Laun ohne Limits I

Wir schreiben den 6.8., mithin also ziemlich genau den 13. Tag seit der Katastrophe auf der Loveparade. Die Bildzeitung wirbt, statt mit den Fotos der 21 Toten, mittlerweile mit „Heisse Tipps: Andere Länder, andere Sex-Sitten“, selbst Spiegel Online hat die Berichterstattung dazu mehr oder weniger eingestellt.
Grund genug für das einzig wahre Presseorgan dieser Tage, kath.net, schon wieder zu diesem Thema nachzulegen und Bischof Andreas Laun erneut das Wort zu erteilen, um seinen erhellenden KLARTEXT mit der ganzen Welt zu teilen.

Auch steht es keinem Menschen zu, über die Toten zu urteilen und darüber hinaus zu behaupten, ihr Tod sei eine – natürlich gerechte – „Strafe Gottes“ für die Sündigkeit der Love-Parade, in deren Verlauf das Unglück geschah!
Übrigens, wer Sünde und Gottesstrafe meint so direkt zuordnen zu können, sollte sich wundern über seine eigene Gesundheit und vielleicht sogar darüber, dass er selbst noch am Leben ist – und zufrieden sein, dass Gott allein der Richter ist, kein Mensch! Nein, das alles steht außer Zweifel und darf auch nicht abgeschwächt werden.
Und doch, das Ereignis und die Diskussion über es geben Anlass weiterzudenken! Das Mitleid mit den Opfern ist eine Sache, eine andere die Feststellung: „Love – Parade“ und Teilnahme an ihnen sind, abgesehen von ihrem abstoßenden Erscheinungsbild, objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes, sind Sünde und Einladung zur Sünde!

Ok, die „Love – Parade“ ist also, „abgesehen von ihrem abstoßenden Erscheinungsbild, objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes, sind Sünde und Einladung zur Sünde!“
Schön, wenn das objektiv betrachtet so ist, wird Herr Laun es doch sicherlich nicht bei dieser doch eher subjektiven Meinung belassen und Fakten schaffen. Oder?

Sie dürfen nicht schöngeredet werden als „harmloses Feiern“ netter junger Menschen! Dazu kommt: So falsch die konkrete, moralische Verurteilung der Toten ist und bleibt, wäre es doch auch höchste Zeit zu fragen, warum viele Menschen heute auf den Begriff „Strafe“ wie von der Tarantel gebissen reagieren!
Natürlich, sie finden Strafe gut und fordern sie, wenn derjenige bestraft wird, der sie selbst geschädigt hat oder etwas tut, was sie verurteilen! Aber sie sind empört bei dem Gedanken, sie selbst verdienten Strafe, und erst recht: Gott könnte sie strafen!
Was aber die Loveparade betrifft und den Gedanken, das Unglück mit „Strafe Gottes“ in Verbindung zu bringen, empfindet man als empörend, weil und wenn man denkt: „Sünde? Wer? Wir doch nicht, wir amüsieren uns, wie wir wollen! Gott soll sich unterstehen, einen solchen Gott gibt es nicht!“
Mit anderen Worten: Man weigert sich anzuerkennen, dass die Loveparade, abgesehen von ihrem krankhaften Erscheinungsbild, auch mit Sünde zu tun haben könnte und darum, folgerichtig, auch mit dem richtenden und strafenden Gott!

Schade, doch kein objektiver Beleg. Stattdessen wird ein strafender Bibelgott mit vermeintlicher Sünde durcheinander geworfen. Und das funktioniert nicht, was u.a. daran liegt, dass Laun nicht näher darauf eingeht, wieso die Loveparade eine sündhafte Veranstaltung gewesen sein soll.
Nehmen wir also nur einmal an, dass Drogenkonsum, Technomusik und etwas nackte Haut für den Begriff der ominösen „Sünde“ hinreichende Indizien sind, so verrät dieses Gottesbild vermutlich doch mehr über Launs eigene Weltfremdheit und Intoleranz, als über einen biblischen Gott.

Der Richter verhängt Strafen nicht, um „Rache“ zu üben, sondern damit der Täter nach Verbüßung der Strafe in die Gesellschaft zurückkehren kann. Und die Hölle? Sie ist nicht „Strafe“ im genannten Sinn, sondern ein endgültiges Sich – selbst – Ausschließen des Geschöpfes!

Der Richter, in diesem Fall also wohl Gott, verhängt demnach keine Strafen aus Rache, sondern zur Buße. Das dürfe momentan allerdings weder die 21 Toten, noch die unzähligen Verletzten, noch die Angehörigen der Opfer beeindrucken oder gar interessieren. Allein der Umstand, dass sich Laun von dem anfänglichen „Niemandem steht ein Urteil zu, ob Gott gestraft hat“-Gerede zu einer Diskussion über himmlische Strafen hinreissen lässt – mit dem wie selbstverständlichen Schluss, dass Gott straft – deutet darauf hin, dass er eindeutig auf Eva Hermans braunen Bahnen mitschwimmt und alles bloß ein wenig scheinheilig tarnen möchte.
Wieso dann aber Menschen, die objektiv (und hier nicht das Launsche „objektiv“) schlimmere Taten vollbringen als Raver, nicht totgetrampelt werden? Gottes Plan. Das weiß nur der liebe Laun.


1 Antwort auf „Laun ohne Limits I“


  1. 1 Laun ohne Limits II « Episodenfisch Pingback am 08. August 2010 um 16:49 Uhr

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