst aus jeder Minderheit zu sichern , zu deren Retter und Rächer er sich stilisiert , ist ja nicht neu . Dem Gebet von Navelius kann man sich nur anschließen.Mögen die Tage der Finsternis enden, bevor Obama die Kultur des Todes auf jeder Ebene ( von PID zu Spätabtreibung) durchgesetzt hat.

Mit „Deutzia“ hingegen erfrischt ein neuer Name den geneigten Kommentarspaltenleser. Und enttäuscht keineswegs:

Wie gut, daß Satan schon alles verloren hat, er bäumt sich nur noch auf, aber besiegt ist er schon. Deshalb wird auch alles, was von ihm kommt untergehen, nicht bestehen und kommt zum höllischen Ende. Uns fällt es schwer auszuhalten wenn wir von diesen Machenschaften hören, es ist so widerlich. Aber wir setzen uns einfach ein, indem wir gegen die Geister der Unzucht, aller Perversionen des Sexes und allen Ungehorsams gegen Gott beten, mit Glauben beten, fürbittend für viele. Es lohnt sich. Haben nicht die Dämonen Jesus angefleht, er möge sie nicht in die Hölle schicken, sondern in die Schweineherde. Sie wissen, wie es dort ist. Es lohnt sich einzutreten für Menschen, die in diesen Sog kommen. Jeder kann etwas tun gegen die Ausbreitung der Homos und Lesbenmentalität, jeder an seinem Platz, mit seinen Mitteln.

„Mami26″:

Wenn Sie es nicht schon tun…
… bitte fastet und betet im allgemeinen, aber auch im besonderen am naechsten Dienstag. Es sind Wahlen hier – und der Kampf tobt. Der Fuerst der Finsternis zeigt seine haessliche Fratze…..

Noemi, Sie haben natuerlich Recht…. meine Betonung wuerde allerdings auf „gnadenlos“ liegen.
Vergelt’s Gott.

„Anna Maria“ verblüfft durch enorm tiefgreifende Fragen:

Da stellen sich mir folgende Fragen:
Was ist der Sinn dieser Anbiederung Obamas ?

Ist er vielleicht nur mit Hilfe dieser mächtigen Lobby dort hingelangt, wo er jetzt ist ?

Ist Schwulsein in den USA das einzige Kriterium, für einen Posten in der Regierung ?

Warum unternimmt er nicht die gleichen Anstrengungen, um die teilweise immer noch
vorherrschende Diskriminierung seiner farbigen Landsleute voranzutreiben ?

Fragen über Fragen…

Und stellt danach etwas richtig:

Richtigstellung
Mein letzter Beitrag ist etwas unglücklich formuliert. Es sollte natürlich heißen:

Warum unternimmt er nicht die gleichen Anstrengungen, um GEGEN die teilweise immer noch vorherrschende Diskriminierung seiner farbigen Landsleute vorzugehen ?

Sorry !

„FingO“ stimmt ein und erfreut: Kath.net-Leser gegen Rassismus? Wers glaubt.

Was mich mal interessieren würde…
… wie viele Homosexuelle gibt es in Amerika und wie viele Personen arbeiten im Weißen Haus?

Zu gut Deutsch: Mich würde mal ganz weltlich interessieren, wie stark vertreten die Homosexuellen in der Amerikanischen Regierung sind.

Schließlich „Waldi“. Ein Poet, wie es scheint. Aber kein besonders kluger:

Ein Blick in die Zukunft!
Mit Schwulen und mit Lesben -
das weiß doch jedes Kind,
dass wir in 100 Jahren -
nur noch gewesen sind.