Gandalf und die Hobbits

Um das System „kath.net“ zu begreifen, muss man, neben den täglichen Kommentarschreibern, auch die Administratoren und Moderatoren näher betrachten. Zumindest Admins haben in der Regel die Möglichkeit, Kommentare zu zensieren oder zu löschen, was sowohl bei kath.net, als auch im dazugehörigen Forum Sinn machen würde. Im Regelfall werden allerdings keine volksverhetzenden Kommentare gelöscht (bzw. überhaupt erst zugelassen), sondern nur allzu „liberale“.

Das umtriebigste Teammitglied ist wohl „Gandalf“, bei dem es sich nach einiger Detektivarbeit wohl um den (Mit)Gründer Roland Noé handeln dürfte.
Ein gutes Beispiel für dessen teilweise sehr engstirnige, kühle und verletzende Art bietet sich von Zeit zu Zeit in der Kommentarspalte, und heute fällt es besonders auf:
In einem Bericht nämlich wird das Bistum Trier zitiert, das mit der Embryo-Verschickungsaktion von Kuby und Konsorten nicht ganz einverstanden und mehr am Dialog mit Frauen, die abtreiben möchten, interessiert ist.

User_in „tweety“ meldet sich dann auch zu Wort und schreibt, in der Absicht, auf Gefahren der Aktion aufmerksam zu machen:

Beispiel
eine gute Freundin die in der 22. Schwangerschaftswoche ihr Baby verloren hat hatte unlängst so einen Plastikembryo bei der Post.

Sogleich schaltet sich „Gandalf“ ein:

@tweety
Ja und? Wo ist das Problem? Hat hier jemand Angst vor der Wirklichkeit? Ich kenne mehrere Leute aus Freunden und Familienkreisen, die schon Kinder verloren haben. Das kommt häufiger vor als man denkt und niemand hat Angst von einer Abbildung eines ungeborenen Kindes.

Wenn nur 1 ungeborenes Kind durch diese Aktion gerettet wird, dann lohnt sich diese Aktion und ich bin sicher, dass direkt oder indirekt mehrere Kinder dadurch gerettet werden. Das nennt man Bewusstseinsbildung, im Prinzip auch Biologiennachhilfeunterricht für Leute, die entweder verdrängen, dass bereits ein vollwertiger Mensch im Mutterleib ist oder es einfach wirklich nicht wissen.

Menschen helfen ist gut und wichtig, klar ist aber, dass die Kirche mehr verlangt und diese sehr schwache Stellungnahme eines Bistumssprecher nicht im Einklang mit der Enzyklika Evangelium vitae zu bringen ist, u.a im Kapitel 58:

58. Unter allen Verbrechen, die der Mensch gegen das Leben begehen kann, weist die Vornahme der Abtreibung Merkmale auf, die sie besonders schwerwiegend und verwerflich machen. Das II. Vatikanische Konzil bezeichnet sie und die Tötung des Kindes als »verabscheuungswürdiges Verbrechen«.

Doch heute hat sich im Gewissen vieler die Wahrnehmung der Schwere des Vergehens nach und nach verdunkelt. Die Billigung der Abtreibung in Gesinnung, Gewohnheit und selbst im Gesetz ist ein beredtes Zeichen für eine sehr gefährliche Krise des sittlichen Bewußtseins, das immer weniger imstande ist, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, selbst dann, wenn das Grundrecht auf Leben auf dem Spiel steht.

Angesichts einer so ernsten Situation bedarf es mehr denn je des Mutes, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen und die Dinge beim Namen zu nennen, ohne bequemen Kompromissen oder der Versuchung zur Selbsttäuschung nachzugeben.

In diesem Zusammenhang klingt der Tadel des Propheten kategorisch: »Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen« (Jes 5, 20).

Es ist schon bemerkenswert, wie unsensibel der Admin eines größeren christlichen Portals auf persönliche Einwände reagiert. Und dass er, statt zu argumentieren, Bibelstellen vorlegt. Zudem ist eben durchaus fragwürdig, ob es bereits ein „vollwertiger Mensch“ ist, der bei einer Abtreibung getötet wird.
„tweety“ antwortet dann auch:

@gandalf
ich weis ja nicht ob du schonmal als Frau ein Kind verloren hast…aber das war einfach ein totaler Schock für sie.

„Gandalf“ überfliegt diese Zeilen offenbar, kann dann seinen ehrlichen Zorn aber nicht verbergen:

@tweety
Warum erzählst Du das mir und was hat das mit dem Thema zu tun? Erzähl doch das den ungeborenen Kindern, die heute in Deutschland jede Woche tausendfach ermordet werden.

Und spätestens hier wird das Eis unter Noé aka „Gandalf“ sehr brüchig. Wenn schon die Aussage, „vollwertige Mensch[en]“ würden abgetrieben, höchst fragwürdig ist, so impliziert die Aussage „Erzähl das doch…“ einerseits sein völliges Desinteresse an persönlichen Schicksalen, andererseits versucht er erneut, Embryonen zu ausgewachsenen Menschen zu machen. Völlig ausgeblendet wird von fundamentalistischen Abtreibungsgegnern, dass die Embryonen eben keine „richtigen“ Kinder sind, sie können z.B. keinen Schmerz empfinden.
Eine kurze Übersicht über fehlerhafte und bewusst irreführende Argumente christlicher „Lebensschützer“ findet sich hier.

Ein letztes Mal lenkt „tweety“ sodann beschwichtigend ein:

@gandalf
das weis ich doch….
und sei dir sicher dass meine Gebete bei jedem der Kinder sind.

Ich bin nur nicht sehr überzeugt von so einer Aktion.
Wärs nicht ev. sinnvoller kleine Kerzen oder dergleichen zu verschicken die man anzünden kann?

Doch Noé schwettert auch diese Worte ab:

@tweety
Nein, wäre nicht sinnvoller, weil es hier um das geht, was los ist… dh. die ganze Gesellschaft soll ruhig wissen, wer bei einer Abtreibung umgebracht wird, jemand, der Hände und Füße hat. Hier geht es nicht um Kerzen und ähnliches, hier geht es um einen Menschen und es gibt schon genügend Leute, die diese Wahrheiten verdrängen möchte, das allergrößte Interesse daran hat der Teufel selbst.

Hier irrt „Gandalf“: Selbstverständlich hat allein Sauron das Interesse, die „Wahrheiten“ zu „verdrängen“.


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