Die Überschriften von kath.net sind seit jeher spektakulär: Kaum ein anderer Teil der Seite bietet einen derart tiefen Einblick in die Seele rechter Katholiken, auf die Verachtung, die Wut und das dort vorherrschende fehlende Verständnis für die moderne Zeit. Möchte kath.net zum Beispiel gegen einen vermeintlich allzu liberalen BDKJ-Vorsitzenden anschreiben, titelt man: Dirk ‚Luther‘ Tänzler. Ärgert man sich wieder einmal über diese nervigen Homosexuellen, die doch tatsächlich gleiche Rechte einfordern, setzt man die Homo-‘Ehe‘ in ‚unsinnige‘ Anführungszeichen. Und fühlt sich die bekannte Kunstkritikinstitution kath.net von Gemälden oder Skulpturen provoziert, stellt man den Wert der Werke mit der flotten Überschrift von einer ‚Kunst‘-Aufregung in Frage.
Gestern widmete kath.net dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert ein besonders schönes einleitendes Wortspiel: NORBERT JAMMERT!, mit eingeschlafenem Capslock und einem Ausrufezeichen, das wohl reklamieren soll: Schaut her, wir können es noch! Denn in der Tat gab es auch auf kath.net schon einmal bessere Zeiten für, nennen wir es: kreative Überschriften. Genau genommen waren gerade die Monate vor und nach Barack Obamas Wahl zum President of the United States eine wahre Glanzzeit für geradezu anarchische Versuche, die eigenen Grenzen auszuloten.
kath.net schien auch in den letzten Monaten immer wieder mit der Sprachbarriere zu hadern: Nur allzu gern hätte man in den Vorwahlkampf eingegriffen und die heißgeliebte Tea Party ebenso unterstützt wie den fundamentalistischen Katholiken Rick Santorum. 2008 machte man noch Ernst und schrieb wie besessen gegen den demokratischen Bewerber Barack Obama an, besonders die Überschriften müssen noch heute als vorbildlich betrachtet werden.
Im Juli 2008 etwa titelte kath.net: Obama wird der ‚Abtreibungs-Präsident‘. Einige Monate später konkretisierte man und schrieb von einer ‚Anti-Life‘-Politik, die nach einem Wahlsieg Obamas zu erwarten sei. Nur einen Tag und offenbar einige Verzweiflung später fragte man (natürlich völlig ergebnisoffen und ohne böse Hintergedanken): Barack Obama Wegbereiter des Antichristen?
Seinen Wahlsieg konnte kath.net nicht verhindern, der Ton wurde nach dem 4. November allerdings nicht weniger rau. Nicht einmal eine Woche nach dem denkwürdigen Triumph über McCain und Palin war man sich sicher: Obama steht auf der extremsten Seite der ‚Kultur des Todes‘. Gene Robinson, der die Amtseinführung Obamas mit einem Gottesdienst begleitete, wurde wegen seiner sexuellen Orientierung in der Überschrift als Obamas Homo-Bischof abqualifiziert. Und überhaupt sei Barack Obama Präsident nur der Geborenen, der das Massaker an den Unschuldigen in der Welt nicht stoppen könne.
So richtig abgefunden mit Obama hatte man sich auch im weiteren Verlauf des Jahres 2009 noch nicht, aber die böswilligen Überschriften wurden immer weniger. Im Juni wurde ein Erguss Gabriele Kubys mit Obama – der Homo-Aktivist eingeleitet, was vermutlich eine Beleidigung darstellen sollte. Im nächsten Monat setzte sich Barack Obama kath.net zufolge nicht nur für die „Zerstörung“ von Embryos ein, das hätte die Leser vermutlich noch nicht ausreichend emotionalisiert. Stattdessen titelte man: Wenn Obama Embryo-Kinder zu Forschungszwecken zerstören lässt.
Als Barack Obama einen Ethikrat auflösen ließ, konnte kath.net sich zwei nicht ganz fair gesetzte Klammern nicht verkneifen: Obama macht Schluss mit Ethik(rat).
Um sehr schlechte Wortspiele ist kath.net, das ist allerspätestens seit NORBERT JAMMERT! bekannt, nicht verlegen, und auch das deutete sich bereits 2010 an. Als sich Barack Obama nämlich im Herbst an homosexuelle Jugendliche wandte und ihnen Mut zusprach – es war gerade eine Welle von Selbstmorden nach massiver Diskriminierung bekannt worden – hinterfragte kath.net nicht die christliche Homophobie, die dazu mutmaßlich beigetragen hatte. Stattdessen überschrieb man den dazugehörigen Artikel schlicht mit Hom-O-bama.
Zwei Tage später setzte man zu Hom-O-bama – Teil 2 an – im Weißen Haus säßen nun schließlich, Skandal!, so viele Homosexuelle wie noch nie zuvor.
Anfang 2011 titelte kath.net sich erneut um Kopf und Kragen: Dass Obama Ehen von Homosexuellen auf die gleiche Stufe wie die von Heterosexuellen setzen wolle, interpretierte man gewohnt eigensinnig: Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau – Obama ist dagegen. Ein weiteres Schmankerl folgte im Januar 2012. Die zustimmende Haltung des Präsidenten zu Abtreibungen sei nicht weniger als ein Krieg gegen die ungeborenen Kinder.
Falls kath.net die Kalauer ausgegangen sein sollten und sie noch Munition für die kommenden Monate benötigen; wie wäre es mit Baracken? Obama beleidigt Gotteshäuser? Oder mit O-ha-bama: Ist DAS sein Ernst? Mit O-Diora-bama: Antichristliche ‚Kunst‘ mit dem US-Präsidenten? Mit Alabama oder Futurama? Obama muss sich entscheiden. Mit Hom-O-bama – Teil 3: Jetzt wird es richtig schmutzig? Oder wieso nicht gleich mal wieder einen dämlichen Bericht über die unter US-Rechtsradikalen beliebten Gerüchte, Barack Obama sei Muslim, liefern? So Drama um halale Rama: Ist Obama Salafist?-mäßig?
Gern geschehen, bedient euch.


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