Der verfolgte Papst

Den Papst zieht es bald nach Großbritannien. Die kath.net-Leser haben Angst / Angst.
Die Kirche steht in der Kritik. Den kath.net-Lesern gefällt das nicht.

Kath.net selbst kommt die immer mal wieder vorscheinende mediale Kritik hingegen sehr gelegen, und auch wenn es Herrn Noé das ein oder andere Mal vor Wut zerreißen mag, so weiß er doch: Jedes Wort, das in den größeren Zeitungen gegen Benedikt oder katholische Priester geschrieben wird, kommt ihm gerade recht. Um weitere Angst zu schüren. Um die „linken Medien“ zu kritisieren, die „gottlose Gesellschaft“.

So wird dann heute auch ein Buch zweier italienischer Journalisten (es handelt sich weniger um unabhängige Schreiber, sondern um „Vatikan-Berichterstatter“) vorgestellt. Die Beiden wollen die Gründe für Kritik an Papst und Kirche gefunden haben:

Papst Benedikt XVI. ist nach Ansicht der italienischen Journalisten Andrea Tornielli und Paolo Rodari systematischen Attacken der internationalen Medien ausgesetzt. Es bestünden „negative Vorurteile“ gegenüber allem, was der Papst tue oder sage; seine Botschaft und seine Initiativen würden dadurch an den Rand gedrängt, schreiben die Vatikanisten in ihrem am Mittwoch in Italien erschienenen Buch „Attacco a Ratzinger“ (Angriff auf Ratzinger). Ein Komplott oder eine einheitliche Regie stehe nicht dahinter, meinen die Autoren, auch wenn es durchaus gemeinsame Interessen von Gruppen oder Strömungen gebe, die den Papst diskreditieren und die moralische Autorität der Kirche schwächen wollten.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass jegliche Kritik an päpstlichen Äußerungen als von „negative[n] Vorturteilen“ getrieben angesehen wird. Und auch insofern, als dass die „Zuerkennung des heroischen Tugendgrades für Pius XII.“ in einem kausalen Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal diesen Jahres stehen soll.
Fragen wir Wikipedia einmal, wie es 2010 zu der „medialen Hetze“ kam:

Nachdem der Rektor des Canisius-Kollegs Berlin, der Jesuit Klaus Mertes, wegen mehrerer ihm bekannt gewordener Missbrauchsfälle aus den 1970er und 1980er Jahren einen Brief an die Absolventen der betroffenen Jahrgänge gerichtet hatte, um damit „beizutragen, dass das Schweigen gebrochen wird“, wurde dieser Brief am 28. Januar 2010 über die Medien der Öffentlichkeit bekannt. Aufgrund des mit dem Brief verbundenen Aufrufs, sich zu melden, wurden kurz darauf auch Fälle an den ebenfalls von den Jesuiten geleiteten Gymnasien Kolleg St. Blasien im Schwarzwald und Aloisiuskolleg in Bonn bekannt. Am 18. Februar 2010 stellte die Anwältin Ursula Raue, die seit 2005 Beauftragte des Jesuitenordens für sexuellen Missbrauch ist, einen Zwischenbericht vor. Demnach wurden ihr 115 bis 120 sexuelle Übergriffe gegen Schüler gemeldet.

Usw.
Aber bequemer ist es natürlich, vermeintlich linke Medien zu kritisieren, als zu hinterfragen, ob es in der katholischen Kirche gewisse Mechanismen geben könnte, welche die Vertuschung von Missbrauchsfällen begünstigen könnten.
Dass Kritik nach „wichtigen vatikanischen Entscheidungen“ laut wird, könnte zudem daran liegen, dass diese „wichtigen vatikanischen Entscheidungen“ – Verzeihung – ab und an ziemlicher Käse sind?


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