Andreas Strg+C Laun

Man konnte Andreas Laun bislang, bei allen sachlichen Differenzen, selten mangelnde Kreativität vorwerfen. Die immergleichen Hasstiraden gegen Homosexuelle oder Migranten mit falscher Religion waren in formvollendete Märchen verpackt, seine Beiträge gegen Abtreibung bestanden bisweilen aus leicht veränderten Nazi-Pamphleten.

Doch jetzt bröckelt die Fassade des konservativen Saubermanns: Plagiiert der Salzburger Weihbischof, um sein strammes Pensum erfüllen und die kath.net-Leser Woche für Woche mit gleischsam tiefsinnigen wie scheinheiligen Klartexten nerven versorgen zu können? Ist der Mann, dem auf Fotos schon mal ein Heiligenschein aus dem Kopf wächst, ein Hochstapler? Ein ungeheuerlicher Verdacht.

Launs aktuellster Erguss über „Homosexuelle, eine Gehirnwäsche und die Frage nach der Diskriminierung“, vor einigen Tagen übrigens bereits auf Andreas Unterbergers berühmt-berüchtigtem Blog erschienen, wirkt wie eine Zusammenstellung seiner schönsten Tiraden gegen Schwule und Lesben: „Die Medien“ wollen „uns gute Katholiken“ umerziehen, „die Presse“ bombadiert „uns“ mit dem Thema Homosexualität. Die eigene Fixierung (und Faszination) wird dabei natürlich nicht reflektiert. Stattdessen poltert Laun in altbewährter Manier: Pädophilie und Homosexualität seien eng miteinander verbunden, beschwört Laun da beispielsweise unter Berufung auf freilich ungenannt bleibende „viele Psychologen und Psychiater“. Er erinnert daran, dass Homosexuelle eigentlich gar nicht an einer Heirat interessiert seien. Als Beleg dient ihm dabei ein anonymer Franzose, der offenbar für alle sprechen kann.

Tatsächlich wirkt dieser Klartext nicht nur wie ein Launsches Best of, es ist auch eines. Andreas Laun schreibt von sich selbst ab.

Am 2. April 2013 schrieb Laun auf kath.net:

Homosexuelle Menschen sind eine Minderheit, aber natürlich haben sie im öffentlichen Leben alle Rechte, die ihnen wie jedem anderen Menschen zustehen. Soweit so gut!

Heute schreibt er:

Menschen mit homosexuellen Neigungen sind eine Minderheit. In einem Rechtsstaat haben sie natürlich alle Rechte, die auch jedem anderen Menschen zustehen. Soweit so gut.

Am 2. April 2013 schrieb Laun:

Aber jetzt werden wir Zeugen und Opfer einer Dauer-Gehirnwäsche, an deren Ende stehen soll: Wir müssen „überzeugt“ sein, dass Menschen mit homosexuellen Neigungen diskriminiert werden, und wir Andere sind schuld daran! Ja, sollten wir Heterosexuellen denken, die Neigung sei nicht der Natur entsprechend, sind wir eigentlich geisteskrank und, mehr noch, moralisch schlechte Menschen. Wir sollten uns entweder unterwerfen, oder eine Therapie über uns ergehen lassen oder bestraft werden, je nachdem.

Heute schreibt er:

Aber jetzt werden wir Zeugen und Opfer einer Dauer-Gehirnwäsche für nicht-homosexuelle Menschen, an deren Ende stehen soll: Sie, wir alle, müssten „überzeugt“ sein, dass Menschen mit homosexuellen Neigungen ständig diskriminiert werden und dass wir anderen die Täter sind.

Sollten wir Heterosexuellen auch nur denken, die homosexuelle Neigung sei nicht der Natur entsprechend, machten wir uns bereits der Diskriminierung Homosexueller schuldig, dann sind wir unmoralisch oder geisteskrank. Wir sollten uns entweder dem, was „man im 21. Jahrhundert politisch korrekt zu denken hat“, unterwerfen, eine Therapie über uns ergehen lassen oder bestraft werden, je nachdem.

Am 2. April schrieb Laun:

In den letzten Monaten verging wohl kein Tag, an dem nicht in einem der deutschsprachigen Sender über Adoption durch Homosexuelle „diskutiert“ wurde.

„Diskutiert“? Nein, es waren und sind Propagandaveranstaltungen, Schaukämpfe, bei denen auf Grund einer geschickten Regie die „Sieger“ von vornherein feststehen wie bei einem Stierkampf! Die Gehirne der Zuschauer sollen „gewaschen“ werden: Zuerst gereinigt von ihren „Vorurteilen“, dann neu gefüllt mit der Ideologie, die die homosexuelle Neigung als „normal“, „gesund“, „wünschenswert“ dogmatisieren will. Sachliche Argumente dagegen spielen keine Rolle, weil das Ganze ja auch Unterhaltungswert haben soll und wirkliche Bildung und Suche nach Wahrheit nicht gefragt sind!

Heute schreibt er:

In den letzten Monaten verging wohl kein Tag, an dem nicht in einem der anderen deutschsprachigen Sender über Adoption durch Homosexuelle „diskutiert“ wurde. „Diskutiert“? Nein, es waren und sind Propagandaveranstaltungen; Schaukämpfe, bei denen auf Grund einer geschickten Regie die „Sieger“ von vornherein feststehen wie bei einem Stierkampf der Matador. Und dabei werden die Gehirne der Zuschauer „gewaschen“: Zuerst gereinigt von ihren „Vorurteilen“, dann neu gefüllt mit der Überzeugung auf der politisch richtigen Seite zu stehen, wenn sie die homosexuelle Neigung für „normal“, „gesund“ und sogar „wünschenswert“ halten. Sachliche Argumente dagegen spielen keine Rolle, weil das Ganze ja auch Unterhaltungswert haben soll und wirkliche Bildung und Suche nach Wahrheit nicht gefragt sind.

Am 2. April schrieb Laun:

Zwar sagte ein französischer Homosexueller öffentlich, „wir Homosexuelle“ wollen gar keine Kinder und auch keine dauerhafte Treue. Nun, er mag nur eine Stimme sein, aber wahr bleibt: Es geht offenbar um ein ideologisches Prinzip, nicht um sachgerechtes Urteilen. Denn bei der Adoption geht es um das Wohl der Kinder, nicht darum, kinderlosen Paaren eine Freude zu machen.

Heute schreibt er:

Ein französischer Homosexueller meinte: „Wir Homosexuelle wollen gar keine Kinder und auch keine dauerhafte Treue… […]

Sind das Argumente, die überzeugen? Vielleicht einige, aber vermutlich nur wenige. Denn die Ideologie will man durchsetzen, sachgerechtes Urteil ist nicht gefragt. Darum auch der Kampf um die Adoption von Kindern. Als ob nicht für alle klar sein müsste: Bei der Adoption geht es nicht darum, kinderlosen Paaren eine Freude zu machen, sondern um das Wohl der Kinder und ihre gesunde Entwicklung.

Am 2. April schrieb Laun:

Die Verantwortlichen und dann auch die Medien tun so, als sei die genannte Minderheit und ihre Stellung das Hauptproblem der Welt von heute. Und so vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Sender ein Homosexuellen-Thema abhandelt und zugleich vorgibt, „Was man denken sollte“ und kein Tag, indem nicht ein Printmedium mit einer Schlagzeile in der gleichen Richtung zuschlägt.

Heute schreibt er:

Die Verantwortlichen und auch die Medien tun so, als sei die genannte Minderheit und ihre Stellung das Hauptproblem der Welt von heute. Kein Tag, an dem nicht irgendein Sender ein Homosexuellen-Thema abhandelt und zugleich vorgibt, „was man als anständiger Mensch zu denken hat“ und kein Tag, an dem nicht ein Printmedium in dieser Richtung mit einer Schlagzeile „zuschlägt“ – buchstäblich „schlägt“.

Am 2. April schrieb Laun:

Ja, es ist Menschen mit homosexuellen Neigungen in der Geschichte oft auch schweres Unrecht zugefügt worden! Aber das ist längst vorbei, sie können wie alle Bürger in Frieden leben und das soll so sein und bleiben! Aber sie sollen aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie wären benachteiligt und aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion.

Heute schreibt er:

Ja, es ist Menschen mit homosexuellen Neigungen in der Geschichte oft auch schweres Unrecht zugefügt worden. Aber das ist längst vorbei, sie können, zumindest in den meisten Ländern der Welt, wie alle Bürger in Frieden leben – und das soll so sein und bleiben. Aber die Homosexuellen sollten aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie, die Homosexuellen, wären benachteiligt und sie sollten auch aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion.

Am 2. April schrieb Laun:

Unseren lieben homosexuellen Mitbürgern sei gesagt: Man kann Ehe spielen so viel man will, aus der Verbindung zweier Männer oder zweier Frauen wird auch durch langes Spielen keine Ehe, auch nicht durch Umbenennung! Auch wenn man den Mond „Sonne“ nennt, er bleibt Mond und sollte auch so benannt werden. Ihn nicht „Sonne“ zu nennen, ist keine Diskriminierung des Mondes.

Heute schreibt er:

Unseren lieben homosexuellen Mitbürgern sei gesagt: Man kann Ehe spielen so viel man will, aus der Verbindung zweier Männer oder zweier Frauen wird auch durch langes Spielen oder durch Verkleiden keine Ehe, auch nicht durch Umbenennung. Wenn man den Mond „Sonne“ nennt, bleibt er Mond, wird nicht wärmer und nicht heller und sollte weiter Mond und nicht Sonne genannt werden. Eine Diskriminierung des Mondes ist das nicht.

Am 2. April schrieb Laun:

Und bitte: Verlangt vom Staat nicht Leistungen, denen ihr keine Gegenleistung gegenüberstellen könnt. Das ist ja nicht eure Schuld, aber es ist eben so!

Heute schreibt er:

Und bitte: Verlangt vom Staat nicht Leistungen, denen ihr keine Gegenleistung gegenüberstellt. Das ist nicht eure Schuld, aber es ist eben so.

Am 5. Juli 2012 schrieb Laun:

Es gibt Christen, die unter Berufung auf eine unselige Tradition meinen, die „größte Sünde“, also der „worst case“ aller Sünden, bestünde in homosexuellen Akten.

Heute schreibt er:

Unbeschadet davon bleibt wahr, dass homosexuelle Sünden – wieder: Wie alle Sünden – differenziert zu sehen sind und auch nicht pauschal als der „worst case of sin“ zu werten sind.

Ein paar Ausrufezeichen in Punkte umgewandelt, ein Wort pro Absatz verschoben und schon ist ein neuer Klartext fertig. Praktisch, so ein Leben als Weihbischof mit revolutionären Ambitionen. Immerhin: Schöner hätte man das selbstreferentielle Geplauder der Rechtskatholiken kaum illustrieren können.

Expertenmeinungen zu Claudia Lücking-Michel

Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), hatte auf der ZdK-Vollversammlung am Samstag behauptet, Benedikt XVI. habe Priestern die Füße mit angezogenen Socken gewaschen. Das war völliger Unfug, was sie am folgenden Tag auf ihrer Facebookseite auch zähneknirschend einräumte, sie entschuldigte sich und damit wäre die Sache eigentlich auch schon aus der Welt.

Wäre da nicht der traditionelle Hass, der dem ZdK von kath.net und Konsorten seit Jahren gewiss ist und sich auch am Wochenende artikulierte: Von „ZdK-Lügen“ war ausgerechnet auf kath.net die Rede, von „Papst Benedikt als Lachnummer des ZdK“ und Bischöfen, die „über den ZdK-Eklat nicht erfreut [waren,] wie kath.net erfahren konnte“. Während sich kath.net in den Tagen zuvor noch über den (im Übrigen teilweise tatsächlich) unhöflichen Diskussionsstil in sozialen Netzwerken empörte, lud man nun die geneigten Leser dazu ein, sich an Lücking-Michel, das ZdK oder gleich die deutsche Bischofskonferenz zu wenden und die liebevoll genährten Emotionen loszuwerden.

Die schönsten Ausfälle:

Hans Georg K. auf Facebook:

Geben Sie Ihren Job auf! Für solch eine uNTAT GIBT ES KEINE ENTSCHULDIGUNG1

Marco Etc. auf der kath.net-Facebook-Seite:

Naja. Was kurzhaarige, linksverdrehte Frauen mit Doppelnamen halt so von sich geben ;)

Reichelt B. auf der kath.net-Facebook-Seite:

Man soll sich nicht mit dem Teufel unterhalten

Otfried Schubert auf der kath.net-Facebook-Seite:

Die ganze Propaganda dieses ZK ist offensichtlich auf Lüge aufgebaut. Das hat dieses ZK mit anderen ZK´s der Geschichte und der Gegenwart gemeinsam.

„Suarez“ auf kath.net:

Dass Vertreter des ZDK mittlerweile schon zu völlig plumpe Lügen greifen, um den ihnen verhassten emeritierten Papst Benedikt zu verunglimpfen, spricht Bände über das Selbstverständnis dieser Scheinkatholiken. Man kann hier auch von eindeutigen Dekadenzerscheinung unserer Geselschaft sprechen.

Ufo-Forscher Michael Hesemann alias „mhesemann“ (ebd.):

Sofort zuruecktreten!
Statt dankbar zu sein fuer alles, was dieser grosse Papst fuer unsere Kirche getan hat, auch und gerade als Deutscher, gibt diese zweifelhafte, offenbar vom Thema Sex besessene „Dame“ ihn mit einer Luege der Laecherlichkeit preis – und das nicht etwa auf einer Atheistenversammlung oder vor der Homo-Lobby, sondern beim ZdK, von dem auch ich mich wohl langsam deutlich distanzieren muss. Wenn sie etwas Ehre hat und das ZdK vor weiterem Schaden retten moechte, dann soll sie unverzueglich aus allen damit verbundenen Positionen zuruecktreten. Sonst stellt sie uns deutschen Katholiken ein denkbar schlechtes Zeugnis aus! (aus Buenos Aires)

Und kath.net-Leser „Don Quichotte“ hält sich gleich gar nicht erst mit Kritik oder Alien-Jagd auf, sondern hat ganz andere Träume:

Wollen wir wirklich mit solchen Typen ….
einst die ewige Glückseligkeit im Himmel teilen ?

Wie die Jünger des Herren, bin ich versucht, solche Typen zu verwünschen:

„Herr, laß doch Feuer vom Himmel fallen … um sie zu vernichten!“ (Lk 9,51-62)

Expertenmeinung zur kommenden Diktatur

kath.net-Leser „Scotus“ liest von einem nassgemachten Erzbischof und hat eine böse Vorahnung:

Weiters glaube ich, dass künftige Tyrannen weder das Hakenkreuz noch Hammer und Sichel als Symbole verwenden werden. Die kommende Diktatur steht unter dem Symbol der Regenbogenfahne.
(rot, orange, gelb, grün, blau, violett)

She predicted a riot

Gabriele Kuby schrieb im Januar diesen Jahres anlässlich einer Großdemonstration gegen die Homo-Ehe in Frankreich, würde Präsident Hollande weiterhin die Proteste ignorieren, „dann schürt er Wut – berechtigte Wut, die sich früher oder später Bahn brechen wird.“

Das klang schon damals als Androhung von Gewalt und fand spätestens gestern Bestätigung: Nachdem es schon in den vorangegangenen Tagen immer wieder zu Scharmützeln konservativer bis rechtsradikaler Gegner der Homo-Ehe gekommen war, lieferten sich die aufrechten Lebensschützer am Dienstag eine Straßenschlacht mit der Polizei. Zuvor hatten u. a. Abgeordnete der konservativen UMP im Parlament Sozialisten handgreiflich attackiert, schon im März taten die Homophoben das, wofür sie Linke gerne schelten: Sie bewarfen die Polizei mit Gegenständen.

Dass kath.net darüber im Zweifel nie berichten und sich stattdessen über die mindestens hauchdünne Mehrheit pro Homo-Ehe im französischen Parlament (331 zu 225 Stimmen) beklagen wird, versteht sich dabei von selbst.

Lesetipp

Aus der Schweizer Ausgabe der ZEIT: Ein schöner Bericht über Reto Nay, den Chef von Gloria.tv, Autor von kreuz.net und zeitweiligen kath.net-Mitarbeiter. Zur Feier des Tages hat kath.net-Chef Roland Noé sämtliche auf kath.net erschienenen Beiträge von Nay gelöscht, ebenso den entsprechenden Kathpedia-Artikel.

-> Zeit.de: Sie nennen ihn Don Reto