Papstbesuch was an inside job

Was wäre ein Papstbesuch in Großbritannien ohne eine Horrormeldung?
Vorgestern Abend war es soweit: Es wurden sechs Menschen, mutmaßlich Algerier, festgenommen, die bei der Straßenreinigung arbeiteten. Sie standen Medienberichten zufolge im Verdacht, ein Attentat auf den Papst geplant zu haben. Bei kath.net las es sich so:

Einer Quelle des „Guardian“ zufolge soll es sich bei den Verdächtigen um Muslime handeln. Nach Angaben der Londoner Polizei sind die Männer zwischen 26 und 50 Jahre alt. Sie würden derzeit verhört. Sie seien um 5.45 Uhr Ortszeit in einem Geschäftsgebäude festgenommen worden. Bislang seien keine Veränderungen in Zeitplan und Reiseroute des Papstes geplant.
Die BBC berichtet am Abend, dass inzwischen ein weiterer Verdächtiger festgenommen wurde. Alle 6 sind Straßenreiniger in London, mindestens 5 sind keine englischen Staatsbürger.

Und plötzlich gilt die bei Missbrauchsfällen so oft geäußerte Unschuldvermutung nicht mehr. Kath.net-User können nämlich gut kombinieren, das demonstriert etwa „St.Gabriel“:

[…]
Zum Attentatsversuch: Man muss nichts mehr erklären, diese „Religion des Friedens“ spricht für sich selbst, die Realität ist der beste Beweis. Der Islam hat mal wieder sein wahres Gesicht gezeigt, nämlich dieses (Muslime in London) […]

Oder „Licht“:

Der Frieden
des Islam wird uns wieder deutlich vor Augen geführt. Ich habe keine Ruhe bis der Heilige Vater wieder sicher zurück in Rom ist. Der Islam ist der Todfeind der Christen, er ist mitten in Europa und uns stehen schwere Jahre bevor. Für unsere Eltern (ich bin 1952 geboren) war ihre Jugend durch Krieg und Hunger die schwerste Zeit. Ich glaube für uns wird mit forschreitender Islamisierung das Alter die schwerste Zeit. Jeden Tag neue Aufregung, Ängste und Sorgen, Politiker die uns belügen und die Zukunft unserer Kinder und Enkel verspielen. Es ist zum Verzweifeln, aber ich vertraue auf Gott, er kann alles wenden, bei ihm ist das Unmögliche möglich.

Oder eben „Waldi“:

Friedlicher Islam???
Da hilft keine Wortakrobatik, um die globale Gefahr, die weltweit vom Islam augeht, schönzureden. Der brutalste Terror, der den ganzen Globus ezittern lässt, kommt nun einmal von Anhängern des Islam.

Dass sich der Verdacht im Folgenden nicht wesentlich erhärtete – keine Pläne oder Waffen wurden gefunden – dürfte die Kommentatoren nicht stören; ihr Weltbild dürfte im Gegenteil durch die offenbar verfrühte Meldung über Terroristen ein bisschen weiter aus der Realität entrückt worden sein. Wie selbst kath.net heute einräumt, indem man den Vatikansprecher Federico Lombardi versichern lässt, dass das Mediantralala überzogen gewesen sei.
„Karolina“ wird es auch nicht kümmern – hauptsache, man hetzt einmal mehr ohne Fundament gegen missliebige Personen:

Das ist ganz schrecklich.
Sehr übel sind einige Kommentare von fanatischen Atheisten, Hedonisten, Homosexuellen und anderen Dekadenten in Internetzeitungen, die bedauern, daß das aufgeflogen ist.


1 Antwort auf „Papstbesuch was an inside job“


  1. 1 red one 19. September 2010 um 15:37 Uhr

    Ich dachte mir genau dies bei kath.net zu finden nachdem dies mit mit den Festnahmen gelesen habe, da stört es dann ebend auch nicht, dass die Männer anscheinend völlig unschuldig sind. Vielleicht hatten sie ja einen Papstwitz gemacht oder so. ;)

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