Archiv für September 2010

Autoritäten

Es ist ja nun wahrlich nicht so, als würden kath.net-Leser keine Autoritäten anerkennen. Die angehörten Menschen sind bloß oftmals solche, deren Meinungen von einem objektiven Standpunkt aus gesehen nicht besonders viel wert sind. Da hätten wir etwa Bischof Andreas Laun, der eigenen Angaben zufolge seit einigen Dekaden keusch im Zölibat lebt, aber Hinweise auf Sexualmoral geben möchte. Oder es handelt sich um den Papst, der qua Position zwar eine gewisse Würde auch in kirchenferne Weiten ausstrahlt, aber nicht so wirklich mit den Mechanismen von Kondomen und AIDS vertraut sein dürfte.

Oder es ist Juan Sandoval Iniguez, ein mexikanischer Erzbischof, der sich sicher ist, dass Abtreibung und „Homo-‘Ehe‘“ der Natur widersprächen. Dabei zeig sich, dass Iniguez nicht nur ein formidabler Biologe zu sein scheint, er kennt sich ganz offenbar auch hervorragend mit den Mechanismen von Demokratie aus:

Kardinal Juan Sandoval Iniguez, Erzbischof von Guadalajara, kritisierte die kürzlich von mexikanischen Parlament verabschiedeten Gesetze, die Abtreibungen erleichtern, gleichgeschlechtliche „Ehen“ ermöglichen und die homosexuellen Paaren die Adoption erlauben. Er bezeichnete sie als „unmoralisch“ und „gefährlich für das Land“. […]
Er bezeichnete die Gesetze als „diktatorisch“ und „der Demokratie widersprechend“. „Wie ist es möglich, dass einige Individuen ein Gesetz beschließen können, das 110 Millionen Mexikaner betrifft, ohne diese oder die Ansicht der Mehrheit zu berücksichtigen“, fragt Kardinal Iniguez. Abschließend fordert er dazu auf, die Gesetze zu bekämpfen. Sie seien einer demokratischen Nation unwürdig. „Ungerechte Gesetze müssen aufgehoben werden“, forderte Kardinal Iniguez.

Und so meint „Carolus“ auch:

Bravo!
Solche Bischöfe würde ich mir auch hierzulande wünschen

„Conde_Barroco“ ist sich, nach kritischen Fragen eines anderen Users, sicher:

Sicherlich kommt Homosexualität auch bei Tieren vor…damit würde man aber der Schöpfung Gottes die Vernunft aberkennen und sie zu Tieren herabwürdigen. Wir sind schließlich nicht nur triebgesteuert

„Tina 13″ hält sich gar nicht erst lange mit Argumenten auf, das würde sowieso schwierig. Sie verwirrt lieber:

Preiset den Herrn!
„Abtreibung und Homo-‘Ehe‘ widersprechen der Natur“

Danke, gut gesprochen!

Liebe Bischöfe, seit alle mutig und stark, bleibt im HERRN im Heiligen Geist, nehmt Zuflucht zur Gottesmutter, denn sie ist euer Schutzschild gegen die Ansteckung der Welt und geht den schmalen Weg! (wobei das eigentlich nicht nur für die Bischöfe sondern für ALLE Christen gilt!)

Der breite Weg „der Moderne“ führt NICHT in den Himmel.

Preiset den Herrn!

Gebet zum Heiligen Geist
Oh Geist wie Sturm und Feuer, und doch wie Tau so mild, o komm in unsere Herzen, vollende Du mein Bild, und schenke Deine Früchte, die sieben Gaben mir, so komm, o Geist der Liebe, ich sehne mich nach dir!

Olé!

Kath.net hinterfragt nicht. Vertritt keine eigene Meinung. Zitiert bloß.
Das könnte man beim Betrachten der Seite zumindest glauben; und genau das ist wohl auch das Kalkül. Die Haltungen, die durch das Rezitieren von Agenturmeldungen oder aus anderen christlichen Medien kolportiert werden, mögen noch so abwegig erscheinen – der distanzierte Konjunktiv wirkt lindernd.
Das darf freilich nicht davon ablenken, dass kath.net durch und durch fragwürdige Meinungen vertritt, die nicht im Geringsten reflektiert werden.

Ein Beispiel dafür liefert ein Artikel über einen katalonischen Abgeordneten, der den Sozialisten vorhält, dass ihnen Tiere wichtiger als Menschen seien – es geht natürlich um Stierkampf und Abtreibung:

Dem sozialistisch dominierten Lokalparlament von Katalonien seien Tiere wichtiger als Menschen, kritisiert ein Abgeordneter der Opposition. Vor dem Hintergrund des unlängst verabschiedeten Gesetzes, das Stierkämpfe verbietet, wies Juan Bertomeu von der konservativen Volkspartei darauf hin, dass alle drei Tage ein Stier bei einem Stierkampf getötet werde, aber 57 Kinder jeden Tag bei Abtreibungen ums Leben kommen. Abtreibung ist in Katalonien legal, was von den regierenden Sozialisten befürwortet wird.

Hätte Bertomeu den dämlichen Vergleich zwischen Tierquälerei und Abtreibung nicht gezogen, wäre seine Meinung wohl kaum auf kath.net gelandet – selbst den verbohrtesten Kommentatoren kann man kaum zutrauen, den barbarischen Mord an Tieren gutzuheißen. Dass das Abtreiben von Wesen ohne Schmerzempfinden und Bewusstsein mit dem Quälen und Töten von sehr wohl schmerzempfindenden anderen Wesen allein zum Zweck des Amusements nicht vergleichbar ist, wen stört es? Kath.net nicht und Bertomeu sicher auch nicht, denn natürlich möchte ein konservativer Politiker aus Katalonien mit solchen Aussagen vor allem eines erreichen: das Stierkampfverbot kippen.
Die katalonische Volkspartei betrachtet Stierkampf übrigens „als Teil dieses spanischen Kulturerbes“.

Da hilft es auch wenig, wenn „friedbert“ schreibt:

Mut zur Wahrheit!
Herr Bertomeu spricht in Wahrheit aus, was viele auszusprechen zu feige sind. Auch in Deutschland wird der Tierschutz gesetzlich höher eingestuft als der Schutz der Ungeborenen. Und große Teile der Amtskirche schweigen und verspielen durch Ungehorsam zu dem Evangelium ihre Glaubwürdigkeit.

Und auch „Pantau“s Ausführungen wirken nicht so, als hätte sich der/die User_in mit dem Thema beschäftigt:

Beleidigt sein
Diese Reaktion kenne ich von Muslimen, Linken und meiner dreijährigen Tochter: Ertappt reagieren sie „beleidigt“, da man sich so Rechtfertigung oder Diskussion ersparen kann. Bei meiner Tochter habe ich jedoch altersbedingt berechtigte Hoffnung, dass es sich legt.

Was schlimm ist III

Dass dumme Meinungen keineswegs allein von fundamentalistischen Christen geäußert werden, zeigte sich in den letzten Wochen, als sich viele Konfessionslose aus falsch verstandener Religionskritik mit Thilo Sarrazin solidarisierten. Ein weiteres unschönes Beispiel präsentiert kath.net heute: Bernard-Henri Levy, nach eigenen Aussagen Atheist und Linker, hat eine Meinung zur katholischen Kirche:

Der katholische Glaube ist die in Europa am wenigsten tolerierte Religion. Das sagt der bekannte Intellektuelle Bernard-Henri Lévy in einem Interview mit der spanischen Zeitung „ABC“. […]
Natürlich gebe es ein Recht, Religionen zu kritisieren, sagte Lévy. Es gebe aber, gerade bei Intellektuellen, bedenkliche Ungleichgewichte. Lévy wörtlich: „Muslime werden in der intellektuellen Welt verteidigt, Katholiken viel weniger.“

Und das ist so ziemlich der größte Unfug, den man von sich geben kann. Muslime werden als dumm und für das jeweilige Land hinderlich betrachtet, ihr Glaube gilt gemeinhin als der Grund dafür. Und da wäre ja auch noch der gute alte Antisemitismus, der nicht nur in der ostdeutschen Provinz, sondern auch in der sonstigen gesellschaftlichen „Mitte“ blüht und objektiv betrachtet wohl immer noch ein bisschen schlimmer sein dürfte als der „Hass“ auf Katholiken.

Was die kath.net-User freilich nicht von der Zustimmung mit Levy abhält. „Dismas“ weiß:

Der HERR hat uns dies vorhergeesagt!!
Ich so einer verlogenen Welt gilt dieser Umstand auch als „Beweis“ für den einzig wahren Glauben. Die Mächte der Finsternis wüten am meisten gegen die göttliche Wahrheit!

„Herbert Klupp“ bzw. Herbert Klupp meint:

Rebellion als Haßmotiv
Bernard-Henri Lévy hat recht, soooo recht !
Für mich steckt dahinter auch (!) eine unreife seelische Verfassung der „modernen Menschen“. Sie hacken auf der Kirche herum – und meinen Gott und seine unumstößliche Wahrheit. Diese unmäßige Kirchenkritik wird also auch (!) befeuert von der Rebellion des „modernen Menschen“ gegen „den da oben“.

„st.michael“ schreibt auch immer dasselbe: Zeitgeist, Zeitgeist, Zeitgeist:

Wie wahr, sehr richtig erkannt………
Mit einigen, kurzen, Ausnahmen geht das der Katholischen Kirche seit ihrer Gründung am Kreuz so.
Sie wird von außen verfolgt und was viel schlimmer ist auch von innen.
Levy ist klug wenn er das erkennt, er stellt sich damit über viele sog.“Intelektuelle“, die nur schwafeln, aber ansonsten meist „Zeitgeistiges“ von sich geben.
Ein Grund mehr sich dieser Religion voll und ganz hinzugeben denn soviele FEINDE über die Jahrteusende KÖNNEN NICHT IRREN !!!
Nur die Wahrheit (hl.Geist) wird derartig bekämpft, der Zeitgeist widerlegt sich immer selbst.

Und „Marcus“ demonstriert den Wahrheitsanspruch:

[…] Freilich ist der Atheismus als solcher ein Unsinn, aber fairerweise muß man zugestehen, daß manche aus dessen Reihen doch redliche Denker sein können.

Was kath.net nicht schreibt I

Klar: Kath.net könnte argumentieren, dass es sich um einen Moslem handle, und das passe ja nicht zu kath.net, weil man eben um katholische Nachrichten bemüht ist. Andererseits ist man sich nicht zu schade dafür, in mittlerweile fast bester ‚politically incorrect‘-Manier alle (offenbar) schlechten Taten von Muslimen aufzulisten und sich selbst als verfolgte Minderheit in Pakisten, Ägypten und Wanne-Eickel zu stilisieren.
Es geht um Folgendes:

Bei Verkehrsunfällen verletzte Opfer können nicht nur Schadensersatz geltend machen. Sie dürfen auch Kosten für die Haushaltsführung in Rechnung stellen, sofern sie auf Hilfe angewiesen sind. Einem Gütersloher Rentner wurde der Ausgleich von einer Kölner Versicherung mit einem bislang wohl einzigartigen Argument verweigert: Er erhalte keinen Cent, schreibt die Versicherung, da er als Muslim prinzipiell keine Hausarbeit verrichte.

Der heute 79-Jährige war am 26. April mit seinem Fahrrad in Gütersloh unterwegs, als er von einem abbiegenden Pkw erfasst wurde. Der Rentner stürzte und zog sich schwere Kopfverletzungen zu. Die Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma und Hirnprellung. Einen Monat lang lag er im Koma, halbseitige Lähmungserscheinungen und andere Beeinträchtigungen erforderten eine langwierige Rehabilitation. Noch heute hat M. physisch und psychisch unter den Folgen des schweren Unfalls zu leiden.

Martin Rother, Fachanwalt für Versicherungsrecht, hat für seinen Mandanten bei der Versicherung des Autofahrers 160.000 Euro gefordert. Rund 100.000 Euro wurden gezahlt, als Schadensersatz und Schmerzensgeld. Der Großteil der restlichen Summe fällt auf den sogenannten Haushaltsführungsschaden. Denn M. konnte lange Zeit die anfallenden Arbeiten Haus und Garten nicht mehr verrichten.

Den zu begleichen lehnt die Gothaer Versicherung in einem Schreiben kategorisch ab. Die Sachbearbeiterin S. hatte sich zuvor offenbar ausführlich mit dem Koran beschäftigt, zitiert in einem Schreiben unter anderem die Sure 4,34.

Aus der Lektüre von Fachliteratur schließt sie, dass M. aufgrund seiner Glaubensrichtung niemals Haushaltstätigkeiten verrichten würde. Denn im Islam sei die Frau grundsätzlich dem Mann unterlegen. „Die traditionelle Ehe wird in der Regel nicht als Paarbeziehung verstanden; sie dient der Gemeinschaft. Es kann also nicht vom Vorbild der deutschen Ehe ausgegangen werden, wo sich die Eheleute den Haushalt teilen…Nach dem patriarchalen und traditionellen Mannesbild in der muslimischen Ehe führt der Ehemann nicht den Haushalt.“

Dass das Ehepaar M. genau nach diesem Muster lebt, meint die Sachbearbeiterin S. aus der Tatsache zu schließen, dass der bereits 1959 aus Algerien nach Deutschland eingewanderte M. 1976 im Alter von 45 Jahren „seine wesentlich jüngere Ehefrau“ (26) heiratete, bei der S. zudem eine „fehlende Sprachkompetenz“ konstatiert.

Tatsächlich ist die Frau laut Rother nicht nur der deutschen Sprache mächtig, sie ist zudem berufstätig, weshalb ein Großteil der Arbeiten in Haus und Garten von ihrem Ehemann erledigt wurden.

kath.net – kath.peinlich?

Es ist Zeit für eine neue Kampagne auf kath.net. Der Papst ist wohlbehalten aus Großbritannien wiedergekommen, zur Loveparade wird man erst in einem Jahr („zur Erinnerung“) etwas schreiben können und Bundes-Thilo kommt mittlerweile auch nicht mehr in jeder Talkshow zu Wort.
Wie wäre es da mit dem Bobbele? Boris Becker nämlich darf in Kürze den Papst besuchen und verriet deutschen Medien vor einigen Tagen, dass er mit Benedikt gerne über Verhütung reden würde. Vorhang auf für einen differenzierten Artikel von kath.net!

Der deutsche Ex-Tennisprofi Boris Becker bekommt Ende Oktober in Rom beim Papst eine kurze Privataudienz und möchte mit dem Papst am liebsten über Missbrauch und Verhütung sprechen. „Wenn der Heilige Vater Zeit hat, würde ich mit ihm gern die Themen Missbrauch und Verhütung diskutieren“, sagte der 42-Jährige gegenüber der „Bunten“. Bei dem Termin sind auch seine Frau Lilly und sein Sohn Amadeus dabei. Dieser heißt mit dem zweitem Namen übrigens Benedict. Boris Becker hat aus seiner ersten Ehe bereits zwei Kinder, außerdem hat noch eine Tochter aus einer außerehelichen Affäre.

Sehr seltsam: Erst wird massiv für die „Meinungsfreiheit“ Sarrazins geworben, nun äußert Boris Becker sich vorsichtig, schon betont man dessen vermeintlich gotteslästerliches Leben („aus seiner ersten Ehe“, „aus einer außerehelichen Affäre“).
Am schönsten ist aber die Überschrift: „Boris Becker – Boris Peinlich?“
Nein, keine Fragen mehr.